Weltweit bewerben sich jährlich 13 Millionen auswanderungswillige Menschen für eine Green Card, um so in die Vereinigten Staaten von Amerika einzuwandern. In Deutschland versuchen jedes Jahr ca. 100.000 Menschen mit einer Auswanderung ein neues Leben zu beginnen und so ihr Glück zu finden. Neben den europäischen Nachbarstaaten und Kanada verkörpert die USA für viele deutsche Auswanderer den eindeutigen Favoriten unter den Zielländern. Dass heute fast ein Viertel der 279 Millionen US-Einwohner auf deutsche Vorfahren zurückblicken kann, hängt nicht zuletzt mit der großen Auswanderungswelle von Mitte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zusammen, in der deutschsprachige und englischsprachige Menschen die größte Gruppe unter den Immigranten ausmachten.
Was damals die Menschen bewegte, ihr Heimatland zu verlassen, gen Westen auszuwandern, sich dort niederzulassen, um sich eine neue Existenz aufzubauen, versucht Gert Raeithel in seinem Buch „Go West – Ein psychohistorischer Versuch über die Amerikaner“ herauszuarbeiten. Insbesondere widmet er sich persönlichen Motiven und Lebenswegen der Menschen, die mit dem Auswandern Chancen nutzen, aber auch unkalkulierbare Risiken eingehen. Der typische Auswanderer suchte bzw. sucht nicht etwa aus einer Not heraus das Weite, vielmehr veranlasst ihn die wage Vorstellung, dass es woanders besser für ihn sein könnte, sicheres Terrain zu verlassen. Woher kommt diese Vorstellung? Welche Eigenschaften besitzen Menschen, die sich freiwillig ins Ungewisse stürzen? Welcher Typus Mensch ist es, der den Traum von Amerika und vom Weiten Westen nicht nur träumt, sondern auch in die Tat umsetzt? Neben diesen Fragen gibt Gert Raeithel auch Antwort darauf, ob und wie die Mentalität der Einwanderer die US-amerikanische Gesellschaft geprägt hat und sie sich in sämtlichen Bereichen wie Religion, Politik oder Kultur bis in die heutige Zeit verdeutlicht.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
1. DER AUSWANDERER
2. OBJEKTBEZIEHUNGEN
3. TYPISCH USA
4. ON THE ROAD AGAIN
5. SOZIALE BINDUNG
6. VERÄNDERUNG, INVENTION UND FORTSCHRITT
ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit Gert Raeithels psychohistorischem Werk „Go West“ auseinander, um die spezifische Mentalität der US-Amerikaner und deren historische Wurzeln in der Auswanderungsgeschichte zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern psychologische Charakteristika des Auswanderers – wie Rastlosigkeit und eine spezifische Objektbeziehung – die amerikanische Gesellschaft bis in die Gegenwart maßgeblich geprägt haben.
- Die psychohistorische Analyse des Auswanderers und seiner Motive.
- Die Unterscheidung zwischen objektstarken und objektschwachen Persönlichkeitstypen.
- Die Bedeutung der „On the Road“-Mentalität und die Angst vor dem Stillstand.
- Soziale Bindungsstrukturen und deren Auswirkungen auf zwischenmenschliche Kontakte.
- Zusammenhang zwischen Flexibilität, Fortschrittsglauben und der „Do it yourself“-Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
3. Typisch USA
Was assoziieren wir mit den Vereinigten Staaten von Amerika? Mit dem „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ verbinden wir nicht selten die Karriere des Tellerwäschers zum Millionär oder das Cruisen mit einer Harley Davidson durch die unendlichen Weiten des wilden Westens. Als typischen US-Amerikaner stellen wir uns vielleicht einen braungebrannten Sunnyboy vor, der lässig an einer Zapfsäule lehnt, auf den Highway blickt und uns kaugummikauend ein strahlendweißes Lächeln zuwirft. Wir denken an Fastfood, schwere Autos, großartige Hollywoodfilme, weltberühmte Popstars und an sensationelle Erfindungen. Diese Assoziationen entsprechen zwar der Realität, stellen aber leider nur einen Bruchteil dieser Realität dar. Beim etwas genaueren Hinsehen eröffnet sich einem ein für europäische Verhältnisse gewöhnungsbedürftiges Bild. US-Bürger sind zwar ‚very independent’, insbesondere vom Staat, doch trägt dieser überehrgeizige Liberalismus auch zu einer gewissen Verwahrlosung bei, die sich insbesondere im unsozialen Verhalten vom Staat zum Bürger und auch von Bürger zu Bürger zeigt.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Es wird die historische Relevanz der Auswanderung von Europa in die USA beleuchtet und die Forschungsfrage nach den psychologischen Beweggründen des Auswanderers eingeleitet.
1. DER AUSWANDERER: Dieses Kapitel identifiziert typische Charakteristika von Auswanderern, wobei der Fokus auf dem Wunsch nach Selbstverwirklichung und einer ausgeprägten Rastlosigkeit liegt.
2. OBJEKTBEZIEHUNGEN: Die Ausführungen unterscheiden basierend auf psychoanalytischen Ansätzen zwischen dem „objektschwachen“ Philobaten und dem „objektstarken“ Typus.
3. TYPISCH USA: Es wird analysiert, wie sich das amerikanische Selbstbild von der Realität unterscheidet und welche Rolle der extreme Liberalismus in der Gesellschaft spielt.
4. ON THE ROAD AGAIN: Das Kapitel erläutert die amerikanische Neigung zum ständigen Neubeginn und zur räumlichen Mobilität als Ausdruck einer philobatischen Veranlagung.
5. SOZIALE BINDUNG: Hier wird dargelegt, warum soziale Bindungen in der amerikanischen Kultur oft oberflächlich bleiben, da sie als Einschränkung der persönlichen Freiheit wahrgenommen werden.
6. VERÄNDERUNG, INVENTION UND FORTSCHRITT: Es wird aufgezeigt, wie die amerikanische Flexibilität und der „Do it yourself“-Gedanke die Innovationskraft des Landes stützen.
ZUSAMMENFASSUNG: Die Autorin resümiert die Bedeutung des Werks von Gert Raeithel für das Verständnis amerikanischer Mentalität und zieht ein persönliches Fazit.
Schlüsselwörter
Go West, Gert Raeithel, Psychohistorie, Auswanderung, Amerika, Mentalität, Objektbeziehung, Philobat, Oknophil, Mobilität, Sozialstruktur, Individualismus, Fortschritt, Innovation, Do it yourself.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen Kommentar und eine Zusammenfassung zu Gert Raeithels Buch „Go West“ und untersucht die psychohistorischen Hintergründe der amerikanischen Mentalität.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Psychologie der Auswanderer, die Auswirkungen von Objektbeziehungen auf das Verhalten sowie die kulturellen Besonderheiten der US-amerikanischen Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Beweggründe von Auswanderern zu verstehen und zu klären, wie diese die heute vorherrschende Mentalität in den USA geprägt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer psychoanalytisch orientierten Analyse, insbesondere unter Rückgriff auf die Typologie von Michael Balint.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Aspekte wie das Auswandererverhalten, die Unterscheidung verschiedener Persönlichkeitstypen, soziale Bindungsstile und die Innovationskraft der USA.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Psychohistorie, Auswanderung, Philobat, Flexibilität, Mentalitätsunterschiede und Fortschritt.
Was versteht Raeithel unter einem „objektschwachen“ Typus?
Ein objektschwacher Typus (auch Philobat genannt) zeichnet sich durch eine geringe Bindung an Menschen und Orte sowie durch eine hohe Risikobereitschaft und ein Streben nach Veränderung aus.
Warum ziehen US-Bürger so häufig um?
Laut der Analyse ist dies ein Resultat der inneren Ruhelosigkeit und der Angst vor Stillstand, die tief in der Geschichte der „On the Road“-Kultur verwurzelt ist.
Wie unterscheidet sich der US-Amerikaner laut Arbeit vom Europäer?
Der Amerikaner wird als flexibler und weniger traditionell beschrieben, während dem Europäer eine größere „Schwerfälligkeit“ und ein stärkeres Festhalten an gewohnten Strukturen zugeschrieben wird.
- Arbeit zitieren
- Joan-Ivonne Bake (Autor:in), 2005, Kommentar und Zusammenfassung zu "Go West" von Gert Raeithel, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/160212