In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich mit der Diskursethik, wie sie Jürgen Habermas und Karl-Otto Apel in den 1980er Jahren entwickelten, beschäftigen. Hierbei möchte ich mich mit der Diskursethik zugrunde liegenden Diskurstheorie kritisch auseinander setzen. Die Diskursethik setzt an einer kommunikativ vermittelten Konzeption von Normen- und- Werten an. Das zentrale Element der Diskursethik - daher auch der Name - ist der Diskurs. Wenn man über Ethiken im Allgemeinen spricht, geht es primär darum, auf welche Weise bestimmte moralische Normen durch eine bestimmte Theorie begründet wird. Natürlich geht es später auch um die praktische Umsetzung solcher Entscheidungs- und Begrundungsverfahren. Jede ethische Theorie ist immerhin so gut, wie ihre praktische Implementierung bzw. ihre Kongruenz mit bestehenden gesellschaftlichen Strukturen und Konflikten. Zunächst möchte ich mit dem theoretischen Rahmen der Diskurstheorie beschäftigen. Was ist eigentlich unter einem Diskurs zu verstehen und wie hat man sich seine Funktionsweise vorzustellen. In den ersten beiden Abschnitten werde ich mich deshalb mit den Voraussetzungen der Diskursethik und den von Habermas aufgestellten Diskursregeln aus einander setzen. Im zweiten Teil der Arbeit soll es dann um einer kritische Auseinandersetzung mit dieser Konzeption gehen. Primär geht es um die Anwendbarkeit der von der Diskursethik entwicketten ethischen Theorie in der gegenwärtigen Gesellschaft. Um die Letztbegründung moralischer Normen möchte ich mich allerdings nicltt kümmern, da der Platz damr schlichtweg nicht ausreichen würde. Bei der kritischen Auseinandersetzung werden sich Probleme auf drei unterschiedlichen Ebenen ergehen. Exemplarisch möchte ich- mich- deshalb mit Hegels Kantkritik beschäftigen, sowie Birnbachers Kritik am Diskursbegriff. Im Abschnitt 5 wird es um das geschichtliche Anwendnngsprobtem, das von Karl-Otto Apel aufgeworfen wurde, sowie um Apels Lösungsversuch des selbigen gehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Voraussetzungen der Diskursethik
3 Diskursregeln
4 Trifft Hegels Kritik an der kantischen Ethik auch auf die Diskursethik zu?
5 Das Anwendungsproblem der Diskursethik und Apels Teil B
6 Probleme des Diskurses und der Diskursethik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Diskursethik von Jürgen Habermas und Karl-Otto Apel sowie deren Anwendbarkeit auf moralische Normen in modernen Gesellschaften unter Berücksichtigung erkenntnistheoretischer und praktischer Herausforderungen.
- Grundlagen und Diskurstheorie nach Habermas
- Regelwerke für eine ideale Sprechsituation
- Auseinandersetzung mit der Hegelschen Kritik an kantischen Ansätzen
- Diskussion des Anwendungsproblems und Apels teleologischer Ergänzungsvorschlag
- Analyse der praktischen Grenzen und anthropologischer Barrieren
Auszug aus dem Buch
4 Trifft Hegels Kritik an der kantischen Ethik auch auf die Diskursethik zu?
Im ersten Abschnitt haben wir gesehen, was unter einem Diskurs im Sinne Habermas zu verstehen ist. Der Diskurs ist eine Methode, um bestimmte Normen zu begründen. Das zentrale funktionale Element des Diskurses ist das wechselseitige Geben und Anerkennen von Gründen der Teilnehmenden. Das Universalisierungsprinzip, das in der Tradition Kants steht, dient als Prüfstein für bestimmte Normen.
Der Diskurs so wie Habermas ihn ausgearbeitet hat ist ein theoretisches Konstrukt. Ethiken werden immerhin auch daran gemessen, wie gut sie in der Praxis funktionieren, d.h. wie gut sie in der Lage sind moralische Problemsituation aufzulösen und im Idealfall den Amoralisten zu überzeugen, der stets fragt: „Warum soll ich eigentlich moralisch handeln?“ Da die Diskursethik in der Tradition Kants steht und sich eines Universalisierungsprinzips bedient – in Kants Ethik der kategorische Imperativ – muss sich die Diskursethik den folgenden Einwänden gegenüberstellen, die Hegel in Über die wissenschaftlichen Behandlungsarten des Naturrechts vorgebracht hat. Im Grunde behauptet Hegel, dass sich eine prozedurale Ethik, die sich zusätzlich eines Universalisierungsprinzips bedient, für die praktische Behandlung von moralischen Problemen unzureichend ist. (Vgl. Habermas 1991, 9/10)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Diskursethik von Habermas und Apel ein und umreißt das Ziel, deren theoretische Grundlagen sowie praktische Anwendbarkeit kritisch zu hinterfragen.
2 Voraussetzungen der Diskursethik: Hier werden die diskursethischen Grundannahmen und die Notwendigkeit einer begründeten moralischen Normsetzung im Rückbezug auf die kantische Tradition erörtert.
3 Diskursregeln: Das Kapitel erläutert die logisch-semantischen, dialektischen und rhetorischen Regeln, die eine ideale und zwangsfreie Argumentationssituation absichern sollen.
4 Trifft Hegels Kritik an der kantischen Ethik auch auf die Diskursethik zu?: Der Autor diskutiert Hegels Einwände gegen den Formalismus und Universalismus Kants und prüft deren Übertragbarkeit sowie die Gegenargumente von Habermas.
5 Das Anwendungsproblem der Diskursethik und Apels Teil B: Dieses Kapitel thematisiert die Schwierigkeiten bei der praktischen Implementierung diskursethischer Prinzipien und stellt Apels Versuch einer teleologischen Ergänzung dar.
6 Probleme des Diskurses und der Diskursethik: Abschließend werden die praktischen Grenzen des Diskursmodells aufgezeigt, insbesondere hinsichtlich anthropologischer Faktoren und der Wahrscheinlichkeit eines echten Konsenses.
Schlüsselwörter
Diskursethik, Jürgen Habermas, Karl-Otto Apel, Universalisierungsprinzip, Moralbegründung, Diskursregeln, Hegel, Kant, Anwendungsproblem, Argumentation, Konsens, Normen, Ethik, Ideal, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte Auseinandersetzung mit der Diskursethik, wie sie von Jürgen Habermas und Karl-Otto Apel entwickelt wurde, und hinterfragt deren theoretische Stabilität und praktische Umsetzungsmöglichkeiten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Voraussetzungen des Diskurses, die notwendigen Regeln der Kommunikation, die Auseinandersetzung mit historischer Kritik (Hegel) sowie das Problem, wie diskursive Ideale in die gesellschaftliche Praxis überführt werden können.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie diskursethische Normbegründungen funktionieren, wo ihre theoretischen Schwachstellen liegen und warum das Anwendungsproblem der Diskursethik eine zentrale Herausforderung für deren Validität darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine analytische und diskurskritische Literaturarbeit, die Habermas' und Apels Texte auf ihre theoretische Konsistenz prüft und unter Einbeziehung philosophischer Gegenpositionen wie der von Hegel oder Birnbacher bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Grundlagen der Diskursethik und deren Regelwerk analysiert, gefolgt von einer tiefgehenden Kritik durch Hegel, einer Diskussion über Apels Ergänzungen zur Anwendbarkeit und einer abschließenden Reflexion der Grenzen des diskursiven Modells.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Diskursethik, Universalisierungsprinzip, Konsens, Kommunikation, Moralbegründung und Anwendungsproblem geprägt.
Warum hält Apel eine Ergänzung der Diskursethik für notwendig?
Apel sieht in der reinen Diskursethik von Habermas eine Lücke bezüglich der geschichtlichen Konkretion; er schlägt deshalb ein teleologisches "Teil B" vor, um die Bedingungen für einen realen Diskurs überhaupt erst zu schaffen.
Welche Hauptkritik äußert Hegel gegenüber der Diskursethik?
Hegel kritisiert insbesondere den Formalismus und den abstrakten Universalismus, da diese dazu führen könnten, dass moralische Urteile den Bezug zum realen, kontextabhängigen Handeln verlieren oder tautologisch bleiben.
- Arbeit zitieren
- Lars-Henning Groß (Autor:in), 2010, Diskursethik und Anwendungsprobleme, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/162775