Im Zuge des Seminars „Sprachen und Kulturen in Argentinien“ bearbeiten wir das Thema „Franzosen und Okzitanen in der Pampa“.
Dieses Thema ist sehr spezifisch gestellt und auf Grund von fehlendem Material haben wir das Thema auf „Franzosen in Argentinien“ umgewandelt. Wir möchten uns nicht nur auf einen kleinen Teil Argentiniens beschränken sondern möchten, durch die Abwandlung des Themas, einen allgemeinen Überblick das Französische in Argentinien geben.
Unter dem Begriff „Das Französische“ kann sowohl die Sprache als auch die französische Kultur verstanden werden. Wir möchten uns eher auf den sprachlichen Aspekt konzentrieren wobei wir den kulturellen Aspekt nicht gänzlich außer Acht lassen möchten, diesen aber eher nur ansatzweise besprechen Argentinien wird in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem Einwanderungsstaat, wobei eine große Anzahl von Einwandern aus Europa kommt, vorzugsweise aus Spanien und Italien. Die Anzahl der französischen Einwandere ist generell und verglichen mit den Zahlen derer, die aus den beiden genannten Ländern kommen, gering, allerdings darf sie aus verschiedenen Gründen nicht übersehen werden. Welche Gründe das sind, möchten wir in unserer Arbeit versuchen herauszuarbeiten.
Aber nicht nur die französischen Einwanderer und die Kultur und Sprache, die sie nach Argentinien mitnehmen, sind von Bedeutung sondern auch prinzipiell die Rolle Frankreichs.
Im Besonderen hat die Stadt Paris eine große Anziehungskraft auf argentinische Intellektuelle und die Oberschicht, gilt die Stadt doch als Zentrum der Aufklärung aber auch der Mode und des gehobenen Lebensstils.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort/ Einleitung
2. Gründe der europäischen Immigration und der Versuch einer gesetzlichen Regelung
3. Das Scheitern der argentinischen Einwanderungspolitik
4. Argentinien als Schmelztiegel der Kulturen- vor allem der europäischen…
5. Zahlen der Einwanderer
6. Franzosen und Französisch in Argentinien
7. Die Hispanisierung als politisches Ziel
8. Das Schulwesen
9. Konkurrenz Französisch- Englisch und andere Sprachen
10. Sprachhochschulen
11. Rückgang der französischen Sprache im 20. Jahrhundert
12. Le Fragnol
13. Pigüé
a. Die Besonderheiten der argentinischen Stadt Pigüé
b. Über die linguistische Situation in Pigüé um 1974
c. Über die linguistische Situation in Pigüé um 1996/97
14. Schlusswort/ Résumé
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, einen Überblick über die historische und aktuelle Bedeutung der französischen Sprache und Kultur in Argentinien zu geben, wobei insbesondere der Einfluss okzitanischer Einwanderer in der Stadt Pigüé untersucht wird.
- Historische Einwanderungsströme nach Argentinien im 19. Jahrhundert
- Die Rolle der französischen Kultur und Sprache als gesellschaftliches Vorbild
- Ursachen für den Rückgang der französischen Sprache im 20. Jahrhundert
- Die sprachliche Entwicklung und Assimilation in der Siedlung Pigüé
- Das Phänomen "Le Fragnol" als Ausdruck des Sprachkontakts
Auszug aus dem Buch
12. Le Fragnol
Die Präsenz des Französischen lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Das hohe Identitätsbewusstsein der Franzosen und auch das hohe Prestige der Sprache führen dazu, dass die französischen Einwanderer ihre Muttersprache über Generationen pflegen. Durch die zunehmende Besiedlung und die Verbreitung der spanischen Sprache kommen allmählich alle Siedler in Kontakt mit dieser Sprache.
Als Spanisch alleinige Amtssprache Amtsprache wird, zeigt sich für alle die Notwendigkeit diese Sprache zu beherrschen. Die nachfolgende Generation wird eine zweisprachige, wobei sich die Verwendung nach gewissen Domänen richtet.
„Das Französische wird Sprache der Familie, des Privatlebens und dient weiterhin der Kommunikation unter frankophonen Sprechern, während nach außen hin, im öffentlichen Leben und im Kontakt mit Nichtfrankophonen, Spanisch Anwendung findet.“
Schon im Jahre 1959 beschäftigt sich Rigaud mit der Kreuzung zwischen der spanischen und französischen Sprache und spricht von ihr als
„dialecte hybride, produit d’un croisement entre le français et l’espagnol, que parlent les Français établis depuis longtemps en Argentine. C’est un idiome pittoresque, mais captieux.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort/ Einleitung: Einführung in das Thema der französischen und okzitanischen Präsenz in Argentinien und Erläuterung der methodischen Anpassung auf ein Fallbeispiel.
2. Gründe der europäischen Immigration und der Versuch einer gesetzlichen Regelung: Analyse der Einwanderungsanreize durch wirtschaftlichen Aufschwung und das Gesetz von Präsident Avellaneda.
3. Das Scheitern der argentinischen Einwanderungspolitik: Untersuchung der Gründe für das Scheitern der staatlichen Ansiedlungspläne und die daraus folgende demografische Konzentration in den Städten.
4. Argentinien als Schmelztiegel der Kulturen- vor allem der europäischen…: Darstellung der wirtschaftlichen Entwicklung und der Einwanderungsschübe ab 1880 unter den Präsidenten Roca und Celman.
5. Zahlen der Einwanderer: Statistische Einordnung der französischen Einwanderung im Vergleich zu italienischen und spanischen Gruppen.
6. Franzosen und Französisch in Argentinien: Beleuchtung des kulturellen Einflusses und der Rolle von Paris als Vorbild für die argentinische Elite.
7. Die Hispanisierung als politisches Ziel: Beschreibung der staatlichen Bestrebungen zur Schaffung eines Nationalstaates durch sprachliche Assimilation.
8. Das Schulwesen: Analyse der Rolle der französischen Sprache im Bildungssystem und des Erziehungsgesetzes Nr. 1420.
9. Konkurrenz Französisch- Englisch und andere Sprachen: Betrachtung der schwindenden Bedeutung des Französischen zugunsten des Englischen im Verlauf des 20. Jahrhunderts.
10. Sprachhochschulen: Untersuchung der Rolle von Sprachhochschulen und der Alliance Française bei der Vermittlung der französischen Sprache.
11. Rückgang der französischen Sprache im 20. Jahrhundert: Diskussion der Bedeutung des Gebrauchswertes bei der Wahl einer Fremdsprache.
12. Le Fragnol: Vorstellung des sprachwissenschaftlichen Phänomens des Fragnol als hybride Kontaktform.
13. Pigüé: Detaillierte Untersuchung der Entwicklung der Stadt Pigüé und der okzitanischen Sprachsituation.
14. Schlusswort/ Résumé: Zusammenfassende Einschätzung der Rolle des Französischen in Argentinien und Prognose zum Fortbestand okzitanischer Einflüsse.
Schlüsselwörter
Französische Einwanderung, Argentinien, Okzitanisch, Pigüé, Sprachkontakt, Fragnol, Hispanisierung, Assimilation, Alliance Française, Fremdsprachenunterricht, Kulturtransfer, Identitätsbewusstsein, Sprachwandel, Soziolinguistik, Einwanderungspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die historische Rolle der französischen Sprache und Kultur in Argentinien sowie deren Wandel und Rückgang im Laufe der Zeit.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf Einwanderungsgeschichte, sprachpolitischen Maßnahmen, der Rolle des Bildungswesens und der Soziolinguistik im Kontext des Sprachkontakts.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Einfluss Frankreichs auf die argentinische Nation zu beleuchten und am Beispiel von Pigüé die Assimilationsprozesse spezieller Einwanderergruppen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Untersuchung basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse sowie der Auswertung von Fallstudien, insbesondere unter Verwendung von Ergebnissen von Prof. Georg Kremnitz.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in historische Analysen der Einwanderung, die Rolle Frankreichs in der Elite, schulpolitische Entwicklungen und linguistische Analysen von Kontaktphänomenen wie dem "Fragnol".
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Französische Einwanderung", "Pigüé", "Sprachkontakt" und "Assimilierung" charakterisiert.
Was genau ist "Le Fragnol"?
Fragnol beschreibt eine hybride Sprachform, die aus dem Kontakt zwischen französischsprachigen Einwanderern und der spanischen Umgebung in Argentinien entstanden ist.
Warum spielt das Dorf Pigüé eine so besondere Rolle?
Pigüé ist ein einzigartiges Beispiel für eine Stadt, die ursprünglich fast ausschließlich von okzitanischsprachigen Einwanderern aus der Region Rouergue gegründet wurde.
Wie hat sich die Bedeutung der französischen Sprache über die Jahrzehnte verändert?
Während Französisch einst ein hohes Prestige genoss und als Literatursprache der Elite galt, verlor sie im 20. Jahrhundert durch den steigenden Gebrauchswert des Englischen massiv an Attraktivität.
Was sagt das Fazit über die Zukunft des Okzitanischen in Argentinien aus?
Das Fazit stellt fest, dass die okzitanische Sprache nur noch rudimentäre Spuren hinterlassen hat und die Kenntnisse darüber in der Bevölkerung mit jeder Generation weiter abnehmen.
- Arbeit zitieren
- Dr. Claudia Nowotny (Autor:in), 2005, Franzosen und Okzitanier in der Pampa, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/163037