Im Mittelpunkt steht die Untersuchung, ob und wie NAFTA den mexikanischen Strom an legalen und illegalen Arbeitern in die USA reduziert oder gar erhöht hat. Daher werden zuerst die grundsätzlich für Migration geltenden Determinanten dargestellt (Kap. 2). Dazu werden im 1. Teil die wichtigsten Theorien der internationalen Migration vorgestellt. Sie liefern Erklärungsansätze für die Auslöser von Migrationsströmen sowie für deren Aufrechterhaltung. Im 2. Teil werden Beiträge dargestellt, die sich mit dem Einfluss von Freihandel auf die Migration beschäftigen. Besonders hervorgetan haben sich dabei P. Martin und Wayne A. Cornelius, die für den kurz- und mittelfristigen Zeitraum nach Einrichtung einer Freihandelszone zunächst eine Erhöhung der Migrationsströme und langfristig einen folgenden Rückgang derselben vorhersagen. Anschließend werden der NAFTA-Vertrag und seine Inhalte vorgestellt (Kap. 3), ebenso die damit verbundenen Ziele und Hoffnungen sowie die arbeitsmarktbezogene Kontroverse, die die Verhandlungen und die Ratifizierung des Freihandelsabkommens begleitet hat. Im Folgenden werden die Auswirkungen von NAFTA auf Mexiko und die USA betrachtet und die damit zusammenhängende Entwicklung der Migration. Dazu wird in Kap. 4 der Einfluss von NAFTA auf die Migrationsdeterminanten in den USA herausgearbeitet. Dabei werden die Entwicklungen auf der makroökonomischen Ebene betrachtet. Am Bsp. Kaliforniens wird der Einfluss von NAFTA auf den Arbeitsmarkt dargestellt,gefolgt von einer Gesamtbetrachtung des US-amerikanis. Arbeitsmarktes nach dem In-Kraft-Treten von NAFTA und das Migrationsproblem zwischen Mexiko und den USA. Das Kapitel schließt mit einem Zwischenfazit zu den Veränderungen der Migrationsdeterminanten in den USA seit dem In-Kraft-Treten von NAFTA.
In Kap. 5 wird die Situation in Mexiko betrachtet, wobei zur makroökonomischen Entwicklung die Pesokrise dargelegt wird. Die Auswirkungen von NAFTA auf die für die Migration entscheidenden Faktoren Löhne und Beschäftigung in Mexiko werden untersucht. Dabei werden die für die mexikanische Wirtschaft wichtigen Sektoren, die Maquiladora-Industrie und die Landwirtschaft, vertieft betrachtet. Dieses Kapitel endet mit einem Zwischenfazit zu den Veränderungen der in Mexiko wirkenden Migrationsdeterminanten seit dem In-Kraft-Treten von NAFTA. Im Schlusswort folgen eine Zusammenfassung der einzelnen Erkenntnisse und ein Fazit,ob NAFTA die Migration zwischen Mexiko und den USA positiv oder negativ beeinflusst hat.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Determinanten der Migration
2.1 Theorien zur internationalen Migration
2.1.1 Die Neoklassische Theorie
2.1.2 Die neue Migrationsökonomik
2.1.3 Das Gravitationsmodell und der Push-Pull-Ansatz
2.1.4 Die Duale Arbeitsmarkttheorie
2.1.5 Die Netzwerktheorie
2.2 Handel und der Migrationsbuckel
3 NAFTA – Vertrag, Kontroverse, Motivation
4 Einfluss der NAFTA auf die Migrationsdeterminanten in den USA
4.1 Makroökonomische Rahmenbedingungen zum Beginn von NAFTA: Technologieboom und Rezession
4.2 Wirkungen von NAFTA am Beispiel Kaliforniens
4.3 Determinanten der Arbeitsnachfrage in den USA nach In-Kraft-Treten von NAFTA und die Migrationspolitik der USA
4.4 Die Pullfaktoren in den USA - ein Resümee
5 Einfluss von NAFTA auf die Migrationsdeterminanten in Mexiko
5.1 Die Ausgangssituation Mexikos und die makroökonomischen Rahmenbedingungen
5.2 Die Auswirkungen von NAFTA auf die Push-Faktoren der Migration in Mexiko
5.3 Die Entwicklung der regionalen Wirtschaftsstrukturen
5.3.1 Sektor Maquiladora
5.3.2 Die Landwirtschaft
5.4 Pushfaktoren in Mexiko – ein Resümee
6 Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob und inwiefern das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) den Strom legaler und illegaler Arbeitsmigranten von Mexiko in die USA nachhaltig beeinflusst hat, wobei die ökonomischen Determinanten der Migration im Fokus stehen.
- Analyse theoretischer Migrationsansätze (Neoklassik, neue Migrationsökonomik, Duale Arbeitsmarkttheorie).
- Untersuchung des "Migrationsbuckel"-Modells im Kontext der Handelsliberalisierung.
- Evaluation der ökonomischen Rahmenbedingungen und Arbeitsmarktstrukturen in den USA (insb. Kalifornien) nach NAFTA.
- Betrachtung der strukturellen Auswirkungen von NAFTA auf die mexikanische Wirtschaft (Maquiladora-Sektor und Landwirtschaft).
- Diskussion des Einflusses der US-Migrationspolitik auf die Arbeitsnachfrage.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Die Neoklassische Theorie
Die klassische Theorie nach Adam Smith erklärt den Urbanisierungsprozess im Zuge der Industrialisierung und die damit verbundene Arbeitsmigration. Zwar verfolgte der Ansatz ursprünglich nicht das Ziel, das internationale Migrationsphänomen zu untersuchen, er liefert jedoch einen ersten Einblick in migrationsauslösende Faktoren. Ausgangspunkt der Migrationsentscheidung sind die bestehenden Lohnunterschiede zwischen Sender- und Empfängerland, die den Migranten veranlassen, dort hinzugehen, wo er seinen Nutzen über das Einkommen maximieren kann.
Der neoklassische Ansatz wird in zwei Modellen verfeinert. Im mikroökonomischen Modell steht das individuelle Kosten-Nutzen-Kalkül im Vordergrund. Ausgehend vom Humankapitalansatz von Larry A. Sjaastad (1962) wird die internationale Migration als eine langfristige Investition in das Humankapital betrachtet, die sich im Laufe der Zeit amortisiert. Der abdiskontierte Einkommensgewinn des Migranten entsteht durch die Differenz zwischen den erwarteten Einkommen im Ziel- und Herkunftsland. Der Humankapital-Bestand des Individuums beeinflusst die Entlohnung und die Beschäftigungswahrscheinlichkeit. Produktivität ist in diesem Ansatz mit Humankapital gleich zu setzen, ihr Anstieg geht mit einer höheren Entlohnung einher. Reduziert wird der Einkommensgewinn durch die Mobilitätskosten. Sie umfassen die Transportkosten vom Herkunfts- zum Zielort, die Unterkunftskosten am Zielort und auch die psychische Belastung, Freunde und Familie verlassen zu müssen. Bei der illegalen Migration kommen noch Kosten hinzu, die durch die physische Belastung der Grenzüberquerung und die Bezahlung von Grenzschleppern, so genannten Coyote, erzeugt werden.
Folglich steigt die Migrationswahrscheinlichkeit „…je höher die Einkünfte im Zielland im Vergleich zu den jetzigen Einkommen im Herkunftsland, je kleiner die Wanderungskosten sind, je mehr Jahre im Erwerbsleben noch verbracht werden müssen.“ Bereits im Zielland ansässige Migranten aus dem gleichen Herkunftsland stellen einen Kosten reduzierenden Faktor dar. Sie können die psychische Belastung lindern, fern der Heimat zu sein. Eine vertiefende Darstellung hierzu folgt im Abschnitt 2.1.5.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert den Kontext des NAFTA-Abkommens und formuliert die zentrale Fragestellung bezüglich der Auswirkungen auf Migrationsströme zwischen Mexiko und den USA.
2 Die Determinanten der Migration: Dieses Kapitel liefert die theoretische Basis, indem wichtige migrationsökonomische Theorien sowie das Modell des Migrationsbuckels vorgestellt werden.
3 NAFTA – Vertrag, Kontroverse, Motivation: Hier werden die Inhalte des Freihandelsvertrags sowie die damit verbundenen Ziele und politischen Kontroversen dargelegt.
4 Einfluss der NAFTA auf die Migrationsdeterminanten in den USA: Dieses Kapitel analysiert die US-amerikanische Arbeitsmarktentwicklung und den spezifischen Einfluss von NAFTA sowie der Migrationspolitik.
5 Einfluss von NAFTA auf die Migrationsdeterminanten in Mexiko: Die Untersuchung konzentriert sich auf die makroökonomischen Schocks, wie die Pesokrise, und die strukturellen Auswirkungen in Sektoren wie der Maquiladora-Industrie und der Landwirtschaft.
6 Schlusswort: Das Schlusswort resümiert, dass NAFTA die erhoffte Migrationsminderung bisher nicht erreicht hat und die Ursachen für anhaltende Migration in einem komplexen Gefüge aus krisenbedingten Schocks, demografischem Druck und US-Arbeitsmarktnachfrage liegen.
Schlüsselwörter
NAFTA, Internationale Migration, Arbeitsmarkt, Mexiko, USA, Freihandel, Migrationstheorien, Maquiladora, Arbeitsnachfrage, Pesokrise, Humankapital, Netzwerkeffekte, Migrationsbuckel, Strukturwandel, Push-Pull-Faktoren
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie sich das nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA auf die Migrationsbewegungen zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten ausgewirkt hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind Migrationstheorien, die ökonomischen Auswirkungen von Freihandelsabkommen, die Arbeitsmarktentwicklung in den USA (insbesondere Kalifornien) und die Auswirkungen auf die mexikanische Wirtschaftsstruktur.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es zu untersuchen, ob NAFTA den Strom an legalen und illegalen Arbeitskräften reduziert hat, wie es von den Unterzeichnern erhofft wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine wissenschaftliche Arbeit im Bereich der internationalen Volkswirtschaftslehre, die theoretische Modelle mit empirischen Daten und Studien zu Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsindikatoren verknüpft.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die ökonomischen Determinanten der Migration, die Geschichte und Ziele von NAFTA sowie die spezifischen Auswirkungen der Handelsliberalisierung auf die US-amerikanische Nachfrage nach Arbeitskräften und die Push-Faktoren innerhalb Mexikos.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind NAFTA, Migrationsdeterminanten, Freihandel, Arbeitsmarkt, Maquiladora, Pesokrise und Migrationsbuckel.
Inwiefern hat die "Pesokrise" die Auswirkungen von NAFTA beeinflusst?
Die Finanzkrise von 1995 wirkte als exogener Schock, der den kurzfristigen Migrationsdruck massiv erhöhte und die positiven Integrationserwartungen von NAFTA in den ersten Jahren überlagerte.
Welche Rolle spielen Netzwerke für die Migration zwischen Mexiko und den USA?
Netzwerke werden als entscheidender Faktor identifiziert, da sie Informationsflüsse über Arbeitsmöglichkeiten sicherstellen, Migrationskosten reduzieren und die Migrationswahrscheinlichkeit unabhängig von kurzfristigen Lohnschwankungen stabilisieren.
- Quote paper
- Ksenija Kos (Author), 2007, NAFTA und das Migrationsproblem zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten (USA), Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/164497