Diese wissenschaftliche Arbeit innerhalb des Hauptseminars ,,Sprache und Sprachbewertung’’ soll das Thema ,,Political Correctness’’ komplex darstellen und dem Leser veranschaulichen, wie sich der Begriff entwickelte, welche Bedeutung hinter ihm steckt und letztendlich wie dieser innerhalb des Sprachgebrauches zu bewerten ist.
Im Bezug auf die Inhalte des Seminars nimmt das Thema eine wichtige Rolle ein, da es zum einen eine große Präsenz in Medien einnimmt, zum anderen auch weitere Aspekte des Seminars tangiert, zum Beispiel die Wortkritik oder Erscheinungen von sprachlicher Diskriminierung.
Der Einstieg dieser Arbeit ist eine Darstellung der Begriffsentwicklung des Ausdruckes ,,Political Correctness’’ in den Vereinigten Staaten und in Deutschland. Im Anschluss soll dem Leser ein Überblick über die unterschiedlichen Verwendungsweisen gegeben werden.
Den Kern dieser Arbeit stellt in den letzten Kapiteln eine Untersuchung dar, in der hinterfragt wird, mit welchen Bereichen der deutschen Sprache der Begriff ,,Political Correctness’’ in Verbindung steht und wie sich dieser Einfluss im Sprachgebrauch manifestiert hat. Eine Bewertung des Autors erfolgt im abschließenden Fazit dieser Arbeit.
Bei der Auswahl der Literatur musste vorab abgewogen werden, welche Veröffentlichungen für eine wissenschaftliche und möglichst neutrale Auseinadersetzung mit der Thematik geeignet sind. Die sich mit ,,Political Correctness’’ befassenden Schriften lassen sich in zwei Kategorien unterscheiden: Der größte Teil der Literatur über ,,Political Correctness’’ befasst sich mit der Bewertung der Thematik, gibt also die subjektive Meinung der Autoren wieder, ist tendenziös und war bei der Ausarbeitung nur in einem eingeschränkten Maße geeignet. Auf der anderen Seite gibt es weiterhin Literatur, meist Dissertationen der Sprachwissenschaft, die sich wissenschaftlich mit der Thematik auseinandersetzt und für die Untersuchung des Gegenstandes sehr hilfreich war. Als Kernliteratur dienten die Veröffentlichungen von Sabine Wierlemann ,,Political Correctness in den USA und in Deutschland’’ und Caroline Mayer ,,Öffentlicher Sprachgebrauch und Political Correctness’’.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsentwicklung
2.1 Ursprung des Begriffs ,,Political Correctness’’
2.2 Die Bedeutungsentwicklung in den USA
2.3 Die Bedeutungsentwicklung des Ausdrucks in Deutschland
3. Verschiedene Verwendungsweisen des Ausdrucks
4. Politische Korrektheit in der deutschen Sprache
4.1 Geschlecht
4.2 Abstammung und Ethnie
4.3 Körperliche und geistige Einschränkungen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das komplexe Phänomen der „Political Correctness“, beleuchtet dessen historische Entwicklung in den USA sowie Deutschland und analysiert kritisch, wie sich dieser Begriff auf den zeitgenössischen deutschen Sprachgebrauch auswirkt, insbesondere hinsichtlich der Vermeidung diskriminierender Ausdrucksweisen.
- Historische Herkunft und semantische Entwicklung des Begriffs
- Differenzierung der Verwendungsweisen im deutschen Medien- und Diskursraum
- Feministische Sprachkritik und das generische Maskulinum
- Sensibilisierung bei der Benennung von Ethnien und Minderheiten
- Abwägung zwischen Diskriminierungsschutz und Meinungsfreiheit
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutungsentwicklung in den USA
Die verschiedenen Ideologien, welche in den 90er Jahren mit dem Begriff ,,Political Correctness’’ verbunden wurden, hängen alle mehr oder minder stark mit den Ideen, Forderungen und Theorien der sozialen Reformbewegungen der 70er Jahre in den USA zusammen. Da diese Ideologien seit den 70er Jahren zumindest unter Intellektuellen immer wieder Thema verschiedenster Diskussionen war, scheint die amerikanische PC-Debatte bereits Jahrzehnte anzudauern. Inhaltlich ging es im wesentlichen um eine politisch philosophische Weltanschauung, deren Wurzeln in den Theorien der französischen und amerikanischen politischen Linken der 60er liegen und eine Mischung aus den Ideen des französischen Poststrukturalismus und dem amerikanischen Ansatz der ,,identity politics’’ darstellte. Die ,,identity politics’’ hatte sich seit Ende der 60er Jahre als Gegenbewegung zu den liberalen ,,civil rights’’-Bewegungen formiert und schloss weite Teile der Frauen- und Homosexuellenbewegung sowie zahlreiche Schwarze und Angehörige anderer ethnischer Minderheiten ein. Ziel dieser Gruppen war nicht mehr die Integration an die von ihnen genannte ,,Dominanzkultur’’, sondern die Betonung ihrer jeweiligen Andersartigkeit. Der grundlegende Gedanke der ,,identity politics’’-Bewegung war, dass Menschen in erster Linie nach ihrer ,,Rasse, ihrer ethnischen Zugehörigkeit und ihrem Geschlecht’’ klassifiziert werden sollten. Von dieser eigens amerikanischen ,,Philosophie’’ ausgehend, schenkten die amerikanischen Reformer der 70er Jahre den Theorien des französischen Poststrukturalismus besondere Aufmerksamkeit. Aus dieser Betrachtung erschloss man folgende Annahmen:
- ,,Kultur und Sprache sind mächtige verborgene Strukturen, die das Leben durchdringen.
- In Kultur und Sprache spiegeln sich verschiedene soziale Gruppen, die sich durch ihre Rasse[sic], ihr Geschlecht und ihre sexuelle Orientierung definieren.
- Gruppen, nicht Individuen, schaffen Kultur.
- Jede Gruppe hat ihre eigene Kultur.
- Die verschiedenen Kulturen befinden sich in einem ständigen Machtkampf.
- Die Kultur der weißen Männer hat diesen Kampf mehr oder weniger gewonnen und herrscht deshalb über die übrige Welt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema „Political Correctness“ ein, erläutert die Zielsetzung der wissenschaftlichen Arbeit und beschreibt die verwendete Literatur sowie den strukturellen Aufbau der Untersuchung.
2. Begriffsentwicklung: Das Kapitel analysiert die Ursprungstheorien des Begriffs in den USA, insbesondere die Marxismus- und die Maoismus-These, und skizziert die Übertragung des Begriffs in den deutschen Sprachraum.
3. Verschiedene Verwendungsweisen des Ausdrucks: Hier wird untersucht, wie deutsche Medien den Begriff in den 90er Jahren rezipierten und welche unterschiedlichen, oft negativen Konnotationen und semantischen Konzepte dabei entstanden.
4. Politische Korrektheit in der deutschen Sprache: Dieser Hauptteil widmet sich dem Einfluss der „Political Correctness“ auf die deutsche Sprache, speziell im Bereich geschlechtergerechter Sprache, der Benennung von Ethnien und der Bezeichnung von Menschen mit Einschränkungen.
5. Fazit: Das Fazit bewertet die Auswirkungen der Debatte, diskutiert kritisch die Durchsetzbarkeit sprachlicher Reformen und reflektiert die Spannung zwischen Diskriminierungsschutz und dem Recht auf Meinungsfreiheit.
Schlüsselwörter
Political Correctness, Sprachkritik, Diskriminierung, Generisches Maskulinum, Feministische Linguistik, Identitätspolitik, Minderheiten, Sprachgebrauch, Meinungsfreiheit, Diskurs, Semantik, PC-Debatte, Sprachregelung, Integration, Toleranz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Begriff „Political Correctness“, seiner historischen Entstehung in den USA und seiner Adaption sowie Verwendung im deutschen Sprachraum.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung von Sprachregelungen, der feministischen Sprachkritik, dem diskriminierungsfreien Umgang mit Ethnien sowie der Debatte um Meinungsfreiheit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Entwicklung und Bedeutung von „Political Correctness“ komplex darzustellen und zu hinterfragen, wie sich diese Tendenzen konkret im heutigen deutschen Sprachgebrauch manifestieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse wissenschaftlicher Schriften und Dissertationen sowie auf die Untersuchung zeitgenössischer Pressezitate zur Begriffsentwicklung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifisch drei Bereiche: die Kritik am generischen Maskulinum, die Sensibilisierung bei der Benennung ethnischer Minderheiten und den Umgang mit Bezeichnungen für Menschen mit Einschränkungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Political Correctness, Sprachkritik, Diskriminierung, Feministische Linguistik und Identitätspolitik beschreiben.
Inwieweit unterscheidet sich die deutsche Debatte von der amerikanischen?
Während in den USA politische Forderungen und Quotenregelungen im Fokus standen, richtete sich die Kritik in Deutschland stärker auf die „äußere Form“ der Sprache und Methoden des Sprachgebrauchs.
Wie bewertet der Autor die feministische Sprachkritik?
Der Autor bewertet Bemühungen um mehr Geschlechtergerechtigkeit grundsätzlich positiv, lehrt aber kritische Distanz zur Ersetzung des Pronomens „man“, da dies ideologisch motiviert erscheine.
Wird durch „Political Correctness“ die Meinungsfreiheit eingeschränkt?
Nach Ansicht des Autors findet keine staatliche Zensur statt, jedoch existiert ein Spannungsfeld, in dem gesellschaftlicher Anpassungsdruck die freie Meinungsäußerung beeinflussen kann.
- Arbeit zitieren
- Hermann D. Janz (Autor:in), 2010, Political Correctness. Mittel gegen sprachliche Diskriminierung oder Einschränkung der Meinungsfreiheit?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/161438