Das Geheimnis der Sprache – so lautete unlängst der Titel einer Ausgabe des Magazins Geo Wissen. Im Fokus standen im Allgemeinen die menschliche Sprache, welche bereits im Vorwort der Zeitschrift als „die bedeutendste Errungenschaft der Menschheit“ (Simon 2007: 3) bezeichnet wird, und im Besonderen der Spracherwerb von Kindern. Die menschliche Sprache gilt als das artspezifische Kommunikationsmittel, welches den modernen Menschen von allen anderen Spezies unterscheidet. Seit jeher sind die Menschen fasziniert von dem Phänomen Sprache gewesen. Diese Faszination mag ihren Ursprung unter anderem in der Tatsache haben, dass beinahe alle Kinder ihre Muttersprache (oder Erstsprache) ungeachtet kultureller, sozialer oder intellek-tueller Unterschiede scheinbar mühelos erlernen. Dennoch ist der Erstspracherwerb „die komplexeste aller Aufgaben, mit denen das Kind im Laufe seiner Entwicklung konfrontiert wird“ (Dittmann 2006: 9).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung: Das Phänomen Sprache
2 Erklärungsansätze zum Erstspracherwerb
3 Das menschliche Lexikon
3.1 Die Zusammensetzung des Lexikons
3.2 Die Organisation des Lexikons
4 Der Erwerb von Bedeutungen
4.1 Beschreibungsmodelle für die Speicherung von Bedeutungen
4.2 Der kindliche Bedeutungserwerb
5 Der Erwerb von Wörtern
5.1 Der Entwicklungsverlauf des Wortschatzerwerbes
5.2 Semantische Kategorien im kindlichen Wortschatz
5.3 Grammatische Kategorien im kindlichen Wortschatz
6 Der Erwerb von Wortbildungsregeln
7 Fazit: Das Phänomen Lexikonerwerb
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, den komplexen Erwerbsprozess des Lexikons im Kleinkindalter wissenschaftlich zu beschreiben, indem sie theoretische Erklärungsansätze skizziert und die Entwicklung von Wortbedeutungen, Wörtern und Wortbildungsregeln analysiert.
- Theoretische Grundlagen zum Spracherwerb (Behaviorismus, Nativismus, Kognitivismus, Interaktionismus)
- Struktur und Organisation des mentalen Lexikons
- Prozesse und kognitive Voraussetzungen beim Erwerb von Wortbedeutungen
- Entwicklungsverlauf des frühkindlichen Wortschatzes
- Erwerb von Wortbildungsregeln (Komposition und Derivation)
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Zusammensetzung des Lexikons
Im Lexikon eines Menschen sind zunächst alle ihm bekannten Wörter einschließlich ihrer spezifischen Eigenschaften gespeichert. Das wortspezifische Wissen eines Sprechers kann sich hierbei auf alle Ebenen des Sprachsystems beziehen; der (mentale) Lexikoneintrag für ein Wort setzt sich also aus spezifischen semantischen, syntaktischen, morphologischen, graphematischen und phonologischen Worteigenschaften zusammen.
Des Weiteren sind im Lexikon nicht nur einzelne Wörter und deren Eigenschaften gespeichert, sondern auch komplexere Ausdrücke, sogenannte Phraseologismen. Eine solche ‚feste’ idiomatische Verbindung besteht aus mindestens zwei Wörtern und stellt eine formale und semantische Ganzheit dar. Daher lässt sich ihre Bedeutung nicht kompositional aus der Summe der einzelnen Bestandteile erschließen, sondern muss, wie die Bedeutung eines einzelnen Wortes, erlernt und im Lexikon gespeichert werden. Konsequenterweise werden in der modernen Sprachwissenschaft sowohl Wörter als auch Phraseologismen als lexikalische Einheiten bzw. Lexeme bezeichnet.
Die Beschaffenheit des Lexikons wird außerdem stark durch die Tatsache beeinflusst, dass es theoretisch unendlich erweiterbar ist. Neben Entlehnungen aus anderen Sprachen und Wortneuschöpfungen spielen dabei vor allem Wortbildungen aus bereits vorhandenem Wortmaterial eine große Rolle. Um auf diese Weise neue Lexeme bilden und verstehen zu können, muss ein Sprecher jedoch neben dem Wortbildungsmaterial die Wortbildungsregeln in seinem mentalen Lexikon gespeichert haben. Daher können auch die Regeln zur Bildung potentieller Wörter als Teil des Lexikons betrachtet werden. Diese müssen während des Lexikonerwerbs zusätzlich zu den lexikalischen Einheiten erworben werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Das Phänomen Sprache: Die Einleitung führt in die Bedeutung der menschlichen Sprache ein, betont die Komplexität des Erstspracherwerbs und legt die Zielsetzung der Arbeit fest.
2 Erklärungsansätze zum Erstspracherwerb: Dieses Kapitel skizziert die wichtigsten theoretischen Kontroversen wie Behaviorismus, Nativismus, Kognitivismus und Interaktionismus.
3 Das menschliche Lexikon: Hier wird die Struktur und Organisation des mentalen Lexikons sowie die Bedeutung semantischer Relationen erläutert.
4 Der Erwerb von Bedeutungen: Dieses Kapitel behandelt die Speicherung von Bedeutungen und die kognitiven Voraussetzungen für den kindlichen Bedeutungserwerb.
5 Der Erwerb von Wörtern: Die Entwicklung des kindlichen Wortschatzes, inklusive Phänomenen wie dem Vokabelspurt und Unterschieden bei semantischen und grammatischen Kategorien, steht hier im Fokus.
6 Der Erwerb von Wortbildungsregeln: Es wird der Erwerb von produktiven Wortbildungsmustern wie Komposition und Derivation bei Kleinkindern untersucht.
7 Fazit: Das Phänomen Lexikonerwerb: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse über den komplexen, individuell geprägten Prozess des Lexikonerwerbs zusammen.
Schlüsselwörter
Mentales Lexikon, Erstspracherwerb, Kindersprache, Wortschatzentwicklung, Bedeutungserwerb, Wortbildungsregeln, Komposition, Derivation, Kognitive Entwicklung, Semantische Relationen, Nativismus, Behaviorismus, Phraseologismen, Vokabelspurt, Benenneinsicht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Spracherwerb von Kindern, speziell mit der Frage, wie Kleinkinder ihr mentales Lexikon aufbauen und erweitern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Beschaffenheit des mentalen Lexikons, der Erwerb von Wortbedeutungen, der Aufbau des Wortschatzes sowie der Erwerb von Regeln zur Bildung neuer Wörter.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den Erwerbsprozess des Lexikons im Kleinkindalter zu beschreiben und dabei durch die Diskussion verschiedener theoretischer Ansätze ein fundiertes Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der Analyse und Synthese existierender fachwissenschaftlicher Literatur und Studien zur Spracherwerbsforschung basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Ansätze zum Spracherwerb skizziert. Anschließend folgen detaillierte Kapitel zur Struktur des mentalen Lexikons, zum Bedeutungserwerb, zum Wortschatzerwerb und zur Entwicklung von Wortbildungsregeln bei Kindern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Mentales Lexikon, Erstspracherwerb, Wortschatzentwicklung und Wortbildung charakterisieren.
Welche Rolle spielt die soziale Interaktion beim Lexikonerwerb?
Die Arbeit betont, dass soziale Interaktionen eine essenzielle Voraussetzung für den Spracherwerb sind, da Kinder ihre Intentionen im Austausch mit Bezugspersonen ausdrücken und die Umgebungssprache zur Konstruktion ihres Lexikons nutzen.
Warum haben Kinder oft eine Präferenz für Nomen im frühen Wortschatz?
Es wird vermutet, dass dies mit den noch unvollständig entwickelten mentalen Schemata zusammenhängt, da der Erwerb konkreter Bezeichnungen für physisch greifbare Gegenstände kognitiv leichter fällt als das Erlernen abstrakter Verben.
- Arbeit zitieren
- Maria Melanie Meyer (Autor:in), 2010, Das mentale Lexikon im frühen Erstspracherwerb, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/163835