Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über die Entstehungsvoraussetzungen der religiösen Bewegungen des Mittelalters, d.h. der Armuts- und Ketzerbewegungen, die anhand des Franziskaner- bzw. Dominikanerordens sowie der Gruppierung der Katharer erläutert wird. Der Fokus liegt dabei auf der Frage, warum diese Bewegungen überhaupt so starken Einfluss nehmen konnten und die Katharer eine ernsthafte Gefahr für die Kirche darstellten, während die genannten Bettelorden wieder in die Kirche integriert wurden.
Inhaltsverzeichnis
I) Einleitung
II) Die Armuts- und Ketzerbewegung im Hochmittelalter
1) Entstehungsgründe: Sozialer Wandel und feudale Kirche
2) Die Bettelorden
a) Der Orden der Franziskaner
aa) Die Gründung des Ordens durch Franz von Assisi
bb) Das "Kontrastprogramm" der Franziskaner
b) Der Orden der Dominikaner
aa) Entstehung
bb) Funktion als Inquisitoren
3) Die Katharer als ketzerische Vereinigung
a) Häresie, Ketzer und Katharer - Definitionen
b) Organisation und Programm der Katharer sowie die daraus folgende Gefährlichkeit für die Kirche
aa) Die Organisation der Gemeinde, insbesondere die "Vollkommenen"
bb) Das "Programm": Der Dualismus als Kernbestandteil
cc) Die Gefährlichkeit des Katharismus für die Kirche
III) Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehungsvoraussetzungen religiöser Bewegungen im Mittelalter, insbesondere der Armuts- und Ketzerbewegungen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, warum diese Gruppen einen so starken Einfluss auf die damalige Gesellschaft ausüben konnten und welche Rolle dabei sowohl die integrierten Bettelorden als auch die als ketzerisch eingestuften Katharer spielten.
- Sozialer Wandel und Krise der kirchlichen Autorität im Hochmittelalter
- Die Entstehung und Lebensweise der Franziskaner und Dominikaner
- Das Selbstverständnis und die Organisationsstruktur der Katharer
- Der theologische Dualismus als zentrales Element der ketzerischen Lehre
- Die Konfliktlinien zwischen kirchlichem Machtanspruch und apostolischem Armutsideal
Auszug aus dem Buch
Die Gründung des Ordens durch Franz von Assisi
Der Orden der Franziskaner leitet seinen Namen von seinem Begründer, Franz von Assisi, ab. Dieser wurde 1181 oder 1182 in der umbrischen Stadt Assisi am Fuße des Monte Subasio als Sohn einer Kaufmannsfamilie geboren. Eigentlich auf den Namen Giovanni getauft, erhielt er später den Rufnamen Francesco. Der Junge genoss eine für bürgerliche Verhältnisse hohe Bildung, wahrscheinlich weil sein Vater davon ausging, dass sein Sohn als Kaufmann Lesen, Schreiben und Rechnen könne müsse. Franz führte in seiner Jugendzeit ein ausschweifendes Leben, das er mit dem Geld seines wohlhabenden Vaters finanzierte.
Im November 1202 verlor seine Heimatstadt Assisi, die zum Machtbereich der Staufer gehörte, den Krieg gegen die Nachbarstadt Perugia, die den Welfen unterstand. Franz, der an dem Kampf teilgenommen hatte, wurde daraufhin in der feindlichen Stadt eingekerkert; erst Anfang 1204 kam er gegen Zahlung eines Lösegeldes krank und innerlich zutiefst erschüttert frei. Sein Jugendtraum, Ritter zu werden sowie sein unbekümmertes Leben waren durch das Erleben des Krieges ins Wanken geraten.
Zusammenfassung der Kapitel
I) Einleitung: Einführung in die Thematik der religiösen Bewegungen und die historische Relevanz der Auseinandersetzung zwischen Kirche und abweichenden Gruppen.
II) Die Armuts- und Ketzerbewegung im Hochmittelalter: Analyse des sozioökonomischen Wandels, der zur Entstehung der Bettelorden und zur Herausbildung der Katharer als ketzerische Kraft führte.
III) Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der unterschiedlichen Reaktionen der Kirche auf die Armutsbewegung und die Einordnung der Katharer als legitimierte Gegner.
Schlüsselwörter
Mittelalter, Kirche, Katharer, Franziskaner, Dominikaner, Häresie, Armutsbewegung, Dualismus, Inquisitoren, Franz von Assisi, Kirchengeschichte, Religionsgeschichte, Vollkommene, Mittelalterlicher Dualismus, Kirchenkritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Entstehung religiöser Strömungen im Hochmittelalter, die sich gegen die etablierten kirchlichen Strukturen wandten oder innerhalb der Kirche neue Wege der Armut suchten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen den sozialen Wandel des 12. und 13. Jahrhunderts, das Wirken der Bettelorden sowie die Lehren und Organisationsformen der Katharer.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, warum religiöse Armutsbewegungen im Mittelalter eine so hohe Anziehungskraft entwickelten und weshalb die Kirche diese Gruppen teilweise integrierte (Bettelorden) und teilweise gewaltsam bekämpfte (Katharer).
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen und kirchengeschichtlicher Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der sozialen Ursachen, die detaillierte Darstellung der Bettelorden und eine tiefgehende Untersuchung des Katharismus als ketzerische Vereinigung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Mittelalter, Häresie, Bettelorden, Dualismus und Kirchenkritik geprägt.
Warum galten die Katharer als besonders gefährlich für die Kirche?
Die Katharer stellten durch ihren eigenen Anspruch auf die "wahre Kirche", die Ablehnung der Sakramente und ihre dualistische Theologie die Grundlagen und die Autorität der etablierten katholischen Kirche in Frage.
Welche Rolle spielten die Dominikaner im Umgang mit Ketzern?
Die Dominikaner fungierten nicht nur als Gelehrte, sondern erhielten durch päpstliche Mandate die Rolle der Inquisitoren, um die Ketzerbewegung systematisch zu verfolgen und zu bekämpfen.
Was unterscheidet das "Programm" der Franziskaner von dem der Katharer?
Während die Franziskaner ihr Armutsideal innerhalb der kirchlichen Strukturen umsetzten und die Kirche für die Bevölkerung wieder greifbar machten, lehnten die Katharer die römische Kirche als korrupt ab und entwickelten eine eigene, vom Dualismus geprägte Gegenstruktur.
Wie endete das Leben von Franz von Assisi?
Nach einem ereignisreichen Leben als Wanderprediger und Missionar verstarb Franz 1226 und wurde kurz darauf heiliggesprochen.
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- Ulrike Thiele (Author), 2009, Die Armuts- und Ketzerbewegung im Hochmittelalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/161751