Die Gesellschaft wird in der heutigen Zeit zunehmend älter. Folglich nimmt auch die Zahl der Menschen zu, die in Deutschland an einer Demenz erkranken, da diese Erkrankung in einem hohen Maße altersbedingt auftritt. Diese Entwicklung wirkt sich konsequenterweise auch unmittelbar auf die Patientenstruktur im (Akut-) Krankenhaus aus und lässt die Gruppe der demenzkranken Patienten zu einer großen Herausforderung für diese Institution werden.
Die Demenzpatienten sind auf eine ihren Bedürfnissen abgestimmte Versorgung angewiesen. Dieser Herausforderung haben sich die meisten Krankenhäuser noch nicht gestellt, es fehlt ein bedarfsgerechter Umgang mit dieser Patientengruppe, wofür insbesondere Informations-, Qualifikations- und Strukturdefizite verantwortlich sind. Angesichts des demographischen Wandels und der zunehmenden Morbidität älterer Menschen wird dieses Thema nicht an Bedeutung verlieren und wird Krankenhäuser mehr denn je dazu aufrufen, sich mit damit auseinanderzusetzen und Lösungsstrategien zu entwickeln.
Ausgehend von dieser skizzenhaft dargelegten Problematik möchte die Bachelor-Thesis der Frage nachgehen, welche Möglichkeiten sich für Krankenhäuser und ihr Personal bieten, mit der Patientengruppe der demenziell erkrankten Menschen in Zukunft besser und bedarfsgerecht umzugehen. Neben einigen allgemeinen, nur kurz angeführten Lösungsmöglichkeiten, beschäftigt sich diese Arbeit in detaillierter Form mit einem Konzept aus dem St. Franziskus-Hospital Münster, dem Geriatrie-Team , welches dahingehend analysiert werden soll, inwiefern es als Möglichkeit einer bedarfsgerechten Betreuung demenzieller Patienten im Krankenhaus bewertet werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Institution (Akut-)Krankenhaus
2.1 Die aktuelle Krankenhauslandschaft
2.2 Wirtschaftliche Veränderungen
2.2.1 Die Einführung und die Auswirkungen der DRGs auf die Arbeit im Krankenhaus
2.2.2 Anforderungen an das Personal
2.3 Veränderungen in der Patientenstruktur – Hintergründe und Folgen
2.3.1 Der demographische Wandel in Deutschland
2.3.2 Gesundheit und Krankheit im Alter
2.3.2.1 Multimorbidität und chronische Erkrankungen
2.3.2.2 Zunahme Demenzerkrankter
2.3.3 Auswirkungen auf die Patientenstruktur und Arbeitsanforderungen im (Akut-)Krankenhaus
2.4 Fazit
3. Demenzkranke Patienten im (Akut-)Krankenhaus
3.1 Demenz und Delir
3.1.1 Das Krankheitsbild Demenz
3.1.2 Eigenes Erleben der Demenzkranken
3.1.3 Ressourcen und Bedürfnisse Demenzerkrankter
3.1.4 Das Krankheitsbild Delir
3.1.5 Unterschiede zwischen Demenz und Delir
3.2 Die aktuelle Versorgung von demenzkranken Patienten im (Akut-)Krankenhaus
3.2.1 Problemfelder und ihre Auswirkungen auf Demenzpatienten
3.2.1.1 Nebendiagnose Demenz
3.2.1.2 Informationsdefizite
3.2.1.3 Qualifikationsdefizite
3.2.1.4 Strukturen des Krankenhauses
3.3 Fazit: Anforderungen an eine demenzgerechte Versorgung im (Akut-) Krankenhaus
4. Das Geriatrie-Team im St. Franziskus-Hospital Münster – Ein Ansatz zur Verbesserung der Versorgung demenzerkrankter Patienten
4.1 Ziel des Ansatzes
4.2 Beschreibung des Konzepts
4.3 Ergebnisse
4.3.1 Empirische Erhebung zum Geriatrie Team – Beschreibung des Erhebungsinstrumentes
4.3.2 Auswertung
4.4 Möglichkeiten des Sozialdienstes im (Akut-)Krankenhaus zur Betreuung und Begleitung demenzkranker Patienten
4.5 Fazit
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Herausforderungen, die durch die steigende Anzahl demenzkranker Patienten für das Akut-Krankenhaus entstehen. Das primäre Ziel ist es, Lösungsansätze zu identifizieren, die eine bedarfsgerechte Versorgung dieser Patientengruppe ermöglichen und das Krankenhauspersonal entlasten können.
- Demographischer Wandel und Auswirkungen auf die Patientenstruktur
- Krankheitsbilder Demenz und Delir sowie deren Differenzierung
- Defizite in der aktuellen Krankenhausversorgung von Demenzpatienten
- Analyse des Geriatrie-Teams am St. Franziskus-Hospital Münster als Praxismodell
- Rolle und Möglichkeiten des Sozialdienstes in der Versorgung
Auszug aus dem Buch
3.2.1.1 Nebendiagnose Demenz
Das grundsätzliche Problem bei der Thematik „Demenz im Krankenhaus“ ist nach Kleina und Wingenfeld (2007, S.5f.), dass Demenzkranke in den meisten Fällen nicht wegen ihrer Demenz, sondern wegen eines anderen akuten gesundheitlichen Problems eingeliefert werden. Das Krankenhaus ist nicht auf die Demenzerkrankung, sondern auf die Behandlung und Therapie der akuten somatischen Störung fokussiert. Die Demenz wird zu einer Nebendiagnose, welcher noch dazu in vielen Fällen keine Beachtung geschenkt wird. Das drückt sich auch in der Statistik der Hauptdiagnosen aus, wo die Demenz nur 0,2% der Behandlungsfälle ausmacht (Vgl. Kirchen-Peters 2008, S.468).
Dies ist vor allem vor dem Hintergrund bedenklich, als dass die Demenz den Patienten in seinem ganzen Verhalten, worunter auch sein Umgang mit dem Krankenhauspersonal und das Entwickeln von Bewältigungsstrategien zu fassen ist, bestimmt. Obwohl also die Demenz entscheidend den Unterstützungsbedarf des Patienten bedingt, wird die Erkrankung bei der Behandlung außen vor gelassen (Vgl. Kleina/Wingenfeld 2007, S5f.). Folge ist „eine Schieflage, die letztlich ausschlaggebend ist für viele Probleme und Defizite [wie beispielsweise Fehlbehandlungen oder Drehtüreffekte, d. Verf.] der Versorgung während des Krankenhausaufenthaltes und darüber hinaus“ (a.a.O., S.6).
Überdies ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass die Demenz in der Mehrzahl der Fälle zwar nicht der Grund ist, warum der Patient im Krankenhaus behandelt werden muss, aber durchaus als Ursache für eine Einweisung gesehen werden kann. So kann unter anderem eine Mangelernährung, ein Sturz, Exsikkose, akute Probleme aufgrund falscher Einnahme von Medikamenten oder auch ein Delir durch eine Demenz verursacht werden (Vgl. GSP 2008, S.13). Dies erklärt auch die gegenüber dem Anteil demenzkranker Menschen in der Bevölkerung stärker ansteigende Quote der Demenzpatienten im Krankenhaus (Vgl. Angerhausen/Kleina 2007, S.36).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderung der alternden Gesellschaft für das Akut-Krankenhaus und stellt die Forschungsfrage nach bedarfsgerechten Betreuungsmöglichkeiten für Demenzpatienten.
2. Die Institution (Akut-)Krankenhaus: Dieses Kapitel analysiert den strukturellen Wandel der Krankenhauslandschaft unter ökonomischen Gesichtspunkten sowie die Auswirkungen des demographischen Wandels auf Patientenstruktur und Personal.
3. Demenzkranke Patienten im (Akut-)Krankenhaus: Das Kapitel erläutert die Krankheitsbilder Demenz und Delir, deren Unterschiede sowie die bestehenden Versorgungsprobleme, wie Informations- und Qualifikationsdefizite.
4. Das Geriatrie-Team im St. Franziskus-Hospital Münster – Ein Ansatz zur Verbesserung der Versorgung demenzerkrankter Patienten: Hier wird das Geriatrie-Team als Modellprojekt vorgestellt, dessen Konzept und Ergebnisse (insbesondere die Senkung der Delirrate) evaluiert werden.
5. Schluss: Das Fazit fasst die Problematik zusammen und betont die Notwendigkeit einer konzeptionellen Umgestaltung der Krankenhausversorgung zugunsten demenzgerechter Strukturen.
Schlüsselwörter
Demenz, Akut-Krankenhaus, Delir, Krankenhausversorgung, Patientenstruktur, Geriatrie-Team, Bezugspersonenpflege, Sozialdienst, demographischer Wandel, Multimorbidität, Qualifikationsdefizite, perioperative Betreuung, Entlassungsmanagement, Person-Sein, bedarfsgerechte Versorgung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die mangelhafte Versorgung von demenzkranken Patienten in Akut-Krankenhäusern vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft und wirtschaftlicher Druckverhältnisse.
Was sind die zentralen Themenfelder der Thesis?
Die Schwerpunkte liegen auf den Auswirkungen des demographischen Wandels, der Abgrenzung von Demenz und Delir sowie der kritischen Analyse aktueller Krankenhausstrukturen und deren Lösungsmodellen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Untersuchung von Möglichkeiten, wie Krankenhäuser ihre Versorgung an die speziellen Bedürfnisse demenziell erkrankter Menschen anpassen können, um Krisensituationen während eines Aufenthalts zu vermeiden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Untersuchung gewählt?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einer empirischen Untersuchung durch leitfadengestützte Experteninterviews mit Mitarbeitern des Geriatrie-Teams und des Sozialdienstes.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den institutionellen Herausforderungen, den spezifischen Krankheitsbildern und der Bewertung des Geriatrie-Teams als Best-Practice-Ansatz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Demenz, Akut-Krankenhaus, Delir, Geriatrie-Team, Patientenversorgung, demographischer Wandel und person-zentrierter Ansatz.
Welche Rolle spielt das Delir bei demenzkranken Krankenhauspatienten?
Das Delir ist ein häufiges, oft lebensbedrohliches, aber reversibles Komplikationsereignis, das durch mangelnde fachliche Aufmerksamkeit bei Demenzkranken oft übersehen wird und die Prognose erheblich verschlechtert.
Warum ist die Zusammenarbeit zwischen Geriatrie-Team und Sozialdienst so bedeutsam?
Sie ermöglicht eine synergetische Versorgung: Während das Geriatrie-Team die Betreuung während des Klinikaufenthalts sicherstellt, fokussiert sich der Sozialdienst auf eine reibungslose Weiterversorgung nach der Entlassung.
Wie bewerten die Experten den Erfolg des Geriatrie-Teams?
Die Experten bewerten den Ansatz als sehr erfolgreich, da die Delirraten signifikant gesenkt werden konnten und eine hohe Akzeptanz bei Patienten, Angehörigen und dem übrigen Klinikpersonal erreicht wurde.
Was fordert die Autorin als Konsequenz aus der Analyse?
Die Autorin fordert eine grundlegende konzeptionelle Umgestaltung der Krankenhausversorgung hin zu einer demenzgerechten Struktur, da rein punktuelle Lösungsansätze allein nicht ausreichen, um der Problematik dauerhaft zu begegnen.
- Arbeit zitieren
- Katharina Thesing (Autor:in), 2010, Die Versorgung demenzerkrankter Patienten als Herausforderung für das (Akut-)Krankenhaus, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/161414