Parlamentarismus im Sinne eines tagenden und verhandelnden Rates bzw. einer demokratisch gewählten oder anderweitig legitimierten Interessenvertretung hat eine lange Historie, die im Rahmen einer Studienarbeit schwerlich umfassend bearbeitet werden kann.
Der Anspruch der vorliegenden Arbeit ist es daher, die Entstehung des Parlamentarismus sowie die Entwicklung von Demokratie und Teilhaberechten in Deutschland bis zum Beginn der Diktatur des Dritten Reiches nachzuzeichnen.
Neben einem kurzen historischen Exkurs, der das Aufkommen freiheitlich-bürgerlicher Mitspracheforderungen in Kontinentaleuropa bis zur Vormärzzeit thematisiert, liegt der Hauptfokus auf der Phase der parlamentarischen Entwicklung seit der Frankfurter Nationalversammlung von 1848 bis zum Ende der ersten deutschen Demokratie, der Weimarer Republik.
Zusammenfassend werden die unterschiedlichen historischen Perioden des Reichstages im Deutschen Reich bis 1918 und der Weimarer Demokratie betrachtet und deren Bedeutung für den gegenwärtigen parlamentarischen Verfassungsstaat der Bundesrepublik deutlich gemacht.
Inhaltsverzeichnis
1. Kurze Geschichte des Parlamentarismus
1.1 Entstehung des Begriffes Parlament
1.2 Das englische Parlament als Keimzelle des modernen Parlamentarismus
1.3 England als Vorbild Kontinentaleuropas und der amerikanischen Kolonien
1.4 Die Französische Revolution
2. Die Entwicklung des Parlamentarismus in Deutschland bis 1918
2.1 Die Ergebnisse des Wiener Kongresses und die Periode des Vormärz
2.2. Die März-Revolution von 1848 und die erste deutsche Nationalversammlung
2.3 Der Vorabend der Reichsgründung 1871
2.4 Das Deutsche Reich als Verfassungsstaat
2.5 Politik und Parteienlandschaft im Deutschen Reich 1871-1918
2.6 Das Ende des Kaiserreiches
3. Die Weimarer Republik
3.1 Der Übergang von der Monarchie zur Demokratie
3.2 Die Nationalversammlung als prägende Institution der Weimarer Republik
3.3 Politische Entwicklungen nach dem Versailler Vertrag
3.4 Der gefährdete Staat und die Rolle der Parteien
3.5 Die Erosion des Weimarer Verfassungsstaates
3.6 Der Weg in die nationalsozialistische Diktatur
4. Abschlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die historische Entwicklung des Parlamentarismus in Deutschland, beginnend bei den freiheitlich-bürgerlichen Bewegungen des 19. Jahrhunderts bis hin zum Untergang der Weimarer Republik, um die strukturellen Ursachen für das Scheitern der ersten deutschen Demokratie aufzuzeigen.
- Historische Herleitung des parlamentarischen Begriffs und Vorbilder.
- Die parlamentarische Entwicklung in Deutschland zwischen 1848 und 1918.
- Strukturelle Defizite und die Rolle des Reichspräsidenten in der Weimarer Verfassung.
- Politischer Extremismus, Parteienlandschaft und die Erosion der demokratischen Ordnung.
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Nationalversammlung als prägende Institution der Weimarer Republik
In zweierlei Hinsicht war die Wahl zur Nationalversammlung ein Novum; erstmals wurde nach dem Verhältniswahlrecht gewählt und wahlberechtigt waren Männer und Frauen ab 20 Jahren. Mit der Einführung des Frauenwahlrechts war Deutschland zu diesem Zeitpunkt und zumindest in dieser Hinsicht eine der modernsten Demokratien der Welt. Das reine Verhältniswahlrecht ohne Sperrklausel (Fünf-Prozent-Hürde, o.ä.) bildete den Wählerwillen zwar recht genau ab, sollte jedoch im weiteren Verlauf den Aufstieg extremistischer oder von Partikularinteressen geprägten Parteien befördern. Das alte Parteiengefüge des Kaiserreiches hatte in der Revolution von 1918 punktuelle Veränderungen durchlaufen, insbesondere bei den bürgerlichen Parteien, sowie am linken und rechten Rand. Die vor der Revolution bereits bestehenden liberalen Parteien konnten sich auch nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches auf keine gemeinsame Programmatik einigen, wodurch es im Herbst 1918 in der Nachfolge der Deutschen Fortschrittspartei und der National-liberalen Partei zu den Neugründungen Deutsche Demokratische Partei (DDP) und Deutsche Volkspartei (DVP) kam. Hauptunterschied zwischen den ansonsten ähnlichen Parteiprogrammen war das Verhältnis zur SPD und zur Republik.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kurze Geschichte des Parlamentarismus: Beleuchtet die Ursprünge des Parlamentarismus in England sowie den Einfluss der Französischen Revolution auf europäische Befreiungsbewegungen.
2. Die Entwicklung des Parlamentarismus in Deutschland bis 1918: Analysiert den Weg vom Vormärz über die Revolution 1848 bis zur Gründung des Deutschen Reiches und dessen politisches System bis 1918.
3. Die Weimarer Republik: Untersucht die Gründungsphase, die verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen, die Rolle der Parteien und die schließliche Erosion der demokratischen Institutionen bis 1933.
4. Abschlussbetrachtung: Reflektiert die Kontinuitäten und Brüche der deutschen Parlamentsgeschichte und setzt diese in Bezug zum Neuanfang in der Bundesrepublik Deutschland.
Schlüsselwörter
Parlamentarismus, Weimarer Republik, Deutsches Reich, Nationalversammlung, Verfassungsstaat, Reichstag, Reichspräsident, Parteienlandschaft, Demokratie, Partikularismus, Versailler Vertrag, Notverordnungen, NSDAP, Radikalisierung, Gewaltenteilung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit zeichnet die Entwicklung parlamentarischer Strukturen und demokratischer Teilhaberechte in Deutschland von den ersten Bürgerbewegungen im 19. Jahrhundert bis zum Ende der Weimarer Republik nach.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen die Entstehung des Parlamentarismus, die Auswirkungen der Revolutionen von 1848 und 1918, das politische System des Kaiserreichs sowie die strukturellen Schwächen der Weimarer Verfassung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die parlamentarische Entwicklung zu skizzieren und die Ursachen für das Scheitern der ersten deutschen Demokratie sowie die Bedeutung dieser Erfahrungen für den modernen Verfassungsstaat aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten historischen Analyse, die auf Fachliteratur und historischen Quellen aufbaut, um politische Entwicklungen und Systemwechsel nachzuzeichnen.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Phasen der parlamentarischen Entwicklung, insbesondere die Frankfurter Nationalversammlung, die Entwicklung des deutschen Parteiensystems und die Erosion der Weimarer Demokratie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind Parlamentarismus, Weimarer Republik, Reichspräsident, Verfassungsstaat, Parteienlandschaft und demokratische Erosion.
Welche Rolle spielte der Reichspräsident beim Scheitern der Weimarer Republik?
Durch die weitreichenden Befugnisse, insbesondere zur Auflösung des Reichstages und zum Erlass von Notverordnungen, wurde das Amt oft in einer Weise ausgeübt, die den Parlamentarismus marginalisierte und den Weg in eine Präsidialdiktatur ebnete.
Warum war das Parteiensystem der Weimarer Republik so fragmentiert?
Das Fehlen einer Sperrklausel und die tiefe politische Zerrissenheit der Gesellschaft nach dem Ersten Weltkrieg führten zu einer Zersplitterung, die stabile Koalitionen erschwerte und den Aufstieg extremistischer Ränder begünstigte.
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- Tobias Wolf (Autor:in), 2009, Parlamentarismus in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/160939