Seit den Anschlägen des 11. September 2001 rückte die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus stark in den Fokus moderner Medien. Martin van Creveld zeigt eine Entwicklung seit Ende des Kalten Krieges zu „low intensity conflicts“ und zu kleinen Kriegen mit nicht-symmetrischer Ausprägung auf. Auch Herfried Münkler spricht von völlig neuen Kriegen, die durch eine asymmetrische Bedrohung gekennzeichnet sind. Die internationale Staatengemeinschaft und somit auch die Bundesrepublik Deutschland sahen sich mit einer neuen Bedrohungslage konfrontiert. „Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“, so fasste der damalige Verteidigungsminister Peter Struck die kurz darauf erlassenen Verteidigungspolitischen Richtlinien zusammen. Die Bundeswehr trägt seither in der Operation Enduring Freedom (OEF) und der International Security Assistence Force (ISAF) eine große Verantwortung und Belastung im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Doch welche rechtlichen und militärischen Probleme resultieren für die modernen demokratischen Staaten und ihre Streitkräfte auf dieser asymmetrischen Bedrohungslage?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung: Eine neue sicherheitspolitische Herausforderung
2 Problemfelder asymmetrischer Konflikte
2.1 Rechtliche Problematiken
2.2 Militärische Problematiken
3 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die rechtlichen und militärischen Herausforderungen zu untersuchen, mit denen demokratische Staaten und ihre Streitkräfte im Kontext der heutigen asymmetrischen Bedrohungslage durch den internationalen Terrorismus konfrontiert sind. Dabei wird analysiert, inwiefern klassische völkerrechtliche Normen und militärische Konzepte in diesen modernen Konfliktformen an ihre Grenzen stoßen.
- Wandel des Kriegsbildes zur Asymmetrie
- Rechtliche Problematiken im Kampf gegen nichtstaatliche Akteure
- Herausforderungen für Streitkräfte in Peacekeeping- und Nationbuilding-Missionen
- Problematik der Kollateralschäden und deren politische Wirkung
- Rolle privater Militärunternehmen in modernen Konflikten
Auszug aus dem Buch
2.2 Militärische Problematiken
Für den Soldaten im Einsatz ist eine asymmetrische Bedrohung konkreter Alltag, doch kann er dieser Bedrohung mittels seines europäisch geprägten Werte- und Normensystems kaum Herr werden. Bei jeder Bedrohungslage wurde ursprünglich ein Vorgehen erwarten, welches dem der eigenen Armee annähernd identisch ist. Der soldatische Ehrenkodex und insbesondere das Soldatengesetz verbieten es gegen geltendes Kriegs- und Völkerrecht zu verstoßen. So sind deutsche Soldaten durch § 8 des Soldatengesetzes an das Grundgesetz gebunden, welches in Artikel 1 die Menschenrechte als unverletzlich, unveräußerlich und als die Grundlage für globalen Frieden und Gerechtigkeit erklärt.
Der deutsche ISAF-Soldat hat im Norden Afghanistans den Auftrag eine Peacekeeping-Mission und Nationbuilding durchzuführen, wie es die afghanische Interimsregierung erbeten hat. Die Auftragsdurchführung erfordert hierbei den Einfluss der Taliban im Land mit der gebotenen Verhältnismäßigkeit der Mittel zurückzudrängen. Die für die Einsatzkräfte entstehende Bedrohungslage beinhaltet sowohl „armed elements“ als auch den terroristisch-fanatischen Selbstmordattentäter.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Eine neue sicherheitspolitische Herausforderung: Das Kapitel führt in die veränderte sicherheitspolitische Lage seit dem 11. September 2001 ein und definiert die zentralen Begriffe Krieg und asymmetrische Konflikte im Kontext des modernen Terrorismus.
2 Problemfelder asymmetrischer Konflikte: Dieser Teil analysiert die Spannungsfelder zwischen völkerrechtlichen Normen und militärischer Realität, wobei insbesondere die rechtliche Einordnung von Terroristen und die praktischen Herausforderungen für Soldaten in Auslandseinsätzen wie OEF und ISAF beleuchtet werden.
2.1 Rechtliche Problematiken: Es wird die Schwierigkeit untersucht, globale terroristische Akteure innerhalb des Rahmens internationaler Rechtsnormen, wie der VN-Charta und der EMRK, zu sanktionieren, ohne rechtsstaatliche Prinzipien zu verletzen.
2.2 Militärische Problematiken: Das Kapitel verdeutlicht die Diskrepanz zwischen dem friedenssichernden Auftrag der Soldaten und der asymmetrischen, heimtückischen Bedrohung durch nichtstaatliche Akteure, was zu taktischen Dilemmata und politischer Belastung führt.
3 Fazit: Die Schlussbetrachtung konstatiert die Unzulänglichkeit bestehender internationaler Rechtsstrukturen für moderne Konflikte und warnt vor den Risiken einer militär-zentrierten Strategie sowie der zunehmenden Entstaatlichung der Kriegsführung.
Schlüsselwörter
Asymmetrische Konflikte, internationaler Terrorismus, Völkerrecht, ISAF, Operation Enduring Freedom, Kriegsbildwandel, Kollateralschäden, Kombattantenstatus, Nationbuilding, zivil-militärische Zusammenarbeit, CIMIC, Private Military Companies, Clausewitz, Entstaatlichung der Kriege.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen, denen sich demokratische Staaten bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus stellen müssen, insbesondere im Hinblick auf die rechtlichen und militärischen Konsequenzen asymmetrischer Konflikte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die Anwendbarkeit des humanitären Völkerrechts, die Problematik der Unterscheidung von Kombattanten und Nichtkombattanten, die Schwierigkeiten beim Nationbuilding sowie die Rolle moderner Spezialkräfte und privater Militärfirmen.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Analyse?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass herkömmliche militärische und rechtliche Instrumente in modernen, asymmetrischen Konflikten an ihre Grenzen stoßen und oft zu unbefriedigenden Ergebnissen führen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, in der aktuelle sicherheitspolitische Konzepte und völkerrechtliche Debatten unter Einbeziehung von Fallbeispielen aus den Einsätzen in Afghanistan (OEF/ISAF) kritisch bewertet werden.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in rechtliche Herausforderungen (z.B. VN-Sanktionen, Genfer Abkommen) und militärische Problematiken, wie etwa das Spannungsfeld zwischen Auftragserfüllung und der Bedrohung durch unkonventionelle Kriegführung.
Welche Schlüsselbegriffe definieren den Kern der Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Asymmetrie, Terrorismus, Rechtssicherheit, Kollateralschäden, Entstaatlichung und der Wandel des klassischen Soldatenbildes.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Völkerrechts im Kampf gegen Terroristen?
Der Autor sieht eine kritische Lücke: Einerseits ist die Ausnutzung rechtlicher Grauzonen durch Staaten problematisch, andererseits entziehen sich terroristische Akteure konsequent den geltenden kriegsrechtlichen Normen.
Warum stellt das Nationbuilding die Soldaten vor besondere Herausforderungen?
Der Auftrag, Vertrauen aufzubauen und Infrastruktur zu sichern, steht im direkten Widerspruch zu einer notwendigen militärischen Abschirmung gegen die ständige Bedrohung durch "armed elements" oder Selbstmordattentäter.
Was ist die Konsequenz der Entstaatlichung von Kriegen laut der Arbeit?
Der Einsatz privater Militärunternehmen entzieht demokratische Regierungen ihrer Verantwortung und Disziplinarkontrolle, was langfristig die demokratische Legitimation militärischer Interventionen untergräbt.
- Quote paper
- Sönke Sönnichsen (Author), 2007, Asymmetrische Kriegsführung - Ein völkerrechtliches und militärisches Problem, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/165352