Im Rahmen dieser Hausarbeit wird erarbeitet, welche Herausforderungen das Internet an die eigene Selbstpräsentation stellt. Da offensichtlich allein durch Daten aus sozialen Netzwerkseiten (Xing, Stayfriends oder Facebook) ein Bild über einer Person entstehen kann, wird das Identitätsmanagement innerhalb dieser Plattformen dabei im Vordergrund stehen. Nach einer theoretischen Heranführung an das Thema, gilt es dann in einem empirischen Teil anhand von qualitativen Leitfadeninterviews mit Nutzern von sozialen Netzwerken herauszufinden, wie Identitätsmanagement in der Praxis verläuft. Dazu ist es notwendig, zunächst einmal zu klären, was unter Identität überhaupt zu verstehen ist und wie diese von Menschen konstruiert wird. Dies soll anhand des Identitätskonzeptes von George H. Mead erfolgen. Im Anschluss daran wird untersucht, ob dieses Konzept auf soziale Netzwerkseiten übertragbar ist und welche Besonderheiten dieser Umstand mit sich bringt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Identität
2.1. Arbeitsdefinition: Identität
2.2. Identitätskonstruktion nach George H. Mead
3. Identitätskonstruktion im Internet
3.1. „Me“ und „I“ im Internet
3.2. Soziale Netzwerke im Internet
4. Empirischer Teil
4.1. Beschreibung der Interviewpartner
4.2. „Me“ und „I“ 2.0
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, welche Herausforderungen das Internet und soziale Netzwerke an die eigene Identitätspräsentation und das Identitätsmanagement stellen. Basierend auf dem Identitätskonzept von George H. Mead wird analysiert, wie Individuen ihre Identität in virtuellen Räumen konstruieren und welche Strategien sie dabei anwenden.
- Theoretische Fundierung der Identität nach George H. Mead
- Übertragbarkeit identitätstheoretischer Konzepte auf das Internet
- Herausforderungen der Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken
- Empirische Untersuchung mittels qualitativer Leitfadeninterviews
- Analyse des Identitätsmanagements im Kontext privater und beruflicher Nutzung
Auszug aus dem Buch
Identitätskonstruktion nach George H. Mead
Auch wenn Identitäten aus Merkmalen des Individuums bestehen (Körpergröße, Nationalität, Religion), ist „die Erfahrung einer Identität ausschließlich aus sich selbst heraus [...] nicht möglich“ (Mead, 1973:239). Der Einzelne wird erst zum Objekt, „indem er die Haltungen anderer Individuen gegenüber sich selbst innerhalb einer gesellschaftlichen Umwelt oder eines Erfahrungs- und Verhaltenskontextes einnimmt, in den er ebenso wie die anderen eingeschaltet ist“ (ebd.:180). Schließlich muss ein Merkmal zunächst durch ein (soziales) System definiert werden, um es dann individuelle Eigenschaft von der Allgemeinheit abgrenzbar zu machen oder wie es Abels formuliert: „Das Individuum wird sich mit seiner Identität erst bewusst, wenn es sich mit den Augen der Anderen sieht“ (2001:24). Insofern müsste die Frage nach der eigenen Identität, also „Wer bin ich?“, um den Zusatz „in Bezug auf andere“ ergänzt werden. Dazu gilt es nach Mead, sich in diese anderen hineinzuversetzen, da sich Menschen erst durch Übernahme der Standpunkte bzw. Rollen „auf sich selbst besinnen und so ihren eigenen Kommunikationsprozess lenken“ (1973:300) können.
Diese Rollenübernahme geschieht für ihn dabei in zwei Schritten: Im Spiel (engl. „play“) lernt beispielsweise das Kind zunächst einmal, sich in bestimmte Rollen (Elternteil, Lehrer, etc.) hineinzuversetzen (vgl. ebd.:195f). Im Wettkampf (engl. „game“) gilt es dann, die Haltung bzw. Rollen aller anderen zu antizipieren. Mead verdeutlicht dies am Beispiel eines Baseballspielers, dessen Handlungen vom voraussichtlichen Handeln aller anderen Beteiligten abhängig sind: „Er hat ihre Haltungen in sich, weiß über ihre Wünsche und über die Folgen jeder seiner Handlungen Bescheid“ (ebd.:218). Diese soziale Komponente bezeichnet Mead als das „Me“. In der Literatur wird sie teilweise auch als „reflektiertes Ich“ (vgl. Abels, 2001) oder „soziale Identität“ (vgl. Misoch, 2004) tituliert. Daneben existiert eine weitere Identitätssache: Die „persönliche Identität“ (vgl. Misoch 2004), bzw. das „impulsive Ich“ (vgl. Abels, 2001) oder „I“ (Mead, 1973), welches als „Reaktion des Organismus auf die Haltungen anderer“ (ebd.:218) zu verstehen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Identitätskonstruktion in sozialen Netzwerken ein und begründet die Relevanz der Forschungsfrage anhand eines praktischen Experiments.
2. Identität: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Identität und erläutert theoretisch das Identitätskonzept von George H. Mead als Grundlage der Arbeit.
3. Identitätskonstruktion im Internet: Hier wird untersucht, wie das Konzept von „Me“ und „I“ auf das Internet übertragen werden kann und welche spezifischen Herausforderungen soziale Netzwerke für die Selbstdarstellung bergen.
4. Empirischer Teil: Im empirischen Teil werden zwei Fallbeispiele anhand von Interviews analysiert, um die praktischen Strategien des Identitätsmanagements in sozialen Netzwerken aufzuzeigen.
5. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der theoretischen Erkenntnisse und der empirischen Ergebnisse, wobei die Chancen und Risiken der Identitätskonstruktion im Netz resümiert werden.
Schlüsselwörter
Identität, Identitätskonstruktion, George H. Mead, soziales Netzwerk, Internet, Selbstdarstellung, Identitätsmanagement, Teilidentität, Kommunikation, Rollenübernahme, Web 2.0, virtuelle Identität, Privatsphäre, Nutzerverhalten, Online-Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Herausforderungen, die das Internet und soziale Netzwerke für die Konstruktion und Präsentation der eigenen Identität mit sich bringen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Identitätstheorie nach George H. Mead, die Besonderheiten der Online-Kommunikation, das Management von Teilidentitäten und die Auswirkungen sozialer Netzwerke auf die Selbstdarstellung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu erarbeiten, welche Herausforderungen das Internet an das Identitätsmanagement stellt und wie Nutzer dieses in der Praxis gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Herleitung auf Basis von George H. Mead sowie einen empirischen Teil mit qualitativen Leitfadeninterviews.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Identität und eine empirische Analyse, in der das Identitätsmanagement von Nutzern sozialer Netzwerke anhand von Fallbeispielen untersucht wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Identitätskonstruktion, soziales Netzwerk, Selbstdarstellung, Identitätsmanagement und das Konzept von „Me“ und „I“ geprägt.
Wie unterscheiden die interviewten Personen ihre Identität in verschiedenen Netzwerken?
Die Interviewpartner zeigen, dass sie ihre Identität kontextabhängig anpassen, indem sie beispielsweise zwischen privater und beruflicher Nutzung sowie verschiedenen Netzwerken wie Xing, Facebook oder studiVZ strikt trennen.
Welche Rolle spielt die Privatsphäre bei der Identitätskonstruktion?
Die Privatsphäre ist ein entscheidender Faktor, da Nutzer bewusst oder unbewusst ihre Daten preisgeben und durch Privatsphäre-Einstellungen versuchen, ihr Identitätsmanagement zu kontrollieren, was jedoch aufgrund der Unvorhersehbarkeit der Reichweite oft schwierig bleibt.
- Arbeit zitieren
- Jens Grotegut (Autor:in), 2010, "Me" und "I" 2.0, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/164625