Über den Antisemitismus der Hamas zu schreiben, bedeutet sich mitten in einem Diskurs über den „Neuen Antisemitismus“ zu befinden, der „nicht einfach durch vermeintlich wertneutrale wissenschaftliche Beiträge objektiviert werden kann“.
Es ist strittig, ob dieser geistige islamische Antisemitismus mit eine Ursache ist für den Teufelskreis des Nahostkonflikts oder ob er – so die andere Herangehensweise – ein temporäres Begleitprodukt des militärisch-politischen Konfliktes ist, also als eine reine Folge dieses Konfliktes zu verstehen ist. Diese Debatte wird sogar auf akademischer Ebene von Emotionen be- und geleitet. Anscheinend gibt es nur zwei Seiten: die pro-palästinensische oder die pro-israelische.
Auf den folgenden Seiten wird versucht die verschiedenen Positionen miteinander in Kommunikation zu bringen. Ich möchte allerdings vorwegnehmen, dass meiner Meinung nach Antisemitismus eine gesellschaftliche Realität der Hamas darstellt, die über eine historische Kontextualisierung rekonstruiert werden kann.
In meiner Arbeit stellt Antisemitismus den entscheidenden (analytischen) Bezugsrahmen für die Interpretation der Hamas dar. Für andere Positionen ist dies nicht unbedingt eine zentrale analytische Kategorie im Verständnis des politischen Islams in den palästinensischen Gebieten.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einleitung
These
Methode
Inhalt und Aufbau
Begriffsdefinitionen
Antisemitismus
Moderner Antisemitismus
Neuer Antisemitismus
Antizionismus und Kritik an Israel
Kritik an Israel
Geschichtlicher und ideologischer Hintergrund
Vorgänger der Hamas: Die Muslimbruderschaft
Die Muslimbrüder für die Befreiung Palästinas
Der Mufti von Jerusalem
Der NS-Einfluss
Sayyid Qutb
Aktivitäten innerhalb Palästinas
Hamas
Das Auferstehen der Hamas
Hamas Charta
Hamas als Befreiungsarmee
Soziale Hamas?
Hamas als Terrororganisation
Resümee
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Antisemitismus als zentrales interpretatives Element der Hamas und analysiert dessen historischen sowie ideologischen Ursprung. Dabei wird die Verbindung zwischen der Muslimbruderschaft, dem NS-Einfluss und der aktuellen Ideologie der Hamas unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Debatten über den "neuen Antisemitismus" beleuchtet.
- Historische Entwicklung der Muslimbruderschaft als Vorläufer der Hamas.
- Analyse antisemitischer Strukturen in der Hamas-Charta.
- Kontroverse Diskussionen über Terrorismus vs. soziales Engagement der Hamas.
- Einfluss des NS-Regimes auf die Ideologiebildung in der arabischen Welt.
- Differenzierung zwischen Antizionismus, Israelkritik und Antisemitismus.
Auszug aus dem Buch
Der Mufti von Jerusalem
Wie bereits erwähnt, spielte der Großmufti von Jerusalem, Hadj Amin al-Husseini, eine gewichtige Rolle in Palästina und in der Verbreitung einer antisemitischen Grundhaltung im islamischen Raum. „Sein Feindbild ergriff alles, was auch nur im Entferntesten mit dem Jüdischen zu tun hatte.“ „Schon als junger Mann hatte sich Al-Husayni mit landesweiten Judenjagden „Respekt“ verschafft.“
Im Jahr 1920 provozierte er wüste antisemitische Pogrome in Jerusalem und wurde daraufhin von den Briten wegen „Aufstachelung zum Judenhass“ zu zehn Jahren verurteilt, aber bereits nach etwa einem Jahr wider amnestiert und wieder in sein Amt gesetzt ohne jemals tatsächlich in Haft gewesen zu sein. Hans-Peter Raddatz attestiert al-Husseini ein „wesentlicher Grund für die britische Angst vor arabischer Aggression“ gewesen zu sein.
Im Jahr 1929 kam es wieder zu judenfeindlichen Ausschreitungen, die durch das Einschreiten der britischen Polizei gestoppt werden konnten. Al-Husseini bezog sich im Rahmen einer diesbezüglich eingesetzten Untersuchungskommission auf die „Protokolle der Weisen von Zion“, um eine angebliche jüdische Verschwörung zu beweisen.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einleitung in die Problematik des "Neuen Antisemitismus" und Erläuterung der Rolle des Antisemitismus als analytischer Bezugsrahmen für die Interpretation der Hamas.
Einleitung: Vorstellung der Arbeitsthese, dass die Hamas von fundamentalistischen, judäophoben Motiven geleitet wird, sowie Erläuterung der deskriptiven methodischen Vorgehensweise.
Inhalt und Aufbau: Überblick über die thematische Gliederung der Arbeit, von den Begriffsdefinitionen über den geschichtlichen Kontext bis hin zur Analyse der Hamas.
Begriffsdefinitionen: Theoretische Klärung zentraler Begriffe wie Antisemitismus, Moderner Antisemitismus, Neuer Antisemitismus, Antizionismus und Kritik an Israel.
Geschichtlicher und ideologischer Hintergrund: Untersuchung der Wurzeln der Hamas in der ägyptischen Muslimbruderschaft sowie Darstellung der ideologischen Einflüsse und der NS-Verbindungen.
Hamas: Detaillierte Analyse der Ideologie, der Charta, der sozialen Aktivitäten und der Einstufung der Organisation als Terrorgruppe.
Resümee: Kritische Zusammenfassung der verschiedenen wissenschaftlichen Interpretationen zum Antisemitismus der Hamas.
Fazit: Abschlussbetrachtung über die Gefahren, die von antisemitischer Propaganda ausgehen, und die Notwendigkeit, Realitäten im israelisch-palästinensischen Konflikt differenziert zu betrachten.
Schlüsselwörter
Antisemitismus, Hamas, Muslimbruderschaft, Israel, Nahostkonflikt, Dschihad, Neuer Antisemitismus, Antizionismus, Palästina, Ideologie, Terrorismus, Charta, Sayyid Qutb, Hadj Amin al-Husseini, Nahostpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Antisemitismus als wesentlichen Bestandteil der Hamas-Ideologie und dessen historische sowie ideologische Herleitung.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Analyse?
Zentrale Themen sind die Entwicklung der Muslimbruderschaft, die antisemitischen Inhalte der Hamas-Charta und die Rolle der Hamas sowohl als soziale Akteurin als auch als militante Organisation.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Antisemitismus als zentralen analytischen Bezugsrahmen für das Verständnis der Hamas zu etablieren und die historische Kontextualisierung dieses Phänomens aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung verwendet?
Die Autorin geht deskriptiv vor und greift dabei auf eine fundierte Recherche von Sekundärliteratur renommierter Wissenschaftler zurück.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Genese der Hamas, der Bedeutung einflussreicher Ideologen wie Hassan al-Banna und Sayyid Qutb sowie der Rolle von Hadj Amin al-Husseini.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Antisemitismus, Hamas, Dschihad, Nahostkonflikt und Ideologie geprägt.
Welche Rolle spielt die Hamas-Charta in der Argumentation der Autorin?
Die Charta wird als Manifest angesehen, das die antisemitischen Zielsetzungen der Bewegung offenlegt und als Grundlage für deren Ablehnung des Staates Israel dient.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der sozialen Dienste der Hamas?
Die Arbeit beleuchtet die Ambivalenz, dass soziale Dienste einerseits zur Unterstützung der Bevölkerung beitragen, andererseits aber von der Organisation instrumentalisiert werden können.
- Arbeit zitieren
- Natascha Krisch (Autor:in), 2007, Der Antisemitismus der Hamas, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/161098