Aufgrund Ihrer Exotik, Naturverbundenheit und der fremdartigen Kultur, gewinnen Entwicklungsländer bei der Wahl als Urlaubsdestination seit Jahren an Beliebtheit. Die wachsenden Besucherzahlen üben jedoch einen beachtlichen Einfluss auf Einheimische, sowie deren Kultur und Lebensweise aus. Ganze Regionen, sowie auch deren Kultur werden an Touristenwünsche angepasst und verlieren dadurch ihre Identität. Jedoch übt sich der Tourismus nicht nur negativ auf die kulturelle Identität der Bevölkerung von Entwicklungsländern aus, sondern trägt auch zu deren Wiederbelebung bei.
Mit dem erarbeiteten Maßnahmenkatalog gilt es diese positiven Auswirkungen zu verstärken, sowie unterschiedliche Lösungsansätze zum Entgegenwirken des Kulturverlustes in Touristenregionen aufzuzeigen. Dieser Katalog wurde nach reichlicher Recherche eigens so entworfen, dass sowohl Staat, Reisemittler und Touristen, als auch Einheimische zur Kulturwahrung beitragen können. Er enthält Maßnahmen wie das Einführen von Nachhaltigkeitsindikatoren und Restriktionen von Seiten des Staates sowie die Errichtung von Show-Dörfern und Kulturzentren durch die Tourismusverbände.
In dieser Arbeit wird mitunter festgestellt, dass der in Entwicklungsländern oftmals vorhandene Kulturverlust, mit dem dortigen Tourismus stark in Relation steht. Es wird aufgezeigt dass der kulturelle Identitätsverlust mit der Tourismuszunahme in einer Region steigt. Außerdem wird erörtert dass die Kultur der Entwicklungsländer unter ihrer Kommerzialisierung immer mehr zu leiden hat. Eine weitere Feststellung ist der positive Einfluss, den der Tourismus in Entwicklungsländern, auf die kulturelle Wiederbelebung einer Bevölkerung ausübt.
Die Erarbeitung dieser Thesis basiert auf der Informationsrecherche unterschiedlicher Fachbücher sowie –zeitungen. Des Weiteren wurde für einige Statistiken Daten der UNWTO eingeholt und mit eingearbeitet. Mittels der zusammengetragenen Informationen wurden unterschiedliche Punkte und Auswirkungen erörtert und davon ausgehend, Lösungswege erarbeitet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Forschungsleitende Frage und Hypothesen
1.4 Aufbau
2 Begriffsdefinitionen
2.1 „Tourismus“
2.2 „Kommerz“
2.3 „Kultur“
2.4 „Entwicklungsland“
2.5 „kulturelle Identität“
3 Tourismus in Entwicklungsländern
3.1 Evolution des Tourismus in Entwicklungsländern
3.2 Der Entwicklungslandreisende
3.3 Formen des Dritte Welt-Tourismus
3.4 Rolle des touristischen Angebots für den Touristen
3.5 Kultur als Reisemotiv
3.6 Konflikte zwischen Reisenden und Bereisten
4 Einfluss des Tourismus auf die kulturelle Identität von Entwicklungsländern
4.1 Wer schadet mehr: Einzel- oder Gruppentourist?
4.2 Faktoren für sozio-kulturelle Veränderungen
4.3 Vier-Kulturen-Schema
4.4 Wirkungsschema der tourismusinduzierten Akkulturation
4.5 Hypothesenüberprüfung
5 Kommerzialisierung von Kulturen
5.1 Entfremdung der eigenen Kultur
5.2 Authentizitätsverlust
5.2.1 Zeremonien
5.2.2 Artefakte
5.3 Sklaverei
5.4 Hypothesenüberprüfung
6 Auswirkungen der kulturellen Veränderung
6.1 Auswirkungen auf die einheimische Bevölkerung
6.1.1 Änderung von Normen/Wertesystemen
6.1.2 Strukturwandel
6.1.3 Rolle der Frau
6.1.4 Wandlungen im Handel
6.1.5 Verlust des ursprünglichen Lebensraumes
6.1.6 Prostitution und Frauenhandel
6.1.7 Kriminalität und Bettelei
6.2 Auswirkungen auf das Verhalten gegenüber Touristen
6.2.1 Ablehnung
6.2.2 Menschenbild
6.2.3 Soziale Deprivation
6.2.4 Gewalt gegenüber Touristen
6.3 Hypothesenüberprüfung
7 Kulturelle Wiederbelebung
7.1 Reaktivierung von ursprünglichen Handwerkstechniken
7.2 Förderung des Bewusstseins vom Wert der eigenen Kultur
7.3 Neubelebung und Bewahrung von kulturellen Traditionen
7.4 Hypothesenüberprüfung
8 Lösungsansätze / Maßnahmenkatalog
8.1 Staat / Länder
8.1.1 Entscheidungsfindung
8.1.2 Nachhaltigkeitsindikatoren
8.1.3 Restriktionen
8.2 Reisemittler / Tourismusverbände
8.2.1 Spezielle Vermarktung
8.2.2 Kulturzentren
8.2.3 Errichtung von „Show-Dörfern“
8.2.4 Fair Travel
8.2.5 Verhaltenskodex
8.3 Einwohner
8.4 Touristen
8.4.1 Verhaltenskodex
8.4.2 Verbesserte Kommunikation / Cultural Briefing
8.4.3 Fair Trade
9 Schlussbetrachtung
9.1 kritische Reflexion
9.2 Fazit
9.3 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, den Einfluss des Tourismus in Entwicklungsländern auf die kulturelle Identität der einheimischen Bevölkerung zu analysieren und Veränderungen aufzuzeigen, die durch touristische Aktivitäten entstehen. Darauf aufbauend wird ein Maßnahmenkatalog entwickelt, der Möglichkeiten zum Erhalt kultureller Identität aufzeigt und Lösungsansätze sowohl für Touristen als auch für die einheimische Bevölkerung formuliert.
- Analyse des Einflusses von Tourismus auf indigene Kulturen
- Untersuchung von Kommerzialisierungsprozessen und Authentizitätsverlusten
- Auswirkungen auf soziale Normen, Wertesysteme und die Rolle der Frau
- Diskussion sozio-kultureller Konflikte zwischen Reisenden und Bereisten
- Entwicklung von Strategien und Lösungsansätzen für nachhaltigen Tourismus
Auszug aus dem Buch
3.6 Konflikte zwischen Reisenden und Bereisten
Beziehungen zwischen Reisenden und Bereisten im Tourismus sind üblicherwei se nur von vorübergehender Dauer. Deshalb halten sie selten ausreichend lange an, um die Kultur und Lebensweise des Anderen verstehen zu lernen. Zwischen dem Bereisten als Individuum und den in Massen auftretenden Touristen stehen die Barrieren von unterschiedlichen Sprachen, Kleidungs- und Verhaltensregeln, Essgewohnheiten und unterschiedlichen Ansprüchen an Lebensstandards.
Eine der größten Barrieren stellt der Faktor Zeit dar. Augenscheinlich verkörpert die Zeit für den Einheimischen das Gut, welches er in ausreichendem Maße besitzt. Da lädt der Händler den Touristen schon einmal zum Tee ein ob er nun ein gekauft hat oder nicht. Der Urlauber hingegen hetzt von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten, um das durchorganisierte Programm einhalten zu können.
Auch vor Antritt der Reise nehmen sich nur wenige Urlauber die Zeit sich vorab über Kultur, Lebensgewohnheiten und Verhaltensregeln des jeweiligen Ziellan des zu informieren. Die Reisenden wollen häufig nicht die gegensätzliche Partei verstehen wohingegen die Bereisten es oftmals einfach nicht können.
Dies hat zur Folge, dass entgegen lokaler Sitten, manche Touristen leichtbeklei det und engumschlungen durch den Ort schlendern und sich kleiderlos am Strand bewegen. Diese unpassenden Verhaltungsweisen vieler Touristen tragen in großem Maße zur tourismuskritischen Einstellung der Bewohner bei.
Auch das lärmstarke und rücksichtslose Umherlaufen sowie Fotografieren von Gläubigen während traditioneller und religiöser Zeremonien zeugt von mangeln dem Respekt seitens der Touristen. (vgl. Friedl, 2002, S. 71f)
Somit ist es nicht verwunderlich dass es immer wieder zu Missverständnissen und Konflikten zwischen Reisenden und Bereisten kommt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des kulturellen Identitätsverlusts durch Tourismus in Entwicklungsländern ein, definiert die Forschungsfrage und erläutert den strukturellen Aufbau der Arbeit.
2 Begriffsdefinitionen: In diesem Kapitel werden die zentralen Termini „Tourismus“, „Kommerz“, „Kultur“, „Entwicklungsland“ und „kulturelle Identität“ wissenschaftlich definiert, um ein fundiertes Verständnis für die weitere Analyse zu schaffen.
3 Tourismus in Entwicklungsländern: Hier wird der historische Verlauf, die Motivationen der Reisenden sowie die unterschiedlichen Tourismusformen und die dabei entstehenden Konflikte zwischen den Akteuren detailliert analysiert.
4 Einfluss des Tourismus auf die kulturelle Identität von Entwicklungsländern: Dieses Kapitel untersucht die sozio-kulturellen Auswirkungen und wendet das „Vier-Kulturen-Schema“ sowie das „Wirkungsschema der tourismusinduzierten Akkulturation“ an, um den Identitätsverlust theoretisch zu begründen.
5 Kommerzialisierung von Kulturen: Es wird erörtert, wie der „Authentizitätsverlust“ durch touristische Anpassungen bei Zeremonien und Artefakten sowie gravierende Menschenmissstände wie Sklaverei entstehen.
6 Auswirkungen der kulturellen Veränderung: Dieses Kapitel widmet sich den direkten Folgen für die Bevölkerung, wie den Strukturwandel und die Rolle der Frau, sowie der psychologischen Veränderung im Verhalten gegenüber Touristen.
7 Kulturelle Wiederbelebung: Entgegen der negativen Aspekte werden Ansätze diskutiert, wie durch touristisches Interesse und Wertschätzung eine Reaktivierung von Traditionen und eine kulturelle Wiederbelebung möglich ist.
8 Lösungsansätze / Maßnahmenkatalog: Abschließend werden konkrete Handlungsstrategien für Staaten, Verbände, Einwohner und Touristen präsentiert, um einer Gefährdung der Identität entgegenzuwirken.
9 Schlussbetrachtung: Das Kapitel bietet eine kritische Reflexion der Ergebnisse, ein Fazit der wichtigsten Erkenntnisse sowie einen Ausblick auf künftige Forschungsfelder.
Schlüsselwörter
Tourismus, Entwicklungsländer, kulturelle Identität, Kommerzialisierung, Akkulturation, Identitätsverlust, Authentizität, Sozio-kulturelle Auswirkungen, Traditionen, Kulturwandel, Tourismusethik, Nachhaltigkeit, Maßnahmenkatalog, Tourismusmanagement, interkulturelle Begegnung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss des Tourismus in Entwicklungsländern auf die dortige kulturelle Identität und analysiert das Spannungsfeld zwischen touristischer Kommerzialisierung und kultureller Erhaltung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen Akkulturationseffekte, der Verlust von Authentizität bei kulturellen Ausdrucksformen, soziale Folgen für die einheimische Bevölkerung sowie Strategien für nachhaltigeren Tourismus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Auswirkungen des Tourismus auf die kulturelle Identität zu erörtern und einen praktischen Maßnahmenkatalog zur Abmilderung kultureller Identitätsverluste zu erstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Anwendung wissenschaftlicher Modelle wie dem „Vier-Kulturen-Schema“ basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Evolution des Tourismus, die Mechanismen kultureller Entfremdung, die Auswirkungen auf Einheimische und Touristen sowie das Potenzial für eine kulturelle Wiederbelebung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Tourismus, Entwicklungsländer, kulturelle Identität, Kommerzialisierung, Akkulturation und Authentizität charakterisiert.
Was bedeutet „Staged Authenticity“ in diesem Kontext?
Der Begriff beschreibt die touristische Inszenierung von kulturellen Ritualen und Traditionen, die an die Erwartungen von Touristen angepasst sind und dadurch ihre ursprüngliche spirituelle Bedeutung verlieren.
Welche Rolle spielt die „kulturelle Wiederbelebung“?
Das Dokument arbeitet heraus, dass Tourismus nicht nur zerstörerisch wirken muss, sondern durch steigendes Interesse und wirtschaftliche Anreize auch dazu führen kann, dass Indigene ihr kulturelles Erbe wiederentdecken und bewahren.
Wie trägt der „Verhaltenskodex“ zur Lösung bei?
Ein Verhaltenskodex für Touristen soll bei der Reisebuchung zur Sensibilisierung für lokale Gepflogenheiten beitragen, um unpassendes Verhalten zu minimieren und den Respekt vor der lokalen Bevölkerung zu stärken.
Was ist der Zweck des „Vier-Kulturen-Schemas“?
Dieses Modell hilft dabei, die komplexen Beziehungen und Überschneidungen zwischen Quellregion, Ferienkultur, Dienstleistungskultur und der Zielregion zu systematisieren und so die Einflusspfade des Tourismus besser zu verstehen.
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- Stephanie Schlecht (Author), 2010, Tourismus im Dilemma zwischen Kommerz und Kultur, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/161223