„der Cörper ausser den Nasen, welche etwas abgefallen, gantz frisch; Haar und Bart, ja auch die Nägel [...] an ihme gewachsen; die alte Haut [...] hat sich hinweg geschellet, und eine frische neue darunter hervor gethan; das Gesicht, Hände und s.v. Füsse, und der gantze Leib waren beschaffen, daß sie zu Lebzeiten nicht hätten vollkommener seyn können. In seinem Mund hab nicht ohne Erstaunen einiges frisches Blut erblickt, welches, der gemeinen Aussag nach, er von denen, durch ihme umgebrachte, gesogen“
(Siehe: Ruthner, Clemens: Sexualitaet Macht Tod-t – Vampir. Prolegomena zu einer Literaturgeschichte desVampirismus.)
Diese Arbeit umfasst ein breit gefächertes Wissen in Theaterwissenschaft, Philosophie, Theologie, Geschichte, Filmwissenschaft, Medienwissenschaft sowie Literatur. Sie werden über Aristoteles, Brecht, das Konzept der Figur in McKee’s Story lesen sowie über Maria Theresia und ihren Leibarzt VanSwieten lesen. Am Ende werden 3 Vampirfilme miteinander verglichen, in denen auf die Inszenierungsart geachtet wurde. (Wie wird Licht inszeniert, welche Rolle spielen Sonne, Mond, Dämmerung etc.)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vampire in Europa, Maria Theresia und Van Swieten
3. Hat Dracula vor Sherlock Holmes Angst? Oder Sherlock Holmes vor Dracula?
4. Glaube/Aberglaube
4.1. Vampiristische Aspekte in Religionen/Glaubensrichtungen
4.2. Leben nach dem Tod?
5. Brecht’s episches Vampirstück als flüssige Angelegenheit
6. Aristoteles und die Poetik
6.1. Aristoteles über die Nachahmung
6.2. Aristoteles über Mythos
6.3. Aristoteles über das Schaudererregende und Jammervolle
6.4. Aristoteles über die Handlung
6.5. Aristoteles über Gut und Böse
6.6. Aristoteles über das Wunderbare
7. Das Konzept der Figur in McKee’s Story
7.1. Die Enthüllung des Charakters
7.2. Die Spannung des Figurbogens
8. Drei Filmszenen im Vergleich
8.1. Tanz der Vampire (Roman Polánski, US/GB 1967)
8.2. Bram Stoker’s Dracula (Francis Ford Coppola, USA, 1992)
8.3. Interview mit einem Vampir (Neil Jordan, USA 1994)
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die dramaturgische Darstellung von Vampiren in Literatur und Film unter Einbeziehung von Theorien der Aufklärung, Romantik, Aristoteles' Poetik sowie moderner Story-Konzepte nach Robert McKee.
- Historische Einordnung des Vampirismus im Europa des 18. Jahrhunderts.
- Kontrastierung von Aufklärung und Romantik anhand der Figuren Dracula und Sherlock Holmes.
- Analyse des Vampir-Mythos mittels aristotelischer Prinzipien wie Nachahmung, Handlung und Wunderbarem.
- Anwendung von McKee's Figurenkonzept (Enthüllung des Charakters) auf Dracula.
- Vergleichende Filmanalyse hinsichtlich Licht, Schatten und Zeitnot in ausgewählten Vampir-Szenen.
Auszug aus dem Buch
7.1. Die Enthüllung des Charakters
Unser Hauptprotagonist, der Graf, scheint zu Beginn des Romans von Bram Stoker ein äußerst netter, höflicher, zuvorkommender Mann. Er bietet seinem Gast, Jonathan Harker, ein riesiges Buffet mit den besten Speisen, ein schönes, angenehmes Zimmer mit einem gemütlichen Kamin und seine umfassende Bibliothek zur freien Verfügung an. Was möchte man als Gast mehr?
Erst nach und nach merkt der Leser, der über die Ereignisse durch Jonathan Harker’s Tagebuch erfährt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Die vermeintlich gemütliche Atmosphäre schlägt bald um in eine von Angst erfüllte, grauenhafte Situation, in der sich Harker bewusst wird, dass er ein Gefangener des Grafen ist, hilflos seiner überirdischen Macht ausgesetzt. Der Leser erfährt allmählich, wie der Graf wirklich ist, es wird ihm klargemacht, dass nicht nur Harker eine Scheinatmosphäre vorgespielt wurde, sondern auch ihm selbst.
„Nichts ist das, was es zu sein scheint. Menschen sind nicht, was sie zu sein scheinen. Ein verborgenes Wesen lauert hinter einer Fassade von Eigenschaften.“ Das ist das Grundprinzip, welches uns das Leben lehrt.
Dieses Konzept der Enthüllung des wahren Charakters ist ein sehr wichtiges Story-Element. Denn wenn eine Figur charakteristisch keine Tiefe besitzt, wir keine Veränderung bemerken und sie tatsächlich so bleibt, wie es uns der erste Eindruck beschert hat, dann ist sie schlicht und einfach langweilig. Dabei spielt auch die Charakterisierung eine große Rolle, also die äußere Erscheinung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Verfasserin reflektiert ihre persönliche Faszination für das Unheimliche und das Genre des Vampirfilms.
2. Vampire in Europa, Maria Theresia und Van Swieten: Historische Untersuchung von Vampirerscheinungen und der darauf folgenden Aufklärungskampagne durch Van Swieten.
3. Hat Dracula vor Sherlock Holmes Angst? Oder Sherlock Holmes vor Dracula?: Kontrastive Analyse von Aufklärung (Holmes) und Romantik (Dracula) als gegensätzliche Epochen.
4. Glaube/Aberglaube: Theoretische Abgrenzung zwischen Glaube und Aberglaube sowie ihre Relevanz für den Vampirmythos.
5. Brecht’s episches Vampirstück als flüssige Angelegenheit: Analyse eines Theaterstücks unter Anwendung von Brechts Verfremdungseffekt.
6. Aristoteles und die Poetik: Anwendung aristotelischer Konzepte wie Nachahmung, Mythos und Handlung auf Vampirerzählungen.
7. Das Konzept der Figur in McKee’s Story: Erörterung der Charakterentwicklung und Enthüllung bei der Figur Dracula.
8. Drei Filmszenen im Vergleich: Vergleichende dramaturgische Analyse der Licht- und Schatteninszenierung in drei bekannten Vampirfilmen.
Schlüsselwörter
Vampir, Dracula, Aufklärung, Romantik, Aristoteles, Poetik, Mythos, Charakterisierung, McKee, Dramaturgie, Film, Lichtverhältnisse, Zeitnot, Brecht, Untote
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die dramaturgischen Mittel, mit denen Vampire in Literatur und Film dargestellt werden, und setzt diese in Beziehung zu literatur- und filmwissenschaftlichen Theorien.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind das Phänomen des Vampirismus im historischen Kontext, der Gegensatz zwischen Aufklärung und Romantik, die Anwendung klassischer Dramentheorien auf den Vampir-Mythos und moderne Techniken der Charaktergestaltung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die dramaturgische Struktur des Vampir-Genres zu durchleuchten und aufzuzeigen, wie durch spezifische Gestaltungsmittel wie Licht, Schatten und Charakterenthüllung beim Zuschauer Spannung erzeugt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literatur- und filmwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die theoretische Grundlagen (u.a. Aristoteles, Brecht, McKee) auf den Roman "Dracula" und ausgewählte Filmszenen anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in historische Analysen, den Vergleich zwischen Sherlock Holmes und Dracula, die Anwendung der Poetik des Aristoteles, die Charakterstudie nach McKee und die Analyse filmischer Lichtdramaturgie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Vampir, Dracula, Aufklärung, Romantik, Aristoteles, Dramaturgie, Charakterenthüllung und filmische Inszenierung.
Welche Rolle spielt die aristotelische Poetik in der Arbeit?
Die Poetik dient als theoretisches Gerüst, um zu erklären, warum Vampirgeschichten funktionieren, insbesondere durch die Mechanismen der Nachahmung, das Einbinden des Wunderbaren und die Struktur von Handlung und Charakter.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen Charakterisierung und Charakter bei Dracula?
Die Charakterisierung umfasst die äußere Erscheinung und beobachtbare Eigenschaften, während der Charakter die innere Natur der Figur bezeichnet, die sich erst unter Druck in entscheidenden Momenten offenbart.
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- Arabella Schoots (Author), 2009, Dracula - Dramaturgie der Dämmerung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/164704