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Zur Shop-Startseite › Geschichte Deutschlands - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Von der Idee zum Mythos: Die Rezeption des Bauhaus in beiden Teilen Deutschlands

In Zeiten des Neuanfangs (1945 und 1989)

Titel: Von der Idee zum Mythos: Die Rezeption des Bauhaus in beiden Teilen Deutschlands

Doktorarbeit / Dissertation , 2006 , 324 Seiten , Note: 1

Autor:in: Martin Bober (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Arbeit legt die Bauhaus-Rezeption in Deutschland zu zwei verschiedenen Zeiten vergleichend dar. Im ersten Schritt wird die Ost- mit der Westrezeption verglichen. Dieser synchrone Vergleich wird zu zwei epochalen Umbruchsituationen durchgeführt; zum einen von 1945 bis Mitte der 50er Jahre, zum anderen von 1989 bis Mitte der 90er Jahre. Auf dieser Grundlage wird geprüft, wie sich die östliche als auch die westliche Wahrnehmung des Bauhaus von 1945-1955 gegenüber der Bauhausrezeption nach 1989 abhebt (diachroner Vergleich). Die Jahre 1945-1955 beschreiben die Entwicklung des Auseinanderbrechens der deutschen Nation in zwei autonome deutsche Staaten.

Mit dem Jahr 1989 wird die Entwicklung umgekehrt: Deutschland wächst zu einer Kulturnation zusammen. Durch die Periodisierung (1945/1989) wird geklärt, wie das wiedervereinigte Deutschland auf kultureller Ebene mit der Vergangenheit des Kalten Krieges umgeht. Weil sich an der Bauhaus-Pädagogik am ehesten die reale Umsetzung der ‚Bauhaus-Idee’ ablesen lässt, analysiert die Arbeit die pädagogischen Konzeptionen an deutschen Kunstschulen. Dabei wird in den Institutionsgeschichten der politisch-gesellschaftliche Rahmen stets mitgedacht, der Restituierungsversuche ermöglicht oder scheitern lässt.

Im Zentrum der Arbeit steht nicht die Analyse der Sache Bauhaus, sondern dessen Missdeutung und Umdeutung in politisch divergenten Zeiten. Für die Zeit 1945-1955 beschreibt sie auf westdeutscher Seite die Hochschule für Gestaltung in Ulm und die Werkakademie bzw. Werkkunstschule in Kassel. Im Osten konzentriert sich der Blick auf die historischen Bauhaus-Stätten: Weimar und Dessau. Nach der Wende vermischen sich die bis dahin getrennten Rezeptionsstränge von Ost und West. In der wiedervereinigten Bundesrepublik existieren neben dem Bauhaus-Archiv nunmehr zwei zusätzliche Institutionen: die Bauhaus-Universität in Weimar und die Stiftung Bauhaus Dessau. Wie wird in dieser historischen Situation das Bauhaus-Erbe aufgeteilt und verwaltet?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Zur Einführung

Die Hochschule für Gestaltung in Ulm oder: Ein Bauhaus für die Bundesrepublik Deutschland?

Standort Kassel: Chance für ein neues Bauhaus

Hesse und Hoffmann: Wieder ein Bauhaus Dessau nach dem Krieg?

Staatliche Hochschule für Architektur und Bauwesen: Wieviel Bauhaus verträgt der real existierende Sozialismus?

Die Bauhaus-Debatte 1953

Die Formalismus-Debatte

1988: ‚Experiment Bauhaus’: Eine Ausstellung im Rahmen des deutsch-deutschen Kulturabkommens

Das Bauhaus-Archiv in Berlin: Erster Hauptverwalter des Bauhaus-Erbes

Bauhaus-Universität Weimar: Neupositionierung und doppelte Vergangenheit einer Hochschule

Stiftung Bauhaus Dessau: gesamtdeutscher Erbverwalter mit sozialistischen Wurzeln

Das Bauhaus am Ende des 20. Jahrhunderts: Ein werbewirksamer Steinbruch der Geschichte

Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rezeption des Bauhauses in den beiden deutschen Staaten sowie im wiedervereinigten Deutschland. Im Zentrum steht dabei die Frage, welche politische, soziale und kulturelle Funktion dem Bauhaus-Mythos in unterschiedlichen politischen Systemen zugeschrieben wurde und wie das "Bauhaus-Label" in wirtschaftlichen und kulturellen Diskursen instrumentalisiert wurde.

  • Kulturpolitische Profilbildung und Instrumentalisierung des Bauhauses im Kalten Krieg.
  • Vergleichende Analyse der Bauhaus-Rezeption in Ost- und Westdeutschland.
  • Die politische und pädagogische Aufarbeitung des Bauhauserbes nach 1989.
  • Vermarktungsstrategien und die Rolle des Bauhauses als kulturelles Identitätssymbol.

Auszug aus dem Buch

Bauhaus: Idee – Stil – Mythos

„Bauhaus gehört wie Kubismus oder Pop Art zu den international geläufigen Begriffen aus der Kunstwelt des 20 Jahrhunderts. Im Ausland wird das Bauhaus häufig sogar stellvertretend für die gesamte Moderne der 20er Jahre in Deutschland genannt, und besonders für Laien ist Bauhausstil bis heute ein Synonym für moderne Architektur.“ Architektur und Design, die beide als Massenmedien anzusehen sind, insofern sie massenhaft produziert werden und mit einem Massenpublikum in Kommunikation treten, haben zentrale Bedeutung für die Repräsentation und das Selbstverständnis von Staaten. Dieser Zusammenhang ist augenscheinlich an Monumentalbauten nationalsozialistischer oder stalinistischer Prägung (‚Zuckerbäckerstil’) nachvollziehbar. Bezogen auf den so genannten Bauhaus-Stil stellt sich die Frage, welche Inhalte damit kommuniziert werden; was also die architypischen Inhalte der Moderne der zwanziger Jahre sind:

1. Die Vorstellung von ewiger ästhetischer Aktualität, die sich auf der Idee des Funktionalismus gründet: Der mögliche Eindruck der Zeitlosigkeit, weswegen man schließlich von der ‚Klassische Moderne’ spricht, entsteht, weil sich in funktionalistischer Denkweise die ästhetische Ausprägung als Resultat einer strengen Funktionsanalyse des zu gestaltenden Gegenstandes ergibt. Die schöpferischen Elemente des Designprozesses werden auf diese Weise zugunsten der rationalen eingeschränkt. Funktionalismus ist daher die extremste Form einer vernunftgemäßen Gestaltung, wobei die rationalen Momente (Funktionen) über alle Zeiten hinweg Gültigkeit haben. Funktionales Design will nicht in erster Linie modisch sein, und was nie ‚in’ ist, wird nie ganz ‚out’ sein.

2. Bauhaus-Idee: Ich gehe in meinem Verständnis vom Bauhaus weitgehend mit Lothar Lang überein, der es 1966 als ein Brennspiegel versteht, in dem sich „zahlreiche künstlerische Auffassungen trafen“; bei aller Heterogenität des Lehrkörpers habe es dabei ein gemeinsames, klar umrissenes Ziel gegeben: „Änderung der Gesellschaft mit den Mitteln der Kunst“ Dieser Einschätzung folgt auch der Bauhäusler Hubert Hoffmann, der in Dessau nach dem Krieg ein neues Bauhaus aufzubauen versucht: Was sich konkret hinter der Vokabel ‚Bauhaus‘ verbirgt, ist schwer zu definieren, weil „es kein Dogma, keine Festlegung bestimmter Regeln gab, vielmehr eine Toleranz und Weiträumigkeit des Denkens, die den Dazukommenden immer wieder überraschte und zunächst einmal verwirrte.“

Zusammenfassung der Kapitel

Die Hochschule für Gestaltung in Ulm oder: Ein Bauhaus für die Bundesrepublik Deutschland?: Dieses Kapitel analysiert die Gründung und Programmatik der HfG Ulm und untersucht, inwieweit die Schule als legitimer Bauhaus-Nachfolger fungierte oder das Label primär zur Profilbildung nutzte.

Standort Kassel: Chance für ein neues Bauhaus: Es wird untersucht, wie an Kasseler Kunstschulen ohne explizite Bauhaus-Bezugnahme pädagogische Bauhaus-Methoden in einer politisch weniger exponierten Umgebung praktiziert wurden.

Hesse und Hoffmann: Wieder ein Bauhaus Dessau nach dem Krieg?: Der Fokus liegt auf den konkreten Bemühungen von Fritz Hesse und Hubert Hoffmann, das Bauhaus in Dessau unmittelbar nach 1945 institutionell wiederaufzubauen.

Staatliche Hochschule für Architektur und Bauwesen: Wieviel Bauhaus verträgt der real existierende Sozialismus?: Das Kapitel beleuchtet die schwierige Bauhaus-Rezeption in Weimar unter der politischen Kontrolle der SBZ und DDR und die zunehmende ideologische Einengung.

Die Bauhaus-Debatte 1953: Eine Analyse der architekturtheoretischen Kontroverse zwischen Rudolf Schwarz und Walter Gropius über die Bewertung des Funktionalismus.

Die Formalismus-Debatte: Dieses Kapitel arbeitet auf, wie das Bauhaus in der DDR zum Sündenbild der Formalismus-Kampagne stilisiert wurde, um eine ideologische Abgrenzung zu forcieren.

1988: ‚Experiment Bauhaus’: Eine Ausstellung im Rahmen des deutsch-deutschen Kulturabkommens: Eine Untersuchung der politischen Bedeutung dieser Ausstellung als Annäherung zwischen Ost- und Westdeutschland in den späten 80er Jahren.

Das Bauhaus-Archiv in Berlin: Erster Hauptverwalter des Bauhaus-Erbes: Dieses Kapitel erörtert die Rolle des Bauhaus-Archivs bei der wissenschaftlichen Konservierung und institutionellen Verwaltung des Bauhauserbes.

Bauhaus-Universität Weimar: Neupositionierung und doppelte Vergangenheit einer Hochschule: Die Auseinandersetzung der Hochschule mit ihrem Erbe nach 1989 und die Findung eines neuen Selbstverständnisses unter der Marke "Bauhaus-Universität".

Stiftung Bauhaus Dessau: gesamtdeutscher Erbverwalter mit sozialistischen Wurzeln: Eine Analyse der Restitution und Etablierung der Stiftung unter den veränderten Bedingungen nach der Wende.

Das Bauhaus am Ende des 20. Jahrhunderts: Ein werbewirksamer Steinbruch der Geschichte: Das abschließende Kapitel kritisiert die ökonomische Vermarktung und Instrumentalisierung des Bauhauses als "Marke" im ausgehenden 20. Jahrhundert.

Schlüsselwörter

Bauhaus, Bauhaus-Rezeption, DDR-Kulturpolitik, Nachkriegsarchitektur, Funktionalismus, Formalismus-Debatte, HfG Ulm, Bauhaus Dessau, Bauhaus-Universität Weimar, Bauhaus-Archiv Berlin, Politische Funktion, Kulturabkommen, Denkmalpflege, Industriedesign, Moderne.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Rezeptionsgeschichte des Bauhauses in Deutschland von 1945 bis zum Ende des 20. Jahrhunderts und beleuchtet, wie das Bauhaus-Image in politisch divergenten Systemen funktionalisiert wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die wechselseitige Beeinflussung von Architektur, Politik und Kultur, die Instrumentalisierung des Bauhauses in Ost- und Westdeutschland sowie die Herausbildung eines Bauhaus-Mythos.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Hauptfrage ist, welche Rolle das Bauhaus bei der kulturpolitischen Profilbildung in beiden deutschen Staaten während des Kalten Krieges spielte und wie sich diese Funktion nach der Wiedervereinigung veränderte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative historische Analyse, die sowohl institutionelle Entwicklungen als auch den Diskurs in Fachzeitschriften, Zeitungen und Archiven untersucht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert spezifische Institutionen wie die HfG Ulm, die Kasseler Kunstschulen sowie die Zentren in Dessau, Weimar und Berlin in ihren jeweiligen historischen Phasen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Bauhaus, Bauhaus-Rezeption, DDR-Kulturpolitik, Nachkriegsarchitektur, Funktionalismus, Formalismus-Debatte, Bauhaus-Archiv Berlin.

Inwieweit spielte die politische Instrumentalisierung in der DDR eine Rolle?

Das Bauhaus wurde in der DDR zunächst als antikapitalistisch legitimiert, später im Zuge der Formalismus-Debatte jedoch als "dekadent" und bürgerlich diffamiert, um den sozialistischen Realismus durchzusetzen.

Wie unterscheidet sich die Rezeption nach der Wende?

Nach 1989 wandelt sich das Bauhaus von einem politisch umkämpften Instrument hin zu einem ökonomisch vermarktbaren Kulturgut und Symbol der nationalen kulturellen Identität.

Ende der Leseprobe aus 324 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Von der Idee zum Mythos: Die Rezeption des Bauhaus in beiden Teilen Deutschlands
Untertitel
In Zeiten des Neuanfangs (1945 und 1989)
Hochschule
Universität Kassel
Note
1
Autor
Martin Bober (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
324
Katalognummer
V163781
ISBN (eBook)
9783640787357
ISBN (Buch)
9783640787579
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rezeptionsgeschichte deutsch-deutscher Vergleich
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Martin Bober (Autor:in), 2006, Von der Idee zum Mythos: Die Rezeption des Bauhaus in beiden Teilen Deutschlands, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/163781
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  324  Seiten
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