Hausarbeiten logo
Shop
Shop
Tutorials
De En
Shop
Tutorials
  • How to find your topic
  • How to research effectively
  • How to structure an academic paper
  • How to cite correctly
  • How to format in Word
Trends
FAQ
Zur Shop-Startseite › Soziologie - Methodologie und Methoden

Deutschland im Nationalsozialismus - Eine Disziplinargesellschaft im Sinne des Foucaultschen Disziplinbegriffs?

Titel: Deutschland im Nationalsozialismus - Eine Disziplinargesellschaft im Sinne des Foucaultschen Disziplinbegriffs?

Bachelorarbeit , 2010 , 39 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Sonja Uhl (Autor:in)

Soziologie - Methodologie und Methoden

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

I)Einleitung

Bei Diskursen über Disziplin in Deutschland wird immer wieder auf die Zeit des Nationalsozialismus verwiesen, während dessen Disziplin in vielen gesellschaftlichen Räumen bis zur Perversion gesteigert wurde. Wer heute gar von eiserner Disziplin spricht, steht im Verdacht, mit jener bedingungslosen Unterordnung zu liebäugeln, die von den Nationalsozialisten als Disziplin und typisch deutsche Tugend propagiert wurde. Der Nationalsozialismus als geschichtliches Phänomen soll im Folgenden unter den Begriffen von Disziplin und Disziplinargesellschaft nach Foucault erörtert werden. Unter der „Zeit des Nationalsozialismus“ soll die historische Periode zwischen 1933 und 1945 verstanden werden, wobei sicher auch noch Unterschiede in der Thematik innerhalb des Zeitraums zu verzeichnen sind.
Der wahrscheinlich größte Widerspruch des Nationalsozialismus ist die Diskrepanz zwischen Rationalität und der irrationalen, exzessiven Gewalt andererseits. 1 Daraus ergibt sich die Frage, wie Irrationalität und Funktionalität zusammenwirken. Um dieser Frage nachzugehen,ist es notwendig, vorherrschende Machtstrukturen zu untersuchen und sie als Dynamik von Gewaltexzessen sowie den allgemeinen Hang zur Gewaltbereitschaft zu analysieren. Als Motivation kommt nicht nur eine rein Politische in Frage, es müssen dabei auch persönliche Interessen im Spiel gewesen sein. In der Forschung ist klar, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht nur aus einer bestimmten politischen Elite heraus erklärbar sind, die durch geschickte Propaganda und Manipulation das Volk gewinnen konnte. Allein durch Propaganda wäre es eher unwahrscheinlich gewesen, das eine Ideologie in so vehementer Weise in ein soziales Feld eindringen und eine so starke Wirkung auslösen kann. Hinter den Verbrechen des Nationalsozialismus steht kein Sinn oder Logik, sondern eine Dynamik, wie Hannah Arendt es formuliert, die „Banalität des Bösen“. 2 Laut Hannah Arendt ist das Böse nicht erklärbar und in jedem Menschen latent vorhanden. Auch dem Phänomen der Disziplin und der Disziplinargesellschaft liegt keine Logik im allgemeinen Sinne zugrunde, sondern eine tiefer liegenden Dynamik eines Machtgefüges, der Disziplinarmacht.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I) Einleitung

II) Disziplinbegriff bei Foucault

1. Geschichte und Einordnung bei Foucault

1.1 Geschichtliche Hintergründe und Änderungen im Strafvollzug

1.2 Nicht mehr strafen, sondern bessern und heilen

2. Die Technologie der Disziplin als Macht-und Herrschaftsform

2.1 Der „gelehrige“ Körper

2.2 Funktionsweisen der Disziplin

2.2. 1 Die Verteilung der Individuen im Raum

2.2.2 Die Kontrolle der Tätigkeit

2.2.3 Die Organisation von Entwicklungen

2.2.4 Die Zusammensetzung der Kräfte zu einem Apparat

2.3 Die „disziplinierte“Individualität

3. Der Panoptismus und die Entstehung des modernen Gefängnisses

3.1 Weiterführende Disziplinarmaßnahmen: „Die Mittel der guten Abrichtung“

3.2 Panoptikum und Panoptismus

3.3 Das panoptische Prinzip in der Gesellschaft

3.4 Das Gefängnis als Disziplinaranstalt

3.5 Die Entstehung einer modernen Disziplinargesellschaft

4. Kritische Rezeption des Foucaultschen Disziplinbegriffs

4. 1 Foucaults Methode

4.2 Kritik der Disziplinarmacht Foucaults

5. Foucaults „Disziplinarmacht“ und Adornos „instrumentelle Vernunft“

III) Disziplinarmacht im Nationalsozialismus

1. Erziehung und Disziplin im Nationalsozialismus

1.1 Schule

1.2 Hitlerjugend

2. Die Wehrmacht als Disziplinarinstitution

3.Das Konzentrationslager in der Disziplinargesellschaft

3.1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Foucaultschen Gefängnis

3.2 Jenseits von Disziplin: Ein „pervertierter“ Disziplinbegriff

3.3 Funktionsweise des Konzentrationslagers in der NS-Gesellschaft

IV) Die deutsche Gesellschaft in der NS-Zeit als Disziplinargesellschaft im Sinne Foucaults

V) Fazit

VI) Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwieweit die deutsche Gesellschaft zur Zeit des Nationalsozialismus als Disziplinargesellschaft im Sinne der Theorie von Michel Foucault betrachtet werden kann. Sie analysiert Machtstrukturen und Disziplinierungspraktiken in verschiedenen Institutionen, um das Zusammenspiel von Rationalität und exzessiver Gewalt zu ergründen.

  • Analyse des Foucaultschen Disziplinbegriffs und der Disziplinargesellschaft.
  • Untersuchung von Erziehungspraktiken (Schule und Hitlerjugend) im Nationalsozialismus.
  • Die Rolle der Wehrmacht als zentrale Disziplinarinstitution.
  • Das Konzentrationslager als Ort des Ausschlusses und pervertierter Disziplin.
  • Vergleich der Machtmodelle von Foucault und Adorno im Kontext des Nationalsozialismus.

Auszug aus dem Buch

1.2 Nicht mehr strafen, sondern bessern und heilen

Die Forderung der humanistischen Reformer lautete, nicht mehr zu rächen, sondern zu strafen. Der grundlegende Reformgedanke bestand daraus, nicht mehr das Verbrechen an sich zu bestrafen, sondern gegen die Ursache des Verbrechens im Inneren des kriminellen Subjekts vorzugehen. Objektiv der Bestrafung sollte die Wiedereingliederung des Kriminellen in die Gesellschaft darstellen, die Funktion der Sühne und Buße des Verbrechens wurde verdrängt, die Strafe wandeltet sich in eine Umerziehungsmaßnahme. Laut humanistischen Reformgedanken, sollte die Strafe im modernen Strafvollzug so wenig tyrannisch wie möglich sein. Die Strafe richtet sich nun auf die Folgen des Verbrechens."Um nützlich zu sein, muss die Bestrafung auf die Folgen des Verbrechens zielen, d.h. auf die Gesamtheit der möglicherweise nachfolgenden Störungen." Ein Gedanke der Prävention herrscht vor. Die Strafe soll für den, der sie erleidet, minimal sein, und für den, der sie sich vorstellt, maximal. Ein Beispiel dafür wäre eine lebenslange Sklaverei oder Zwangsarbeit, die zudem absolut das Problem der Rückfälligkeit ausschliesst. Zu Beginn der Reformen zeigte sich noch der Gedanke, einen höchstmöglichen Nutzen zum Beispiel durch unbezahlte Zwangsarbeit aus den kriminellen Subjekten zu ziehen. Zusätzlich sollte die Bestrafung den Kriminellen wieder an ein geregeltes Leben und Arbeit gewöhnen. "Gegen eine schlechte Leidenschaft setzt man eine gute Gewohnheit; gegen eine Gewalt eine andere Gewalt; aber hier handelt es sich nicht um die Gewalt der Waffen, sondern um Leidenschaft und Empfindsamkeit." Um auf psychische Vorgänge des Inhaftierten einzuwirken, wird ein medizinischer Bereich mit Fachleuten aus Psychologie, Psychiatrie und Pädagogik angeschlossen. Das Hauptobjektiv der Bestrafung liegt nun darin, eine Verhaltensänderung des Straftäters an Körper und Geist durch die Applikation einer Technologie von Wissen und Macht zu erarbeiten. Die Bestrafung zielt nicht mehr wie bei den Marterstrafen, auf die Verstümmelung des Körpers, sondern auf die Seele des Individuums.

Zusammenfassung der Kapitel

I) Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein und stellt die Forschungsfrage, wie der Nationalsozialismus als Disziplinargesellschaft nach Foucault analysiert werden kann, um das Spannungsfeld zwischen Rationalität und Gewalt zu verstehen.

II) Disziplinbegriff bei Foucault: Dieses Kapitel erläutert theoretische Grundlagen wie den „gelehrigen Körper“, das Panoptikum und die Entstehung der Disziplinargesellschaft, die als Analyseinstrumente für die Arbeit dienen.

III) Disziplinarmacht im Nationalsozialismus: Hier werden konkrete NS-Institutionen wie die Schule, die Hitlerjugend, die Wehrmacht und Konzentrationslager auf ihre disziplinierenden Mechanismen hin untersucht.

IV) Die deutsche Gesellschaft in der NS-Zeit als Disziplinargesellschaft im Sinne Foucaults: Das Kapitel reflektiert, ob und in welchen Aspekten die NS-Gesellschaft als Disziplinargesellschaft klassifiziert werden kann und wo die Grenzen dieses Konzepts liegen.

V) Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Foucaults Theorie aufschlussreiche Perspektiven auf die Machtordnung des Nationalsozialismus bietet, wenngleich das NS-Regime in Teilen über eine reine Disziplinargesellschaft hinausging.

VI) Schluss: Der Schluss zieht Resümee aus dem Vergleich und warnt vor der fortbestehenden Gefahr rechtsextremistischer Tendenzen, die aus ähnlichen Organisationsstrukturen erwachsen können.

Schlüsselwörter

Disziplinargesellschaft, Michel Foucault, Nationalsozialismus, Disziplinarmacht, Überwachen und Strafen, Panoptikum, Erziehung, Wehrmacht, Konzentrationslager, Macht, Rationalität, totale Institution, Körperkontrolle, Gehorsam, Ausschluss.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Machtstrukturen des Nationalsozialismus unter Anwendung der Disziplintheorie von Michel Foucault, um zu verstehen, wie das NS-Regime seine Herrschaft durch Überwachung und Disziplinierung festigte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die theoretischen Grundlagen von Foucaults Disziplinarbegriff sowie deren praktische Anwendung auf Institutionen wie die Schule, Hitlerjugend, Wehrmacht und Konzentrationslager.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu analysieren, ob und inwieweit die NS-Gesellschaft als eine Disziplinargesellschaft nach Foucault beschrieben werden kann, um das paradoxe Zusammenspiel von technischer Rationalität und extremer Gewalt zu erklären.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine diskursanalytische und systemtheoretische Perspektive, indem sie Foucaults machttheoretische Instrumentarien (wie das Panoptikum oder die Genealogie) auf historische Dokumente und Analysen des NS-Staates anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird zunächst Foucaults Philosophie detailliert dargelegt, gefolgt von einer tiefgehenden Analyse der Disziplinarmacht in NS-Institutionen und einer kritischen Auseinandersetzung mit der Anwendbarkeit des Modells.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Disziplinargesellschaft, Disziplinarmacht, Panoptikum, totale Institution und Ausschlussprinzip charakterisiert.

Wie unterscheidet sich die NS-Disziplinargesellschaft laut Autor vom Foucaultschen Modell?

Der Autor arbeitet heraus, dass das NS-Regime durch das Konzentrationslager und rassistische Ausschlussprinzipien über ein rein disziplinierendes Modell hinausging und in absolute, vernichtende Macht überging.

Welche Rolle spielt der Gehorsam im Kontext der NS-Erziehung?

Der blinde Gehorsam wird als zentrales Erziehungsziel identifiziert, das durch gezielte Dressur des Körpers und Unterdrückung der individuellen Triebnatur die Menschen für das System gefügig machte.

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Deutschland im Nationalsozialismus - Eine Disziplinargesellschaft im Sinne des Foucaultschen Disziplinbegriffs?
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Soziologie )
Veranstaltung
Seminar
Note
1,7
Autor
Sonja Uhl (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
39
Katalognummer
V162780
ISBN (Buch)
9783640776085
ISBN (eBook)
9783640776283
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutschland Nationalsozialismus Eine Disziplinargesellschaft Sinne Foucaultschen Disziplinbegriffs
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sonja Uhl (Autor:in), 2010, Deutschland im Nationalsozialismus - Eine Disziplinargesellschaft im Sinne des Foucaultschen Disziplinbegriffs?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/162780
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  39  Seiten
Hausarbeiten logo
  • Facebook
  • Instagram
  • TikTok
  • Shop
  • Tutorials
  • FAQ
  • Zahlung & Versand
  • Über uns
  • Contact
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum