Der Kolonialpolitiker, aber auch der Theologe Friedrich Fabri sind in der Literatur zum großen Teil ausreichend untersucht worden. Jedoch ist eine ausführliche Darstellung seiner Bedeutung für die Missionsgeschichte bisher noch nicht angefertigt worden. Im Laufe der
Arbeit soll nun untersucht werden, inwiefern Fabri auf die Missionsgeschichte eingewirkt hat und welche Personen oder Ereignisse er durch seine Arbeit beeinflusste. Dabei soll vor allem
die These, dass Fabri durch seine Bemühungen die konfessionellen Konflikte innerhalb der protestantischen Missionsgesellschaften zu bekämpfen, als Vorbereiter der heutigen Weltmissionskonferenzen angesehen werden kann, untersucht werden. Weiter sollen die
kolonialen Bestrebungen Fabris und deren Verbindung mit der Rheinischen Missionsgesellschaft und der Missionsgeschichte an sich den Gegenstand der Untersuchungen bilden.
Aufgrund der Faktizität, dass Friedrich Fabri an vielen Ereignissen, Entscheidungen aber auch Entwicklungen parallel beteiligt war und diese nicht immer in einen direkten Zusammenhang zu einander standen, ist es nicht möglich einen zeitlichen Ablauf im eigentlichen Sinne im Rahmen dieser Arbeit darzustellen. Es wird daher ein zeitlicher Ablauf innerhalb des jeweiligen Betrachtungspunkt gegeben. Die vorgelegte Arbeit strukturiert sich wie folgt: Die vorgelegte Arbeit beginnt mit einem biographischen Abriss Fabris, welcher sich eingangs mit dem Vater Fabris auseinander setzt, da dieser aufgrund einer engen Verbindung mit
seinem Sohn Friedrich großen Einfluss auf diesen hatte. Gleichzeitig wird eine Kurzübersicht von seinem Wirken und seinen Tätigkeiten gegeben, welche sowohl seine Arbeit als Missionsleiter und Kolonialbefürworter, aber auch sein Schaffen nach dem Ausscheiden aus
der Rheinischen Missionsgesellschaft beinhaltet.
Das zweite Kapitel widmet sich der missionsgeschichtlichen Situation zur Zeit Fabris. So wird hier die geschichtliche Entwicklung der protestantischen Mission bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts aufgezeigt. Anschließend werden die komplexen Strukturen und Verbindungen zwischen Kolonisation und Mission dargestellt. Dabei wird sowohl auf die Funktionen, welche die Mission innerhalb des kolonialistischen Herrschaftsapperates spielte, als auch auf die Mission vor dem Hintergrund des Kulturimperialismus eingegangen. Die Ansätze welche die Rheinische Missionsgesellschaft im Zusammenhang mit der Kolonisation unter und nach Fabri verfolgte bilden hierbei den Abschluss des Kapitels.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Quellen und Materiallage
2. Forschungsstand
3. Gegenstand und Aufbau der Arbeit
Kapitel 1 – Biographischer Abriss Friedrich Fabris
1. Das Elternhaus unter besonderer Berücksichtigung des Vaters
2. Die Jugend und Studienjahre Friedrich Fabris
3. Das Wirken als Inspektor der Rheinischen Missionsgesellschaft
4. Die letzten Jahre des Friedrich Fabri
Kapitel 2 - Missionsgeschichtliche Situation des 19. Jahrhunderts
1. Die Auslegung von Mission durch die verschiedenen Konfessionen
2. Die Protestantische Missionsgeschichte bis zum Wirken Fabris
3. Die Mission im Zusammenspiel mit dem westlichen Imperialismus
4. Die Funktion der Mission innerhalb des kolonialen Herrschaftsapparats
5. Der Kulturimperialismus und die Mission
6. Die Rheinische Mission innerhalb kolonialistischer Strömungen
Kapitel 3 - Die Rheinische Missionsgesellschaft
1. Geschichtlicher Abriss bis zur Übernahme Fabris
1.1 Die Vorgeschichte der Eberswalder- Gesellschaft
1.2 Die Vorgeschichte der Barmer- Gesellschaft
1.3 Die Gründung der Rheinischen- Missionsgesellschaft
1.4 Die Erweiterung der Rheinischen- Missionsgesellschaft
2. Die Missionsanschauung der RMG
2.1 Die Missionsanschauung unter Richter
2.2 Die Missionsanschauung unter Fabri
3. Fabris Wirken als Leiter der RMG
3.1 Die Übernahme des Amtes
3.2 Kirchwerdung
3.3 Fabris Entgegenwirken der Konfessionellen Krise in der Ausbildung
3.4 Konsensus
3.5 Die Erweiterung des Missionshauses
3.6 Personalpolitik
3.7 Veränderte Weltanschauung Fabris durch die Arbeit in der RMG
3.8 Die Kontinentale Missionskonferenz
3.9 Fabris Idee der Deutschen Kolonien
3.10 Wirken der RMG in Sumatra und Nias
3.11 Wirken der RMG in Südwestafrika
3.12 Fabris Ausscheiden als Leiter der RMG
3.13 Das Wirken in seinen letzten Jahren
Kapitel 4 – Bismarcks Kolonialpolitik
1. Bismarcks Ablehnung gegen Koloniale Bestrebungen
2. Expansionistische Interessenvereine
3. Bismarcks Einlenken in der kolonialen Frage
4. Fabris Verhältnis zu Bismarck
5. Anpassung der evangelischen Mission an die Kolonialpolitik
6. Fabris Kolonial- und Auswandererpolitik unter Caprivi
Kapitel 5 - Missionsgeschichtliche Betrachtung
1. Fabris missionsgeschichtliche Veränderungen innerhalb der RMG
1.1 Ausbildung
1.2 Konfessionsprobleme
1.3 Erweiterung des Missionsgebietes
1.4 Das neue missionsgeschichtliche Sendungsbewusstsein Fabris
2. Vom Konfessionalismus zum Interkonfessionalismus
2.1 Fabris Einfluss auf die Entwicklung der Weltmissionskonferenzen
2.2 Der Beginn der Weltmissionskonferenzen
2.3 Mission während des I. Weltkriegs und seine Konsequenzen
2.4 Die Fortsetzung der Konferenzen
2.5 Der Zweite Weltkrieg und die Wideraufnahme der Konferenzen
3. Fabri und das Zusammenspiel von Kolonialismus und Mission
4. Einfluss auf Persönlichkeiten der Missionsgeschichte
Kapitel 6 – Exkurs über die Realisierbarkeit einer Ausstellung zum Thema Friedrich Fabri
1. Vorbemerkung
2. Vorbereitungen
2.1 Die Terminplanung
2.2 Die Ausleihe
2.3 Ausleihbedingungen, Vorvertrag und Leihvertrag
3. Sachplanung
3.1 Maßstabsgerechte Modelle
3.2 Ein- und Aufbauten
3.3 Die Zeitplanung für den Aufbau
3.4 Das Konzept
4. Aufbau der Exponate
4.1 Ankunft
4.2 Aufbauten und Inszenierungen
4.3 Aufbau von Großobjekten
4.4 Aufbau von Kleinobjekten
4.5 Raumgestaltung und Dekoration
4.6 Audiovisuelle Hilfen
4.7 Wegführung
5. Objektivierung
6. Realisierbarkeit
6.1 Das Ausstellungsdatum
6.2 Die Exponate
6.3 Das Konzept
6.4 Darstellungsformen/Objektivierung
6.5 Der Ausstellungsort
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Bedeutung von Friedrich Fabri für die Missionsgeschichte, wobei insbesondere sein Einfluss auf die Überwindung konfessioneller Konflikte innerhalb protestantischer Missionsgesellschaften und seine Rolle als Wegbereiter für die ökumenische Bewegung im Fokus stehen. Gleichzeitig wird analysiert, wie seine kolonialpolitischen Ambitionen die Arbeit der Rheinischen Missionsgesellschaft sowie das koloniale Zeitalter beeinflussten.
- Biographische Einordnung von Friedrich Fabri
- Die missionsgeschichtliche Situation im 19. Jahrhundert
- Die Entwicklung und Struktur der Rheinischen Missionsgesellschaft
- Wechselwirkungen zwischen christlicher Mission und Kolonialismus
- Konfessionelle Dynamiken und deren Überwindung
Auszug aus dem Buch
1. Quellen und Materiallage
Die Ausarbeitung der vorgelegten Arbeit zum Thema „Einordnung Friedrich Fabris in den missionsgeschichtlichen Kontext“ bot aufgrund einer schwierigen Materiallage einige Problematiken. Zwar hinterließ Fabri einen umfangreichen Nachlass weshalb die Erstellung einer Biographie noch im Todesjahr Fabris von einem Freund begonnen wurde, jedoch wurde diese nie fertig gestellt. Ähnliches gilt für das Mitte der 1920er Jahre von einem Mitglied der Familie Fabris geplante Lebensbild. Auch nach umfangreichen Recherchen, blieb das meiste Material des Nachlasses Fabris unauffindbar. Somit wird hiermit dem Historiker und Migrationsforscher Klaus Bade zustimmend der Hauptnachlass Fabris als verloren gegangen erachtet.
Laut Bade lässt sich die Spur des Nachlasses von Godesberg bis nach Indonesien vorfolgen. In den Wirren des zweiten Weltkriegs lässt sich der letzte Anhaltspunkt feststellen, da der Nachlass Fabris in diesem beschlagnahmt wurde, jedoch seitdem als verschollen gilt. Ein Restnachlass von Korrespondenzen Fabris befand sich laut Bade noch bis 1940 im Archiv der Rheinischen Mission, ging jedoch ebenfalls während des Krieges verloren.
Der Zeitraum vor der Übernahme Fabris als Leiter der Rheinischen Mission ist ebenfalls schlecht dokumentiert. So existieren hier nur einige, aus dem Nachlass herausgegebene Briefe an seine Verlobte, die Tübinger Promotionsakten und wenige Akten im landeskirchlichen Archiv Nürnberg. Während der Zeit als Missionsleiter stehen hingegen umfangreichere Protokolle, Personalakten und Briefkopien innerhalb des Archivs der Rheinischen Mission zur Verfügung.
Dokumente nach der Zeit der Entlassung Fabris aus der Rheinischen Mission sind ebenfalls Mangelware. So existieren hier hauptsächlich Fabris eigene Schriften welche zu Themen des Außenhandels und der Kolonialpolitik, Kolonialmission sowie zu Problem der Auswanderung verfasst wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die schwierige Quellen- und Materiallage zur Biographie von Friedrich Fabri und umreißt den aktuellen Forschungsstand sowie den Aufbau der Arbeit.
Kapitel 1 – Biographischer Abriss Friedrich Fabris: Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg Fabris nach, vom Elternhaus über sein Studium bis hin zu seiner Tätigkeit als I. Inspektor der Rheinischen Missionsgesellschaft.
Kapitel 2 - Missionsgeschichtliche Situation des 19. Jahrhunderts: Hier wird der historische Kontext der protestantischen Mission, die Verflechtung mit dem westlichen Imperialismus und die Rolle des Kulturimperialismus analysiert.
Kapitel 3 - Die Rheinische Missionsgesellschaft: Dieses Kapitel behandelt detailliert die Entstehungsgeschichte, die Entwicklung der Missionsanschauungen sowie das Wirken Fabris als Leiter der Gesellschaft.
Kapitel 4 – Bismarcks Kolonialpolitik: Dieses Kapitel beleuchtet das Verhältnis zwischen Bismarck und der Kolonialbewegung sowie die Einflüsse von Interessenverbänden auf die deutsche Kolonialpolitik.
Kapitel 5 - Missionsgeschichtliche Betrachtung: Hier werden die missionsgeschichtlichen Veränderungen, der Wandel von Konfessionalismus zu Interkonfessionalismus und der Einfluss Fabris auf nachfolgende Generationen diskutiert.
Kapitel 6 – Exkurs über die Realisierbarkeit einer Ausstellung zum Thema Friedrich Fabri: Dieser Exkurs setzt sich theoretisch mit der Planung und Umsetzung einer Ausstellung zu Friedrich Fabri auseinander.
Schlüsselwörter
Friedrich Fabri, Rheinische Missionsgesellschaft, Missionsgeschichte, Kolonialismus, Imperialismus, Protestantismus, Konfessionalismus, Ökumene, Weltmissionskonferenzen, Bildungsgeschichte, Auswanderungspolitik, Bismarck, Missionswissenschaft, Kulturimperialismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Person Friedrich Fabri im missionsgeschichtlichen Kontext des 19. Jahrhunderts und seine vielschichtige Rolle als Theologe, Missionsleiter und Kolonialpolitiker.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder sind die Geschichte der Rheinischen Missionsgesellschaft, die Entwicklung der protestantischen Mission, das Verhältnis von Mission zum deutschen Imperialismus sowie die kirchenpolitischen und kolonialen Theorien Fabris.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Fabris Einfluss auf die Missionsgeschichte aufzuzeigen, insbesondere seine Bemühungen, konfessionelle Konflikte zu überbrücken und damit Vorläufer für spätere ökumenische Bewegungen zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Arbeit, die auf einer umfassenden Analyse von Primärquellen, Archivmaterialien und einer kritischen Auseinandersetzung mit bestehender Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die missionsgeschichtliche Situation im 19. Jahrhundert, die Strukturen der Rheinischen Missionsgesellschaft unter Fabris Führung, das komplexe Verhältnis zu Bismarck und die langfristigen Wirkungen von Fabris kirchenpolitischem Handeln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Friedrich Fabri, Rheinische Missionsgesellschaft, Mission, Kolonialismus, Imperialismus, Konfessionalismus, Ökumene und Weltmissionskonferenzen.
Welche Bedeutung kommt der "Konfessionellen Krise" in der Ausbildung zu?
Fabri versuchte durch eine antikonfessionelle Bildungspolitik innerhalb der Missionsschule das Ungleichgewicht zwischen lutherischen und reformierten Einflüssen auszugleichen, um eine breitere Einsatzfähigkeit der Missionare zu ermöglichen.
Wie bewertet der Autor die Rolle Fabris im Kontext des Kolonialismus?
Der Autor zeigt auf, dass Fabri ein zentraler Akteur in der deutschen Kolonialbewegung war und die Mission teilweise als ein integraler Bestandteil imperialistischer Bestrebungen ansah, auch wenn er gleichzeitig bestrebt war, missionarische Arbeit und koloniale Verwaltung organisatorisch voneinander abzugrenzen.
Was ist das Fazit des Exkurses zur "fiktiven Fabri-Ausstellung"?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass eine reine Personenausstellung schwierig ist, empfiehlt jedoch eine breitere thematische Einordnung in den missionsgeschichtlichen Kontext, um sowohl die Exponatlage zu verbessern als auch das Interesse eines größeren Publikums zu wecken.
- Arbeit zitieren
- Christian Albrecht (Autor:in), 2009, Friedrich Fabri und seine Bedeutung für die Missionsgeschichte, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/161888