In der heutigen Informationsgesellschaft wird die Bildung von Werten und Meinungen einer Gesellschaft zu großen Teilen von der Medienwirklichkeit bestimmt. Dem Journalismus fällt als Produzent der Medienrealität die zentrale Rolle in der Meinungs- und Wertbildung zu. Die dadurch entstehende Verantwortung in der Auswahl und Bewertung von Medieninhalten nehmen die Journalisten durch eine möglichst neutrale und ausgewogene Darstellung wahr. In diesem Zusammenhang wird die Öffentlichkeitsarbeit als Vermittler in der Kommunikation zwischen den Institutionen bzw. Organisationen und ihren Umwelten bedeutsam. Das Ver-hältnis zwischen dem PR-System und dem journalistischen System in Bezug auf die Bestimmung der Medieninhalte und damit auf den öffentlichen Meinungsbildungsprozess gewinnt dadurch an Interesse. Das Beziehungsgeflecht der beiden Systeme ist nicht nur für die Praxis der beiden Berufsfelder interessant, sondern hat Auswirkungen auf die Formung der gesellschaftlichen Wertvorstellungen im Allgemeinen.
Eine Voraussetzung für den Erfolg von Institutionen oder Organisationen ist das Vertrauen ihnen gegenüber in der Öffentlichkeit. Die Bevölkerung verfügt jedoch nur über geringe Möglichkeiten, das vertrauensvolle Handeln von Unternehmen durch eigene Betrachtungs-weisen zu überprüfen. Dadurch ist das Publikum auf die Vermittlung der öffentlichen Kom-munikation angewiesen. In diesem Zusammenhang werden die in der Berichterstattung thematisierten und messbaren Vertrauensfaktoren zu Einflussfaktoren öffentlichen Vertrauens. Eine Funktion von Öffentlichkeitsarbeit ist daher der Aufbau von Vertrauen über die Medien, welche wiederum durch die Beziehungsstrukturen zwischen den beiden Systemen beeinflusst wird. In den eher wenigen empirischen kommunikationswissenschaftlichen Untersuchungen zur Vertrauensthematik liegt der Schwerpunkt in der Betrachtung des kontinuierlichen Ver-trauensschwundes in der Bevölkerung gegenüber der Politik und speziell in der Untersuchung politischer Vertrauenskrisen im Zeitverlauf. Das in dieser Arbeit gewählte Fallbeispiel der Nichtregierungsorganisation amnesty international beinhaltet eine eher gegenteilige Richtung. Umfragen zeigen, dass NGOs in der Bevölkerung ein kontinuierlich hohes Vertrauen mit steigender Tendenz entgegen gebracht wird. In diesem Zusammenhang wird in der vorliegenden Arbeit die positive Bewertung von Einflussfaktoren öffentlichen Vertrauens eine entscheidende Rolle spielen (...)
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
1. Gegenstand der Arbeit
2. Zielsetzung und Forschungsfragen
3. Aufbau der Arbeit
II. Theoretische Grundlagen
4. Die Beziehung zwischen Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus
4.1 Zum Verständnis von Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit
4.2 Öffentlichkeit im Kontext der Öffentlichkeitsarbeit
4.3 Die Determinationshypothese
4.3.1 Die Determinationshypothese in der Diskussion
4.4 Das Intereffikationsmodell
4.4.1 Das Intereffikationsmodell in der Diskussion
4.4.3 Weiterentwicklung des Intereffikationsmodells
4.4.2 Empirische Überprüfung des Intereffikationsmodells
4.5 Zwischenfazit
5. Non-Governmental-Organizations - NGOs
5.1 Definition und Begriffsbestimmung
5.2 NGOs als Akteure in der Öffentlichkeit
5.3 Die Öffentlichkeitsarbeit von NGOs
5.3.1 Die Öffentlichkeitsarbeit von NGOs als Non-Profit-PR
5.3.2 Die Ziele der Öffentlichkeitsarbeit von NGOs
5.3.3 Die Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit von NGOs
5.4 NGOs im Feld der Menschenrechte
5.5 Die Menschenrechtsorganisation amnesty international
5.5.1 Aufbau und Struktur der deutschen Sektion von amnesty international
5.5.2 Die Kommunikatortypen in der Kommunikation von amnesty international
5.5.3 Die Ziele der Öffentlichkeitsarbeit von amnesty international
5.5.4 Die Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit von amnesty international
5.6 Zwischenfazit
6. Vertrauen
6.1. Begriffliche Vorklärung zu Vertrauen und Glaubwürdigkeit
6.2 Vertrauen in der wissenschaftlichen Betrachtung – Ein Überblick
6.2.1 Politik und Vertrauen
6.2.2 NGOs und Vertrauen
6.3 Eine Theorie des öffentlichen Vertrauens
6.3.1 Vertrauensfaktoren als Einflussfaktoren öffentlichen Vertrauens
6.3.2 Kommunikative Diskrepanz und Konsistenz
6.3.3 Empirische Überprüfung einer Theorie des öffentlichen Vertrauens
6.4 Zwischenfazit
III. Input-Output-Analyse am Fallbeispiel amnesty international
7. Konzeption der Input-Output-Analyse
7.1 Die Methode der Inhaltsanalyse
7.2 Erkenntnisinteresse und Forschungsfrage
7.3 Hypothesen
7.4 Untersuchungsanlage
7.4.1 Analyseeinheit und Stichprobe
7.4.2 Kategoriensystem
7.4.3 Validität und Reliabilität
7.5 Methodenkritik
8. Darstellung und Interpretation der Ergebnisse
8.1 Ergebnisse der Inhaltsanalyse des Inputs
8.1.1 Formale Kategorien
8.1.2 Inhaltliche Kategorien
8.2 Ergebnisse der Inhaltsanalyse des Outputs
8.2.1 Formale Kategorien
8.2.2 Inhaltliche Kategorien
8.2.3 Einflussfaktoren öffentlichen Vertrauens in den Presseartikeln
8.3 Ergebnisse der vergleichenden Inhaltsanalyse
8.3.1 Übernahme der Themen und genannten Akteure in den Artikeln
8.3.2 Übernahme von Kernbotschaften und zitierten Akteuren
8.3.3 Übernahme von Zahlenangaben
8.3.4 Timing der Berichterstattung
8.3.5 Quellentransparenz der Artikeln
8.3.6 Transformationsleistungen der Journalisten
8.3.7 Übernahme von Bewertungen in den Artikeln
8.3.8 Einflussfaktoren öffentlichen Vertrauens
8.4 Hypothesengeleitete Interpretation der Ergebnisse
8.5 Induktions- und Adaptionsleistungen
IV. Zusammenfassung und Fazit
9. Erkenntnisse für das Intereffikationsmodell
10. Erkenntnisse für eine Theorie öffentlichen Vertrauens
11. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Beziehungsstruktur zwischen Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus am Fallbeispiel der deutschen Sektion von amnesty international. Das zentrale Ziel besteht darin, die Induktions- und Adaptionsleistungen der NGO-Kommunikation im Verhältnis zur Printmedienberichterstattung zu analysieren, wobei der Einfluss der Berichterstattung auf die Vertrauensbildung gegenüber der Organisation im Mittelpunkt steht.
- Wechselseitige Beziehungsstrukturen zwischen PR-Systemen und Journalismus
- Einflussfaktoren öffentlichen Vertrauens und deren Thematisierung
- Methodische Anwendung der Input-Output-Analyse
- Induktions- und Adaptionsleistungen als Mechanismen der Kommunikation
- Besonderheiten der NGO-Kommunikation am Beispiel amnesty international
Auszug aus dem Buch
4.4 Das Intereffikationsmodell
Hoffjann sieht den Grundgedanken des Intereffikationsmodell in der von Saxer Anfang der 80er Jahre aufgestellten Interdependenzthese (vgl. Hoffjann 2001: 184). In Saxers Betrachtung der Interaktion zwischen dem politischen System und dem publizistischen System untersucht er das Vorhandensein einer „Medienmacht“ (Saxer 1983: 448). Saxer ist der Meinung, dass die Öffentlichkeitsarbeit „Gegen- oder zumindest kompensatorische Strukturen“ (Saxer 1983: 450) errichte, die den publizistischen Medien entgegengesetzt werden. Er identifiziert zwischen dem politischen PR-System und dem publizistischen System „Verflechtungen“ (Saxer 1981: 501) sowie „elementare funktionale Interpedenzen“ (Saxer 1981: 505), „gegenseitige Funktionszusammenhänge“ und „Parallelstrukturen“ (Saxer 1981: 502).
Das Intereffikationsmodell von Bentele, Liebert und Seeling berücksichtigt 1997 im Gegenzug zur Determinationshypothese mit einem „Modell höherer Komplexität“ (Bentele 2005: 209) drei zentrale Aspekte:
1. Eine Machtbeziehung der Öffentlichkeitsarbeit im Bezug auf den Journalismus sei zu einfach.
2. Neben den Einflüssen von der Öffentlichkeitsarbeit auf den Journalismus gebe es auch gegenläufige Einflüsse.
3. Neben den unmittelbar wirkenden Einflüssen existiere eine weitere fundamentale Beziehungsdimension der „Adaption“ (Bentele 2005: 210).
Die Autoren gehen von dem bereits erläuterten Arenenmodell der Öffentlichkeit aus, das ihnen als Basis für ihr Beziehungsmodell zwischen Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit dient. Sie plädieren dafür, das Verhältnis zwischen Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus „kommunikationswissenschaftlich besser als komplexes Verhältnis eines gegenseitig vorhandenen Einflusses, einer gegenseitigen Orientierung und einer gegenseitigen Abhängigkeit zwischen zwei relativ autonomen Systemen zu begreifen“ (Bentele/Liebert/Seeling 1997: 240).
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Diese Einleitung führt in den Gegenstand der Arbeit ein, definiert die Forschungsfragen zur Beziehungsstruktur zwischen Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
II. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel liefert den theoretischen Rahmen, indem es die Beziehung zwischen Journalismus und PR beleuchtet, zentrale Modelle wie das Intereffikationsmodell diskutiert, NGOs als Akteure definiert und eine Theorie des öffentlichen Vertrauens erarbeitet.
III. Input-Output-Analyse am Fallbeispiel amnesty international: Der empirische Teil erläutert die Konzeption der Input-Output-Analyse, stellt die angewandte Inhaltsanalyse sowie die Untersuchungsanlage vor und präsentiert die Ergebnisse der Untersuchung im Kontext der aufgestellten Hypothesen.
IV. Zusammenfassung und Fazit: Dieser Abschnitt führt die theoretischen und empirischen Erkenntnisse zusammen, bewertet die Anwendbarkeit des Intereffikationsmodells sowie der Theorie öffentlichen Vertrauens und zieht ein abschließendes Fazit zur Fallstudie.
Schlüsselwörter
Öffentlichkeitsarbeit, Public Relations, Journalismus, Intereffikationsmodell, Determinationshypothese, NGO, amnesty international, öffentliches Vertrauen, Glaubwürdigkeit, Input-Output-Analyse, Inhaltsanalyse, Medienberichterstattung, Vertrauensfaktoren, Induktion, Adaption.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wechselbeziehung zwischen dem PR-System und dem journalistischen System am Beispiel der Nichtregierungsorganisation amnesty international und analysiert dabei, wie Kommunikation Vertrauen in der Öffentlichkeit beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen Public Relations und Journalismus, das Intereffikationsmodell, die Arbeit von NGOs im Menschenrechtskontext sowie Theorien zum öffentlichen Vertrauen und deren Einflussfaktoren.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es, die Induktions- und Adaptionsleistungen der Öffentlichkeitsarbeit von amnesty international im Verhältnis zur Printmedienberichterstattung zu untersuchen und deren Auswirkungen auf die Einflussfaktoren öffentlichen Vertrauens zu bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der Inhaltsanalyse im Rahmen einer Input-Output-Analyse, um systematisch Presseinformationen der NGO und die darauf basierende mediale Berichterstattung zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der PR-Journalismus-Beziehung und Vertrauenstheorien sowie einen empirischen Teil, der die Fallstudie anhand spezifischer Hypothesen konzipiert, durchführt und auswertet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Öffentlichkeitsarbeit, Intereffikationsmodell, NGO, amnesty international, öffentliches Vertrauen, Input-Output-Analyse und Medienberichterstattung.
Welche Rolle spielt amnesty international in dieser Fallstudie?
Die Organisation dient als Fallbeispiel, da sie eine basisdemokratische Struktur aufweist, die besondere Herausforderungen an ihre Öffentlichkeitsarbeit stellt und aufgrund ihres Expertenstatus im Menschenrechtsbereich eine spezifische mediale Wahrnehmung genießt.
Warum ist das Intereffikationsmodell für diese Untersuchung zentral?
Das Modell dient als theoretischer Rahmen, da es das Verhältnis zwischen PR und Journalismus nicht als einseitige Dominanz, sondern als komplexes System gegenseitiger Abhängigkeit und wechselseitiger Einflussnahme begreift.
- Arbeit zitieren
- MA Julia Marg (Autor:in), 2007, Die Beziehung zwischen Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/164642