Dieser Essay soll die qualitative Forschungsrichtung der „Grounded Theory“ erläutern, welche über die systematische Auswertung von vorrangig qualitativen Daten Theorien generieren möchte, um Gedankengänge über die soziale Wirklichkeit anzustellen und diese zu erforschen. So ist sie zunächst einmal als Meta-Theorie zu bezeichnen. Diese Bezeichnung würde ihr aber nicht vollends gerecht werden, da sie auch über eine systematische Sammlung von Einzeltechniken und Leitlinien zur Datenaufbereitung und -analyse, zur systematischen Zusammenstellung der empirischen Daten und ihrer Konzeptualisierung verfügt. Ihre Orginatoren und Fürsprecher legen jedoch viel Wert darauf, dass diese keine „starre[n] Anweisungen oder Kochrezepte“ sein sollen (STRAUSS/CORBIN 1996: 10).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ursprung und Entwicklung der Grounded Theory
3. Vorgehensweisen und Variationen
4. Anwendungsbereiche und Theoriebildung
5. Das Ziel der Grounded Theory: Theoriegewinnung
6. Der Prozess der „grounded“ Theoriebildung
7. Methodische Aspekte: Constant Comparative Method und theoretisches Sampling
8. Konzeptbildung und interpretative Rolle des Forschers
9. Fazit und Eignung der Methode für junge Forscher
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit gibt einen fundierten Überblick über die „Grounded Theory“ als qualitative Forschungsrichtung mit dem Ziel, die systematische Generierung von Theorien aus empirischen Daten zu erläutern und den zugrunde liegenden Prozess der Konzeptbildung zu verdeutlichen.
- Historische Herkunft und soziologische Einflüsse auf die Grounded Theory
- Methodologische Prinzipien wie die „Constant Comparative Method“
- Der Stellenwert von „Substantiven Theorien“ im Vergleich zu formalen Theorien
- Der kontinuierliche Wechsel von Datengewinnung und Theorieentwicklung
- Die Rolle des Forschers und der Umgang mit Vorannahmen im Forschungsprozess
Auszug aus dem Buch
Methodische Aspekte der Theoriegenerierung
Der Ansatz Strauss/Corbins hierzu ist das „Zusammenspiel“ von theoretischer Analyse und Datenbasis: die gewonnenen Theorieansätze sollen ständig mit den vorhandenen empirischen Daten verglichen werden. Starker Zusammenhang besteht hier zu der Methode des theoretisch orientierten Fragens (theoretically oriented questions): Ist diese Situation, dieses Phänomen hier mit den bisher gewonnenen Erklärungen zu fassen oder nicht? Wenn ja, wie und wenn nicht, inwiefern nicht? Da bei der Grounded Theory der Vergleich von Ergebnissen eine so große Rolle spielt, bezeichnet man sie auch als „constant comparative method“.
Aus den Vergleichen – sowohl der Ergebnisse untereinander als auch mit der erfassten Situation, dem Prozess o. ä. – sollen so Schritt für Schritt immer allgemeinere Kategorien und Zusammenhänge entstehen. Das konkrete Phänomen fungiert jedoch weiterhin als Korrektiv. Im Gegensatz hierzu analysiert eine Fallstudie auf wissenschaftliche Weise Informationen über eine Person, „auf hermeneutische Weise den Einzelfall mit vorhandenen allgemeinen Wissensbeständen in Beziehung [...], um zu prüfen, was am Fall aus diesen Wissenbeständen heraus erklärbar ist und was an den Wissensbeständen aus diesem Fall heraus zu differenzieren und gegebenenfalls zu korrigieren ist. Die Fallstudie zielt somit auf (Prüfung oder Erweiterung bestehender oder Gewinnung neuer wissenschaftlicher) Erkenntnis.“ (FATKE 1997: 59). Ein Ziel dieses offensichtlich umständlichen Verfahrens soll sein, dass die Theorie in allen Teilen auf die empirischen Daten zurückführbar bleibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Grounded Theory als Ansatz zur systematischen Theoriegenerierung aus qualitativen Daten.
2. Ursprung und Entwicklung der Grounded Theory: Beleuchtung der wissenschaftlichen Wurzeln durch Barney Glaser und Anselm Strauss und deren Abgrenzung zur deduktiven Theorieprüfung.
3. Vorgehensweisen und Variationen: Darstellung der methodischen Flexibilität und Kompatibilität mit verschiedenen Forschungsdisziplinen und -strömungen.
4. Anwendungsbereiche und Theoriebildung: Diskussion der Etablierung in Disziplinen wie Psychologie und Pädagogik sowie der Unterscheidung zwischen substantiellen und formalen Theorien.
5. Das Ziel der Grounded Theory: Theoriegewinnung: Erläuterung des Fokus auf theoretische Erkenntnis gegenüber rein beschreibenden Fallstudien.
6. Der Prozess der „grounded“ Theoriebildung: Analyse der Bedeutung des Begriffs „grounded“ und der kontinuierlichen Modifikation des Theorieansatzes während des Forschungsprozesses.
7. Methodische Aspekte: Constant Comparative Method und theoretisches Sampling: Detaillierte Untersuchung des Zusammenspiels von Analyse und Daten sowie des Konzepts der aktiven Datenauswahl.
8. Konzeptbildung und interpretative Rolle des Forschers: Untersuchung der Bedeutung von Kodierung, Mustererkennung und der Verantwortung des Forschers in der Interaktion mit den Beforschten.
9. Fazit und Eignung der Methode für junge Forscher: Bewertung der Vorzüge der Grounded Theory für Nachwuchswissenschaftler und kritische Reflexion über Ressourcen und Softwareeinsatz.
Schlüsselwörter
Grounded Theory, Qualitative Sozialforschung, Theoriegenerierung, Barney Glaser, Anselm Strauss, Constant Comparative Method, Theoretisches Sampling, Konzeptbildung, Substantive Theory, Empirische Daten, Symbolischer Interaktionismus, Kodierung, Qualitative Datenanalyse, Forschungsprozess, Theoriebildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte Einführung in die „Grounded Theory“, eine qualitative Forschungsmethode, die darauf abzielt, Theorien direkt aus empirisch gewonnenen Daten zu entwickeln, anstatt bestehende Hypothesen lediglich zu prüfen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die methodischen Grundlagen, die historische Herkunft der Methode, die Bedeutung der Konzeptbildung und die spezifische Rolle des Forschers im Forschungsprozess.
Was ist das primäre Ziel der beschriebenen Forschungsrichtung?
Das primäre Ziel ist die „Theoriegewinnung“. Die Methode soll Forschern ermöglichen, aus einer Vielzahl von Perspektiven Muster in den Daten zu erkennen und diese in ein schlüssiges theoretisches Geflecht zu überführen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit beschreibt die „Constant Comparative Method“ als zentrales Werkzeug, bei dem Theorieansätze kontinuierlich mit den empirischen Daten verglichen und verfeinert werden.
Welche Schwerpunkte liegen im Hauptteil?
Im Hauptteil werden insbesondere der Prozess der Datenerhebung und -analyse, die Bedeutung des theoretischen Samplings sowie die Abgrenzung zu anderen qualitativen Vorgehensweisen wie der klassischen Fallstudie analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Grounded Theory, Theoriegenerierung, Konzeptbildung, Constant Comparative Method und qualitatives Sampling.
Inwiefern unterscheidet sich die Grounded Theory von rein beschreibenden Fallstudien?
Während Fallstudien oft einen Einzelfall im Kontext vorhandener Wissensbestände analysieren, strebt die Grounded Theory die Entwicklung neuer theoretischer Erkenntnisse an, die in den Daten „geerdet“ sind.
Warum wird die Methode besonders für junge Forscher empfohlen?
Die Methode bietet einen strukturierten, aber dennoch offenen Rahmen, der es Forschern ermöglicht, unvoreingenommen an Forschungsfelder heranzutreten und eigene substantiell neue Beiträge zu leisten.
- Quote paper
- Sven Mally (Author), 2009, Was ist grounded theory?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/161573