In vielerlei Hinsicht ist der Film Vom Winde verweht ein Werk der Superlative. Selbst Rezipienten, die den Film noch nie gesehen haben, glauben sich mit einigen Sequenzen und Details vertraut, derart verbreitet ist der Geist des Südstaaten-Epos durch die cineastischen Diskurse und Referenzen. Es fällt jedoch auf, dass eine große Diskrepanz zwischen der weit verbreiteten populären Zustimmung und der akademischen Geringschätzung herrscht. Die Forschung bietet wenige Texte, die sich mit dem 1936 erschienenen Roman Vom Winde verweht oder dem gleichnamigen Film von 1939 wissenschaftlich auseinandersetzen. Dabei stellt die Rezeptions- und Wirkungsgeschichte ein interessantes Kapitel dar. Zunächst soll daher eine Zusammenfassung der Rezeption des Romans folgen und Fakten zur Entstehung und Rezeption des Films in den USA genannt werden. Ausführlicher betrachtet wird die Rezeption des Films im Dritten Reich beziehungsweise wird eine Übersicht der Rezensionen und Rezeption des Films in der Bundesrepublik der 1950er Jahre gegeben. Diese Übersicht fällt deshalb so detailliert aus, weil sie bisher in der Forschung weitgehend unbeachtet bleibt und bislang keine Sammlung existiert.
Ausgehend von einem der bekanntesten Hollywoodfilme der Geschichte soll in vorliegender Arbeit ein Vergleich mit dem deutschen Heimatfilm der 1950er Jahre initiiert werden. Erwähnt werden muss an dieser Stelle, dass sich in dieser Arbeit ausschließlich auf die Rezeptionszeugnisse in Westdeutschland konzentriert wird, beziehungsweise ein Vergleich nur mit westdeutschen Heimatfilmen stattfindet. Zwar entstanden auch in der DDR in den 50er und 60er Jahren Filme, die mit dem eigentlichen Heimatfilm zu vergleichen aber nicht gleichzusetzen sind, da sie oft von sozialistischer Propaganda beherrscht werden.
Als Beispiel wird die westdeutsche Produktion Grün ist die Heide von 1951 gewählt, weil er als Klassiker des Genres gilt und Standards für den bundesdeutschen Heimatfilm gesetzt hat. Zunächst wird seine Entstehung und Rezeption kurz dargestellt, bevor eine Einführung in das Genre Heimatfilm folgt. Im Hauptteil folgt eine Gegenüberstellung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vom Winde verweht (1939)
2.1. Rezeption des Romans
2.2. Entstehung und Rezeption des Films in den USA
2.3. Rezeption des Films im Dritten Reich
2.4. Rezeption in der BRD
3. Grün ist die Heide (1951)
3.1. Entstehung und Rezeption
3.2. Der Heimatfilm der 50er Jahre
4. Vergleich
5. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rezeptions- und Wirkungsgeschichte des US-amerikanischen Filmepos "Vom Winde verweht" im Vergleich zum deutschen Nachkriegs-Heimatfilm "Grün ist die Heide", um Gemeinsamkeiten in ihrer Funktion als "Wiederaufbaufilme" und Identifikationsangebote für ein Publikum in der Nachkriegszeit aufzuzeigen.
- Rezeptionsanalyse von "Vom Winde verweht" in den USA, im Dritten Reich und der BRD
- Entstehungsbedingungen und populärkulturelle Bedeutung des deutschen Heimatfilms
- Die Funktion von Heimat als "locus amoenus" in der filmischen Verarbeitung von Krisenzeiten
- Vergleich der genrespezifischen Darstellung von Tradition, Fortschritt und Heimatverlust
- Der Film als "Wiederaufbau" und Träger gesellschaftlicher Wunschvorstellungen
Auszug aus dem Buch
2. Vom Winde verweht (1939)
Bevor auf die Rezeption des Films genauer eingegangen wird, soll vorab die Aufnahme des Romans betrachtet werden. In den USA erschien der Roman Gone with the Wind (Vom Winde verweht) von Margaret Mitchell am 30. Juni 1936. Die Südstaatlerin Mitchell begann den Roman im Jahr 1926 auf einer gebrauchten Remington-Reiseschreibmaschine zu schreiben, als sie aufgrund von Krankheit längere Zeit an das Bett gefesselt war. Nach knapp zehn Jahren stellte sie das mehr als 1000 Seiten umfassende Buch fertig. Der Roman setzt sich aus 63 Kapiteln zusammen, welche grob in zwei Abschnitte geteilt werden können, den Bürgerkrieg und die Rekonstruktion.
Noch im Erscheinungsjahr des Romans verkaufte Mitchell die Filmrechte an ihrem Buch für 50.000 US-Dollar an den Produzenten David O. Selznick. Ein Jahr später wurde Margaret Mitchell für den Bestseller mit dem Pulitzer-Preis in Belletristik ausgezeichnet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, die Diskrepanz zwischen populärer Zustimmung und akademischer Geringschätzung zu untersuchen sowie die Rezeptionsgeschichte von "Vom Winde verweht" und deren Vergleich mit dem Heimatfilm der 50er Jahre zu skizzieren.
2. Vom Winde verweht (1939): Das Kapitel beleuchtet die Entstehungsgeschichte des Romans und des Films sowie deren spezifische Rezeption in verschiedenen politischen Kontexten, von den USA über das Dritte Reich bis hin zur frühen Bundesrepublik.
3. Grün ist die Heide (1951): Dieses Kapitel analysiert die Entstehung und Bedeutung von "Grün ist die Heide" als Inbegriff des deutschen Heimatfilms und setzt ihn in den Kontext der allgemeinen Genreentwicklung in den 50er Jahren.
4. Vergleich: Dieser Hauptteil führt eine Gegenüberstellung beider Filme durch, wobei insbesondere die Funktion von Heimat als Identifikationsraum und die politische Dimension der filmischen Traumwelten in der Nachkriegszeit herausgearbeitet werden.
5. Ausblick: Der Ausblick reflektiert die dauerhafte Relevanz des Heimatthemas und das ungebrochene Verlangen nach Identifikationsangeboten, die auch in heutigen Krisenzeiten an die untersuchten Filme anknüpfen könnten.
Schlüsselwörter
Vom Winde verweht, Grün ist die Heide, Heimatfilm, Nachkriegszeit, Rezeptionsgeschichte, Wiederaufbau, Identifikation, Südstaaten-Epos, Kitsch, Mythos, Hollywood, NS-Filmpolitik, Kulturindustrie, Familiensaga, Sehnsucht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rezeption und die gesellschaftliche Funktion zweier einflussreicher Filmwerke, "Vom Winde verweht" und "Grün ist die Heide", in der deutschen Nachkriegsgesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Rezeptionsgeschichte, die Bedeutung von "Heimat" als emotionaler Anker, die Rolle des Kinos als Wiederaufbauhilfe und die filmischen Mittel zur Vermittlung von Wunschvorstellungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche Filme aus verschiedenen kulturellen Kontexten in der Bundesrepublik der 50er Jahre ähnliche psychologische Bedürfnisse nach Identifikation und einer "heilen Welt" bedienten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich primär um eine filmwissenschaftliche und rezeptionsgeschichtliche Analyse, die auf einer Auswertung von Rezensionen, filmhistorischer Literatur und zeitgenössischen Diskursen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Filme im Detail auf ihre Entstehung, Rezeption und ihre inhaltliche Funktion in Bezug auf die Verarbeitung von Nachkriegstraumata hin untersucht und einander gegenübergestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Heimatfilm", "Nachkriegszeit", "Identifikation", "Rezeptionsgeschichte" und die Analyse des "Heimat-Mythos" charakterisiert.
Wie bewertete Joseph Goebbels den Film "Vom Winde verweht"?
Goebbels war von der technischen Qualität und der erzählerischen Kraft des Films tief beeindruckt, sah ihn als leuchtendes Vorbild für das deutsche Kino und ließ ihn sogar in geschlossenen Vorführungen präsentieren.
Warum wird "Vom Winde verweht" im Kontext des Heimatfilms diskutiert?
Trotz genrespezifischer Unterschiede dienen beide Filme als "Wiederaufbaufilme", die dem deutschen Publikum in der Nachkriegszeit durch ihre nostalgische Verklärung von Tradition und Landschaft ein Ventil zur Flucht aus der tristen Realität boten.
- Arbeit zitieren
- BA Antje Schoene (Autor:in), 2010, Ein Vergleich der Filme "Vom Winde Verweht" und "Grün ist die Heide", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/161909