Die vorliegende Arbeit stellt kurz und bündig die Herrschaftstheorie Max Webers vor und konzentriert sich im Anschluss daran auf die Möglichkeiten der Nachfolgerbeschaffung im Falle des Idealtypus der charistmatischen Herrschaft.
Inhaltsverzeichnis
Fehlende Gnadengaben
Über die Schwierigkeit der Nachfolgerbeschaffung im Falle charismatischer Herrschaft nach Max Weber.
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die theoretische Problematik der Nachfolge bei charismatischer Herrschaft nach Max Weber zu untersuchen und aufzuzeigen, wie die Veralltäglichung des außeralltäglichen Charismas durch Prozesse der Formalisierung und Entpersonalisierung zu einer dauerhaften Herrschaftsform führt.
- Max Webers Herrschaftstypologie
- Die Problematik der charismatischen Nachfolge
- Wege zur Veralltäglichung des Charismas
- Vergleich zwischen charismatischer, traditionaler und legaler Herrschaft
- Die Rolle der Institutionalisierung von Macht
Auszug aus dem Buch
Insgesamt machte Weber sechs verschiedene Möglichkeiten der Nachfolgerfindung aus, die das Problem auf teils ganz verschiedene Weise zu lösen versuchen.
Leicht nachvollziehbar ist die Möglichkeit des „Neu-Aufsuchen eines als Charisma-Träger zum Herrn Qualifizierten nach Merkmalen.“ Doch eine Auslese nach Merkmalen impliziert natürlich, dass eben diese Merkmale auch das Charisma eines Herrschers ausmachen sollten und ihn deshalb als eine, der Hingebung würdige Person, auszeichnen. Der rein personalisierte Herrschaftscharakter wird in dieser Form zurückgebildet und es werden Regelungen traditionalisiert, die darauf abzielen, Personen mit ganz bestimmten Merkmalen und Fähigkeiten zu entdecken. Langfristig wird aus charismatischer dann traditionale Herrschaft. Als ausgesprochen reine Form dieses Prozesses nennt Weber die Findung eines neuen Dalai Lama.
Eine zweite Möglichkeit sieht er in Offenbarungen. Dabei leitet sich die Legitimität des neuen Herrschaftsträgers durch den Glauben an die Legitimität der verwendeten Technik ab. Das könnten beispielsweise Losung, Orakel oder Gottesurteil sein.
Hierbei wird nicht der Weg in Richtung Traditionalisierung eingeschlagen, sondern eine Legalisierung der Nachfolgeregelung angestrebt.
Eine Art Synthese zwischen legaler und traditionaler Form der Nachfolgerregelung, ist die Designation des zukünftigen Herrschers durch den bisherigen Charisma-Träger. Jener muss dabei insbesondere darauf achten, dass die Beherrschten den Designierten auch anerkennen und ihm folgen wollen. Schließlich gehört zu jedem Herrschaftsverhältnis „Ein bestimmtes Minimum an Gehorchen wollen, also: Interesse (äußerem oder innerem) am Gehorchen [...]“.
Zusammenfassung der Kapitel
Fehlende Gnadengaben: Einleitung in die Problematik, wie Macht institutionalisiert wird und warum das charismatische Herrschaftsmodell nach Max Weber vor der Schwierigkeit steht, keine konsistente Nachfolgeregelung zu besitzen.
Über die Schwierigkeit der Nachfolgerbeschaffung im Falle charismatischer Herrschaft nach Max Weber.: Detaillierte Analyse der sechs von Weber identifizierten Wege zur Sicherung charismatischer Herrschaft über den Tod des Herrschers hinaus, inklusive der Konzepte von Erbcharisma und Amtscharisma.
Schlüsselwörter
Max Weber, charismatische Herrschaft, Nachfolgeregelung, Herrschaftstypologie, Veralltäglichung, Amtscharisma, Erbcharisma, Legitimität, Institutionalisierung, Entpersonalisierung, Formalisierung, Heinrich Popitz, Macht, Führungspersönlichkeit, Herrschaftsverhältnis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Untersuchung charismatischer Herrschaft und der zentralen Herausforderung, wie diese Herrschaftsform nach dem Tod eines charismatischen Führers bestehen bleiben kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Herrschaftstypologien von Max Weber, der Prozess der Veralltäglichung des Außeralltäglichen sowie die verschiedenen Instrumente zur Sicherung von Nachfolgeregelungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, warum charismatische Herrschaft ohne eine förmliche Nachfolgeregelung instabil ist und welche Wege die Institutionalisierung nimmt, um aus Charisma dauerhafte Herrschaftsstrukturen zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, basierend auf der Literaturanalyse der Schriften von Max Weber und ergänzend unter Einbeziehung des Stufenmodells von Heinrich Popitz.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die sechs Möglichkeiten der Nachfolgerfindung, die Weber beschreibt, und erläutert, wie durch Traditionalisierung und Legalisierung das Charisma in dauerhafte Herrschaftsformen überführt wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Charisma, Institutionalisierung, Nachfolge, Max Weber, Amtscharisma, Erbcharisma und Legalisierung.
Warum ist das Stufenmodell von Heinrich Popitz hier relevant?
Das Modell wird herangezogen, um den Prozess der Entpersonalisierung und Formalisierung von Macht zu verdeutlichen, der notwendig ist, um eine dauerhafte Herrschaftsstruktur – auch im charismatischen Kontext – zu etablieren.
Was versteht Weber unter "Amtscharisma"?
Amtscharisma bezeichnet die Übertragung charismatischer Qualität auf ein Amt oder eine Institution, beispielsweise durch rituelle Akte wie Weihen, wodurch die Legitimität nicht mehr an eine Person, sondern an das Amt selbst gebunden ist.
Wie unterscheidet sich die Nachfolge bei charismatischer Herrschaft von anderen Typen?
Während bei legaler und traditionaler Herrschaft die Nachfolge festen Regeln unterliegt, muss die charismatische Herrschaft erst mühsam Wege der Institutionalisierung finden, um ihr Ende nach dem Ableben des Führers zu verhindern.
- Quote paper
- Florian Philipp Ott (Author), 2010, Fehlende Gnadengaben, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/162099