wird prinzipiell von Wissenslücken, von Unglücken, von Katastrophen, vom „Schiefgehen“ begleitet.“
(Obermeier (1999) S. 9) Von Risiko lässt sich nur dann sinnvoll sprechen, wenn Einfluss
auf die Ungesichertheit ausgeübt werden kann. Gilt dies nicht, handelt es sich um Bedrohungen
bzw. Gefahren, denen man ausgesetzt ist. Das deutet bereits auf den fundamentalen
Zwiespalt der Risikokommunikation hin: was die einen nur als „Risiko“ ansehen, stellt sich für
die anderen als „reale Gefahr“ dar. Wir unterscheiden zwischen gerichteter Risikokommunikation
und „frei floatender“ Risikokommunikation (Krimsky et al. (1988)). Frei floatende Risikokommunikation
ist eine Grundvariante der Kommunikation moderner Gesellschaften. Sie tritt in unterschiedlicher
Gestalt auf: als Gerücht, Pressebericht, PR-Kampagne oder Unternehmensinformation.
Diese Form der Risikokommunikation hat oft keine spezielle Zielgruppe und stammt aus
verschiedenen Quellen. Im Unterschied dazu bezieht sich gerichtete Risikokommunikation auf
alle Kommunikationsprozesse, die sowohl die Identifikation, Analyse, Bewertung und das Maagement
von Risiken als auch die dafür nötigen Voraussetzungen und Beziehungen zwischen den
daran beteiligten Personen, Gruppen und Institutionen zum Gegenstand haben. Gerichtete Risikokommunikation
ist Teil des Risikomanagements. Sie ist ziel- und zweckbezogen und gemäß dem
National Research Council der USA (NRC (1996)) eine Querschnittsfunktion, die den gesamten
Managementprozess von der Identifikation und Bewertung der Risiken, über die Entscheidung
bis hin zur Risikokontrolle betrifft.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Risikokommunikation und Risikomanagement
2. Theorien und Modelle der Kommunikation
2.1 Die Informationstheorie von Claude E. Shannon
2.2 Die Kybernetik von Norbert Wiener
2.3 Die Transaktionstheorie der Kommunikation von Raymond A. Bauer
2.4 Die Axiome der Kommunikation von Paul Watzlawick
2.5 Die Theorie des kommunikativen Handelns von Jürgen Habermas
2.6 Gerold Ungeheuers anthropologische Kommunikationstheorie
2.7 Die sozialbehavioristische Kommunikationstheorie von George Herbert Mead
2.8 Die selbstreferentielle Kommunikationstheorie von Niklas Luhmann
3. Ursachen und Ziele der Risikokommunikation
4. Das Gelingen von Risikokommunikation
5. Divergenzen bei der Risikobewertung
5.1 Bewertungsdivergenzen zwischen Laien und Experten
5.2 Ein allgemeines Modell von Bewertungsdifferenzen
6. Gattungen von Risikokommunikation
6.1 Koordination von Risikodialogen und –diskursen
6.2 Risikoaufklärung
7. Ansätze zur Verbesserung der institutionellen Risikokommunikation
8. Vorschläge für die Verbesserung der Risikokommunikation
8.1 Strukturelle und institutionelle Verbesserungen
8.2 Organisatorische Verbesserungen
8.3 Forschung und Entwicklung
9. Literatur
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit analysiert die theoretischen Grundlagen und praktischen Herausforderungen der Risikokommunikation in modernen Gesellschaften. Das primäre Ziel besteht darin, Problemfelder bei der Kommunikation über Risiken zu identifizieren und konkrete Verbesserungsmöglichkeiten für Institutionen aufzuzeigen, um den Austausch zwischen Experten, Entscheidungsträgern und der Öffentlichkeit zu optimieren.
- Grundlagentheorien und Modelle der Kommunikation
- Ursachen und Ziele sowie Erfolgskriterien der Risikokommunikation
- Analyse von Bewertungsdivergenzen zwischen Laien und Experten
- Konzepte für institutionelle und organisatorische Qualitätsverbesserung
Auszug aus dem Buch
2.4 Die Axiome der Kommunikation von Paul Watzlawick
Der Axiome der Kommunikation nach Watzlawick beschreiben wichtige Aspekte der Kommunikation aus Sicht der Sozialpsychologie.
1. Axiom: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ (Watzlawick et al. (1996) S. 53) Das Material jeglicher Kommunikation sind nicht nur Worte, sondern alle paralinguistischen Phänomene (Tonfall, Schnelligkeit oder Langsamkeit der Sprache, Pausen, Lachen und Seufzen), Körperhaltung, Ausdrucksbewegungen (Körpersprache) kurz, Verhalten jeder Art. Wenn alles Verhalten jedoch in einer interpersonalen Situation Mitteilungscharakter hat, also Kommunikation ist, so folgt daraus, dass man nicht nicht kommunizieren kann. Dies gilt auch dann, wenn Kommunikation nicht bewusst, absichtlich oder erfolgreich ist.
2. Axiom: „Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, derart, dass letzterer den ersten bestimmt, und daher eine Metakommunikation ist.“ (Watzlawick et al. (1996) S. 56) Dazu ein Beispiel: Frau A fragt Frau B: „Sind die Perlen echt?“ Frau B kann nun die Frage auf der Inhaltsebene auffassen, die sich direkt auf den Sachverhalt der Echtheit der Perlen bezieht. Auf der Beziehungsebene aufgefasst, kann Frau B verstehen, dass Frau A ihr gegenüber Neid oder Bewunderung zum Ausdruck bringt. Dies ist ein gutes Beispiel für den Konstruktivismus nach Watzlawick, da Frau A Frau B auf der Inhaltsebene anspricht, Frau B sich aber auf der Beziehungsebene angesprochen fühlt. Somit sehen beide jeweils nur ihre Realität, was in ihrer Kommunikation zu Störungen führen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Risikokommunikation und Risikomanagement: Einführung in den Begriff des Risikos und Abgrenzung zwischen gerichteter und frei floatender Risikokommunikation als Teil des Risikomanagements.
2. Theorien und Modelle der Kommunikation: Darstellung grundlegender kommunikationswissenschaftlicher Ansätze, die für das Verständnis von Informationsübertragungsprozessen essenziell sind.
3. Ursachen und Ziele der Risikokommunikation: Erläuterung der anlassbezogenen Natur der Risikokommunikation und ihrer instrumentellen sowie terminalen Zielsetzungen.
4. Das Gelingen von Risikokommunikation: Diskussion der Erfolgskriterien für Risikokommunikation unter Berücksichtigung des ALARA-Prinzips und der Problematik der Risikobewertungsmaßstäbe.
5. Divergenzen bei der Risikobewertung: Untersuchung der Ursachen für Bewertungsdifferenzen, insbesondere der Unterschiede in der Risikowahrnehmung zwischen Experten und Laien.
6. Gattungen von Risikokommunikation: Systematisierung in Risikodialoge zur Wissensgenerierung und Risikodiskurse zur gesellschaftlichen Vermittlung.
7. Ansätze zur Verbesserung der institutionellen Risikokommunikation: Übertragung von Total-Quality-Management-Konzepten auf den Prozess der institutionellen Risikokommunikation.
8. Vorschläge für die Verbesserung der Risikokommunikation: Konkrete Handlungsempfehlungen für strukturelle, institutionelle und organisatorische Optimierungen sowie Bedarfe in Forschung und Entwicklung.
9. Literatur: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Referenzen.
Schlüsselwörter
Risikokommunikation, Risikomanagement, Kommunikationstheorie, Risikobewertung, Laien-Experten-Differenz, Risikodialog, Risikodiskurs, institutionelle Kommunikation, Qualitätsmanagement, Risikoaufklärung, Risikowahrnehmung, Kommunikationsmodelle, Konfliktmanagement, Bewertungsdivergenzen, Risikowissen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen und Probleme bei der Kommunikation über Risiken und leitet daraus Strategien zur Verbesserung der institutionellen Risikokommunikation ab.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen kommunikationstheoretische Modelle, Ursachen für Risikokonflikte, Bewertungsunterschiede zwischen Experten und Laien sowie Methoden der Prozessoptimierung im Risikomanagement.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, ein besseres Verständnis für Risikokommunikationsprozesse zu schaffen und Instrumente aufzuzeigen, wie Institutionen diese professioneller und gesellschaftlich akzeptierter gestalten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse und Literaturarbeit, die verschiedene kommunikationswissenschaftliche Theorien und Managementkonzepte zusammenführt und auf den Bereich der Risikokommunikation anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert verschiedene theoretische Ansätze zur Kommunikation, die Ursachen für Divergenzen bei der Risikobewertung sowie spezifische Gattungen der Risikokommunikation wie Dialoge und Diskurse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Risikokommunikation, Risikobewertung, Kommunikationsmodelle, Laien-Experten-Differenz und institutionelles Qualitätsmanagement.
Warum ist die Risikokommunikation zwischen Experten und Laien so schwierig?
Sie ist schwierig, da Experten oft rein technisch-mathematische Risikokonzepte nutzen, während Laien intuitivere Konzepte anwenden, die zusätzlich Faktoren wie Freiwilligkeit, Kontrollierbarkeit und Katastrophenpotenzial einbeziehen.
Welche Rolle spielt das Qualitätsmanagement in diesem Kontext?
Das Qualitätsmanagement (TQM) dient als Rahmen, um Risikokommunikation als Dienstleistung zu verstehen, bei der Verantwortlichkeiten, Prozesse und messbare Standards zur Verbesserung definiert werden müssen.
- Quote paper
- Reinhold Ballmann (Author), 2003, Ansätze, Probleme und Verbesserungsmöglichkeiten der Risikokommunikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/16186