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Mikrofinanz als Instrument der Entwicklungspolitik am Beispiel Boliviens

Microfinance as a Tool of Development Policy: the Case of Bolivia

Title: Mikrofinanz als Instrument der Entwicklungspolitik am Beispiel Boliviens

Diploma Thesis , 2010 , 94 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Maxim Rabkin (Author)

Economics - Case Scenarios

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Summary Excerpt Details

Der „Washington Konsensus“ prägte mit seinen Standardrezepten eine entwicklungspolitische Ära. Die Ursache seines Scheiterns wird in der Anwendung von „First Best Thinking“-Methoden gesehen, während die Anwendung von „Second Best Thinking“-Methoden adäquat gewesen wäre.
Diese Arbeit untersucht Mikrokredite als ein Instrument, welches sich von den standar-disierten Handlungsmustern unterscheidet und als eine kontextspezifische Lösung im Kampf gegen Armut zu betrachten ist. Instrumente zur Überwindung von Agency-Problemen traditioneller Banken funktionieren für Arme in Entwicklungsländern kaum. Die Erkenntnis der Mikrofinanz ist, dass Arme bankfähig sind, wenn die richtige Kreditvergabetechnologie verwendet wird. Die vorliegende Arbeit prüft die innovativen Konzepte zur Minimierung der Agency-Probleme. Außerdem erforscht sie den Zielkonflikt, der entsteht, wenn auf der einen Seite die Ärmsten erreicht werden, auf der anderen Seite die Mikrofinanzinstitutionen subventionsunabhängig wirtschaften sollen. Anhand der politischen Lage Boliviens sowie den nationalen Mikrofinanzinstituten
BancoSol und Los Andes wird ein Bezug zur Praxis hergestellt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. THEORETISCHER TEIL

2.1 ENTWICKLUNGSÖKONOMISCHES UMDENKEN

2.1.1 ENTWICKLUNGSPOLITIK

2.1.2 WASHINGTON KONSENSUS

2.1.3 PARADIGMENWECHSEL – POST WASHINGTON KONSENSUS

2.1.3.1 Learning from Reform der Weltbank

2.1.3.2 Augmented Washington Konsensus des Internationalen Währungsfonds

2.1.3.3 „Millenium Project“ der Vereinten Nationen

2.1.3.4 „Growth Diagnostic Framework“ nach Hausmann-Rodrik-Velasco

2.2 MARKTVERSAGEN AUF IMPERFEKTEN KREDITMÄRKTEN

2.2.1 FINANZINTERMEDIATION

2.2.2 MARKTVERSAGEN

2.2.2.1 Agency-Theorie

2.2.2.2 Agency-Probleme auf Kreditmärkten

2.2.3 KREDITRISIKOMANAGEEMENT – STANDARDLÖSUNGEN

2.2.3.1 Kreditwürdigkeitsprüfung (Credit Rating)

2.2.3.2 Kreditsicherung

3. MIKROKREDITE

3.1 MIKROFINANZ IN ENTWICKLUNSLÄNDERN

3.1.1 ERLÄUTERUNG

3.1.2 GESCHICHTE

3.1.2.1 Mikrokredite erster Generation

3.1.2.2 Mikrokredite zweiter Generation

3.2 MARKTVERSAGEN AUF DEN KREDITMÄRKTEN ARMER

3.2.1 PRINZIP ABNEHMENDER KAPITALGRENZERTRÄGE

3.2.2 GRÜNDE FÜR DIE KAPITALUNTERVERSORGUNG

3.3 INNOVATIONEN DER MIKROFINANZ - KONZEPTE

3.3.1 GRUPPENKREDITE

3.3.1.1 Gruppen- und Individualhaftung

3.3.1.2 Instrumentalisierung sozialer Bindungen

3.3.1.3 Nachteile von Gruppenhaftungsmodellen

3.3.2 DYNAMISCHE ANREIZSYSTEME – BEWÄHRUNGSKREDITE

3.3.3 UNKONVENTIONELLE SICHERHEITEN

3.3.4 ANGEPASSTE RÜCKZAHLUNGSPLÄNE

3.4 OUTREACH – SUBVENTIONEN KONTRA FINANZIELLE NACHHALTIGKEIT

4. FALLSTUDIE BOLIVIEN

4.1 ENTWICKLUNGSPOLITISCHE PERSPEKTIVE BOLIVIEN

4.1.1 ZAHLEN UND FAKTEN

4.1.2 GESCHICHTE

4.2 GROWTH-DIAGNOSTIC APPROACH

4.2.1 GROWTH-DIAGNOSTIC STUDIE DER WELTBANK

4.2.2 INVESTITIONEN UND UNTERNEHMERISCHE INITIATIVE IN BOLIVIEN

4.2.3 BOX: DECISION TREE NACH GROWTH-DIAGNOSTIC-APPROACH – BOLIVIEN

4.3 MIKROFINANZMARKT - BOLIVIEN

4.3.1 GESCHICHTE

4.3.1.1 Entstehung des Mikrofinanzsektors in Bolivien

4.3.1.2 Entstehung der BancoSol und der Los Andes

4.3.2 PRODUKTDESIGN DER BANCOSOL UND DER LOS ANDES

4.3.3 OUTREACH

5. SCHLUSSBEMERKUNGEN

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Mikrokredite als kontextspezifisches Instrument der Armutsbekämpfung, das sich von den standardisierten Modellen des sogenannten Washington Konsensus abhebt. Ziel ist es, durch die Analyse innovativer Kreditvergabemechanismen zu verstehen, wie Mikrofinanzinstitute Agency-Probleme überwinden und den Zugang zu Kapital für ökonomisch benachteiligte Bevölkerungsschichten ermöglichen, wobei insbesondere der Zielkonflikt zwischen finanzieller Nachhaltigkeit und der Erreichung ärmster Haushalte kritisch beleuchtet wird.

  • Paradigmenwechsel in der Entwicklungspolitik vom Washington Konsensus zum Post-Washington-Ansatz
  • Agency-Theorie und Marktversagen auf Kreditmärkten für Arme
  • Innovationen in der Mikrofinanz (Gruppenhaftung, dynamische Anreize, unkonventionelle Sicherheiten)
  • Empirische Fallstudie der Mikrofinanzindustrie in Bolivien (BancoSol und Los Andes)
  • Diskussion über finanzielle Nachhaltigkeit versus Poverty-Lending-Ansätze

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Erläuterung

Der Begriff „Mikrofinanz-Institution“ (MFI) wird in der Regel zur Beschreibung von Instituten verwendet, deren Kerngeschäft es ist, armen Haushalten und Kleinunternehmen Zugang zu Finanzdienstleistungen zu verschaffen. Dieses Engagement kann durch andere öffentliche oder private Ziele ergänzt oder ersetzt werden. Dazu gehören beispielsweise Maximierung des Shareholder Values, das Lenken von Geldmitteln in bestimmte Sektoren sowie das Mobilisieren von Sparguthaben zur Finanzierung von Staatsinvestitionen (Hardy, Holden, & Prokopenko, 2003, S. 148).

Kunden von MFIs können aufgrund von zu geringem oder nicht vorhandenen Einkünften sowie Sicherheiten und fehlender Kredithistorie üblicherweise nicht von traditionellen Finanzinstituten versorgt werden. Die von MFIs angebotenen Dienstleistungen umfassen in der Regel die Aufnahme von Krediten und die Möglichkeit zu sparen. Jüngst werden ergänzend auch Dienste wie Versicherungen und Zahlungsdienste angeboten. Zusätzlich zur Finanzintermediation wird immer häufiger auch eine soziale Intermediation angeboten, welche Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen umfassten. Mikrofinanz ist also nicht nur Finanzdienst, sondern vor allem Instrument der Entwicklungspolitik. MFIs können als Nichtregierungsorganisationen, Genossenschaftsbanken, Volksbanken, staatliche Banken, Geschäftsbank oder als Finanzinstitutionen ohne Banklizenz organisiert sein.

Bei den Kunden in Entwicklungsländern handelt es sich häufig um Straßenhändler, Kleinbauern sowie Anbieter von Dienstleistungen wie Friseure oder Rickshaw-Fahrer, Näher oder Schmiede (Ledgerwood, 1999). Die ausgeübten Tätigkeiten ermöglichen den Kunden in der Regel, einen niedrigen, aber stabilen Einkommensfluss zu generieren. Durch den Zugang zu Finanzdienstleistungen soll es armen Haushalten ermöglicht werden, ihre wirtschaftliche Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen. Kleinunternehmern hilft es, ihr Geschäft auszuweiten und zusätzliche Aktivitäten zu starten, um die eigene Familie versorgen zu können und im Idealfall neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet das Scheitern des Washington Konsensus in der Entwicklungspolitik und führt Mikrokredite als innovativen, kontextspezifischen Lösungsansatz zur Armutsbekämpfung ein.

2. THEORETISCHER TEIL: Dieser Teil analysiert den entwicklungspolitischen Paradigmenwechsel vom Standard-Modell hin zu Post-Washington-Ansätzen wie dem Growth-Diagnostic-Framework und diskutiert die Agency-Theorie als Erklärung für Marktversagen bei der Kreditvergabe.

3. MIKROKREDITE: Hier werden die Grundlagen der Mikrofinanz, Gründe für die Kapitalunterversorgung Armer sowie innovative Mechanismen zur Agency-Problem-Minimierung wie Gruppenkredite, Anreizsysteme und unkonventionelle Sicherheiten detailliert erörtert.

4. FALLSTUDIE BOLIVIEN: Die Fallstudie überträgt die theoretischen Konzepte auf Bolivien, analysiert die dortige wirtschaftliche Lage und untersucht die Entwicklung spezifischer Institute wie BancoSol und Los Andes hinsichtlich ihrer Technologie und Wirksamkeit.

5. SCHLUSSBEMERKUNGEN: Das Fazit ordnet die Rolle der Mikrofinanz kritisch ein, warnt vor dem Status als Allheilmittel und betont die Notwendigkeit kontextabhängiger, kosten-nutzen-orientierter Analyseansätze.

Schlüsselwörter

Mikrofinanz, Mikrokredite, Washington Konsensus, Agency-Theorie, Armutsbekämpfung, Bolivien, BancoSol, Los Andes, Finanzintermediation, Marktversagen, Gruppenhaftung, finanzielle Nachhaltigkeit, Growth-Diagnostic-Framework, Entwicklungspolitik, Kreditrationierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Mikrokredite als alternatives entwicklungspolitisches Instrument, das in Reaktion auf das Scheitern standardisierter wirtschaftsliberaler Rezepte (Washington Konsensus) entstanden ist, um den Zugang zu Kapital für arme Bevölkerungsschichten zu verbessern.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Agency-Theorie, den innovativen Mechanismen der Mikrofinanz wie Gruppen- und Individualhaftung sowie der Debatte um die finanzielle Nachhaltigkeit und soziale Wirksamkeit solcher Programme.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die Prüfung innovativer Konzepte zur Minimierung von Agency-Problemen bei der Kreditvergabe an Arme und die Untersuchung des Zielkonflikts zwischen Profitabilität der Mikrofinanzinstitute und der Erreichung ärmster Bevölkerungsgruppen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Neben einer theoretischen Fundierung durch die Agency-Theorie und den Post-Washington-Konsensus-Diskurs wird eine praxisorientierte Fallstudie zu Bolivien durchgeführt, inklusive der Analyse von Daten der Institute BancoSol und Los Andes.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil erörtert zunächst die ökonomischen Grundlagen (Agency-Probleme, Marktversagen) und stellt dann die Instrumente der Mikrofinanz (Gruppenkredite, Anreizsysteme) vor, bevor er diese am Beispiel der bolivianischen Realität empirisch verifiziert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Mikrofinanz, Agency-Theorie, Bolivien, finanzielle Nachhaltigkeit, Gruppenhaftung und das Growth-Diagnostic-Framework.

Warum eignet sich Bolivien besonders gut als Fallbeispiel?

Bolivien gilt einerseits als ärmstes Land Südamerikas, besitzt aber gleichzeitig einen international anerkannten und hoch entwickelten Mikrofinanzsektor, was einen idealen Vergleich zwischen verschiedenen Geschäftsmodellen und deren sozialen Auswirkungen ermöglicht.

Was zeichnet den Vergleich zwischen BancoSol und Los Andes aus?

Die Institute unterscheiden sich primär in ihrer Technologie: Während die BancoSol auf Gruppenhaftung setzt, verwendet die Los Andes individualbasierte Kreditverträge, was Rückschlüsse auf die Wirksamkeit der jeweiligen Technologie für die Armutsbekämpfung zulässt.

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Details

Title
Mikrofinanz als Instrument der Entwicklungspolitik am Beispiel Boliviens
Subtitle
Microfinance as a Tool of Development Policy: the Case of Bolivia
College
University of Hamburg  (Fakutät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften)
Grade
2,3
Author
Maxim Rabkin (Author)
Publication Year
2010
Pages
94
Catalog Number
V165234
ISBN (eBook)
9783640808588
ISBN (Book)
9783640809219
Language
German
Tags
mikrokredite micro finance grameen maxim rabkin universität hamburg mikrofinanz entwicklungshilfe evo morales bolivien armutsreduzierung washington concensus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Maxim Rabkin (Author), 2010, Mikrofinanz als Instrument der Entwicklungspolitik am Beispiel Boliviens, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/165234
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