Im Mittelalter wurden mehr als nur einmal Kaisertümer geschaffen. Zuerst herrschte das fränkische der Karolinger, gegründet unter Heinrich I., dann das der deutschen Ottonen, an dessen Spitze der Begründer Otto I. stand. Dieses Kaisertum entstand neben demjenigen in Byzanz, das seit der Antike ununterbrochen fortbestand. Daher musste das Verhältnis zwischen dem römisch-abendländischen und dem oströmisch-byzantinischen Kaisertum erforscht werden. Jedoch konzentriert sich die Forschung meist immer noch auf das Gleichbleibende oder Erneuerte am Kaisertum. Man muss jedoch bedenken, dass Ottos I. Kaiserkrönung am 02. Februar 962 nicht nur eine Erneuerung und eine Wiederherstellung des seit 924 unterbrochenen Kaisertums von Heinrich I. darstellte, sondern vielmehr auch Entscheidungen fällte, die für Jahrhunderte folgenreich blieben. Wichtig zu nennen wäre, dass bis zum Ende des alten Reiches der deutsche König immer zum Kaiser gekrönt wurde. Dies konnte nur vom Papst selbst in Rom durchgeführt werden. Vor der Zeit Otto I. hingegen wurden nicht nur Könige zum Kaiser gekrönt. Vor ihm waren es keine karolingischen Frankenkönige, sondern zwei Markgrafen. Als letzter Karolinger wurde 896 der ostfränkische König Arnulf zum Kaiser gekrönt. Daher überrascht es nicht, dass Ottos I. Zeitgenossen von einer Erinnerung an ein machtlos und glanzlos gewordenes Kaisertum gelenkt wurden, wenn man bedenkt, dass es in Byzanz nicht notwendig war, aus einem angestammt Herrschergeschlecht zu stammen, um Kaiser zu werden. Eine kirchliche Salbung und Krönung war im byzantinischen Reich ebenfalls nicht notwendig. Weiterhin waren die Zeitgenossen zur Zeit Ottos des Großen überzeugt, davon, dass ihr König auch durch eigene Kraft Kaiser werden könne, wie es Widukind in seiner Sachsengeschichte darstellt, nämlich dass Otto I. schon 955 auf dem Lechfeld nach der gewonnenen Schlacht gegen die Ungarn von seinem Heer zum Kaiser ausgerufen wurde.
Otto I. wünschte sich, dass die Nachfolge im Kaisertum jeweils durch eine päpstliche Kaiserkrönung in Rom und zu Lebzeiten des Vaters durchgeführt wird. Daher ließ Otto der Große seinen Sohn Otto II. am Weihnachtstag 967 zum Mitkaiser erheben.
Nun stellt sich nach den ersten Betrachtungen die Frage: Welche Voraussetzungen waren für das Kaisertum Ottos des Großen entscheidend? Welchen genauen Verlauf nahm seine Kaiserpolitik? Und vor allem: Welche entscheidenden Erfolge konnte er erzielen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
Betrachtungen zur Kaiserkrönung Ottos I.
2. Hauptteil
2.1 Voraussetzungen der Kaiserpolitik Ottos des Großen
2.1.1 Historische Voraussetzungen
2.1.2 Die Schlacht auf dem Lechfeld
2.2 Der Verlauf der Kaiserpolitik Ottos des Großen
2.2.1 Die Kaiserkrönung in Rom
2.2.2. Kaisertum, Rom und Papstbezug in der Zeit Ottos I.
2.2.3 Die Gründung der Kirchenprovinz Magdeburg
2.2.4 Die „nasse Grenze“ im Osten
2.3. Die Erfolge der Kaiserpolitik Ottos des Großen
3. Schluss
Der Platz Ottos des Großen in der Geschichte
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Voraussetzungen, den Verlauf und die politischen Erfolge von Otto dem Großen im Hinblick auf seine Kaisertumspolitik. Dabei steht die zentrale Frage im Mittelpunkt, wie Otto durch strategische Maßnahmen, wie die Kaiserkrönung in Rom und die Etablierung des Erzbistums Magdeburg, seine Macht im Reich festigen und das mittelalterliche Kaisertum langfristig prägen konnte.
- Historische Voraussetzungen des ottonischen Kaisertums
- Die Bedeutung der Schlacht auf dem Lechfeld
- Die symbolische und machtpolitische Rolle der Kaiserkrönung in Rom
- Das Verhältnis zwischen Kaisertum, Papsttum und den slawischen Gebieten
- Die Gründung der Kirchenprovinz Magdeburg als Instrument der Macht
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Die Schlacht auf dem Lechfeld
Die Ungarn sind, wie es Widukind mit den Worten „communes omnium hostes esse Ungarios“8 beschreibt, den Menschen im 10. Jahrhundert als ständige Bedrohung erschienen. Daher war es wie eine Erlösung, als diese von Otto I. 955 auf dem Lechfeld besiegt worden waren. Doch Otto I. hatte schon vorher eine Möglichkeit gefunden, sich und seine ehrgeizigen Pläne in den Vordergrund zu stellen. Bereits auf der Augsburger Synode 952 berieten sich 25 Bischöfe „de statu christiani imperii“9. Da der Nutzen für die gesamte Christenheit eng in Verbindung mit dem Herrscher stand, schien Ottos I. Kaisertum in unmittelbare Nähe gerückt zu sein. Aber den entscheidenden politischen Erfolg erzielte Otto I. erst nach dem entscheidenden Sieg gegen die Ungarn auf dem Lechfeld.
Im Sommer 955 machte sich ein großes ungarisches Heer auf den Weg nach Süddeutschland, um dort zu plündern. Als die Ungarn begannen, Augsburg zu belagern, stellte Otto I. ein großes Heer aus schwäbischen, fränkischen und bayerischen Truppen zusammen mit dem es ihm gelang, die Ungarn vernichtend zu schlagen. Wenn man jedoch bedenkt, dass sich die Waffen, welche die Ungarn benutzen, bei Nässe und Regen in ihre Bestandteile auflösten, und es während der Schlacht, wie Quellen belegen, zu einem „regelrechten Wolkenbruch“10 kam, ist der Sieg Ottos I. vielleicht nur dem Missgeschick der Ungarn zuzuschreiben, die im Hochsommer nicht mit einem derartigen Regen gerechnet hatten. Nach seinem Erfolg wurde Otto I. von seinem Heer zum Kaiser ausgerufen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Forschungsansätze zum Zweikaiserproblem und thematisiert die Bedeutung der Kaiserkrönung Ottos I. am 02. Februar 962.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die historischen Grundlagen, den Ablauf der kaiserlichen Politik, die Beziehung zum Papsttum sowie die strategische Gründung des Erzbistums Magdeburg zur Festigung der Macht.
2.1 Voraussetzungen der Kaiserpolitik Ottos des Großen: Es werden die Ausgangslage nach dem Ende des westlichen Kaisertums sowie der entscheidende Sieg auf dem Lechfeld als Basis für das spätere Kaisertum betrachtet.
2.1.1 Historische Voraussetzungen: Dieses Unterkapitel beleuchtet die Nachfolge nach Berengar I. und die Etablierung des ottonischen Königtums durch die Heirat mit Adelheid.
2.1.2 Die Schlacht auf dem Lechfeld: Der Fokus liegt hier auf der militärischen Bedeutung des Sieges gegen die Ungarn und dessen Wirkung auf das politische Ansehen Ottos I.
2.2 Der Verlauf der Kaiserpolitik Ottos des Großen: Dieser Abschnitt beschreibt die zentralen Etappen der kaiserlichen Herrschaft, insbesondere die Interaktion mit Rom und der Kirche.
2.2.1 Die Kaiserkrönung in Rom: Analysiert wird der symbolische Akt der Krönung und die Bedeutung der päpstlichen Anerkennung für die Legitimation Ottos.
2.2.2. Kaisertum, Rom und Papstbezug in der Zeit Ottos I.: Hier wird das spannungsreiche Verhältnis zwischen Otto und verschiedenen Päpsten sowie die Rolle Ottos als Schutzherr Roms untersucht.
2.2.3 Die Gründung der Kirchenprovinz Magdeburg: Dieses Kapitel behandelt die Gründung als zentrales politisches und wirtschaftliches Instrument zur Heidenmission und Reichseinigung.
2.2.4 Die „nasse Grenze“ im Osten: Es wird die Bedrohung durch slawische Völker im Osten und die militärische Absicherung des Reiches durch Markgrafschaften erläutert.
2.3. Die Erfolge der Kaiserpolitik Ottos des Großen: Zusammenfassung der erreichten Hegemonialstellung des Reiches und der Etablierung einer stabilen Nachfolgeordnung.
3. Schluss: Das Kapitel reflektiert den langfristigen historischen Stellenwert Ottos des Großen als Schöpfer des mittelalterlichen Reiches der Deutschen.
Schlüsselwörter
Otto der Große, Kaiserkrönung, Ottonen, 962, Lechfeldschlacht, Papsttum, Magdeburg, Kirchenprovinz, Ostpolitik, Mittelalter, Gottesgnadentum, Kaisertum, Reichseinigung, Heidenmission, Widukind von Corvey
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die Kaiserpolitik Ottos des Großen, mit besonderem Augenmerk auf die Voraussetzungen, den Verlauf sowie die Erfolge seiner Herrschaft im 10. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die Kaiserkrönung, die schwierige Beziehung zum Papsttum, die strategische Bedeutung der Schlacht auf dem Lechfeld und die kirchlich-politische Organisation des Reiches durch die Gründung des Erzbistums Magdeburg.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Entwicklung Ottos zum Kaiser und die Etablierung seiner Autorität im Reich sowie gegenüber dem Papst und den slawischen Gebieten nachzuvollziehen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf der Auswertung historischer Quellen, insbesondere der Chroniken von Liudprand von Cremona, Thietmar von Merseburg und Widukind von Corvey, ergänzt durch aktuelle Forschungsliteratur.
Welche Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historischen Voraussetzungen (u.a. Lechfeld), den Verlauf der Kaiserpolitik (Rom-Beziehungen, Magdeburg) und eine kritische Analyse der erzielten Erfolge.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Otto der Große, Kaiserkrönung, Papsttum, Lechfeldschlacht, Kirchenprovinz Magdeburg und mittelalterliche Herrschaftslegitimation.
Warum war die Kaiserkrönung in Rom für Otto so entscheidend?
Die päpstliche Krönung in Rom verlieh Otto das unmittelbare Gottesgnadentum und die formale Anerkennung als Nachfolger der karolingischen Kaiser, was für seine Autorität im nordalpinen Reich essenziell war.
Inwiefern beeinflusste die Gründung Magdeburgs die Ostpolitik?
Magdeburg diente als zentrales Wirtschaftszentrum und Basis für die Heidenmission in slawischen Gebieten, was Otto dabei half, seine Macht nach Osten hin zu festigen und abzusichern.
- Arbeit zitieren
- Melanie Möger (Autor:in), 2005, Die Kaiserpolitik Ottos des Großen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/161247