Bereits im Vorwort zu dem 2004 von mir herausgegebenen Sammelband „Korruption im Wirtschaftssystem Deutschland“ hat uns Prof. Dr. Hans See, langjähriger Vorsitzender von Business Crime Control (BCC) ins Stammbuch geschrieben: „Es ist ein Fehler, die öffentliche Diskussion so zu führen, als ob nur die Parteien, die Politiker und die Beamten das Problem seien, wie das immer wieder geschieht. Es sollte in der umfassenden ‚Aufklärungsarbeit’ wenigstens klar gemacht werden, dass das Kernproblem der Korruptionspraxis jene Wirtschaftselite ist, die in den demokratiefreien Chefetagen wie Feudalherren regiert und glaubt, sich von den Gesetzen und Vorschriften, von der ‚Überregulierung’, wie sie das nennt, freikaufen zu können.“ Damit hat Hans See erreicht, dass ich meinen Kampf gegen die Korruption vollkommen neu ausrichtete. Somit wird hier nicht auf die Schilderung von Korruptionsfällen und deren oft unerwünschte Anklage eingegangen werden. Auch werde ich nicht auf die überforderten Kriminalpolizeien und Staatanwaltschaften zu sprechen kommen. Auf den Verkauf der absichtlich falsch interpretierten kriminalpolizeilichen Statistiken auf dem Markt der Eitelkeiten innenpolitischer Selbstdarsteller will ich nicht eingehen, und die Diskussion, ob jeder Mensch seinen Preis habe, werde ich nicht entfachen. Vielmehr möchte ich die uns gestellte Hausaufgabe des von mir hochgeschätzten Hans See angehen und fragen, ob wir den Schwerpunkt statt auf die Strafverfolgung auf die ethische Grundausrichtung unserer Manager von Morgen als effektivste Form der Prävention zu legen haben.
Korruption ist derzeit in Deutschland so aktuell wie nie. „Willkommen in der Bakschischrepublik“, „Korruption – Bei neun von zehn Unternehmen werden Sie fündig“ und „Selbstbedienung in DAX-Konzernen – Korruption ist Chefsache“ – solche oder ähnliche Schlagzeilen waren zuletzt häufig in der Presse zu lesen. Vorfälle wie bei BMW, Daimler, Opel, Infineon, IKEA oder Rewe zeigen, dass Korruption in Deutschland – vor allem in der Privatwirtschaft – keinen Ausnahmefall mehr darstellt, sondern längst alltäglich geworden ist. (Dolata 2007)
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
I. Korruption – ein schillerndes Phänomen
II. Stabilitätsbedingung unternehmerischer Ethik
III. Compliance als Element der ordnungsgemäßen Verwaltung in Kommunen unter dem vorrangigen Aspekt der Korruptionsprävention
IV. Inwiefern „verzichtet der Staat auf die Verfolgung von Kriminalität
V. Kriminalität – per definitionem
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Compliance-Konzepte, die primär in der Privatwirtschaft zur Korruptionsprävention Anwendung finden, auf die öffentliche Verwaltung übertragen werden können, um dort als wirksames Instrument zur Korruptionsbekämpfung und zur Stärkung ethischen Verwaltungshandelns zu dienen.
- Analyse der theoretischen Grundlagen von Korruption und Unternehmensethik.
- Untersuchung von Compliance-Strukturen und ihrer Anwendbarkeit in Kommunalverwaltungen.
- Durchführung einer empirischen Bürgerbefragung zur Korruptionswahrnehmung.
- Entwicklung eines praxisorientierten Compliance-Konzepts für die Stadt Würzburg.
Auszug aus dem Buch
Situative Faktoren des Korrumpierens
Der Mensch ist in seinem Leben von situativen Einflüssen umgeben. Die Gesellschaft, das berufliche, aber auch das private Umfeld wie z. B. die Familie beeinflussen die Handlungen eines Menschen. Die Gesellschaft beschreibt das globale Umfeld, in das der Mensch eingebunden ist. Das berufliche Umfeld eines Menschen wird vor allem durch das Unternehmen selbst, aber auch durch Arbeitskollegen oder Vorgesetzte bestimmt. Im privaten Bereich eines Menschen wirken Faktoren wie Familie, Freunde und Bekannte. Nachfolgend soll nun dargestellt werden, inwieweit Menschen in diesen Bereichen zur Korruption bewegt werden können.
1. Einflüsse durch die Gesellschaft
Die Gesellschaft, in die der Mensch eingebunden ist, wird von Normen und Werten geprägt. Diese regeln das Zusammenleben einer Familie, eines Dorfes, einer Stadt oder gar einer ganzen Nation. Die heutige Gesellschaft drängt sehr stark nach Erfolg und Macht. Die Gesellschaft ist vorrangig nur noch leistungs- und konsumorientiert und strebt nach Wohlstand. Zum Erreichen dieser „Werte“ nutzt der Mensch Beziehungen, schafft Abhängigkeitsverhältnisse, besticht, erpresst und schreckt sogar vor Gewalt nicht zurück. Langfristige Schäden für die Gemeinschaft werden nicht bedacht. Der Mensch wird seiner Verantwortung gegenüber den nächsten Generationen nicht gerecht und verliert seine soziale Bestimmung.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Korruption – ein schillerndes Phänomen: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung der Korruption sowie ihre Definition und strafrechtliche Einordnung.
II. Stabilitätsbedingung unternehmerischer Ethik: Hier wird die Bedeutung von ethischen Normen und einem wertebasierten Führungsstil für die Stabilität von Unternehmen diskutiert.
III. Compliance als Element der ordnungsgemäßen Verwaltung in Kommunen unter dem vorrangigen Aspekt der Korruptionsprävention: Der Hauptteil untersucht die Implementierung von Compliance-Systemen in der kommunalen Verwaltung und analysiert korruptionsanfällige Bereiche wie das Bauwesen oder die Auftragsvergabe.
IV. Inwiefern „verzichtet der Staat auf die Verfolgung von Kriminalität: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit den Grenzen staatlicher Strafverfolgung sowie mit aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen und der Rolle des Rechtsstaates auseinander.
V. Kriminalität – per definitionem: Das abschließende Kapitel widmet sich der kriminologischen Begriffsbestimmung und den verschiedenen theoretischen Perspektiven auf Kriminalität als soziales Phänomen.
Schlüsselwörter
Korruption, Compliance, Korruptionsprävention, öffentliche Verwaltung, Unternehmensethik, Wirtschaftskriminalität, Governance, Whistleblowing, Vier-Augen-Prinzip, Personalrotation, Bürgerbefragung, Datenschutz, Strafrecht, Ethikkodex, Kriminalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Compliance-Management, ursprünglich ein Konzept aus der Wirtschaft, zur Korruptionsprävention in der öffentlichen Verwaltung, speziell in Kommunen, eingesetzt werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Etablierung von Ethik-Kodizes, Compliance-Strukturen, der Umgang mit Korruptionsrisiken in Bereichen wie Bauwesen und Vergabe sowie die Rolle von Hinweisgebern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Identifikation von Best-Practice-Methoden zur Korruptionsprävention, um Kommunalverwaltungen transparenter, ethischer und korruptionsresistenter zu gestalten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse theoretischer Studien, praktischen Erfahrungen des Verfassers sowie einer empirischen Befragung von 760 Bürgern in Würzburg.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Risikobereiche der Verwaltung, die Funktionen von Compliance, konkrete Maßnahmen wie das Vier-Augen-Prinzip sowie die Institutionalisierung von Ansprechpartnern und Ombudspersonen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Korruptionsprävention, Compliance, öffentliche Verwaltung, Ethik und Governance charakterisiert.
Was ist das Ergebnis der Bürgerbefragung?
Die Mehrheit der Bürger sieht Korruption als ernstes Kriminalitätsphänomen und fordert eine stärkere Verfolgung sowie die Einrichtung anonymer Meldestellen.
Wie wurde das Compliance-Konzept in der Stadt Würzburg umgesetzt?
In Würzburg wurde unter anderem ein Antikorruptionsbeauftragter ernannt und in Zusammenarbeit mit Studenten ein Ehrenkodex sowie Verhaltensrichtlinien für die Verwaltung erarbeitet.
- Quote paper
- M. A. Uwe Dolata (Author), 2011, Compliance contra Korruption, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/164700