Einführung
1. Unterschied Venetisch und Venezianisch
2. Sprachliche Merkmale des Venezianischen
3. Sprache oder Dialekt – Status des Venezianischen
3.1. Die Religionsstütze
3.2. Die Literaturstütze
3.3. Die Wissensstütze
3.4. Die Organisationsstütze
Schlussfolgerungen
Literatur
Inhaltsverzeichnis
Einführung
1. Unterschied Venetisch und Venezianisch
2. Sprachliche Merkmale des Venezianischen
3. Sprache oder Dialekt – Status des Venezianischen
3.1. Die Religionsstütze
3.2. Die Literaturstütze
3.3. Die Wissensstütze
3.4. Die Organisationsstütze
Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Status des Venezianischen im Kontext der Republik Venedig und analysiert die soziolinguistischen sowie historischen Gründe, warum sich das Venezianische trotz seiner weiten Verbreitung nicht als offizielle Standardsprache gegenüber dem Toskanisch-Italienischen durchsetzen konnte.
- Abgrenzung zwischen dem Venetischen als Dialektgruppe und dem Venezianischen als spezifischer Stadtvarietät.
- Analyse der sprachlichen Eigenheiten des Venezianischen im Vergleich zum Standarditalienischen.
- Untersuchung der vier tragenden Säulen einer ausgebauten Sprache: Religion, Wissenschaft, Literatur und Organisation.
- Kritische Würdigung der Dichotomie zwischen Sprache und Dialekt unter Berücksichtigung diachronischer und synchronischer Faktoren.
- Bewertung der historischen Rolle Venedigs bei der Normierung und Verschriftlichung von Idiomen.
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Religionsstütze
Die Religionsstütze besteht in der Wahl eines Idioms für die im weitesten Sinne den Glauben betreffenden Kommunikation. Im Fall des Venezianischen lässt sich feststellen, dass der Druck von Bibeln in Venedig mit einer sprachlich nur wenig vom Idiom der Stadt geprägten Ausgabe einsetzte. Die Sprachform der Bibelschriften ist ein „toscano generico (…), in cui spiccano latinismi grafici, lessicali (…), morfologici (…) e sintattici (…), eppur segnato di venetismi diffusi senza mai essere vistosi”. Beispiele der graphischen Latinismen sind voluptuosi dilecti, ioveni oder carissimo zu nennen; die lexikalische Latinismen sind commorante und elapsa, die morphologische Pluralform peccata oder die syntaktische Inversion a dicere prompte oder di legendo intendere sind weitere Beweise der Vorrangigkeit des Lateins für den religiösen Gebrauch.
Venezianische Elemente fehlen zwar auf lexikalischer Ebene, kommen jedoch in anderen Bereichen vor, z. B. fehlende Doppelkonsonanten in facende, apartengono oder hypercharakterisierende Doppelkonsonanten in facillità, refferire; die Affrikaten in dolzeza und rezevuto, die für das Toskanisch-Italienische unübliche Gerundien auf –ando wie abiando und stimulando, Verwendung vom bestimmten Artikel mask. Sg. el usw. Das Venezianische wurde hauptsächlich in den Übersetzungen der Bibelabschnitte, die sich für „puro esercizio letterario o a corollario alla celebrazione eucaristica“ eignenten und wenig anfällig für häretische Interpretationen waren. Sie erleichterten den des Lateinischen nicht mächtigen Laien, den Kulthandlungen zu folgen. In diesem Zusammenhang ist Salmista venezian: parafrasi in terza rima del Salterio zu nennen. Andere Beispiele der religiösen Texte mit den sprachlichen Merkmalen des Venezianischen des Mittelalters sind Legenda de Santo Stady, Legenda de misier Sento Alban, Piante de la Vièrge en vieux vénitien, Trattati religiosi e libro de li exempli in antico dialetto veneziano, Fiore di virtù und Zibaldone de Canal.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Die Arbeit thematisiert die Diskrepanz zwischen der pragmatischen Einstufung des Venezianischen als Dialekt und seinem tatsächlichen historischen Stellenwert als mächtige, verschriftlichte Varietät.
1. Unterschied Venetisch und Venezianisch: Dieses Kapitel klärt die terminologische Abgrenzung zwischen der gesamten venetischen Dialektgruppe und der spezifischen, historisch dominanten Stadtvarietät Venedigs.
2. Sprachliche Merkmale des Venezianischen: Es werden die phonetischen, morphologischen und syntaktischen Eigenheiten des Venezianischen detailliert dargestellt und mit dem Toskanisch-Italienischen sowie dem Lateinischen verglichen.
3. Sprache oder Dialekt – Status des Venezianischen: Eine theoretische Auseinandersetzung mit der Definition von Sprache und Dialekt, eingebettet in die soziopolitischen Umstände der Republik Venedig.
3.1. Die Religionsstütze: Analyse der Rolle des Venezianischen im religiösen Kontext, wobei Latein die dominierende Sprache blieb und das Venezianische lediglich ergänzend fungierte.
3.2. Die Literaturstütze: Untersuchung der verzögerten literarischen Entwicklung in Venedig im Vergleich zur Toskana und die spätere Instrumentalisierung des Venezianischen im Theater.
3.3. Die Wissensstütze: Betrachtung der Erfassung wissenschaftlichen Wissens, bei der die utilitaristische Ausrichtung Venedigs die Anwendung des Venezianischen prägte, während der akademische Standard lateinisch blieb.
3.4. Die Organisationsstütze: Darstellung des Venezianischen als Sprache der Verwaltung, Diplomatie und des Rechtswesens, wobei die Notarausbildung ein entscheidender Faktor für das Fortbestehen des Lateinischen war.
Schlussfolgerungen: Zusammenfassende Erkenntnis, dass das Ausbleiben einer expliziten Normierung und die fehlende Erfassung in den Disziplinen des Triviums das Venezianische daran hinderten, eine voll ausgebaute Standardsprache zu werden.
Schlüsselwörter
Venezianisch, Venetisch, Dialekt, Standardsprache, Republik Venedig, Soziolinguistik, Sprachgeschichte, Italienische Philologie, Sprachausbau, Dachsprache, Sprachnormierung, Literaturtradition, Verwaltungssprache, Toskanisch-Italienisch, Diachronie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den soziolinguistischen Status des Venezianischen im historischen Kontext der Republik Venedig und analysiert, warum sich das Venezianische – trotz seiner weiten Verwendung in Verwaltung und Handel – nicht als voll ausgebaute Standardsprache gegen das Toskanische durchsetzen konnte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der sprachlichen Differenzierung zwischen Venetisch und Venezianisch, den vier Stützen der Sprachausbau-Theorie (Religion, Wissenschaft, Literatur, Organisation) sowie der diachronischen Entwicklung der italienischen Dialekte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Kriterien für die Einstufung des Venezianischen als Sprache oder Dialekt zu hinterfragen und die spezifischen historischen Gründe für die fehlende Normierung des Venezianischen aufzudecken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine diachronische und synchronische linguistische Analyse, ergänzt durch die Auswertung historischer Dokumente, Urkunden und soziopolitischer Rahmenbedingungen der Renaissance und der Zeit der Republik Venedig.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die vier "Sprachstützen" – Religion, Literatur, Wissenschaft und Organisation – systematisch auf ihre Anwendung und ihren Einfluss auf den Status des Venezianischen geprüft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Venezianisch, Sprachausbau, Normierung, Dachsprache, Republik Venedig, Soziolinguistik und der historische Kontrast zwischen Venedig und der Toskana.
Warum spielt die Universität in Padua für das Venezianische eine so wichtige Rolle?
Die Entscheidung der venezianischen Obrigkeit, keine eigene Universität in Venedig zu gründen, sondern sich auf Padua zu verlassen, verhinderte die Etablierung eines lokalen, hochsprachlichen Zentrums, das für die Kodifizierung und den Ausbau des Venezianischen zu einer offiziellen Standardsprache notwendig gewesen wäre.
Welchen Einfluss hatte der "Seemannswortschatz" auf das Standarditalienische?
Durch die Rolle Venedigs als führende Seehandelsmacht flossen zahlreiche Begriffe aus dem venezianischen Seemannswortschatz, wie beispielsweise "regata" oder "góndola", in das heutige Standarditalienische ein.
War das Venezianische im Theater nur ein Mittel für komische Effekte?
Nein, laut der Analyse diente das Venezianische im Theater des 16. Jahrhunderts als natürliches Idiom der Mündlichkeit, während es erst bei Goldoni im 18. Jahrhundert durch eine ausgefeilte, bewusste Sprachführung für verschiedene soziale Charaktere genutzt wurde.
- Arbeit zitieren
- Viktoriya Solod (Autor:in), 2010, Status des Venezianischen - Sprache oder Dialekt?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/164718