Während sich in vielen europäischen Sprachen das Wort für den höchsten Monarchen von Gaius Iulius Caesar ableitet, gilt Caesar gemeinhin nicht als erster Kaiser in der römischen Kaiserzeit. Erst sein Adoptivsohn Octavian, der nach dem Sieg bei Actium gegen Antonius und Cleopatra im Jahre 31 als Sieger aus dem Bürgerkrieg hervorging, gilt als Begründer der römischen Kaisermonarchie. Anders als sein Adoptivsohn Tiberius konnte Octavian, der seit 27 v. Chr. den sakralen Ehrennamen Augustus führte1, nicht eine klar umrissene Machtfülle übernehmen. Augustus musste diese anhäufen, die Monarchie sukzessive einführen und seine eigene Position verbessern.
Dass ebenso Caesar das Ziel der Monarchie2 verfolgte, ist unzweifelhaft.3 Seine Ermordung an den Iden des März 44 kam einer dauerhaften Manifestierung seiner Alleinherrschaft allerdings voraus. Diese Arbeit will untersuchen, was Augustus aus dem Monarchieversuch Caesars lernte und inwiefern das Schicksal Caesars das wie und ob der Machtübernahme Augustus’ beeinflusste.
Konkret sollen Kontinuitäten und Diskontinuitäten der Monarchie Octavians zu der Caesars gezeigt werden. Dazu sollen die staatsrechtlichen Positionen, die Caesar und Octavian jeweils als Sieger des Bürgerkrieges innehatten, vergleichend analysiert und in den Kontext der ausgehenden Republik eingeordnet werden. Auch kultische Ämter, die für die staatsrechtliche Position Bedeutung hatten, werden Beachtung finden. An welchen Stellen knüpfte Augustus an das Vorgehen Caesars an, an welchen setzte er sich klar ab und interpretierte das Schicksal seines Adoptivvaters als warnenden Hinweis, behutsamer vorzugehen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die staatsrechtliche Stellung Caesars als Sieger im Bürgerkrieg nach 46
2.1 Die Dictatur Caesars im Kontext der ausgehenden Republik
2.1.1 Die Dictatur in der Verfassung der römischen Republik
2.1.2 Sulla als Dictator: Vorläufer und Wegbereiter für Caesars Neuinterpretation der Dictatur
2.1.3 Die Dictatur Caesars ab 46 im Kontext der ausgehenden Republik
2.2 Kultische Ämter Caesars mit staatsrechtlicher Relevanz
3. Kompetenzanhäufung – Die Entwicklung der Stellung Augustus’ nach 28
3.1 Aus Caesars Fehlern lernen – Grundlegendes zum Staate Augustus’
3.2 Die staatsamtlichen Kompetenzen Augustus’ nach 28/27
3.3 Kultische Ämter Augusuts’ als Teil des Principats
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert vergleichend die staatsrechtlichen Stellungen von Gaius Iulius Caesar und Augustus nach ihren jeweiligen Siegen im römischen Bürgerkrieg, um Kontinuitäten und Diskontinuitäten in der Etablierung ihrer Monarchien aufzuzeigen.
- Vergleich der staatsrechtlichen Machtgrundlagen von Caesar und Augustus.
- Analyse der Rolle der Dictatur in der späten Republik und ihrer Neuinterpretation durch Sulla und Caesar.
- Untersuchung der Bedeutung kultischer Ämter für die politische Machtstellung.
- Evaluation der "Prinzipat"-Konzeption als Antwort auf Caesars Scheitern.
- Darstellung der schleichenden, "republikanisch verdeckten" Machtübernahme des Augustus.
Auszug aus dem Buch
2.1.3 Die Dictatur Caesars ab 46 im Kontext der ausgehenden Republik
Caesars Dictatur trug zwar den herkömmlichen Titel, „(...) doch war sie in den letzten Jahren seiner Alleinherrschaft der Sache nach von der Sullas nicht verschieden.“19 Zur Festigung Caesars Alleinherrschaft bot sich die Dictatur als Grundlage aller Macht an, da der Dictator im Gegensatz zum Consul auch innerhalb der geheiligten Stadtgrenze sein imperium behielt und gegen ihn das Provocations- sowie das Intercessionsrecht nicht galt.20 Dass Caesar die Dictatur als Basis seiner Monarchie betrachtete wird auch in dem überlieferten Ausspruch Caesars über Sulla deutlich, dieser sei ein politischer Analphabet gewesen, weil er die Dictatur niedergelegt habe.21
Da es keine Rechte und Vollmachten gab, die ein Consul, ein Dictator aber nicht hatte, scheint es nicht klar, weshalb Caesar auch 45 und 44 noch Consul war. Abseits der wissenschaftlichen Diskussion über die Hintergründe staatsrechtlicher oder prestigemäßiger Art bleibt festzuhalten, dass die Dictatur die eigentliche Machtgrundlage Caesars war, nicht das Consulat.22
Die zehnjährige Dictatur, die Caesar nach dem Sieg bei Thapsus antrat, war zwar länger als das der republikanischen Tradition entsprechende Amt (auch wenn sie den gleichen Namen trug), jedoch im Gegensatz zu Sullas Dictatur zeitlich begrenzt, was die Hoffnung ermöglichte, Caesar verstehe das Amt wirklich zur Restauration der res publica.23 Obwohl die Dictatur in der frühen und mittleren Republik zur Bewältigung von äußeren Notständen eingerichtet wurde (s.o.), hatte sie zumindest seit Sulla auch eine innere Stoßrichtung in Bezug auf die „innere Konsolidierung“24 und „die Befestigung der res publica“.25 Caesar konnte also mit seiner auch nach innen gerichteten Dictatur an Traditionen anknüpfen, die in der Republik schon bestanden hatten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Forschungsinteresse an den staatsrechtlichen Unterschieden und Gemeinsamkeiten der monarchischen Bestrebungen Caesars und Augustus’.
2. Die staatsrechtliche Stellung Caesars als Sieger im Bürgerkrieg nach 46: Dieses Kapitel analysiert das Amt der Dictatur, seine historische Wandlung von Sulla bis Caesar und die Rolle kultischer Ämter für die Machtkonzentration.
3. Kompetenzanhäufung – Die Entwicklung der Stellung Augustus’ nach 28: Hier wird untersucht, wie Augustus aus den Fehlern Caesars lernte und durch eine Kombination republikanischer Ämter und Kompetenzen seine faktische Alleinherrschaft verschleierte.
4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass Augustus im Gegensatz zum offen monarchisch auftretenden Caesar das Prinzipat als dynamische, republikanisch maskierte Machtstruktur etablierte.
Schlüsselwörter
Caesar, Augustus, Römische Republik, Monarchie, Alleinherrschaft, Dictatur, Staatsrecht, Prinzipat, Res publica, Volkstribunat, Imperium, Pontifex maximus, Politische Macht, Machtübernahme, Antike
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die staatsrechtliche Etablierung der Alleinherrschaft durch Caesar und Augustus im Kontext der ausgehenden römischen Republik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Entwicklung des Diktaturamtes, die Nutzung kultischer Ämter als Machtinstrumente und der Vergleich zwischen offener monarchischer Gestaltung und verdecktem Prinzipat.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, wie Augustus aus dem Schicksal Caesars lernte und inwiefern sich die staatsrechtlichen Strategien zur Sicherung ihrer Herrschaft unterschieden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine vergleichende Analyse der staatsrechtlichen Stellungen beider Protagonisten, eingebettet in eine historische Kontextualisierung der späten Republik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Diktatur Caesars (einschließlich Sullas Vorbildwirkung) sowie die Kompetenzanhäufung des Augustus durch das Prinzipat und dessen Einbindung in republikanische Traditionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Caesar, Augustus, Staatsrecht, Prinzipat, Diktatur und republikanische Tradition charakterisieren.
Warum war Caesars Form der Diktatur ein politisches Risiko?
Caesars Diktatur stieß aufgrund ihrer offenen, monarchischen Ausprägung und der Missachtung republikanischer Kollegialitätsprinzipien auf erheblichen Widerstand in der Senatorenschaft.
Welchen Vorteil bot das Prinzipat gegenüber der Diktatur?
Das Prinzipat war keine starre Ämterkombination, sondern eine dynamische Anordnung, die sich durch ihre formale Anbindung an republikanische Ämter jeder starren Definition entzog und somit weniger Angriffsfläche bot.
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- Philipp Ebert (Author), 2009, Kontinuitäten und Diskontinuitäten in den Monarchien Caesars und Augustus’, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/163548