Die exzessive Erhebung von Daten im Rahmen von Kundenkarten- und Bonusprogrammen im Einzelhandel geht einher mit einer Reduktion der Privatsphäre. Der "gläserne Konsument" gibt mit jedem Einkauf mehr Daten preis, als er möglicherweise will. Die Arbeit geht auf diese datenschutzrechtliche und grundrechtliche Problemstellung im Zusammenhang mit der Nutzung von Kundenkarten ein und stellt die wichtigesten österreichischen Leitentscheidungen des OGH vor.
Inhaltsverzeichnis
1. Ausgangssituation und Problemstellung
2. Definition von Kundenkarten
3. Online Shopping
4. Datenqualität und Schutzbedarf
5. Friends of Merkur
6. Wie geht es weiter?
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem wirtschaftlichen Interesse von Unternehmen an der Erfassung von Konsumentendaten mittels Kundenbindungssystemen und dem verfassungsrechtlich geschützten Recht der Verbraucher auf Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung.
- Analyse des Interessenskonflikts zwischen Unternehmen und Konsumenten
- Darstellung technischer Formen der Identifikation (Kundenkarten, Online-Shopping)
- Rechtliche Einordnung der Datenverarbeitung und des Datenschutzes
- Aufarbeitung relevanter höchstgerichtlicher Entscheidungen (z. B. "Friends of Merkur")
- Ausblick auf zukünftige Herausforderungen durch das "Social Web" und "Smart Objects"
Auszug aus dem Buch
Definition von Kundenkarten
Einer im September 2009 im Auftrag eines Schweizer Unternehmens selbst durchgeführten statistischen Erhebung zufolge besitzt jeder Österreicher durchschnittlich 12,5 Plastikkarten. Diese Zahl enthält einerseits Ausweise und öffentlich-rechtlich ausgestellte Karten wie den Führerschein im Scheckkartenformat oder die Sozialversicherungskarte e-card, Girokontokarten bzw. Bankomatkarten und Kreditkarten, aber andererseits auch Kundenkarten, die eine physische Legitimation der Teilnahme an einem Bonusprogramm darstellen. Doch gibt es auch schon im Bereich von Kreditkarten durchaus Tendenzen, die dieses unbare Zahlungsmittel mit Bonussystemfunktion ausstatten. Das ist schon dann der Fall, wenn für den Einkauf mit der Kreditkarte eine Vergünstigung gewährt wird. Eine derartige Aktion gibt es bereits seit längerer Zeit für Mitglieder des Österreichischen Auto, Motor und Touringclubs (ÖAMTC), die ihre Mitgliedskarte mit Kreditkartenfunktion ausstatten lassen.
Tankt der Kreditkarteninhaber mit der ÖAMTC Kunden-Kreditkarte bei einer Tankstelle der Kette Avanti, erhält er eine Vergünstigung von € 0,03 pro Liter Treibstoff. Die Gewährung dieses Vorteils ist jedenfalls umsatzsteigernd, und zwar einerseits beim Tankstellenbetreiber, bei dem der Kunde möglicherweise nur deswegen tankt, weil er hier eine Vergünstigung bekommt, andererseits aber auch für das Kreditkartenunternehmen, weil der Kunde ohne den Bonus möglicherweise bar oder mit seiner Bankomatkarte bezahlen würde.
Kundenkarten werden in der Regel in einer der folgenden Formen ausgegeben:
1. Papierkarte: einfachste und kostengünstigste Form; die Identifikation erfolgt über den Namen oder eine laufende Nummer, die auf der Karte aufgedruckt ist.
2. Magnetstreifen: die am weitesten verbreitete Form von Kundenkarten; die Identifikation erfolgt über den Magnetstreifen, der idR einen Zahlencode bzw. Hashwert zur Identifikation enthält.
3. Barcode: Durch die weite Verbreitung von Barcode Scannern an Kassen konnten sich mit Barcodes versehene Kundenkarten schnell verbreiten. Ihr Vorteil ist, dass der Magnetstreifencodierung wegfällt und sie somit weniger störungsanfällig und länger nutzbar sind.
4. RFID: Radio Frequency Identification ist die berührungslose Kommunikation zwischen einem stromlosen Transmitter und einem Empfänger. Diese Art von Karten konnte sich in Europa nicht flächendeckend durchsetzen und wird eher für Zutrittskontrollsysteme als für Kundenbindung eingesetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ausgangssituation und Problemstellung: Dieses Kapitel erläutert das Spannungsfeld zwischen dem Wunsch von Unternehmen nach Kundenprofilen und dem verfassungsrechtlich verankerten Recht der Konsumenten auf Datenschutz.
2. Definition von Kundenkarten: Hier werden die verschiedenen Arten und technischen Ausprägungsformen von Kundenkarten sowie deren ökonomische Anreizmechanismen für Konsumenten und Anbieter dargelegt.
3. Online Shopping: Dieser Abschnitt beschreibt die Datenerfassung im E-Commerce mittels virtueller Useraccounts und deren Bedeutung für die Profilbildung.
4. Datenqualität und Schutzbedarf: Es wird analysiert, ab wann Daten als personenbezogen gelten und wie die Natur der gekauften Produkte Rückschlüsse auf sensible Bereiche wie politische Einstellung oder Gesundheit zulässt.
5. Friends of Merkur: Eine juristische Fallbetrachtung, in der der OGH feststellte, dass intransparente Klauseln zur Weitergabe von Kundendaten an Konzerngesellschaften unzulässig sind.
6. Wie geht es weiter?: Dieses Kapitel gibt einen Ausblick auf die Auswirkungen von sozialen Netzwerken und "Smart Objects" auf die Privatsphäre der Nutzer.
Schlüsselwörter
Kundenkarten, Datenschutz, Konsumverhalten, Personendaten, Privatsphäre, Interessenskonflikt, Bonusprogramme, Online-Shopping, OGH-Entscheidung, Rechtsinformatik, Informationsrecht, Smart Objects, Social Web, Profilbildung, Kundendaten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der rechtlichen und praktischen Problematik der Erfassung von Informationen über das Konsumverhalten zu kommerziellen Zwecken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen Kundenbindungssysteme, Online-Shopping, Datenschutzrecht, verfassungsrechtliche Aspekte und technologische Entwicklungen bei der Datenerfassung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Konflikt zwischen dem wirtschaftlichen Bedürfnis der Unternehmen nach Kundendaten und dem Schutz der Privatsphäre der Verbraucher aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine rechtswissenschaftliche Analyse, die einschlägige Gesetzesbestimmungen und aktuelle höchstgerichtliche Rechtsprechung (OGH) auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Funktionsweise von Kundenkarten, die Datensammlung beim Online-Shopping, die Anforderungen an den Datenschutz sowie konkrete Gerichtsurteile.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kundenkarten, Datenschutz, Konsumverhalten, Privatsphäre, Interessenskonflikt, Online-Shopping und Smart Objects.
Was besagt die "Friends of Merkur"-Entscheidung in Bezug auf Datenschutz?
Der OGH urteilte, dass eine Zustimmung zur Datenweitergabe an Konzerngesellschaften unwirksam ist, wenn für den Konsumenten nicht transparent ist, welche Unternehmen konkret vom Konzern umfasst sind.
Warum wird die Erfassung von Daten durch "Smart Objects" als problematisch angesehen?
Diese Geräte erfassen Daten oft unbemerkt im Hintergrund, wodurch die Preisgabe von Informationen zu einer zwingenden Voraussetzung für deren Nutzung wird.
Inwiefern beeinflusst das "Social Web" das Konsumverhalten?
Durch die Verknüpfung von Kreditkartendaten mit sozialen Netzwerken werden Einkäufe öffentlich und für soziale Interaktionen nutzbar gemacht, was neue datenschutzrechtliche Herausforderungen schafft.
Sind Konsumenten bereit, für Bonusvorteile auf Privatsphäre zu verzichten?
Die Arbeit stellt fest, dass die Bereitschaft der Verbraucher zur Preisgabe ihrer Daten steigt, je höher der gebotene Komfort und die materiellen Anreize des jeweiligen Systems sind.
- Arbeit zitieren
- Mag. Balazs Esztegar (Autor:in), 2010, Erfassung von Informationen über Konsumverhalten für kommerzielle Zwecke, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/161349