Das literaturwissenschaftliche Untersuchungsverfahren des Vergleichs
setzt wenigstens zwei Objekte voraus, die sich sinnvoll miteinander vergleichen lassen, also Gemeinsamkeiten und ebenso Unterschiede aufweisen sollten. Im Rahmen dieser Arbeit sind es die Figuren Lene Nimptsch aus Theodor Fontanes Roman Irrungen, Wirrungen und Mathilde Möhring aus dem gleichnamigen Werk Fontanes.
Was aber macht den Vergleich gerade dieser Figuren interessant? Es ist die Frage, wie sich die Protagonistinnen mit der gesellschaftlichen Ordnung arrangieren. Welche Charaktereigenschaften kennzeichnen ihr Wesen? Weiterführend ergibt sich Fragestellung, ob in Mathilde Möhring eine Weiterentwicklung Lene Nimptschs zu sehen ist. Dazu sollen zunächst Lene und Mathilde verglichen werden. Hierbei dienen ihre gesellschaftliche Stellung,
ihr Äußeres, Realitätssinn und Aufstiegsgedanke sowie ihre Glückskonzeption und ihre Beziehung zu Männern als Vergleichspunkte. Obwohl sich Lene und Mathilde vielfach ähneln, gehen sie mit ihrem Schicksal gänzlich anders um. Nachfolgend soll darauf aufbauend die These erörtert werden, ob Mathilde Möhring eine moderne Lene Nimptsch ist. Lassen sich doch bei Mathilde Möhring Tendenzen entdecken, nach denen sie als emanzipierte Frau
"wilhelminische Denkmuster und Normvorstellungen auf den Kopf stell[t] und in diesem Sinn ins 20. Jahrhundert" aufbricht.
Inhalt
1. Einführung
2. Lene Nimptsch und Mathilde Möhring im Vergleich
2.1 Soziale Herkunft
2.2 Äußeres
2.3 Realitätssinn und Rationalität
2.4 Aufstiegsgedanke
2.5 Glückskonzeption
2.6 Beziehung zu Männern
3. Mathilde als moderne Lene
4. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das literaturwissenschaftliche Verhältnis zwischen den Romanfiguren Lene Nimptsch aus Theodor Fontanes "Irrungen, Wirrungen" und Mathilde Möhring aus dem gleichnamigen Werk. Ziel ist es, zu analysieren, ob Mathilde Möhring als eine moderne Weiterentwicklung von Lene Nimptsch betrachtet werden kann, indem ihre sozioökonomische Entwicklung, ihr Rollenverständnis und ihr Umgang mit gesellschaftlichen Normen gegenübergestellt werden.
- Vergleich der kleinbürgerlichen Herkunft und deren Auswirkungen auf das Handeln der Figuren.
- Analyse von Realitätssinn, Rationalität und der Bedeutung des Leistungsprinzips.
- Untersuchung der unterschiedlichen Glückskonzeptionen und Liebesverständnisse.
- Betrachtung der Rollenbilder im Kontext der aufkommenden Frauenbewegung des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
- Einordnung der Romane als Spiegel gesellschaftlicher Wandlungsprozesse.
Auszug aus dem Buch
2.4 Aufstiegsgedanke
In Irrungen, Wirrungen ist der Aufstieg des Einzelnen in bessere Kreise von geringem Interesse. Lediglich mit der Hochzeit zwischen Lene und Gideon wir ein sozialer Aufstieg Lenes in Ansätzen greifbar. Zuvor zeigt Lene keine Ambitionen, nach einem besseren Leben zu streben.
Mathilde hingegen liegt von Beginn an viel an der Verbesserung ihrer Verhältnisse. Hierfür benötigt sie zunächst vor allem Hugo, durch den sie von der Zimmervermieterin zur Bürgermeisterfrau wird, um in letzter Konsequenz Lehrerin zu werden. Dabei kann man ihr in gewisser Weise Karrierismus zu sprechen. Erst mit dem Tod Hugos beginnt ihr eigenständig erarbeiteter Aufstieg. Auf ihrem Weg sind zwei Eigenschaften unerlässlich: Rechenkunst und Menschenkenntnis.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung erläutert das literaturwissenschaftliche Untersuchungsverfahren des Vergleichs und stellt die zentrale Fragestellung vor, ob Mathilde Möhring eine moderne Weiterentwicklung von Lene Nimptsch darstellt.
2. Lene Nimptsch und Mathilde Möhring im Vergleich: Dieses Hauptkapitel analysiert Gemeinsamkeiten und Unterschiede anhand verschiedener Kriterien wie soziale Herkunft, äußeres Erscheinungsbild, Rationalität, Aufstiegsgedanken, Glücksauffassung und Liebesbeziehungen.
3. Mathilde als moderne Lene: Hier wird Mathilde Möhring als konsequente Weiterentwicklung und kleinbürgerlicher Gegenentwurf zu Lene Nimptsch eingeordnet, die das Rollenbild der Frau am Ende des 19. Jahrhunderts maßgeblich verändert.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Das Abschlusskapitel resümiert die Ergebnisse der Untersuchung und weist auf das Potenzial für weiterführende Analysen im Kontext anderer Fontane-Figuren hin.
Schlüsselwörter
Theodor Fontane, Irrungen Wirrungen, Mathilde Möhring, Lene Nimptsch, Kleinbürgertum, Vergleich, Emanzipation, Frauenbild, Realitätssinn, Rechenkunst, Aufstieg, 19. Jahrhundert, Rollenverhalten, Literaturwissenschaft, Gesellschaftsroman.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit einem literaturwissenschaftlichen Vergleich zweier weiblicher Romanfiguren Theodor Fontanes, namentlich Lene Nimptsch und Mathilde Möhring, um deren Charakteristika und Entwicklungspotenziale herauszuarbeiten.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Analyse behandelt?
Im Zentrum stehen die soziale Herkunft, das Rollenverständnis, die ökonomischen Ambitionen, die Glücksvorstellungen sowie die Beziehung zu Männern im Kontext der gesellschaftlichen Verhältnisse des späten 19. Jahrhunderts.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Die Untersuchung verfolgt die These, ob Mathilde Möhring als eine moderne, emanzipierte Weiterentwicklung der Figur Lene Nimptsch verstanden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt bei der Untersuchung zum Einsatz?
Der Autor nutzt ein literaturwissenschaftliches Vergleichsverfahren, das Textausgaben, Handbuchartikel und fachspezifische Monografien kombiniert, um eine fundierte Charakter- und Problem-Analyse zu erstellen.
Welche inhaltlichen Aspekte dominieren den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Gegenüberstellung der Figuren anhand von Kategorien wie Soziale Herkunft, Äußeres, Rationalität, Aufstiegsgedanke, Glückskonzeption und Beziehungsverhalten.
Durch welche Begriffe lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Fontane-Forschung, Emanzipation, Kleinbürgertum, Leistungsprinzip und gesellschaftlicher Wandel beschreiben.
Inwiefern unterscheidet sich die Rolle von Mathilde Möhring von der Lenes im Kontext der Emanzipation?
Während Lene in traditionellen Mustern verhaftet bleibt, zeigt Mathilde durch ihren Berechnungsdrang und ihre berufliche Qualifikation eine aktive, emanzipierte Lebensführung, die nicht mehr auf männliche Unterstützung angewiesen ist.
Welche Rolle spielen die männlichen Figuren Botho und Hugo für das Verständnis der Frauenfiguren?
Die schwachen männlichen Gegenparts dienen dazu, das Handeln der Frauen hervorzuheben; Botho repräsentiert eine aristokratische Schwäche, während Hugo das Objekt ist, an dem Mathilde ihre ökonomischen und sozialen Ziele durch gezielte Führung verwirklicht.
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- Thomas von Pluto-Prondzinski (Author), 2008, Vergleich der fontaneschen Figuren Lene Nimptsch und Mathilde Möhring, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/162816