Moderne, Postmoderne, Postklassik, dies sind Begrifflichkeiten, welche verstärkt in den 80er und 90er Jahren in vielen Zeitschriften, Fachliteraturen und intellektuellen Fernsehsendungen zu hören waren. Mitte der 80er war nahezu alles „postmodern“ , Kunst, Bücher, Architektur, Filme, Mode, der gängige Körperkult. Felix nennt dieses Phänomen in seiner Einleitung zur „Postmoderne im Kino“, das „Gespenst der Postmoderne“ , welches sehr kurzlebig war, da Anfang der 90er, der Postmodernismus schon als beendet betitelt wurde.
Doch was ist diese Postmoderne, die in diesen Jahren in aller Munde war? Und wie äußerte sie sich in verschiedenen Kunstrichtungen, wie zum Beispiel dem Film?
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den postmodernen Einflüssen im Film. Die zentralen Fragestellungen, mit deren Hilfe herausgearbeitet werden soll, was ein postmoderner Film ist und was ihn ausmacht, lauten:
Was ist ein postmoderner Film? Welche stilistischen und ästhetischen Merkmale machen ihn aus? Was ist ihre Funktion? Wie sieht die konkrete Umsetzung im Film aus?
Jens Eder hat in seinem Werk „Oberflächenrausch“ eine systematische Einteilung ästhetischer Merkmale vorgenommen, die in ihrer Vielschichtigkeit und Logik überzeugen und deshalb Grundlage für die Ausarbeitung der postmodernen Merkmale im Film sein werden.
Anschaulich werden diese Merkmale am Beispiel von David Lynchs „Wild At Heart“ gemacht, welcher als Prototyp des postmodernen Film gilt und alle diese ästhetischen Merkmale in hohem Maße miteinander vereint.
„Seit der vielgebrauchte und missverständliche Begriff in Umlauf gebracht wurde, besteht die Diskussion über die Postmoderne in nicht geringem Maße aus Versuchen zu definieren, was denn Postmoderne eigentlich sei“ , schreibt Martin Götze in seiner Rezension zu Welschs Werk über die Postmoderne.
Was ist postmodern, was zeichnet ein postmodernes Werk oder einen postmodernen Gedanken aus?
Es gibt unzählige Literatur über diesen geisteswissenschaftlichen Diskurs. Die bekanntesten philosophischen Standpunkte stammen von Jean-Francois Lyotard, Umberto Eco, Jacques Derrida, Jean Baudrillard, Gilles Deleuze, Jürgen Habermas, Peter Sloterdijk und Wolfgang Welsch.
Es erfolgt eine Beschränkung auf eine sehr kurze Zusammenfassung von Lyotards, Ecos und Derridas Sichtweisen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Postmoderne
2.1 Philosophische Ansätze
2.2 Der postmoderne Film
2.2.1 Intertextualität
2.2.2 Spektakularität und Ästhetisierung
2.2.3 Selbstreferentialität
2.2.4 Anti-Konventionalität und dekonstruktive Erzählverfahren
3 Filmbeispiel: „Wild At Heart“ von David Lynch
3.1 Eine kurze Biographie des Regisseurs
3.2 Inhaltsangabe
3.3 Die Genre-Zitate
3.3.1 Das Road-Movie
3.3.2 Das Melodram
3.3.3 Der Thriller
3.3.4 Der Fantasiefilm/Das Märchen
3.3.5 Der Splatter-Film
3.3.6 Die Werbeclip-Ästhetik
3.4 Klischees und Stereotypen
3.5 Sex und Gewalt als Realitätsbezüge
3.6 Fazit
4 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die wesentlichen Merkmale des postmodernen Films und analysiert diese exemplarisch anhand von David Lynchs Werk „Wild At Heart“. Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie ästhetische und erzählerische Strategien der Postmoderne – wie Intertextualität und Dekonstruktion – den Film als Medium prägen und welche Funktion diese Elemente einnehmen.
- Philosophische Grundlagen der Postmoderne (Lyotard, Baudrillard, Eco)
- Ästhetische Kernelemente: Intertextualität, Spektakularität und Selbstreferentialität
- Analyse filmischer Genremischungen und Zitate in „Wild At Heart“
- Untersuchung von Stereotypen, Gewalt und gesellschaftskritischen Aspekten im postmodernen Kino
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Intertextualität
Der Begriff der Intertextualität kommt ursprünglich aus der Literaturtheorie der 70er Jahre und benennt die Präsenz eines Textes in einem anderen in Form von Zitaten, Plagiaten oder Anspielungen.
Die Intertextualität lässt sich ebenso wie in der Literatur, wo nach Julia Kristeva jeder Text Adsorption und Transformation eines anderen Textes ist, auch im Film finden. Filme wie „Scary Movie“(Wayans) oder „Pulp Fiction“(Tarantino) bedienen sich ganz bewusst filmischer Zitate in einer so großen Zahl, dass dadurch etwas Neues entsteht.
Jürgen Felix nennt das postmoderne Kino „ein Kino der Zitate, der Anspielungen und des Spiels mit konventionellen Versatzstücken des Erzählens“.
Als Zitate seien dabei nicht nur Verweise auf Inhalte anderer Filme gemeint, sondern ebenso Genre- und Stereotypenanspielungen. In Quentin Tarantinos „Pulp Fiktion“ werden z.B. verschiedenste Stereotypen und Genres dargestellt. Die coolen Gangster Vincent und Jules in ihren schicken Anzügen und dicken amerikanischen Autos, die verführerische Frau des Gangsterbosses, der harte Boxer, dessen Ehre es nicht zulässt, einen Kampf absichtlich zu verlieren, auch wenn er damit sein Leben riskiert. Dies sind nur einige der zahlreich auftretenden Stereotypen. Sie bedienen Klischees, die durch ihre Genres, z.B. den Gangsterfilm, geprägt sind, und die die Zuschauer verstehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Begrifflichkeiten der Postmoderne und die Formulierung der Forschungsfrage zur Identifikation stilistischer Merkmale im postmodernen Film.
2 Die Postmoderne: Theoretische Auseinandersetzung mit philosophischen Ansätzen und Definition der vier Hauptmerkmale des postmodernen Kinos.
3 Filmbeispiel: „Wild At Heart“ von David Lynch: Anwendung der erarbeiteten postmodernen Kategorien auf den Film, inklusive einer Analyse der Genre-Zitate, Klischees und Gewaltdarstellungen.
4 Resümee: Synthese der Ergebnisse über die Bedeutung des postmodernen Films als künstlerische Strömung, die neue Spielräume eröffnet hat.
Schlüsselwörter
Postmoderne, Filmtheorie, Intertextualität, David Lynch, Wild At Heart, Spektakularität, Selbstreferentialität, Genre-Zitate, Dekonstruktion, Medienkritik, Postklassik, Erzählverfahren, Stereotypen, Hyperrealität, Ästhetisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Definition und den stilistischen sowie ästhetischen Merkmalen des postmodernen Films.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die philosophische Herleitung der Postmoderne und deren praktische Umsetzung im Film durch spezifische Erzähltechniken.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, zu klären, was einen postmodernen Film konstituiert, welche Merkmale ihn ausmachen und wie diese konkret umgesetzt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine filmtheoretische Analyse, die auf der Systematisierung von Jens Eder aufbaut und diese an einem Fallbeispiel anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Herleitung der postmodernen Kriterien und eine detaillierte Filmanalyse von „Wild At Heart“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Postmoderne, Intertextualität, Selbstreferentialität, Genre-Mix und Dekonstruktion.
Warum wurde „Wild At Heart“ als Fallbeispiel gewählt?
Der Film gilt als Prototyp des postmodernen Kinos, da er nahezu alle relevanten Merkmale der Epoche in hohem Maße vereint.
Welche Rolle spielen Zitate im postmodernen Film laut dieser Arbeit?
Zitate sind essenziell, da sie dem Zuschauer ermöglichen, den Film über verschiedene Bedeutungsebenen zu erschließen und als ironisches Spiel mit der Filmgeschichte zu verstehen.
- Quote paper
- Michaela Alba (Author), 2010, Merkmale des postmodernen Films am Beispiel von David Lynchs „Wild At Heart“, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/162763