Der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt vom 23. August 1939 stellt einen negativen Höhepunkt nicht nur in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern, sondern auch in der Geschichte der Diplomatie dar. Kaum ein Dokument hatte so weitreichende sowie dramatische Folgen und löste so viele kontroverse Debatten aus. Die Bedeutung des Paktes für die Entwicklung des Zweiten Weltkrieges, den Souveränitätsverlust Estlands, Lettlands und Litauens sowie für die Teilung Polens sind bis heute Gegenstand wissenschaftlicher Dispute, aber auch ein wichtiger Faktor in den Beziehungen Russlands und Deutschlands zu Polen und baltischen Staaten. Diskutiert werden aber auch Motive und Ziele der beiden Diktatoren Hitler und Stalin, mögliche Alternativen zum Pakt und die Rolle der Westmächte Großbritannien und Frankreich in der internationalen Diplomatie im Jahre 1939.
Diese Hausarbeit zielt darauf, die historische Entwicklung vor und nach der Unterzeichnung des Nichtangriffspaktes zusammenhängend nachzuzeichnen. Zuerst wird dabei auf die Vorgeschichte eingegangen. Dabei stellt sich die Frage, welche Konstellation sich in der internationalen Politik im Jahre 1939 ergab. Es folgt die unmittelbare Entstehung des Paktes. In diesem Abschnitt geht es darum, vor allem Motive und Strategie der Verhandlungsführung beider Staaten nachzuvollziehen. Dazu werden politische, ökonomische und ideologische Ziele der beiden Parteien analysiert und mit den konkreten Maßnahmen der Regierungen in Verbindung gebracht. Im vierten Abschnitt wird kurz auf den Inhalt des Vertragswerks eingegangen. Zum Schluss stehen die kurz- und langfristigen Auswirkungen des Paktes im Mittelpunkt. Daraus werden die Rolle und die Bedeutung des Vertrages in der Geschichte abgeleitet. Dabei erfolgt eine historische Einordnung des Dokuments und es wird ein Fazit vorgenommen. Die Hausarbeit endet mit Literaturangaben und der obligatorischen Selbständigkeitserklärung.
Inhaltsverzeichnis
1. Fragestellung
2. Forschungsstand
3. Vorgeschichte
4. Zustandekommen des Paktes
4.1. Verhandlungen
4.2. Motive
5. Inhalt des Paktes und des Geheimen Zusatzprotokolls
6. Auswirkungen
7. Fazit – Folgen des Paktes und seine Bedeutung für den Beginn des Zweiten Weltkrieges
8. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die historische Entwicklung vor und nach der Unterzeichnung des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes vom 23. August 1939 umfassend nachzuzeichnen und dessen Bedeutung sowie die zugrunde liegenden Motive der beteiligten Akteure zu analysieren.
- Vorgeschichte der deutsch-sowjetischen Beziehungen vor 1939
- Verhandlungsverlauf und Strategien zum Zustandekommen des Paktes
- Analyse der politischen, ökonomischen und ideologischen Motive Hitlers und Stalins
- Inhaltliche Untersuchung des Vertragswerks und des Geheimen Zusatzprotokolls
- Kurz- und langfristige Auswirkungen auf Europa und die Beteiligten
Auszug aus dem Buch
4.2. Motive
Seit Hitler an der Macht war, verschlechterten sich die bis dahin guten Beziehungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion drastisch. Insofern stellt sich die Frage, warum sich zwei feindlich gegenüber stehende Staaten auf eine Kooperation einlassen und sogar solch weitreichende Verträge schließen. Es ist wichtig, in diesem Zusammenhang nochmals zu erwähnen, dass sowohl Deutschland als auch die Sowjetunion Verhandlungen mit Großbritannien und Frankreich geführt hatten.
Hitler schloss einen Pakt mit der Sowjetunion und nicht mit den Westmächten, weil er in diesem Falle Zugriff auf Polen bekam. Großbritannien und Frankreich hätten einen Angriff auf Polen alleine schon wegen ihrer Garantieerklärung vom 31. März 1939 nicht zugelassen. Gleichzeitig entstanden durch die Aufteilung Polens eine gemeinsame Grenze mit der UdSSR, und damit auch kriegsstrategische Vorteile für einen späteren Angriff auf den Sowjetstaat.39
Das Deutsche Reich nutzte den Pakt mit der Sowjetunion auch als Schutz gegen einen Eingriff des Westens nach dem Überfall auf Polen. Ein Vertrag zwischen Deutschland und der UdSSR in Verbindung mit einem tiefen Misstrauen der Westmächte gegenüber Stalin, machten Hitler zuversichtlich darüber, dass Großbritannien und Frankreich nach dem Angriff auf Polen keine militärische Reaktion wagen würden. Des Weiteren verhinderte der Pakt den Zweifrontenkrieg, weil Hitler so den Angriff der Sowjetunion nicht zu fürchten brauchte.40 Ursprünglich beabsichtigte Hitler, bei militärischen Handlungen immer nur einen Gegner zu haben und hielt es für wichtig, den Zweifrontenkrieg auf Grund der Erfahrungen des Ersten Weltkrieges zu vermeiden. Um zu diesem Ziel zu gelangen, musste die deutsche Führung die sowjetische Neutralität erreichen. Dafür bot Hitler der Regierung der UdSSR die Zerschlagung Polens und machte ihr Gebietszugeständnisse im Baltikum.41
Zusammenfassung der Kapitel
1. Fragestellung: Das Kapitel führt in die historische Relevanz des Nichtangriffspaktes ein und umreißt die zentrale Forschungsfrage der Arbeit.
2. Forschungsstand: Hier wird ein Überblick über die bestehende Literatur zum Pakt gegeben, wobei unterschiedliche historiographische Perspektiven beleuchtet werden.
3. Vorgeschichte: Dieses Kapitel erläutert die Verschlechterung der deutsch-sowjetischen Beziehungen in den 1930er Jahren sowie die internationale politische Lage vor 1939.
4. Zustandekommen des Paktes: Der Fokus liegt auf der Analyse der Verhandlungen, der wechselseitigen Strategien sowie der Motive beider Diktatoren.
5. Inhalt des Paktes und des Geheimen Zusatzprotokolls: Es erfolgt eine detaillierte Darstellung der Artikel des Nichtangriffspaktes sowie der Bestimmungen des Geheimen Zusatzprotokolls.
6. Auswirkungen: Dieses Kapitel behandelt die unmittelbaren Folgen wie den Angriff auf Polen, die Gebietsaufteilung und die Erweiterung des sowjetischen Einflussbereichs.
7. Fazit – Folgen des Paktes und seine Bedeutung für den Beginn des Zweiten Weltkrieges: Das Fazit fasst die Bedeutung des Dokuments für den Kriegsbeginn sowie die historischen Auswirkungen auf die betroffenen Länder zusammen.
8. Literatur: Dieses Kapitel listet die für die Arbeit herangezogenen wissenschaftlichen Quellen und Werke auf.
Schlüsselwörter
Hitler-Stalin-Pakt, Molotow-Ribbentrop-Pakt, Nichtangriffspakt, Geheimes Zusatzprotokoll, Zweiter Weltkrieg, Polen, Baltikum, Sowjetunion, Drittes Reich, Expansionspolitik, Diplomatie, Interessenphären, Zweifrontenkrieg, Stalin, Hitler.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt vom 23. August 1939, seine historischen Hintergründe, die Motive der beteiligten Mächte und seine weitreichenden Folgen für den Verlauf des Zweiten Weltkriegs.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die diplomatische Vorgeschichte, die geheimen Absprachen zur Aufteilung Osteuropas, die militärstrategischen Erwägungen der Nationalsozialisten und der Sowjetunion sowie die langfristigen Auswirkungen auf die betroffenen Staaten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die historische Entwicklung rund um das Abkommen nachzuzeichnen und zu klären, warum sich zwei ideologisch verfeindete Staaten auf eine solche Kooperation einließen und welche Auswirkungen dies auf den Ausbruch und den Verlauf des Krieges hatte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung historischer Standardwerke, Archivquellen und publizierter Dokumente, um die Ereignisse und Motive historisch einzuordnen und kritisch zu hinterfragen.
Was steht im Hauptteil der Untersuchung im Fokus?
Im Hauptteil werden die diplomatischen Verhandlungen, die spezifischen Motive Hitlers und Stalins sowie der konkrete Inhalt des Paktes und des Zusatzprotokolls analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Hitler-Stalin-Pakt, Expansionspolitik, Interessenphären, Geheimes Zusatzprotokoll und Zweifrontenkrieg geprägt.
Welche Rolle spielte das Geheime Zusatzprotokoll konkret?
Das Protokoll bildete die Grundlage für die informelle Aufteilung Osteuropas in Interessensphären zwischen dem Deutschen Reich und der UdSSR, was völkerrechtlich höchst umstritten war und die Unabhängigkeit mehrerer Staaten beendete.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Paktes für den Zweiten Weltkrieg?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Pakt zwar nicht die alleinige Ursache für den Krieg war, aber dem Deutschen Reich den Polen-Feldzug und die Kriegführung unter strategisch günstigen Bedingungen erheblich erleichterte.
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- Slava Obodzinskiy (Author), 2010, Der Hitler-Stalin-Pakt, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/161212