Schulerfolg und Schulmisserfolg im Zusammenhang mit Migrationshintergrund sind zentrale Themen unserer heutigen Zeit. Das Erlernen und Beherrschen der deutschen Sprache scheint bei vielen Menschen mit Migrationshintergrund eine „Hauptursache des mangelnden Schulerfolges zu sein“.
Aber es stellt sich die Frage, warum das Erlernen der deutschen Sprache vielen Migranten schwer fällt. In der Sprachvermittlung wurde bislang die Tatsache zu wenig beachtet, dass verschiedene Sprachen unterschiedliche Zeichen- und Lautkontraste haben können. Neben den phonologischen Unterschieden können auch Kontraste in der Morphologie, in der Syntax, in der Lexik und in der Semantik auftreten.
Genau diese Sprachkontraste sollen in dieser Hausarbeit am Beispiel ‚Deutsch’ und ‚Tamil‘ untersucht werden. Es soll herausgefunden werden, welche Rechtschreib- und Syntaxfehler die Menschen mit tamilischem Migrationshintergrund, die Deutsch als Zweitsprache erlernen, machen und warum sie diese machen.
Dabei stellen die Kontrastivhypothese, die die Fehler aus den Strukturen und Regeln der Muttersprache zu erklären versucht, die tamilische Sprache und mögliche Interferenzfehler, die die Lerner machen könnten aufgrund ihrem muttersprachlichem Hintergrund, wichtige Aspekte dieser Arbeit dar. Anhand von kurzen geschriebenen Texten von Menschen mit sri-lankisch-tamilischem Migrationshintergrund wird versucht, die Kontrastivhypothese zu überprüfen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kontrastivhypothese
3. Tamil: Schrift und Sprache
3.1. Tamilisches Alphabet
3.2. Phonologie im Tamil
3.3. Syntax im Tamil
3.3.1. Wortstellung: Subjekt-Objekt-Verb
3.3.2. Übereinstimmung von Subjekt und Prädikat
3.3.3. Subjekt muss nicht im Nominativ stehen
3.3.4. Fehlen der Kopula
3.3.5. Zusammengesetzte Sätze
3.3.6. Artikel und Postpositionen
4. Erwartete Interferenzfehler
4.1. Interferenzfehler aufgrund des tamilischen Alphabets
4.2. Interferenzfehler aufgrund der phonologischen Unterschiede
4.3. Interferenzfehler aufgrund der syntaktischen Unterschiede
5. Forschungsdesign
5.1. Auswahl der Deutsch-Lerner und Texte
5.2. Übersicht über die Personen
5.3. Fragestellung
5.4. Analyse der Texte
5.4.1. Person 1: Reka
5.4.2. Person 2: Laila
5.4.3. Person 3: Meena
5.4.4. Person 4: Sinthu
5.5. Fehlerliste
6. Auswertung
6.1. Interferenzfehler aufgrund des tamilischen Alphabets
6.2. Interferenzfehler aufgrund der phonologischen Unterschiede
6.3. Interferenzfehler aufgrund der syntaktischen Unterschiede
7. Probleme, die den Wahrheitsgehalt der Ergebnisse beeinflussen
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht auf Basis der Kontrastivhypothese, inwieweit Rechtschreib- und Syntaxfehler von Menschen mit tamilischem Migrationshintergrund, die Deutsch als Zweitsprache erlernen, auf die Strukturen ihrer Muttersprache zurückzuführen sind.
- Analyse der Kontrastivhypothese im Kontext von Deutsch und Tamil
- Vergleichende Untersuchung der Laut- und Schriftsysteme
- Darstellung der tamilischen Syntax und deren Abweichungen zum Deutschen
- Empirische Auswertung von Texten tamilischer Deutsch-Lerner
- Klassifizierung und Dokumentation von Interferenzfehlern
Auszug aus dem Buch
3.3. Syntax im Tamil
Da im Forschungsteil nicht etwa Diktate oder ähnliches untersucht werden, sondern kleinere Texte, wird hier auch kurz auf die Syntax des Tamil eingegangen, um syntaktische Fehler nach der Kontrastivhypothese zu erklären. Da es sonst den Rahmen der Hausarbeit sprengen würde, werden hier nur sehr markante Merkmale der tamilischen Syntax angesprochen, die einen starken Kontrast zum Deutschen bilden.
3.3.1. Wortstellung: Subjekt-Objekt-Verb
Einer der wichtigsten syntaktischen Unterschiede zwischen Deutsch und Tamil ist, dass im Tamil keine Subjekt-Verb-Objekt-Wortstellung, wie sie im Deutschen häufig vorzufinden ist, existiert, sondern eine Subjekt-Objekt-Verb Stellung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Zusammenhang zwischen Migrationshintergrund und Schulerfolg und stellt die Forschungsfrage nach den sprachlichen Interferenzursachen.
2. Kontrastivhypothese: Dieses Kapitel definiert die Kontrastivhypothese als theoretisches Fundament, um fehlerhafte Sprachstrukturen durch den negativen Transfer der Muttersprache zu erklären.
3. Tamil: Schrift und Sprache: Es erfolgt eine Einführung in die tamilische Sprache, ihre Schriftzeichen, phonologischen Besonderheiten und die grundlegende Satzstruktur.
4. Erwartete Interferenzfehler: Auf Basis der vorangegangenen Analyse werden spezifische Hypothesen zu orthografischen und syntaktischen Fehlern aufgestellt, die bei Deutsch-Lernern mit Tamil als Muttersprache zu erwarten sind.
5. Forschungsdesign: Dieses Kapitel erläutert die Auswahl der Probanden, die Kriterien für das Datenmaterial und die methodische Vorgehensweise bei der Fehleranalyse.
6. Auswertung: Die erhobenen Daten werden ausgewertet, um die aufgestellten Hypothesen zu verifizieren oder zu falsifizieren und die Fehler den jeweiligen Interferenzkategorien zuzuordnen.
7. Probleme, die den Wahrheitsgehalt der Ergebnisse beeinflussen: Es werden methodische Einschränkungen diskutiert, wie etwa die begrenzte Repräsentativität des Textkorpus und der Einfluss des gesteuerten Spracherwerbs.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit weiterer, umfangreicherer Studien mit einer Vergleichsmatrix zu deutschen Muttersprachlern.
Schlüsselwörter
Kontrastivhypothese, Tamil, Deutsch als Zweitsprache, Interferenzfehler, Rechtschreibfehler, Syntaxfehler, Migration, Sprachkontrast, Phonologie, Graphem, Morphologie, Zweitspracherwerb, Fehleranalyse, Orthografie, Muttersprache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welche Rolle die tamilische Muttersprache bei der Entstehung von Rechtschreib- und Syntaxfehlern von tamilischen Migranten während des Erwerbs der deutschen Sprache spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Kontrastivhypothese, die Analyse der tamilischen Sprachstruktur sowie die empirische Dokumentation von Fehlern in Texten von Deutsch-Lernern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu überprüfen, ob sich orthografische und syntaktische Fehler bei tamilischen Deutsch-Lernern durch die zugrunde liegenden Strukturen und Regeln der tamilischen Sprache erklären lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine kontrastive Analyse angewandt, bei der die linguistischen Strukturen des Tamil und des Deutschen verglichen und die daraus abgeleiteten Hypothesen mit einem Textkorpus abgeglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Fundierung, die detaillierte Vorstellung der tamilischen Sprache, die Herleitung von Interferenzhypothesen sowie die Analyse und Auswertung konkreter Texte von vier verschiedenen Personen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Kontrastivhypothese, Interferenzfehler, Sprachkontraste, Tamil, Deutsch als Zweitsprache und Fehleranalyse.
Warum spielt die Wortstellung im Tamil eine Rolle bei Fehlern?
Da das Tamil der SOV-Struktur (Subjekt-Objekt-Verb) folgt und das Deutsche primär SVO verwendet, kommt es zu Interferenzfehlern beim Satzbau, da die Lerner die tamilische Struktur unbewusst auf das Deutsche übertragen.
Welche Bedeutung hat die Kopula in diesem Zusammenhang?
Im Tamil kann die Kopula weggelassen werden. Da dies im Deutschen unüblich ist, treten bei Lernern häufig Sätze ohne Verb auf, was als direkter Interferenzfehler gewertet wird.
Was sagt das Fazit über die Validität der Ergebnisse aus?
Das Fazit stellt fest, dass die Ergebnisse zwar Indizien liefern, aber aufgrund des kleinen Textkorpus weitere Untersuchungen und Vergleiche mit deutschen Muttersprachlern nötig sind, um die Fehler sicher als rein durch das Tamil bedingt zu klassifizieren.
- Quote paper
- Thusinta Mahendrarajah (Author), 2009, Überprüfung der Kontrastivhypothese anhand der Rechtschreib- und Syntaxfehler tamilischer Migranten, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/164855