Einhard, der Diplomat und Biograph Karls d. Großen und Berater Ludwigs d. Frommen, gilt seit seiner 'Vita Caroli Magni' als Ahnherr der fränkischen Geschichtsschreibung. Schon früh hat auch die Liebesgeschichte, die Einhard angeblich mit Emma, einer Tochter Karls, verband und in der Aachener Kaiserpfalz gespielt haben soll, die Phantasien der Nachwelt beschäftigt. Historiker, Romanschriftsteller, bildende Künstler und sogar Humoristen, wie z.B. Wilhelm Busch, hat die (unhistorische) Romanze zu entsprechenden Werken angeregt. In dieser Abhandlung wird sowohl die Entstehungsgeschichte als auch die Rezeption der Sage von Einhard und Emma dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Lorscher Chronik
2. Die einzelnen Aspekte der Sage
3. Die drei Varianten der Sage
a) Die sozusagen ‚jugendfreie’ Spielart
b) Die amouröse, aber doch noch moralische Variante
c) Die dritte Variante
4. Die Verbreitung der Sage im Anschluss an die Edition der Einhardschen Schriften
a) Die Sage in der Dichtung und Literatur
b) Theaterbearbeitungen der Sage
c) Musikalische Bearbeitungen
d) Verwandte Sagen
e) Malerei
f) Humoresken
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, das über Jahrhunderte gewachsene Material rund um die Legende von Einhard und Imma systematisch zu sammeln, zu sichten und in ihren verschiedenen literarischen, dramatischen und musikalischen Bearbeitungsformen darzustellen und kritisch einzuordnen.
- Historische Herleitung der Legende aus der Lorscher Chronik.
- Analyse der verschiedenen Erzählvarianten und deren moralischer Ausgestaltung.
- Untersuchung der Rezeptionsgeschichte von der frühen Neuzeit bis in die Moderne.
- Darstellung der Adaptionen in Literatur, Theater, Musik und bildender Kunst.
- Kritische Würdigung der Versuche, die Sage mit historischen Tatsachen zu verknüpfen.
Auszug aus dem Buch
Die drei Varianten der Sage
Die Urfassung, nämlich die Lorscher Fassung, haben wir schon angedeutet. Hier gesteht Einhard vor versammelten Hofrat sein Vergehen, wird begnadigt und erhält Emma zur Frau. Diese Fassung übernehmen auch die Brüder Grimm in ihre ‚Deutschen Sagen’ (14) und Wilhelm Busch (15). Wir nennen sie hier die klassische Version; sie ist kurz und prägnant und endet mit der Hochzeit des ungleichen Paares. Sie hat aber den Nachteil, dass die Verbannung bzw. Flucht Emmas und die Szene von der rührseligen Wiederentdeckung der Kaisertochter in Seligenstadt fehlt. Aus Seligenstädter Sicht ist sie also unvollständig und unbefriedigend.
Ob man nun der klassischen oder der um Seligenstadt erweiterten Form der Sage den Vorzug gibt, so sind jedenfalls drei Varianten festzustellen.
a) Die sozusagen ‚jugendfreie’ Spielart eliminiert zunächst jede amouröse Absicht des Paares und bringt als Motiv des nächtlichen Besuchs Einhards bei Imma an, diese sei in einer schweren Lebenskrise gewesen, weil man sie nach Byzanz mit einem ihr ganz unbekannten Prinzen des dortigen Kaiserhauses verheiraten wollte. In ihrer Herzensnot habe sie von Einhard, dessen kluge und besonnene Art bei Hofe geschätzt war, Rat erhofft, wie sie sich verhalten sollte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Lorscher Chronik: Dieses Kapitel führt in die älteste bekannte Quelle der Sage ein, die in der Lorscher Chronik überliefert ist, und beleuchtet den historischen Kontext der Güterübergabe an das Kloster Lorsch.
2. Die einzelnen Aspekte der Sage: Hier werden die Bestandteile der Legende analysiert, wobei insbesondere Einhards eigene Aufzeichnungen über Karls Familienleben als Ausgangspunkt für die spätere Sagenbildung untersucht werden.
3. Die drei Varianten der Sage: Dieses Kapitel unterscheidet zwischen der klassischen Lorscher Fassung, der ‚jugendfreien’ Version und der amourösen, jedoch moralisierenden Variante, die je nach Epoche und Vorliebe unterschiedlich interpretiert wurden.
4. Die Verbreitung der Sage im Anschluss an die Edition der Einhardschen Schriften: Der Hauptteil der Arbeit untersucht die Rezeption der Sage in Europa nach dem Aufkommen des Buchdrucks und ordnet die verschiedenen künstlerischen Adaptionen in Bereichen wie Literatur, Theater, Musik, Malerei und Humoresken ein.
Schlüsselwörter
Einhard, Imma, Lorscher Chronik, Karl der Große, Sagenbildung, Legendenforschung, Rezeptionsgeschichte, Literaturgeschichte, Theaterbearbeitung, musikalische Bearbeitung, Barockdichtung, Historiographie, mittelalterliche Sage, Seligenstadt, Quellenforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Verbreitung der mittelalterlichen Sage von Einhard und Imma, die zu einer der bekanntesten Sagen aus der Zeit Karls des Großen zählt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die historische Herleitung aus der Lorscher Chronik, die moralische Ausgestaltung in verschiedenen Epochen sowie die Transformation des Stoffes in verschiedene Medien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, das verstreute Material zur Sage zu sammeln und die vielschichtigen literarischen sowie künstlerischen Adaptionen systematisch darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philologische und literaturwissenschaftliche Analyse, indem sie Quellen (Chroniken, Romane, Theaterstücke) vergleicht und in ihren historischen Kontext stellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der verschiedenen Sagenvarianten sowie eine detaillierte Aufarbeitung der Rezeption in Literatur, Musik, Theater und bildender Kunst seit dem 16. Jahrhundert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Einhard, Imma, Sagenbildung, Rezeptionsgeschichte, Lorscher Chronik und die Transformation historischer Motive in die Fiktion.
Warum wird die Lorscher Fassung als „klassisch“ bezeichnet?
Sie gilt als Urfassung, ist kurz und prägnant und wurde als Grundlage für viele spätere Nacherzählungen, etwa durch die Brüder Grimm, verwendet.
Wie unterscheidet sich die „jugendfreie“ Spielart?
Sie deutet den nächtlichen Besuch Einhards bei Imma nicht als Liebesbeziehung, sondern als ein Gespräch über eine drohende Zwangsheirat mit einem byzantinischen Prinzen um.
Welche Rolle spielt der Schneefall in der Legende?
Der Schneefall ist ein zentrales Motiv, da er Einhards Flucht verrät und damit das Ereignis auslöst, das zur Entdeckung durch den Kaiser und zur späteren Huckepack-Aktion führt.
- Arbeit zitieren
- Manfred Schopp (Autor:in), 2008, Einhard in Sage und Legende , München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/160267