Da Rhetorik nach Ueding als zusammenfassender „Begriff für die Theorie und Praxis der menschlichen Beredsamkeit“ zu verstehen ist, kann davon ausgegangen werden, dass sie nicht nur als Fertigkeit eines Redners verstanden, sondern auch als Analyseinstrument des gesprochenen Wortes im Radio eingesetzt werden kann. Üblicherweise werden heute bei der Untersuchung dessen, was zwischen Sendern und Empfängern passiert, Theorien der Kommunikationswissenschaft herangezogen. In dieser Arbeit soll jedoch mit Bezug auf Ueding und Steinbrink ein anderer Ansatz gewählt werden. Diese stellen eine für die Kommunikationswissenschaft äußerst provokante These auf: „die theoretische Differenziertheit, Problembewusstsein, methodischer und technischer Rang, der antiken Rhetorik übertreffen den Standard der Kommunikationswissenschaft bis heute.“
Es soll also das Gedankenexperiment gewagt werden, zu prüfen, ob sich eine mehr als 2000 Jahre alte Disziplin auf ein vergleichsweise junges Medium anwenden lässt. Für eine solch umfassende Frage ist es nachvollziehbar, dass im Rahmen dieser Arbeit nur punktuell einige Anknüpfungspunkte erörtert werden können.
Zu diesem Zweck wird der Gegenstand dieser Arbeit wie folgt eingegrenzt: Der Fokus wird ausschließlich auf die journalistische Darstellungsform der Moderation im modernen Formatradio gelenkt. Von Interesse sind dabei in erster Linie Mechanismen, die im Moderationseinstieg die Aufmerksamkeit des Hörers gewinnen sollen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kommunikationssituation im Radio
2.1.Das Radio in seiner Eigenschaft als Nebenbei- und Begleitmedium
2.2.Strategische Schlussforderungen
3. Medienrhetorik
4. Technik und Methoden der Rhetorik – Hinführung zur Empirie
5. Empirischer Teil
5.1. Methodische Vorbemerkung
5.2. Ergebnisse
6. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die Anwendbarkeit antiker rhetorischer Prinzipien auf die moderne journalistische Darstellungsform der Radiomoderation zu prüfen. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, wie Radiomoderatoren durch den gezielten Einsatz von Sprache rhetorische Mittel nutzen, um die Aufmerksamkeit der Hörer in einem medienübergreifenden Nutzungskontext zu gewinnen und zu binden.
- Analyse der spezifischen Kommunikationssituation des Radios als Nebenbei- und Begleitmedium.
- Theoretische Fundierung durch die Medienrhetorik und Anknüpfungspunkte an die antike Rhetorik.
- Untersuchung des strategischen Einsatzes von Moderationseinstiegen.
- Empirische Überprüfung durch Experteninterviews mit Vertretern der Radiopraxis.
Auszug aus dem Buch
2. Kommunikationssituation im Radio
In keinem anderen Medium ist das gesprochene Wort für Erfolg oder Misserfolg so entscheidend wie im Radio. Während Fernsehen und Printmedien mit visuellen Reizen ihre Botschaft unterstützen können, wird im Rundfunk lediglich der auditive Sinn angesprochen. Schon allein aus dieser Tatsache leitet sich die herausragende Bedeutung vom Einsatz der Sprache ab. Dies gilt insbesondere für das Formatradio.
Goldhammer unterstreicht in seiner Definition die strategische Ausrichtung des jeweiligen Senders:
„Ein Formatradioprogramm verfolgt das Ziel, im Hörfunkmarkt auf der Grundlage von Marktforschungsinformationen und einer daraus entwickelten Marketingstrategie ein unverwechselbares Radioprogramm als Markenprodukt zu etablieren, das genau auf die Bedürfnisse einer klar definierten Zielgruppe abgestimmt wird.“
Ausdrücklich hebt Goldhammer hervor, dass mit dieser zielgerichteten Ausrichtung alle Programmbestandteile gemeint sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik ein, stellt die Relevanz der Rhetorik für das Radio dar und definiert den Fokus auf die journalistische Moderation.
2. Kommunikationssituation im Radio: Dieses Kapitel erläutert die Besonderheiten des Radios als Nebenbei-Medium und die daraus resultierenden strategischen Notwendigkeiten für die Programmgestaltung.
2.1.Das Radio in seiner Eigenschaft als Nebenbei- und Begleitmedium: Hier wird der Funktionswandel des Radios und das Nutzungsverhalten des Hörers analysiert.
2.2.Strategische Schlussforderungen: Das Kapitel leitet aus der Nutzungssituation Anforderungen an die inhaltliche und sprachliche Gestaltung der Moderation ab.
3. Medienrhetorik: Es erfolgt eine terminologische Grundlegung der Rhetorik und deren Anpassung an die Bedingungen medienvermittelter Kommunikation.
4. Technik und Methoden der Rhetorik – Hinführung zur Empirie: Hier wird das rhetorische System der Antike auf die spezifische Fragestellung der Radiomoderation übertragen und die methodische Basis für den empirischen Teil gelegt.
5. Empirischer Teil: Der Teil dokumentiert die qualitative Untersuchung anhand von Experteninterviews mit Praktikern des Radiosenders Antenne Thüringen.
5.1. Methodische Vorbemerkung: Die Vorbemerkung legt das qualitative Vorgehen und die Auswahl der Experteninterviews dar.
5.2. Ergebnisse: Die Ergebnisse der Interviews werden ausgewertet und im Hinblick auf die rhetorischen Analysen diskutiert.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Anwendbarkeit rhetorischer Konzepte auf die moderne Radiopraxis.
Schlüsselwörter
Formatradio, Medienrhetorik, Radiomoderation, Antike Rhetorik, Kommunikation, Aufmerksamkeit, Zielgruppenorientierung, Nebenbeimedium, Experteninterviews, Rhetorische Mittel, Rundfunk, Hörerbindung, Strategische Kommunikation, Moderationseinstieg, Sprache
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und inwieweit sich Prinzipien der antiken Rhetorik auf die moderne journalistische Moderation im Formatradio anwenden lassen.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Kommunikationssituation im Radio, die Grundlagen der Medienrhetorik sowie die strategische sprachliche Gestaltung von Moderationseinstiegen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit möchte klären, wie Radiomoderatoren durch rhetorische Mittel die Aufmerksamkeit der Hörer gewinnen können, um diese in einem wettbewerbsintensiven Markt langfristig an den Sender zu binden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein theoretischer Ansatz der Medienrhetorik mit einer qualitativen empirischen Forschung kombiniert, die auf Experteninterviews mit Radioschaffenden basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Grundlagen der Rhetorik auf das Medium Radio übertragen, bevor in einem empirischen Teil die Praxis der Radiomoderation am Beispiel des Senders Antenne Thüringen untersucht wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Formatradio, Medienrhetorik, Radiomoderation, Aufmerksamkeit, Zielgruppenorientierung und Rhetorische Mittel.
Inwiefern beeinflusst der Status des Radios als "Nebenbei-Medium" die Rhetorik?
Da der Hörer das Radio meist in anderen Alltagssituationen nutzt, muss die rhetorische Gestaltung der Moderation besonders darauf ausgerichtet sein, den Hörer aus diesem unbewussten Nutzungsmodus zu holen und Relevanz zu erzeugen.
Welche Bedeutung kommt dem Moderationseinstieg nach den Ergebnissen der Arbeit zu?
Der Moderationseinstieg hat eine "Eisbrecherfunktion". Er ist entscheidend, um die Aufmerksamkeit des Hörers innerhalb von Sekunden zu gewinnen und ihn zur Weiternutzung des Senders zu bewegen.
Wie lässt sich die "Zielgruppenorientierung" rhetorisch umsetzen?
Die Befragten bestätigen, dass durch die bewusste Ausrichtung der Sprache auf die spezifische Lebenssituation des Hörers zu einer bestimmten Tageszeit eine höhere Identifikation und Aufmerksamkeit erzielt werden kann.
- Arbeit zitieren
- Jens Grotegut (Autor:in), 2009, Formatradio und die antike Rhetorik. Die journalistische Darstellungsform der Moderation, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/164682