Die vorliegende Hausarbeit wurde im Rahmen des Hauptseminars Impressionismus unter der Leitung von Dr. phil. habil. Beatrix Nobis erarbeitet. Ich habe mich entschieden, meine Hausarbeit über das Frauenbild bei Degas zu schreiben, weil es mir gefällt, dass er nie versuchte, die Porträtierte in ihren Goldstunden zu zeigen, sondern vielmehr den gewissen Moment der vermeintlichen Unbeobachtetheit, den Moment vor dem eigentlichen Ereignis zu zeigen. Er versucht nicht, ein Individuum in der Perfektion seiner selbst zu zeigen, er zeigt sie vielmehr die ehrliche, ungeschliffene Wahrheit, die vielerlei Ebenen besitzt. Der Maler wollte seine individuelle Sicht der Wirklichkeit zum Ausdruck bringen. Es war die Zeit, als der Impressionismus aufkam, als Degas seine künstlerische Tätigkeit begann. Er ließ sich von dieser Stilrichtung zwar beeinflussen, jedoch entwickelte er eine eigene Bildkomposition, die er insbesondere durch Farb- und Lichtwirkungen auslegte. Er stellte sich gegen alte Kompositionsschemata und wollte sich keinen gewohnten Konventionen beugen. Sein Ziel war es, dass Flüchtigkeit und Konstruktion, Schein und Wahrheit, Fiktion und Desillusion ununterscheidbar werden1 . Degas war ein Großstadtmensch. Es war sein Bedürfnis, von Menschen, vom urbanen Leben umgeben zu sein, stets musste er, der Psychologe, Menschen beobachten können.2 Insbesondere Frauen stellte er mit Vorliebe dar, sie waren für ihn ein ideales Studienobjekt, obgleich er selbst nie verheiratet war. Warum ich selbst nie geheiratet habe? (…) Da ist die Liebe und da die Malerei. Und wir haben doch nur ein Herz.3 Das leidenschaftliche Verhältnis zu Frauen beschränkt sich auf seine künstlerische Auseinandersetzung mit ihnen. Auf die bei den Impressionisten gebräuchlichen Naturdarstellungen verzichtete er fast ausschließlich. Zwar bediente er sich der Pleinair-Malerei, doch liegt der Fokus in der menschlichen Interaktion.
Die Langeweile überkommt mich rasch beim Betrachten der Natur. - Ich habe kein Verlangen, nach der Natur zu zeichnen. 4 Der Augenmerk dieser Arbeit liegt auf der subtilen Beobachtungsgabe, die Edgar Degas bei der Frauen-Darstellung zugrunde legt. Da der Schwerpunkt auf seinem künstlerischen Schaffen liegt, werden biografische Daten nur peripher behandelt, bzw. lediglich dann erwähnt, wenn es für die Auseinandersetzung eines bestimmten Werkes relevant erscheint.
Inhaltsverzeichnis
- I. Einleitung
- II. Frauen der Arbeit
- II.I Die Büglerinnen
- II.II Die Wäscherinnen
- II.III Die Prostituierten
- III. Frauen der Bühne
- III.I Balletttänzerinnen
- III.II Sängerinnen
- IV. Frauen im Alltag
- IV.I Augenblicke der Freude
- IV.II Melancholische Momente
- V. Frauen bei der Toilette
- VI. Fazit
- VII. Erklärung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit analysiert das Frauenbild in den Werken von Edgar Degas. Sie beleuchtet Degas' Interesse an der Darstellung von Frauen in ihrem Alltag, insbesondere in ihrer Arbeit und ihren privaten Momenten. Degas zeichnet sich durch seinen Blick auf die "unbeobachtete" Seite des Lebens aus, die ehrliche und ungeschliffene Wahrheit der dargestellten Personen. Die Arbeit untersucht Degas' individuelle Sicht auf die Wirklichkeit und seine Abkehr von traditionellen Kompositionsschemata.
- Degas' Darstellung von Frauen in ihrem beruflichen Alltag
- Degas' Fokus auf ungeschminkte Momente und "unbeobachtete" Situationen
- Degas' individuelle Bildkomposition und seine Abkehr von Konventionen
- Degas' Interesse an der menschlichen Interaktion und seine Vermeidung von Naturdarstellungen
- Die subtile Beobachtungsgabe Degas' in der Frauen-Darstellung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung gibt einen Überblick über die Forschungsfrage und Degas' künstlerisches Schaffen. Kapitel II befasst sich mit den Frauen der Arbeit. Es werden "Die Büglerinnen", "Die Wäscherinnen" und "Die Prostituierten" als Beispiele für Degas' Darstellung von Frauen in ihrem Berufsleben untersucht. Kapitel III widmet sich den Frauen der Bühne, mit Fokus auf Balletttänzerinnen und Sängerinnen. Kapitel IV beleuchtet Frauen im Alltag, wobei sowohl glückliche Momente als auch melancholische Stimmung dargestellt werden. Kapitel V befasst sich mit dem Thema Frauen bei der Toilette.
Schlüsselwörter
Edgar Degas, Impressionismus, Frauenbild, Alltag, Arbeit, Bühne, Balletttänzerinnen, Sängerinnen, Beobachtungsgabe, Komposition, Farb- und Lichtwirkungen, individuelle Sicht auf die Wirklichkeit, Paris.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Besondere an Edgar Degas' Darstellung von Frauen?
Degas zeigte Frauen nicht in idealisierter Form, sondern suchte den „Moment der vermeintlichen Unbeobachtetheit“. Er malte die ehrliche, ungeschliffene Wahrheit des Alltags.
Warum malte Degas so häufig Balletttänzerinnen?
Tänzerinnen dienten ihm als ideales Studienobjekt für Bewegung, Licht und die menschliche Interaktion hinter den Kulissen der Bühne.
Wie stellte Degas arbeitende Frauen dar?
Er porträtierte Büglerinnen, Wäscherinnen und Prostituierte in ihren oft harten Arbeitsmomenten, wobei er den Fokus auf realistische Posen und soziale Realität legte.
Welche Rolle spielen Licht- und Farbwirkungen in seinem Werk?
Degas entwickelte eine eigene Bildkomposition, die Flüchtigkeit und Konstruktion durch gezielte Farb- und Lichteffekte miteinander verschmolz.
Warum verzichtete Degas weitgehend auf Naturdarstellungen?
Als überzeugter Großstadtmensch interessierte ihn vor allem das urbane Leben und die menschliche Psychologie; die Natur empfand er schnell als langweilig.
Was thematisiert die Serie „Frauen bei der Toilette“?
Diese Werke zeigen Frauen in intimen, privaten Momenten der Körperpflege, wobei Degas die Natürlichkeit der Bewegung ohne voyeuristische Idealisierung einfängt.
- Quote paper
- Sarah Müller (Author), 2009, Auseinandersetzungen mit der Darstellungsweise der Frau im Werk Edgar Degas`, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/163149