Die Arbeit untersucht, welchen Beitrag die theoretischen Ansätze innerhalb des "new institutionalism" zur Erklärung des Erweiterungsprozesses im Verlauf der europäischen Integration leisten können. Im Mittelpunkt steht die von Paul Pierson auf der Grundlage des "historical institutionalism" angefertigte Analyse der europäischen Integration stehen. Pierson formuliert seine Untersuchung in Opposition zu den Annahmen des liberalen Intergouvernementalismus von Andrew Moravcsik. Gleichzeitig setzt sich Pierson jedoch auch mit den Überlegungen des Neo-Funktionalismus auseinander. Beide klassischen Integrationstheorien werden vorgestellt. In einem zweiten Schritt werden dann drei Denkschulen des "new institutionalism" charakterisiert: "rational choice institutionalism", "sociological institutionalism" und "historical institutionalism". Darauf aufbauend werden die Überlegungen der dargestellten Integrationstheorien zu einer Analyse der Beitrittsverhandlungen der EU mit der Türkei herangezogen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Neo-Funktionalismus und Intergouvernementalismus
III. New Institutionalism
Rational Choice Institutionalism (RCI)
Sociological Institutionalism (SI)
Historical Institutionalism (HI)
Eine Bewertung der Vor- und Nachteile der Theorie des Historical Institutionalism
IV. Die Beitrittsverhandlungen der EU mit der Türkei
V. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, welchen Beitrag die theoretischen Ansätze des New Institutionalism zur Erklärung des EU-Erweiterungsprozesses leisten können. Dabei steht die Analyse von Paul Pierson auf Grundlage des Historical Institutionalism im Zentrum, um das Verhalten der Akteure bei Beitrittsverhandlungen, insbesondere am Beispiel der Türkei, kritisch zu beleuchten.
- Integrationstheorien im Vergleich (Neo-Funktionalismus vs. Intergouvernementalismus)
- Grundlagen und Differenzierung des New Institutionalism (RCI, SI, HI)
- Analyse der EU-Beitrittsverhandlungen unter Einbeziehung des Historical Institutionalism
- Theoretische Untersuchung von Pfadabhängigkeit und unbeabsichtigten Konsequenzen
- Diskussion über die Rolle supranationaler Akteure und nationalstaatlicher Interessen
Auszug aus dem Buch
Historical Institutionalism (HI)
Der historical institutionalism wurde in den sechziger und siebziger Jahren vor dem Hintergrund von Überlegungen der Vergleichenden Politikwissenschaften zum kollektiven Handeln von rivalisierenden Gruppen im Kampf um knappe Ressourcen innerhalb der Politik entwickelt (Hall & Taylor 1996: 937). Der HI betrachtete den Staat in diesem Kontext als ein komplexes Gebilde von Institutionen, welche den Charakter und den Ausgang von Gruppenkonflikten beeinflussten. Diese Institutionen wiederum strukturierten als dauerhafte Einrichtungen die politische Landschaft und bestimmten dadurch auch den historischen Wandel des gesellschaftlichen Systems mit (Hall & Taylor 1996: 938 u. 941).
Im historical institutionalism würden Institutionen definiert „[…] as formal and informal procedures, routines, norms and conventions embedded in the organizational structure of the polity or political economy. […] In general, historical institutionalists associate institutions with organizations and the rules or conventions promulgated by formal organizations” (Hall & Taylor 1996: 938). Von den anderen vorgestellten Denkschulen unterscheide sich der HI in vier Grundzügen: Zunächst beschreibe der HI die Institutionen und das Verhalten von Individuen in Beziehung zu den Institutionen, indem sowohl strategisch-rationale als auch kulturelle Ansätze in die Erklärung einbezogen würden. Zudem untersuche der HI die ungleiche Verteilung von Macht auf verschiedene politische Akteure durch die Herausbildung von Institutionen. Die Aufmerksamkeit sei dabei vor allem auf die politischen Gewinne und Verluste im Handeln von Akteuren gerichtet.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung der EU-Erweiterung ein und legt die Forschungsfrage zur theoretischen Analyse des Erweiterungsprozesses durch den New Institutionalism fest.
II. Neo-Funktionalismus und Intergouvernementalismus: Dieses Kapitel stellt die beiden klassischen Integrationstheorien vor, wobei ihre Konzepte wie Spill-over und Bargaining kritisch diskutiert werden.
III. New Institutionalism: Das Kapitel charakterisiert die drei Denkschulen RCI, SI und HI und erläutert deren unterschiedliche Ansätze zur Bedeutung von Institutionen für politisches Handeln.
IV. Die Beitrittsverhandlungen der EU mit der Türkei: Hier werden die theoretischen Erkenntnisse des Historical Institutionalism genutzt, um den spezifischen Fall der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei zu analysieren.
V. Zusammenfassung: Abschließend werden die Ergebnisse der theoretischen Auseinandersetzung und die empirische Anwendung auf die Beitrittsverhandlungen zusammengeführt und kritisch reflektiert.
Schlüsselwörter
Europäische Integration, New Institutionalism, Historical Institutionalism, Beitrittsverhandlungen, Türkei, Pfadabhängigkeit, Europäische Union, Neo-Funktionalismus, Intergouvernementalismus, Politische Steuerung, Supranationalität, Institutionen, Entscheidungsprozesse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Prozess der europäischen Integration und die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei durch die Brille der neo-institutionalistischen Theorie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind der Vergleich klassischer Integrationstheorien, die theoretische Fundierung des New Institutionalism sowie die Anwendung des Historical Institutionalism auf die Türkei-Politik der EU.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu überprüfen, welchen Beitrag die Ansätze des New Institutionalism, insbesondere der Historical Institutionalism, zur Erklärung des europäischen Erweiterungsprozesses leisten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein theoretischer Vergleich zwischen verschiedenen Denkschulen des Institutionalismus vorgenommen, gefolgt von einer empirischen, analytischen Anwendung dieser Theorien auf den historischen Verlauf der EU-Türkei-Beziehungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Neo-Funktionalismus und Intergouvernementalismus, die Differenzierung von RCI, SI und HI sowie eine detaillierte Fallstudie zu den Beitrittsverhandlungen mit der Türkei.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Europäische Integration, Historical Institutionalism, Pfadabhängigkeit, EU-Erweiterung und supranationale Institutionen charakterisiert.
Inwiefern spielt der "Historical Institutionalism" eine besondere Rolle?
Der HI wird als besonders wertvoll eingestuft, da er sowohl rationalistische als auch soziologische Annahmen integriert und politische Entscheidungen in einem historischen Kontext betrachtet.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Kommission bei den Beitrittsverhandlungen?
Der Autor verweist auf die ambivalente Rolle der Kommission als autonomer Akteur, der durch eigene Ressourcen Einfluss auf die Entscheidungsfindung der Mitgliedstaaten ausüben kann.
Was bedeutet "Pfadabhängigkeit" im Kontext der EU-Türkei-Beziehungen?
Pfadabhängigkeit beschreibt, wie frühere Entscheidungen und die Etablierung institutioneller Strukturen den Spielraum für zukünftige politische Richtungsentscheidungen einschränken.
- Quote paper
- Sebastian Rosche (Author), 2004, Neo-Institutionalismus und europäische Integration , Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/160527