Die Turbulenzen des Finanzmarktes haben die Weltwirtschaft seit 2008 fest im Griff. Das Platzen der Immobilienblase in den USA zeigte schnell seine globalen Auswirkungen und zog viele Branchen mit in die Krise. Die Unsicherheiten von Staat und Banken breiteten sich auch auf den Privatmann aus, der seine angelegten Ersparnisse nicht mehr gesichert sah. Darüber hinaus waren Arbeitsplätze und soziale Absicherungen gefährdet. Das staatliche Eingreifen in den Finanzmarkt war nötig, um dessen völligen Zusammenbruch zu verhindern: Dazu war der Einsatz von Steuergeldern unerlässlich. Die Finanzmarktkrise wurde also eine Angelegenheit für jedermann. Vor allem junge Erwachsene und Jugendliche trafen die Unsicherheiten, die die Krise mit sich brachte. Vor diesem Hintergrund ist es besonders erforderlich, die Finanzmarktkrise – deren Auswirkungen auch noch in vielen Jahren zu spüren sein werden – in den Schulunterricht mit einzubeziehen. Zusammengefasst stellt sich demnach die Frage: Welche Auswirkungen hat die Finanzmarktkrise auf die Politische Bildung?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Finanzmarktkrise
2.1. Hintergründe
2.2. Auswirkungen auf die Lebenswelten Jugendlicher
3. Kerncurricula für das Fach Politik/Wirtschaft
3.1. Niedersachsen
3.2. Hessen
3.3. Zusammenfassung
4. Finanzmarktkrise und Politische Bildung
4.1. Die Finanzmarktkrise im Politikunterricht
4.2. Inhaltliche und methodische Überlegungen
4.3. Exemplarischer Unterrichtsentwurf
4.4. Abschließende Betrachtung
5. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Auswirkungen der globalen Finanzmarktkrise auf Jugendliche sowie die Möglichkeiten und Notwendigkeit, dieses komplexe Thema in den Politikunterricht der gymnasialen Oberstufe zu integrieren. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Jugendliche trotz der durch die Krise geschürten Unsicherheit und Machtlosigkeit zu einem politisch mündigen und aktiven Handeln befähigt werden können.
- Analyse der Ursachen und globalen Hintergründe der Finanzmarktkrise
- Untersuchung der Auswirkungen der Krise auf das Lebensgefühl und die Zukunftserwartungen Jugendlicher
- Vergleich der Kerncurricula für das Fach Politik/Wirtschaft in Niedersachsen und Hessen
- Didaktische Konzepte zur Einbettung der Finanzmarktkrise in den Schulunterricht
- Erstellung eines exemplarischen Unterrichtsentwurfs für die Jahrgangsstufe 12/II
Auszug aus dem Buch
2.1. Hintergründe
Die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve ist als Vorreiter der Krise zu bezeichnen. Sie hat in den letzten Jahrzehnten eine Politik extremer Niedrigzinsen betrieben, ohne Berücksichtigung von Börsenturbulenzen nach dem Kollaps der sog. Dotcom-Blase im Jahre 2000 oder einer schwachen Konjunktur wie nach dem 11. September 2001 (vgl. Beck/Wienert 2009, S. 7). Infolge dessen beschafften sich Geschäftsbanken einen großen Anteil an Fremdkapital zu geringen Konditionen, um ihre Kreditvergabe auszuweiten und somit der amerikanischen Wirtschaft zu einem „kreditfinanzierten Boom“ (ebd., S. 9) zu verhelfen. Darüber hinaus wurden eigentlich konservative Investoren wie Versicherer oder Versorgungswerke durch diese Niedrigzinsen der US-Notenbank dazu gezwungen, sich nach „höherverzinslichen Alternativen“ (ebd., S. 7) umzusehen, was sie zu unsicheren Finanzprodukten drängte und die „Spekulation[en] mit immer neuen Kunstprodukten“ (Jahnke 2008, S. 7) in Gang brachte.
Während die Notenbanken mit ihren niedrigen Zinsen den Krisenverlauf antrieben, unterstützten Regierungen durch Regulierungen und Manipulationen der Bankengeschäfte die negativen Entwicklungen auf dem Finanzmarkt. Zum einen wurde die Bankenregulierung vernachlässigt, weil sie weit ab vom Verständnis des Wählers lag und somit wenig attraktiv für Wahlkämpfe erschien. Zum anderen fand eine Manipulation des Finanzmarktes durch die Regierungen insofern statt als vor allem in den USA billige Eigenheime und niedrige Zinsen in die politischen Programme aufgenommen wurden. Um diese Wahlversprechen einzuhalten, wurden den Banken z. B. staatliche Garantien und Steuerzuschüsse zugesprochen, was die Banken wiederum in ihrem Vorhaben, riskante Kredite zu vergeben, unterstützte und zu einer wachsenden Staatsverschuldung führte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die globale Tragweite der Finanzmarktkrise und begründet, warum dieses Thema für die politische Bildung und den Schulunterricht von hoher Relevanz ist.
2. Finanzmarktkrise: Dieses Kapitel analysiert die Hintergründe der Krise sowie deren psychologische und soziale Auswirkungen auf die Lebenswelten von Jugendlichen.
3. Kerncurricula für das Fach Politik/Wirtschaft: Hier erfolgt eine vergleichende Analyse der Lehrpläne von Niedersachsen und Hessen hinsichtlich ihrer Ziele für die politische Bildung und der Eignung für das Thema Finanzmarktkrise.
4. Finanzmarktkrise und Politische Bildung: Dieses Kapitel führt die theoretischen Ergebnisse zusammen, begründet die didaktische Einbindung und präsentiert einen konkreten, praxisnahen Unterrichtsentwurf.
5. Resümee: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Thematisierung der Krise unerlässlich ist, um Jugendliche zu aktiven Demokraten zu erziehen und Orientierung im komplexen ökonomischen Alltag zu bieten.
Schlüsselwörter
Finanzmarktkrise, Politische Bildung, Politikunterricht, Jugendliche, Kerncurriculum, Globalisierung, ökonomische Bildung, Didaktik, Subprime-Kredite, Demokratie, Bankenregulierung, Lebenswelt, Unterrichtsentwurf, Finanzprodukte, politische Mündigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die Finanzmarktkrise als komplexes globales Ereignis in den Politikunterricht integriert werden kann, um Jugendliche zu einem mündigen politischen Handeln zu befähigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Ursachen der Finanzkrise, deren Auswirkungen auf die psychologische Verfassung und Zukunftsperspektiven Jugendlicher sowie die curricular verankerten Bildungsziele in Deutschland.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet, welche Auswirkungen die Finanzmarktkrise auf die politische Bildung hat und wie dieses abstrakte Thema für den Unterricht der gymnasialen Oberstufe aufbereitet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit angewendet?
Es handelt sich um eine fachdidaktische Analyse, die auf Literaturrecherche, der Auswertung von Jugendstudien und einem Vergleich schulischer Kerncurricula basiert.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Ursachenanalyse der Krise, die Auswirkungen auf die Jugendgeneration, einen Vergleich der Lehrpläne von Niedersachsen und Hessen sowie einen exemplarischen Unterrichtsentwurf.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Finanzmarktkrise, Politische Bildung, Didaktik, ökonomische Mündigkeit und curriculare Vorgaben charakterisiert.
Inwiefern beeinflusst die Finanzkrise laut der Arbeit das politische Interesse Jugendlicher?
Die Arbeit zeigt, dass die Krise bei vielen Jugendlichen ein Gefühl der Machtlosigkeit und Unsicherheit hervorruft, was zu einer Tendenz führt, sich von politischen Themen, die als fern und nicht beeinflussbar wahrgenommen werden, abzuwenden.
Welche Rolle spielt der beigefügte exemplarische Unterrichtsentwurf?
Der Unterrichtsentwurf dient als praktische Anwendung der theoretischen Überlegungen, um Schülern durch den Einsatz von Karikaturen und Experteninterviews ein tieferes Verständnis für die systemischen Ursachen der Krise zu vermitteln.
- Arbeit zitieren
- B.A. Julia Krüger (Autor:in), 2010, Die Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die politische Bildung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/161528