„Das Kirchenjahr gehört [...] zu den großen kulturellen Hervorbringungen des christlichen Glaubens. Es versucht, dem Evangelium im Medium menschlicher Zeiterfahrung eine kulturelle Gestalt zu geben. Es steht damit neben anderen Versuchen, Zeiterleben und –erfahrung zu kultivieren und in sinntragender Weise zu strukturieren.“ (Bieritz u.a. 2001, 1203)
Das menschliche Dasein ist im Grunde ohne jegliche Zeiterfahrung nicht vorstellbar. Längst vor der Entstehung des Kirchenjahres waren die Menschen bemüht, feste Strukturen im Fluss der Zeit zu schaffen. Jene menschliche Zeiterfahrung ist allzeit und in allen Kulturen grundlegend durch die unmittelbar erfahrenen kosmischen und vegetativen Zyklen, etwa dem Wechsel von Tag und Nacht, den Mondphasen oder den Jahreszeiten und Jahren, aber auch bereits seit frühster Zeit durch kultische Festlegungen bestimmt gewesen (vgl. Bieritz 1991, 23). So war auch die biblische Zeiter-fahrung des frühen Israel zyklisch und das jüdische Festjahr zunächst am Ablauf des Naturjahres orientiert, ehe es dann zunehmend geschichtliche Bedeutung erhielt und schließlich für Israel auch das Heilshandeln Gottes vergegenwärtigte (vgl. ebd., 25).
Inhaltsverzeichnis
1 Persönliche Begegnung
2 Analyse des didaktischen Bedingungsfeldes
2.1. Situation der Schule und des Fachs Religion an ihr
2.2. Situation der Lerngruppe
2.3. Darstellung und entwicklungspsychologische Interpretation ausgewählter Hospitationsbeobachtungen zu einzelnen Schülern
2.4. Vorhergehender Unterricht
3 Theologische Orientierung
3.1. Menschliche Zeiterfahrung und Entstehung des Kirchenjahres
3.2. Struktur und Aufbau des Kirchenjahres
3.3. Überblick zum Inhalt und der Terminisierung der Feste des Kirchenjahres
3.4. Theologisch-heilsgeschichtliche Bedeutung des Kirchenjahres
4 Didaktische Orientierung
4.1. Erste Lernmöglichkeit: Verlauf und Struktur des Kirchenjahres
4.2. Zweite Lernmöglichkeit: Die liturgischen Farben des Kirchenjahres
4.3. Dritte Lernmöglichkeit: Die Geschichte Jesu im Spiegel des Kirchenjahres
4.4. Entscheidung für eine der dargestellten Lernmöglichkeiten
5 Didaktische Entscheidungen
6 Methodische Entscheidungen
7 Verlaufsplanung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser religionspädagogischen Arbeit ist die fundierte theoretische Herleitung und methodische Planung einer Unterrichtseinheit zum Thema „Das Kirchenjahr“ für eine jahrgangsübergreifende Lerngruppe an einer Grundschule. Dabei wird untersucht, wie Schüler ohne christliches Vorwissen durch handlungsorientierte Methoden an die Struktur und Bedeutung der christlichen Festkreise herangeführt werden können.
- Analyse des didaktischen Bedingungsfeldes einer offenen Ganztagsschule
- Entwicklungspsychologische Einordnung der Lerngruppe (nach Erikson, Fowler und Piaget)
- Theologische Grundlegung des Kirchenjahres als heilsgeschichtliches Geschehen
- Didaktische Vergleichsbetrachtung verschiedener Lernmöglichkeiten zur Vermittlung des Kirchenjahres
- Methodische Verlaufsplanung für eine einführende Unterrichtsstunde
Auszug aus dem Buch
1 Persönliche Begegnung
Meine Vorkenntnisse sowohl zum Wesen des Kirchenjahres als auch den einzelnen Festen würde ich eher gering einschätzen. Einen wesentlichen Grund dafür sehe ich darin, dass ich in einem nichtchristlich geprägten Elternhaus aufgewachsen bin. Meine Eltern haben mir seit frühster Kindheit eine vornehmlich bürgerlich-säkularisierte Sichtweise auf die Feste des Christentums vermittelt. Daher sind mir bislang hauptsächlich jene Feste bekannt gewesen, die in meiner Heimat Sachsen-Anhalt als gesetzliche Feiertage gelten und somit gewissermaßen in die Alltagswelt hineinwirken.
So habe ich Grundkenntnisse zu Advent und Weihnachten, dem Epiphaniasfest, Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten, dem Reformationstag und dem Totensonntag. Weitreichende Aussagen besonders zur theologischen Bedeutung dieser Feste kann ich jedoch nicht treffen. Darüber hinaus bin ich mit Ausnahme des Weihnachtsfestes bisher noch nicht mit der liturgischen Festpraxis in Berührung gekommen. Auch im Hinblick auf religiöses Brauchtum der Feste muss ich mir fehlende Kenntnisse und Erfahrungen eingestehen. Diesbezüglich habe ich in meinem familiären Umfeld lediglich die zu volkstümlichen Konventionen gewordenen Bräuche wie das Eiersammeln an Ostern oder das gegenseitige Beschenken zu Weihnachten erlebt.
Zugespitzt gesagt habe ich bisweilen die christlichen Feste ausschließlich als „gesellschaftliche Konsumfeste“ wahrgenommen. Auch wenn ich gegenwärtig zunehmend am kirchlichen Leben teilhabe, konnte ich dabei trotzdem noch nicht die gesamte Abfolge der Feste und Festzeiten im Jahreslauf erfahren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Persönliche Begegnung: Der Autor reflektiert die eigene religiöse Sozialisation und die damit verbundenen geringen Vorkenntnisse zum Kirchenjahr als Ausgangspunkt für die Themenwahl.
2 Analyse des didaktischen Bedingungsfeldes: Hier wird das soziale Umfeld, die schulische Situation sowie der entwicklungspsychologische Stand der Lerngruppe analysiert.
3 Theologische Orientierung: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung, Struktur und die heilsgeschichtliche Bedeutung des Kirchenjahres aus theologischer Sicht.
4 Didaktische Orientierung: Es werden drei verschiedene didaktische Ansätze zur Vermittlung des Kirchenjahres abgewogen und eine begründete Auswahl für die Unterrichtseinheit getroffen.
5 Didaktische Entscheidungen: Festlegung der Grob- und Feinziele für die geplante Unterrichtseinheit unter Berücksichtigung kognitiver Lernzieldimensionen.
6 Methodische Entscheidungen: Begründung des methodischen Vorgehens, insbesondere der handlungsorientierten Erarbeitung eines Kirchenjahreskreises im Stuhlkreis.
7 Verlaufsplanung: Detaillierte tabellarische Darstellung der geplanten Unterrichtsphasen mit zeitlicher Taktung und Lehrer-Schüler-Interaktionen.
Schlüsselwörter
Kirchenjahr, Religionsunterricht, Grundschule, Didaktik, Festkreise, Lernziele, Unterrichtsplanung, Glaubensentwicklung, Heilsgeschichte, Liturgie, Symbolik, Jahreskreis, Handlungsorientierung, Religionspädagogik, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Planung einer Unterrichtsstunde zum Thema „Das Kirchenjahr“ für eine Grundschulklasse, wobei der Fokus auf der Einführung der Struktur und Abfolge der christlichen Feste liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verbindet eine theologisch-fachwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Kirchenjahr mit einer entwicklungspsychologischen Analyse der Lerngruppe und didaktisch-methodischen Überlegungen für den Religionsunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die fundierte Konzeption einer Unterrichtsstunde, die Schülern ohne Vorwissen einen ersten, strukturierten Zugang zum Kirchenjahr ermöglicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden entwicklungspsychologische Theorien (Piaget, Erikson, Fowler) und didaktische Konzepte zur Unterrichtsvorbereitung (nach Meyer) angewandt, um die methodischen Entscheidungen zu begründen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Analyse des Bedingungsfeldes, die theologische Fundierung des Kirchenjahres, die didaktische Einordnung verschiedener Lernpfade sowie die detaillierte methodische Verlaufsplanung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kirchenjahr, Religionsunterricht, Didaktik, Festkreise, Lernziele, Glaubensentwicklung und Handlungsorientierung.
Warum wird in der Arbeit so viel Wert auf die entwicklungspsychologische Analyse gelegt?
Da die Schüler laut Analyse im „mythisch-wörtlichen Denken“ verhaftet sind, ist diese Analyse essenziell, um die Lerninhalte altersgerecht aufzubereiten und zu vermeiden, dass abstrakte Konzepte nicht verstanden werden.
Welche Rolle spielt der „Jahreskreis“ in der Unterrichtsplanung?
Der Jahreskreis dient als visuelles und handlungsorientiertes Medium, um das abstrakte Konstrukt des Kirchenjahres im gemeinsamen Tun mit den Schülern schrittweise zu entwickeln.
Wie begründet der Autor seine Entscheidung für einen bestimmten thematischen Schwerpunkt?
Die Entscheidung fällt auf den Überblick über Verlauf und Struktur, da das Basiswissen bei den Schülern fehlt und dies die Voraussetzung ist, um zu einem späteren Zeitpunkt komplexere Inhalte wie liturgische Farben oder tiefere heilsgeschichtliche Bezüge verstehen zu können.
- Arbeit zitieren
- Denise Krüger (Autor:in), 2010, Entwurf einer Unterrichtsstunde zum Thema „Das Kirchenjahr“, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/162050