Kann man ein Buch als eine große Gestalt bezeichnen?
Die Antwort auf diese Frage hängt alleine vom Verständnis des Begriffs „Gestalt“ ab. Versteht man ihn wie im Hauptseminar „Große Gestalten im Alten Testament“ als Bezeichnung für eine erfundene Figur oder eine nicht näher bezeichnete Person, so lässt sich der Begriff selbstverständlich nicht auf ein Buch anwenden. Versteht man ihn jedoch als Bezeichnung für ein äußeres Erscheinungsbild oder im Sinne von „einer Sache Gestalt geben“ und „Gestalt annehmen“, so lässt sich durchaus überprüfen, ob in einem Buch ein Anliegen deutlich erkennbar gemacht wird.
Im Folgenden soll nun also der Frage nachgegangen werden, ob das Dtn eine große Gestalt im Alten Testament einnimmt. Hierzu werden zunächst einige Informationen zur Entstehung, Einordnung und zum Inhalt des Buches gegeben. Nach der Analyse des Schreibstils, der Parallelen in anderen Werken, dem Auftreten großer Gestalten wie YHWH und Mose und der Herausarbeitung der Wirkungsgeschichte soll am Ende dieser Arbeit feststellbar sein, ob das Dtn als eine große Gestalt bezeichnet werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Buch Dtn
2.1 Entstehung
2.2 Einordnung und Abgrenzung im Alten Testament
2.2.1 Das Buch Dtn im Pentateuch
2.2.2 Das Buch Dtn im DtrG
2.3 Inhalt und Gliederung
3. Kriterien für eine „Große Gestalt“
3.1 Schreibstil
3.2 Parallelen
3.2.1 Innerbiblische Parallelen
3.2.2 Außerbiblische Parallelen
3.3 Große Gestalten innerhalb des Dtn
3.3.1 YHWH
3.3.2 Abraham - Isaak - Jakob
3.3.3 Mose
3.4 Theologie
3.5 Wirkungsgeschichte
3.5.1 Unmittelbare Wirkungsgeschichte
3.5.2 Wirkungsgeschichte im Judentum
3.5.3 Wirkungsgeschichte im Christentum
3.5.4 Auswirkungen auf Kultur und tägliches Leben
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Forschungsfrage, ob das Buch Deuteronomium (Dtn) aufgrund seiner literarischen, theologischen und wirkungsgeschichtlichen Merkmale als eine „große Gestalt“ innerhalb des Alten Testaments charakterisiert werden kann.
- Analyse der Entstehung und Einordnung des Deuteronomiums im Pentateuch und im Deuteronomistischen Geschichtswerk.
- Untersuchung literarischer Kriterien wie Schreibstil und intertextueller Parallelen.
- Betrachtung prägender biblischer Akteure wie YHWH, Abraham, Isaak, Jakob und Mose.
- Erörterung der theologischen Bedeutung, insbesondere hinsichtlich Monotheismus und Ekklesiologie.
- Darstellung der Wirkungsgeschichte in Judentum, Christentum sowie in Kultur und Alltag.
Auszug aus dem Buch
3.1 Schreibstil
„Die literarischen Gattungen des Buches sind […] Erzählung, Ermahnung, Liturgie, Gesetz und Poesie“22, wobei die narrativen und die normativen Texte die Grundformen bilden. Den äußeren Rahmen des Buches bilden die Erzählungen des biblischen Erzählers, der zudem in Kapitel 27 von den Geschehnissen berichtet. Ansonsten übernimmt die Rolle des Erzählers Mose: „Mose rief ganz Israel zusammen. Er sagte zu ihnen:“ (Dtn 5,1). Jedoch spricht er von den Ereignissen, die „in einen argumentativ-theologischen Zusammenhang“23 verschoben werden und somit die rhetorische Finesse des Dtn bilden, in einer anderen Reihenfolge als dies der biblische Erzähler zuvor in Ex - Num getan hat.24
Durch diesen einmalige Perspektivwechsel sowie das Zusammenspiel von Text und Kommentar25 hebt sich das Dtn von seiner Gestalt her nicht nur von den übrigen Büchern des Pentateuchs ab, sondern auch vom ganzen Alten Testament.
Während poetische Abschnitte nur am Ende des Buches Dtn im Lied des Mose (vgl. Dtn 32) und in dessen Segen (vgl. Dtn 33) zu finden sind, gibt es verschiedene Kapitel, in denen liturgische Aspekte „wie etwa das Ritual für das Erntedankfest samt der Worte, die dabei vorgetragen werden sollen (Kapitel 26), oder den Nachvollzug einer Bundesschlusszeremonie, die durch Segens- und Fluchsprüche bestimmt ist (Kapitel 27)“26 thematisiert werden. In erster Linie ist das Dtn aber als Sammlung von Reden Mose zu verstehen, welche wie eine Art Archiv aufgebaut sind und jeweils eine Überschrift mit Redeeinleitung voran stehen haben, in denen Ort, Zeit, Adressat und Inhalt angegeben werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung klärt das Verständnis des Begriffs „Gestalt“ und leitet die Untersuchung ein, ob das Deuteronomium als solche im Alten Testament bezeichnet werden kann.
2. Das Buch Dtn: Dieses Kapitel behandelt die Entstehung, die literarische Einordnung innerhalb des Pentateuchs und des Deuteronomistischen Geschichtswerks sowie den inhaltlichen Aufbau des Buches.
3. Kriterien für eine „Große Gestalt“: Der Hauptteil analysiert stilistische Besonderheiten, biblische und außerbiblische Parallelen, die Bedeutung zentraler Figuren sowie die Theologie und die weitreichende Wirkungsgeschichte des Buches.
4. Fazit: Das Fazit beantwortet die Leitfrage und kommt zu dem Schluss, dass das Deuteronomium aufgrund seiner Doppelfunktion, seiner rhetorischen Qualität und seiner zentralen Stellung im biblischen Kanon als „große Gestalt“ zu werten ist.
Schlüsselwörter
Deuteronomium, Pentateuch, Mose, YHWH, Monotheismus, Kultzentralisation, Wirkungsgeschichte, Tora, Altes Testament, biblische Exegese, Judentum, Christentum, Bundesschluss, Reden Mose, Gesetzgebung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die These, ob das Buch Deuteronomium als eine eigenständige, bedeutende „Gestalt“ im Kontext des Alten Testaments verstanden werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entstehungsgeschichte, der theologischen Struktur, dem literarischen Stil sowie der Rezeption des Deuteronomiums im Judentum und Christentum.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Kriterien für den Begriff „große Gestalt“ zu definieren und zu prüfen, inwieweit diese auf das Deuteronomium zutreffen, um seine Rolle als Mitte des Alten Testaments zu würdigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine exegetische und literaturwissenschaftliche Analyse unter Einbeziehung relevanter Fachliteratur, um den Aufbau, die Rhetorik und die Theologie des Buches zu erarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Im Hauptteil werden der Schreibstil, intertextuelle Vergleiche, die Rolle von Figuren wie Mose, theologische Kernpunkte wie der Monotheismus und die Wirkungsgeschichte des Buches detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Deuteronomium, Tora, Mose, Monotheismus, Kultzentralisation und Wirkungsgeschichte definiert.
Wie wirkt sich die „Kultzentralisation“ auf die Theologie des Buches aus?
Die Kultzentralisation in Dtn 12 dient als entscheidender Motor für die Entstehung des israelitischen Monotheismus, da sie den Gottesdienst an einen einzigen Ort bindet und somit andere Praktiken verdrängt.
Warum spielt die Figur des Mose eine so zentrale Rolle für die Deutung des Deuteronomiums?
Mose fungiert als „gottgleicher Mittler“ und Verkünder der Tora; seine im Deuteronomium abgeschlossene Biografie markiert den Übergang von der Wüstenzeit zur Landnahme und begründet die Identität Israels als Volk Gottes.
- Arbeit zitieren
- Daniela Poloczek (Autor:in), 2008, Ist das Deuteronomium eine große Gestalt des Alten Testaments?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/163365