Es gibt eine Reihe von unterschiedlichen Ansätzen und Theorien innerhalb der Erziehungswissenschaften bzw. der Pädagogik. Die drei Hauptbausteine sind die: Hermeneutisch – Geisteswissenschaftliche Pädagogik; die Kritische Erziehungswissenschaft und die Kritisch – Rationale (Empirische) Erziehungswissenschaft. Zwischen diesen unterschiedlichen Theorien kam es in den 60er Jahren zum Positivismus Streit, bei der Frage ob Erziehungswissenschaften praktisch oder theoretisch sein sollten. Zwischen diesen klassischen Positionen steht Theodor Ballauff mit seiner Bildungslehre. Er besitzt zwar auch Elemente der Klassiker, ohne jedoch selber ein Klassiker zu sein. Dabei schafft er einen völlig neuen Ansatz für die Erziehungswissenschaften.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kritische Auseinandersetzung mit bisherigen Bildungslehren
2.1 Anthropologische Begründungen
2.1.1 Defizientheorie
2.1.2 Abundanztheorie
2.2 Philosophische Sicht von Kant
3. Das antithetische Bildungskonzept
3.1 Kritik am pädagogischen Humanismus und Realismus
3.2 Die Theorie der Selbstlosigkeit
3.2.1 Bildung als Selbstsuche
3.2.2 Menschliche Fundamentalideologie
3.2.3 Ethische Selbstrechtfertigungslehre
4. Wertebewusstsein und Prinzipien der Erziehung
4.1 Das Prinzip der Sachgemäßheit
4.2 Das Prinzip der Kindgemäßheit
5. Selbstständigkeit im Denken
5.1 Abgrenzung zwischen Mensch und Tier
5.2 Kritik am abendländischen Denken
6. Bildung als Weg des selbstlosen Denkens
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert Theodor Ballauffs Bildungslehre, um zu untersuchen, wie durch ein "antithetisches Bildungskonzept" und die Abkehr von instrumenteller Rationalität eine pädagogische Theorie der Selbstlosigkeit begründet werden kann.
- Kritische Analyse anthropologischer Erziehungstheorien (Defizienz- vs. Abundanztheorie).
- Untersuchung der philosophischen Grundlagen bei Kant im Kontext von Erziehung.
- Herausarbeitung der Theorie der Selbstlosigkeit als Gegenentwurf zur instrumentellen Vernunft.
- Diskussion der Prinzipien der Sachgemäßheit und Kindgemäßheit.
- Erörterung des Begriffs der Selbstständigkeit im Denken als Ziel von Bildung.
Auszug aus dem Buch
Das antithetische Bildungskonzept
Somit geht Ballauff in seinem Buch mit einer ganzen Reihe von unterschiedlichen Theorien und Bildungsansätzen in die Kritik. Dabei versucht er eine neue Theorie, sein „antithetisches Bildungskonzept“ zu bilden und zu rechtfertigen. Dabei wendet sich Ballauffs „Antithetisches Bildungskonzept“ gegen eine jedwede Lehre eines letzten Ziels bzw. letzter Ziele. Pädagogischer Humanismus wie auch pädagogischer Realismus unterscheiden sich nach Ballauff nicht darin, Dinge; Lebewesen; Mitmenschen und deren Verhältnisse zum Nutzbringer ihres jeweiligen Zentrums zu instrumentalisieren.
Nach Zurückweisung anthropologischer, soziologischer und ethischer Begründungen von Erziehungstheorie gründet Ballauff seine Theorie auf der Selbstlosigkeit. Dabei lehnt er eine Bildung als Selbstsuche genauso ab wie z.B. die menschliche Fundamentalideologie. Bei der Bildung als Selbstsuche geht es darum, dass der Mensch nicht als Mitglied der Gesellschaft geboren wird. Es muss folglich zu einer Sozialisation des Zöglings in irgendeiner Form der Erziehung kommen. Dadurch gelangt der Mensch zu „Bildung“ und kann nun von außen einen Blick auf die Sozialisation werfen und auf diese einwirken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung ordnet Ballauffs Bildungslehre in den Kontext der Erziehungswissenschaften ein und stellt den kritischen Grundansatz gegenüber klassischen Theorien vor.
2. Kritische Auseinandersetzung mit bisherigen Bildungslehren: In diesem Teil wird die Kritik an anthropologischen Ansätzen wie der Defizienz- und Abundanztheorie sowie an Kants Moralphilosophie dargelegt.
3. Das antithetische Bildungskonzept: Hier erläutert der Autor Ballauffs Gegenentwurf zur instrumentellen Vernunft und begründet seine Theorie der Selbstlosigkeit als pädagogisches Leitmotiv.
4. Wertebewusstsein und Prinzipien der Erziehung: Dieses Kapitel behandelt die Bedeutung von Maßstäben und die Prinzipien der Sachgemäßheit sowie Kindgemäßheit für die pädagogische Praxis.
5. Selbstständigkeit im Denken: Hier wird der Fokus auf die kognitive Differenz zwischen Mensch und Tier sowie die Kritik am egozentrischen abendländischen Denken gelegt.
6. Bildung als Weg des selbstlosen Denkens: Das letzte Kapitel definiert Bildung als lebenslangen Prozess, der zur Selbstständigkeit führt und die Distanz zum rein instrumentellen Wissen überbrückt.
Schlüsselwörter
Theodor Ballauff, Bildungslehre, Selbstlosigkeit, Erziehungswissenschaft, Anthropologie, Kant, Kategorischer Imperativ, Sachgemäßheit, Kindgemäßheit, Selbstständigkeit im Denken, Abendländisches Denken, Humanismus, Sozialisation, Pädagogik, Nihilismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Bildungslehre von Theodor Ballauff und seiner kritischen Auseinandersetzung mit klassischen Erziehungstheorien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die philosophische Anthropologie, die Kritik der instrumentellen Vernunft und die Definition von Bildung als selbstloser Prozess.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Darstellung und Rechtfertigung von Ballauffs "antithetischem Bildungskonzept", das den Menschen von seiner instrumentellen Zweckbestimmung befreien soll.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche und theoretische Analyse, die zentrale Texte Ballauffs kritisch interpretiert und vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Abkehr von traditionellen Begründungen der Pädagogik und entwickelt Ballauffs Prinzipien der Sach- und Kindgemäßheit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie Selbstlosigkeit, Bildungslehre, Exzentrisches Denken und das Antithetische Bildungskonzept geprägt.
Inwiefern kritisiert Ballauff Immanuel Kant?
Ballauff kritisiert Kant insbesondere dafür, dass dessen Morallehre den Menschen auf eine Pflicht-Neigungs-Spannung reduziert und der Mensch dabei weiterhin als Mittel zum Zweck der moralischen Vervollkommnung fungiert.
Was versteht Ballauff unter dem "antithetischen Bildungskonzept"?
Es ist ein Konzept, das gegen jede Lehre von "letzten Zielen" auftritt und Bildung als Prozess begreift, in dem der Mensch lernt, Dinge und Mitmenschen nicht nur nach ihrem Nutzen für das eigene Zentrum zu beurteilen.
- Arbeit zitieren
- Sascha Pfeiffer (Autor:in), 2010, Über Pädagogik als Bildungslehre von Theodor Ballauff, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/163956