In dieser Hausarbeit wird der Fragestellung nachgegangen, wie der aktuelle Erkenntnis- und Forschungsstand zu Art, Umfang und Wirksamkeit von Präventionsprogrammen bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche durch Lehrende in schulischen Institutionen in Deutschland aussieht. Zuerst wird allgemein in das Thema eingeleitet und anschließend einige Begrifflichkeiten geklärt. Im Anschluss daran wird sich angeschaut, welche Arten von Präventionsprogrammen es im schulischen Kontext in Deutschland gibt und in welchem Umfang diese zu finden sind. Der darauffolgende Abschnitt wird sich auf die Wirksamkeit von evaluierten Präventionsprogrammen konzentrieren und auf Forschungsberichte eingehen. Abschließend werden im Fazit alle Ergebnisse zusammengetragen und zu einer Beantwortung der Fragestellung gekommen.
Das Jahr 2010 war ausschlaggebend für die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema der sexualisierten Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in deutschen Institutionen. Damals kamen zahlreiche Fälle von sexuellem Missbrauch in verschiedenen renommierten Institutionen ans Licht und es meldeten sich vermehrt Betroffene und erzählten von erlebter sexualisierter Gewalt durch Lehrende oder Betreuungspersonal. Betroffen waren unter anderem das Aloisius-Kolleg, die Odenwaldschule Ober-Hambach, das Kloster Ettal und weitere Institutionen. Seitdem ist das Thema der sexualisierten Gewalt gegen Kinder und Jugendliche insgesamt in der Gesellschaft präsenter und die Menschen sensibler geworden. Die Tabuisierung hat abgenommen und die Frage, wie Kinder und Jugendliche effektiv geschützt werden können, das Thema der Prävention, hat in der Öffentlichkeit und Forschung an Bedeutung gewonnen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Begriffsklärung - Sexualisierte Gewalt, sexuelle Gewalt, sexueller Missbrauch
- 3. Art und Umfang von Präventionsprogrammen in Deutschland
- 3.1 Ebenen und Ansatzpunkte von Präventionsprogrammen
- 3.2 Überblick über Präventionsprogramme in Deutschland
- 4. Wirksamkeit von Präventionsprogrammen in Deutschland
- 4.1 Fragen zur Wirksamkeit und zur Evaluierung von Präventionsprogrammen in Deutschland
- 4.2 Ergebnisse zur Wirksamkeit von Präventionsprogrammen in Deutschland
- 4.3 Kritik und negative Effekte von Präventionsprogrammen
- 5. Fazit und Ausblick
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit widmet sich der Untersuchung des aktuellen Erkenntnis- und Forschungsstands hinsichtlich der Art, des Umfangs und der Wirksamkeit von Präventionsprogrammen gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen durch Lehrende in schulischen Institutionen in Deutschland. Die zentrale Forschungsfrage ist, wie diese Programme gestaltet sind, welche Reichweite sie haben und welche Effekte sie erzielen.
- Definition und Abgrenzung von Begriffen wie sexualisierte Gewalt und Missbrauch.
- Analyse der verschiedenen Präventionsstufen (Primär-, Sekundär-, Tertiärprävention).
- Übersicht über die Inhalte und die Verbreitung schulischer Präventionsprogramme in Deutschland.
- Bewertung der Wirksamkeit von evaluierten Präventionsprogrammen und deren Effekte auf Kinder und Jugendliche.
- Kritische Betrachtung und Identifizierung negativer Effekte von Präventionsmaßnahmen.
- Empfehlungen für die Optimierung und weitere Forschung im Bereich der Prävention sexualisierter Gewalt.
Auszug aus dem Buch
4.2 Ergebnisse zur Wirksamkeit von Präventionsprogrammen in Deutschland
Im Folgenden werde ich auf die Ergebnisse aus unterschiedlichen Untersuchungen eingehen und mir anschauen, zu welchen Erkenntnissen in Bezug auf die Effekte und Wirksamkeit von Präventionsprogrammen diese kamen. Wenn wir uns die Inhalte und Ziele von Präventionsprogrammen in Deutschland anschauen, stellt sich die Frage, wie erfolgreich diese bei den Kindern ankommen beziehungsweise umgesetzt werden können. Aus Ergebnissen zur Untersuchung der Wirksamkeit von Programmen lässt sich ableiten, dass sie einen positiven Effekt auf den Wissenszuwachs der Kinder und Jugendlichen haben (vgl. Amann, 2018, S. 14; Andresen et al., 2015, S. 27; Bergmann, 2009, S. 9; Christmann, Schwerdt, & Wazlawik, 2019, S. 235; Deegener, 2010, S. 172; Kindler & Schmidt-Ndasi, 2011, S. 40; Körner et al., 2016, S. 160-162; Lohaus & Trautner, 2016, S. 713; Marquardt-Mau, 1997, S. 95). Die Schüler_innen wissen nach einem Programm, welche Rechte sie haben und dass sie nie die Schuld an einem sexuellen Missbrauch tragen (vgl. Andresen et al., 2015, S. 27; Körner et al., 2016, S. 162). Sie wissen, dass sie ihre Erlebnisse einer Vertrauensperson erzählen können um Hilfe zu erhalten (vgl. Amann, 2018, S. 14; Andresen et al., 2015, S. 27–28; Kindler & Schmidt-Ndasi, 2011, S. 40; Körner et al., 2016, S. 161-162). Außerdem haben sie gelernt „Nein“ zu sagen und wie sie mit gefährlichen Situationen umgehen können (vgl. Andresen et al., 2015, S. 27; Kindler & Schmidt-Ndasi, 2011, S. 40; Körner et al., 2016, S. 161–162). Es ist insgesamt eine Zunahme an kognitiven Fähigkeiten feststellbar, die als wichtig erachtet werden, in Bezug auf einen möglichen Missbrauch (vgl. Kindler & Schmidt-Ndasi, 2011, S. 43; Körner et al., 2016, S. 160–162). Die Kinder und Jugendlichen haben auch gelernt, zwischen „guten“ und „schlechten“ Berührungen zu unterscheiden (vgl. Kindler & Schmidt-Ndasi, 2011, S. 43; Körner et al., 2016, S. 162). Auch können sie zwischen „guten“ und „schlechten" Geheimnissen differenzieren (vgl. Amann, 2018, S. 14; Andresen et al., 2015, S. 27; Kindler & Schmidt-Ndasi, 2011, S. 43; Körner et al., 2016, S. 162).
In vielen Erkenntnissen zur Wirksamkeit von Präventionsprogrammen in Deutschland wird deutlich, dass eine längere Programmdauer über mehrere Unterrichtseinheiten oder einen längeren Zeitraum mit Wiederholungen, positivere Effekte auf den Wissenszuwachs der Kinder im Vergleich zu einmaligen oder kürzeren Programmen hat (vgl. Bergmann, 2009, S. 9; Kindler & Schmidt-Ndasi, 2011, S. 38; Körner et al., 2016, S. 161; Lohaus & Trautner, 2016, S. 713). Außerdem zeigte sich, dass eine aktive Einbeziehung der Schüler_innen bei den Programmen mehr Erfolg bringt als eine passive Teilnahme (vgl. Lohaus & Trautner, 2016, S. 713; Marquardt-Mau, 1997, S. 96). Wenn Kinder selber handeln können und praktische Übungen durchführen, wirken die Programme deutlich besser. Den geringsten Effekt bezogen auf die Wirksamkeit zeigte sich bei dem Zeigen von Filmen, einem mündlichen Vortrag und bei dem individuellen Lernen mit Arbeitsmaterialien (vgl. Bergmann, 2009, S. 9).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Führt in die Thematik der sexualisierten Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in schulischen Institutionen in Deutschland ein und formuliert die Forschungsfrage nach Art, Umfang und Wirksamkeit von Präventionsprogrammen.
2. Begriffsklärung - Sexualisierte Gewalt, sexuelle Gewalt, sexueller Missbrauch: Klärt die in der Literatur verwendeten Begriffe sexualisierte Gewalt, sexuelle Gewalt und sexueller Missbrauch und weist auf deren weitgehend synonyme Verwendung hin, wobei der Machtmissbrauch im Zentrum steht.
3. Art und Umfang von Präventionsprogrammen in Deutschland: Beschreibt die drei Stufen der Prävention (Primär-, Sekundär-, Tertiärprävention), verschiedene Ansatzpunkte (täter- und opferzentriert) und gibt einen Überblick über typische Inhalte und Beispiele von Präventionsprogrammen in Deutschland.
4. Wirksamkeit von Präventionsprogrammen in Deutschland: Diskutiert die Kriterien und Herausforderungen der Wirksamkeitsevaluierung von Präventionsprogrammen, präsentiert Ergebnisse zum Wissenszuwachs und zur Verhaltensänderung bei Kindern und Jugendlichen und beleuchtet Kritik sowie potenzielle negative Effekte.
5. Fazit und Ausblick: Fasst die Erkenntnisse über Inhalte und Wirksamkeit schulischer Präventionsprogramme zusammen, identifiziert Optimierungsbedarf und betont die Notwendigkeit weiterer Forschung und standardisierter Evaluation.
Schlüsselwörter
Prävention, sexualisierte Gewalt, Kinder, Jugendliche, schulische Institutionen, Deutschland, Missbrauch, Wirksamkeit, Programme, Evaluation, Soziale Arbeit, Schutzkonzepte, Opferprävention, Lehrer, Eltern.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Prävention von sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in deutschen schulischen Einrichtungen, insbesondere mit der Analyse von Präventionsprogrammen und deren Wirksamkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Begriffsklärung von sexualisierter Gewalt, die Darstellung von Präventionsprogrammen in Deutschland, deren Wirksamkeitsevaluation sowie Kritik und negative Effekte dieser Programme.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den aktuellen Erkenntnis- und Forschungsstand zu Art, Umfang und Wirksamkeit von Präventionsprogrammen bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche durch Lehrende in schulischen Institutionen in Deutschland zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung von Forschungsberichten und Studien zur Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Art und den Umfang von Präventionsprogrammen in Deutschland, deren Ebenen und Ansatzpunkte, sowie detaillierte Fragen zur Wirksamkeit, Ergebnisse von Evaluationen und Kritikpunkte an den Programmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Prävention, sexualisierte Gewalt, Kinder, Jugendliche, schulische Institutionen, Missbrauch, Wirksamkeit, Programme und Evaluation.
Welche Arten von Präventionsprogrammen werden in Deutschland eingesetzt?
In Deutschland werden vorrangig primärpräventive, kinderzentrierte Programme eingesetzt, die oft Module für Kinder, Fachkräfte und Eltern umfassen, wie "Trau dich!" oder das "IGEL-Programm", ergänzt durch Initiativen wie "Kein Raum für Missbrauch".
Welche Kritikpunkte gibt es an den aktuellen Präventionsprogrammen?
Kritikpunkte umfassen die potenzielle Verlagerung der Verantwortung auf die Kinder, die Möglichkeit einer zeitweisen Beunruhigung der Kinder nach Programmen und einen überwiegend starken Fokus auf außerfamiliären Missbrauch.
Warum ist die Beteiligung von Eltern und Lehrkräften an Präventionsprogrammen so wichtig?
Die Beteiligung von Eltern und Lehrkräften ist wichtig, da Kinder sich allein oft nicht aus Missbrauchssituationen befreien können und Erwachsene die Hauptverantwortung für den Schutz tragen; ihre Einbindung führt zu einer deutlich höheren Wirksamkeit der Programme.
Welche Rolle spielen „Disclosure Prozesse“ im Rahmen von Präventionsprogrammen?
Präventionsprogramme ermutigen Kinder, über erlebten sexuellen Missbrauch zu sprechen, was sogenannte Disclosure Prozesse anstoßen kann und im besten Fall zur Hilfeleistung und Beendigung der Missbrauchssituation führt.
- Quote paper
- Annika Schmitt (Author), 2021, Prävention von sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in schulischen Institutionen in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1629745