„Viele von uns suchen nach dem Glück wie ein Betrunkener nach seinem Haus. Sie wissen zwar, dass es existiert, können es aber nicht finden.“
Ein Büchermarkt voller Gebrauchsanweisungen wartet bunt-schillernd und mit vagen Versprechungen in den Regalen sämtlicher Buchhandlungen. – Von wissenschaftlich über trivial bis hin zu populistischen und belletristischen Werken – es bleiben keine Wünsche offen. Ein Unglück scheint über die Menschheit hereingebrochen zu sein und hilflos ergreifen sie die dargebotenen Binsenweisheiten. Selbst Bücher, die vor solchen Büchern warnen erobern den Markt.
In unserer am Konsum orientierten Gesellschaft haben wir es tagtäglich mit Leitbildern zu tun, die uns Glück versprechen; uns suggerieren, wenn wir nur dieses oder jenes (erreicht) hätten, wären wir ausgeglichener, zufriedener, ja einfach glücklicher. Wir scheinen ausnahmslos der Überzeugung zu sein, der Zustand der Glücksseligkeit sei uns bis auf weiteres verloren gegangen.
Aber was ist dieses Glück, nach dem wir suchen? Ist Glück käuflich, angeboren, purer Zufall, harte Arbeit oder Einstellungssache? Und was hat Soziale Arbeit eigentlich mit Glück zu tun?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Anmerkung
1.2 Einführung
2. Eingrenzung des Glücksbegriffes
2.1 Etymologie
2.2 Glück und Unglück, zwei Pole, oder nicht?
2.3 Geschichte des Glücksbegriffes
2.4 Wer definiert Glück in der Gegenwart?
2.5 Die Glücksforschung
3. Glückliche Sozialisation
3.1 Glückliche Kindheit
3.2 Kinderrechte
3.3 Die Menschwerde-Maschinerie
3.4 Flügge werden – Die Jugend
3.5 Männerglück – Frauenglück
3.6 Der glückliche Lebensabend
4. Die Informationsgesellschaft
4.1 Gebildetes Glück
4.2 Das Fernsehen
4.3 Brot und Spiele
4.4 Das Internet
5. Religiöse und spirituelle Wege
5.1 Glück in Gott
5.2 Esoterik
5.3 Der achtfache Pfad
5.4 Das Glück im Konsumtempel
6. American ‚Dream’ – oder wie es überhaupt dazu kam
6.1 Liebe, Sex und Glückseligkeit
6.2 Glück und Persönlichkeit
6.3 Die Jagd nach dem Glück
7. Die Abwesenheit des Glücks in Politik und Stadtplanung
7.1 Die Unwirtlichkeit der Städte
7.2 Leben in der Automatisierungsgesellschaft
7.3 Von Angst und Unsicherheit
7.4 Gesund und glücklich
8. Perfectus und Futurum
8.1 Traumfabrik Kommunismus
8.2 Die Innovationen - RFID & Co.
9. Die Folgen – Probleme und Chancen
10. Die Konsequenzen – Das Glück in der Sozialen Arbeit
10.1 Selbstverortung
10.2 Leben mit der ‚Realität’
10.3 Grenzen Sozialer Arbeit
11. Eine Annäherung an das Glück
11.1 Plädoyer für eine lebendige, experimentelle Soziale Arbeit – GWA
11.2 Unbegrenzte Sozialraumgestaltung
11.3 Soziale Arbeit im Dritten Sektor
12. Der Glücksansatz
13. Ein letztes Wort
14. Was nun?
15. Ich und die Anderen
16. Easy Going
17. Freiwillige Lähmung
18. Anderer Leute Schuhe
19. Die Welt verbessern
20. Tools
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch den in der modernen Gesellschaft vorherrschenden Glücksbegriff, der stark durch ökonomische Interessen, Konsum und mediale Suggestion geprägt ist. Die zentrale Forschungsfrage hinterfragt, wie dieser Glücksbegriff das individuelle Sein beeinflusst, inwiefern er in der Sozialen Arbeit reflektiert wird und welche alternativen Ansätze zu einem nachhaltigen, authentischen Glücksverständnis führen können.
- Die Dekonstruktion von Glücksbildern durch Konsum und Massenmedien.
- Die Auswirkungen von Sozialisationsmustern und Leistungsdruck auf das Glücksempfinden.
- Die Rolle der Sozialen Arbeit bei der Förderung von Glücksfähigkeit und Lebensqualität.
- Möglichkeiten der Sozialraumgestaltung zur Förderung von zwischenmenschlicher Gemeinschaft.
Auszug aus dem Buch
3.1 Glückliche Kindheit
„Die erste wirkliche Wahl, die ein menschliches Baby treffen muss, ist, ob es einem anderen Menschen vertraut oder misstraut. Dieses grundlegende Stadium ‚Vertrauen-gegen-Misstrauen’ ist der erste Baustein, auf dem alle späteren Liebesbeziehungen aufgebaut sind“, sagt Dr. Ken Magid. Doch hat ein Baby wirklich die freie Wahl, ob es vertraut oder misstraut, glücklich oder unglücklich wird?
Spätestens mit dem ersten Schrei beschreitet ein Mensch den Weg der Sozialisation, sprich die Adaption an gemeingültige Denk- und Gefühlsmuster durch die Verinnerlichung herangetragener Werte. Nach E. Durkheim haben wir es hier mit Manipulation zu tun. Edwin Streich spricht bei diesem Prozess von einer Politikation.
Soziologinnen gehen davon aus, das Geheimnis für unsere lebenslange Suche nach Glückseligkeit läge zum Großteil in der frühen Kindheit. Sehen wir uns die aktuell praktizierte Erziehung also einmal genauer an:
Viele Menschen, die in die Situation geraten, Eltern zu werden, beschäftigen sich irgendwann mit der Frage nach der richtigen Erziehungsmethode. Dafür begeben sich viele Baldeltern in einen Buchladen, lassen sich von einer jungen Verkäuferin um die 23 Jahre beraten und suchen sich eine ‚Gebrauchsanweisung’ heraus, die sie für angemessen halten. Sie suchen nach etwas, das sich weitestgehend mit dem deckt, was sie kennen oder im Trend liegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Legt den Grundstein für die kritische Auseinandersetzung mit dem modernen Glücksbegriff und betont die Notwendigkeit einer Dekonstruktion bestehender Leitbilder.
2. Eingrenzung des Glücksbegriffes: Erörtert die etymologische und historische Entwicklung des Glücksbegriffs und beleuchtet aktuelle Ansätze der Glücksforschung.
3. Glückliche Sozialisation: Analysiert, wie Erziehung und soziale Prägung von der Kindheit bis zum Lebensabend Glücks- oder Unglücksmuster etablieren.
4. Die Informationsgesellschaft: Untersucht den Einfluss von Medien, Fernsehen und Internet auf die Konstruktion von Glück und das Konsumverhalten.
5. Religiöse und spirituelle Wege: Beleuchtet die Rolle von Religion und Esoterik als Ersatz für fehlende Sinngebung und ihre Instrumentalisierung durch den Markt.
6. American ‚Dream’ – oder wie es überhaupt dazu kam: Hinterfragt den liberalistischen Glücksanspruch und die Ideologie des Individualismus im Kontext der heutigen Gesellschaft.
7. Die Abwesenheit des Glücks in Politik und Stadtplanung: Kritisiert die städtebauliche und politische Ausrichtung, die den Menschen in Konkurrenz und Isolation drängt.
8. Perfectus und Futurum: Kontrastiert kommunistische Ideen der Gemeinschaft mit kapitalistischen Innovationen und zukünftigen technologischen Entwicklungen.
9. Die Folgen – Probleme und Chancen: Führt die theoretischen Überlegungen zusammen und bereitet den Übergang zur Anwendung in der Sozialen Arbeit vor.
10. Die Konsequenzen – Das Glück in der Sozialen Arbeit: Untersucht die Rolle der Sozialen Arbeit und die Herausforderungen für Professionelle bei der Begleitung von Klientinnen.
11. Eine Annäherung an das Glück: Schlägt experimentelle Ansätze wie Gemeinwesenarbeit und Sozialraumorientierung als Wege zu einer lebendigen Sozialen Arbeit vor.
12. Der Glücksansatz: Fasst die Kernthesen zusammen und plädiert für einen Paradigmenwechsel hin zu einer glücksfähigen Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Glücksbegriff, Soziale Arbeit, Sozialisation, Konsumgesellschaft, Medienkritik, Glücksforschung, Individualisierung, Sozialraumorientierung, Identität, Machtstrukturen, Freiheit, Selbstbestimmung, Lebenswelt, Gemeinwesenarbeit, Entfremdung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch, wie das Streben nach Glück in der heutigen Gesellschaft durch externe Faktoren wie Werbung, Wirtschaft und soziale Erwartungen fremdbestimmt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören der Einfluss der Medien, die Auswirkungen von Sozialisation und Erziehung, die Rolle der Politik und Stadtplanung sowie die Bedeutung von Religion und Konsum.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Glücksbegriff zu dekonstruieren, die manipulativen Mechanismen moderner Glücksbilder aufzudecken und Möglichkeiten für eine authentische, selbstbestimmte Glücksfähigkeit zu finden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine interdisziplinäre Herangehensweise, die soziologische, psychologische, philosophische und politikwissenschaftliche Perspektiven verbindet, um die verschiedenen Manifestationen von Glück zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Sozialisation, dem Einfluss der Informationsgesellschaft, der Abwesenheit von echtem Glück in der Stadtplanung sowie mit der kritischen Rolle, die die Soziale Arbeit in diesem Kontext spielt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Glücksansatz, Sozialraumorientierung, Konsumkritik, mediale Manipulation und die kritische Beleuchtung der Leistungsgesellschaft aus.
Inwiefern spielt der Sozialraum eine Rolle?
Der Autor argumentiert, dass moderne Stadtstrukturen oft anonymisierend wirken und die soziale Interaktion behindern, was die Etablierung neuer, gemeinschaftsorientierter Räume durch Sozialraumorientierung notwendig macht.
Welche Rolle spielt die Werbung bei der Glückssuche?
Die Werbung wird als eine Art "moderne Religion" gesehen, die den Menschen vorgaukelt, durch Konsum Glück finden zu können, was jedoch in der Praxis meist zu Frustration und Entfremdung führt.
- Quote paper
- Jessica von Haeseler (Author), 2009, Der Glücksansatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/163585