Wer kennt das nicht: ein spannendes Buch in der Hand, ein fröhlich stimmendes Lied im Radio oder einen packenden Thriller im Fernsehen. Unabhängig davon, welches Medium betrachtet wird, steht eines fest: Der Mensch nutzt sie aus verschiedensten Gründen, die sowohl Merkmale des Medienangebots als auch des Rezipienten betreffen, und er erlebt dabei unterschiedliche Gefühlszustände – Emotionen, die durch bewusst gesuchte oder unbewusst erfahrene Reize ausgelöst werden. Herauszufinden, auf welche Art und Weise dies geschieht, ist Aufgabe der Differenziellen Psychologie unter Zuhilfenahme weiterer
kommunikationswissenschaftlicher Erkenntnisse. Zur Erklärung dieser Fragestellung gibt es viele Ansätze, die aus den unterschiedlichsten
Disziplinen stammend, kognitionspsychologische, entwicklungsbiologische und emotionspsychologische Explanationen liefern. Ziel dieser Arbeit ist es insofern das „Moodmanagement-“ und das „Sensation-Seeking-“ Konzept als zwei dieser Auffassungen in theoretischer Weise zu behandeln und zu verdeutlichen, welche Bedeutung Stimmungsregulierung und Reizkonsum sowie Reizsuche für interpersonale und gruppenkontextuelle Kommunikation, aber auch für eine medienbezogene Rezeption von Angeboten haben. Zunächst wird die Theorie des Moodmanagements vorgestellt. In einem vorhergehenden Schritt werden jedoch zentrale Begriffe definiert und in einen Gesamtzusammenhang eingeordnet. Nach der theoretisch fundierten Darlegung des Ansatzes wird inhaltlich überleitend das Sensation-Seeking- Konzept dargelegt. Auch hier erfolgt vorab eine definitorische Behandlung zentraler Begriffe. Anschließend werden beide Theorien miteinander in Bezug gesetzt, um eine etwaige Relevanz, Überschneidungen und Unterschiede zu verdeutlichen.
Nachfolgend werden sie zudem, in einen auf persönliche und medienvermittelte Kommunikation bezogenen Kontext, eingeordnet. Dies geschieht unter Einbeziehung der Theorie der emotionalen Ansteckung von Elaine Hatfield und wird durch eine Studie von Ramanathan und McGill untermauert. Eine abschließende Zusammenfassung und ein Ausblick bilden den Schlusspunkt dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Moodmanagement
2.1. Definitorisches – Stimmung & Emotion
2.2. Die Theorie des Moodmanagements
3. Sensation-Seeking
3.1. Definitorisches – Reiz & Wahrnehmung
3.2. Die Theorie des Sensation Seeking
4. Einordnung & Transfer der Theorien
4.1 Beziehung der Ansätze zueinander
4.2 Gruppenkontextuelle Übertragung
5. Fazit & Ausblick
6. Bibliografie
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die theoretischen Konzepte des Moodmanagements und des Sensation Seekings, um zu verdeutlichen, welche Bedeutung Stimmungsregulierung und Reizsuche für die interpersonale Kommunikation sowie die medienbezogene Rezeption von Angeboten haben.
- Grundlagen von Stimmung und Emotion
- Die Moodmanagement-Theorie nach Dolf Zillmann
- Das Konzept des Sensation Seekings nach Marvin Zuckerman
- Transfer der Theorien in den Gruppenkontext
- Bedeutung der Theorie der emotionalen Ansteckung
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Theorie des Sensation-Seeking
Der Reiz, der nachfolgend im Mittelpunkt steht, wird „Spannung“ (suspense) genannt. Darunter wird ein Gefühlszustand verstanden, der sich langsam aufbaut und eine gewisse Beteiligung des Rezipienten am eigentlichen Rezeptionsprozess beinhaltet (vgl. Schweizer/Klein 2008: 160). Das Persönlichkeitsmerkmal, welches damit in Zusammenhang steht, ist jenes der Sensationssuche. Marvin Zuckerman forschte bezüglich des Sensation-Seeking bereits in den 1960er Jahren. Er entwickelte schließlich (1979) sein Konzept und publizierte es unter dem Namen „Sensaktion seeking: beyond the optimal level of arousal“, um zu erklären warum einige Menschen ein Bedürfnis nach dem „thrill“ haben und dieses unbedingt befriedigen wollen – sei es durch einen ungesicherten Sprung von einer Klippe oder durch den medialen Konsum von Horrorfilmen.
Grundlegender Kern dieses Ansatzes ist die von Zuckerman nicht selbst schon originär entwickelte Vorstellung, es gäbe ein optimales Niveau der Stimulation. Eine Reduktion der von außen kommenden Stimulation veranlasse die Person zu einem aktiven Verhalten der Suche nach solchen Stimuli. Im Umkehrschluss bewirke eine Überflutung mit Reizen einen Rückzug der Person aus solchen Situationen. Diese und weitere Beobachtungen gaben „Anlass, nach einer [wahrscheinlich] dispositionellen Verschiedenheit im Hinblick auf jene ‚Mittellage‘ von Ruhe und Stimulation zu suchen.“ (Möller/Huber 2003: 5-6). Wie kommen diese Unterschiede jedoch zustande? Die Antwort scheint relativ trivial. Menschen haben unterschiedliche Interessen und Präferenzen, insofern scheint es kaum verwunderlich, dass sich diese Diversitäten auch in der Auswahl und Nutzung von Medieninhalten wiederfinden. Die Gründe liegen also in der Person selbst. In ihren Interessen, Präferenzen, Bedürfnissen, Motiven – oder mit anderen Worten ihrer Persönlichkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung von Stimmungsregulierung und Reizsuche bei der Mediennutzung dar und definiert die Zielsetzung der Arbeit sowie das methodische Vorgehen.
2. Moodmanagement: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Stimmung und Emotion und erläutert die Moodmanagement-Theorie von Dolf Zillmann als motivationspsychologischen Ansatz zur selektiven Medienzuwendung.
3. Sensation-Seeking: Hier wird das Konzept des Sensation Seekings von Marvin Zuckerman als Persönlichkeitsmerkmal und biopsychologische Theorie vorgestellt, das das Bedürfnis nach Stimulation erklärt.
4. Einordnung & Transfer der Theorien: Dieses Kapitel setzt beide Theorien miteinander in Bezug und erweitert die Betrachtung auf den gruppenkontextuellen Bereich durch die Einbeziehung der Theorie der emotionalen Ansteckung.
5. Fazit & Ausblick: Diese Zusammenfassung fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf künftige Forschungsbedarfe in der differenziellen Psychologie.
6. Bibliografie: Dieses Verzeichnis listet sämtliche in der Arbeit verwendete Literatur und Quellen auf.
Schlüsselwörter
Moodmanagement, Sensation Seeking, Medienpsychologie, Stimmungsregulation, Reizsuche, Selective Exposure, emotionale Ansteckung, Erregungsniveau, Uses-and-Gratifications, Gruppenkontext, Persönlichkeitspsychologie, Mediennutzung, Homöostase, Emotionspsychologie, interpersonale Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die psychologischen Hintergründe, warum Menschen bestimmte Medienangebote nutzen, um ihre Stimmung zu regulieren oder ihr Bedürfnis nach Reizen zu befriedigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Moodmanagement-Konzept, das Sensation-Seeking-Konstrukt, emotionale Medienwirkungen sowie die Übertragung dieser Prozesse auf soziale Gruppen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Konzepte Moodmanagement und Sensation Seeking theoretisch zu beleuchten und ihre Bedeutung für die medienbezogene Rezeption sowie die gruppenkontextuelle Kommunikation zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Zusammenführung psychologischer sowie kommunikationswissenschaftlicher Forschungsansätze.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Theorien des Moodmanagements und des Sensation Seekings, definiert deren Grundlagen und transferiert diese Erkenntnisse in den Kontext von sozialen Gruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Moodmanagement, Sensation Seeking, Stimmungsregulation, Mediennutzung und emotionale Ansteckung charakterisiert.
Wie unterscheiden sich Moodmanagement und Sensation Seeking?
Während Moodmanagement primär ein emotionskognitiver Ansatz zur Stressreduktion ist, handelt es sich bei Sensation Seeking um ein emotionsbiologisches Konzept, das die aktive Suche nach hoher Stimulation beschreibt.
Was besagt die Theorie der emotionalen Ansteckung in diesem Kontext?
Die Theorie besagt, dass Menschen unwillkürlich den Ausdruck von Interaktionspartnern imitieren und synchronisieren, was zu emotionalen Transfereffekten innerhalb von Gruppen führt.
Spielt die soziale Bezugsgruppe eine Rolle für die Stimmungsregulation?
Ja, Menschen wählen gezielt Gruppen aus, die ihrem Bedürfnis nach entweder Entspannung oder erhöhter Stimulation entsprechen, um ihre eigene Stimmung zu regulieren.
Welche Bedeutung haben Kinofilme für die Forschungsergebnisse?
Studien belegen, dass bei der gemeinsamen Rezeption von Filmen eine unbewusste emotionale Verbundenheit und Synchronisation zwischen den Zuschauern stattfindet.
- Quote paper
- B.A. Gordon Oslislo (Author), 2010, Moodmanagement und Sensation Seeking, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/160251