Mit dem Ausbau und der Weiterentwicklung regenerativer Energien eröffnen sich der EU eine Vielzahl volkswirtschaftliche Vorteile.
Schon heute ist Europa in der Entwicklung neuer Technologien führend und arbeitet auf die Verwirklichung selbstgesteckter Ziele hin. Die EU strebt einen Anteil erneuerbarer Energien von 20 % bis zum Jahr 2020 an. Trotz gemeinsamer Bemühungen ist die Erfüllung dieses Ziels fraglich, da es an einheitlichen Maßnahmen mangelt.
In dieser Hausarbeit geben wir einen Einblick in die verschiedenen Ansätze, Umsetzungen und Ergebnisse zur Förderung erneuerbarer Energien in der Europäischen Union.
Im Mittelpunkt stehen hierbei die Untersuchung der jeweiligen Instrumente und ihrer Ausführungen auf ihre Anreizkompatibilität. Einführend beschäftigen wir uns exemplarisch mit dem Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (EEG) von 2000 als Beispiel nationalen Rechts. Das EEG ist insofern von Interesse, als es nationale Bestrebungen und europäische Zielsetzungen miteinander verbindet. Zum Zeitpunkt seines Entstehens verkörperte es rein nationales Recht, erst seit 2004 stellt es europäisches Recht dar.
Anschließend vergleichen wir die konventionellen Energieträger mit den erst relativ neuen regenerativen Energien. Hierbei legen wir besonderes Augenmerk auf die staatlichen Fördermaßnahmen, welche enorme Unterschiede zwischen den verschiedenen Energieträgern aufweisen. Nach dem Vergleich der verschiedenen Energieträger wenden wir uns der direkten Förderung erneuerbarer Energien zu. Hierfür stellen wir die Subventionsgrundmodelle, welche aus dem Einspeisungs-, dem Quoten- und dem Ausschreibungsmodell besteht, vor. Anschließend folgt eine Beurteilung dieser Subventionsregime in Bezug auf ihre ökonomischen Konsequenzen.
Abschließend beschäftigen wir uns noch mit dem europäischen Emissionshandelssystem, dass die Reduzierung von Treibhausgasen vorsieht, indem es eine bestimmte Obergrenze für den Ausstoß festlegt. Der Emissionshandel ist als indirekte Fördermaßnahme der erneuerbaren Energien zu verstehen, da bei der Erzeugung von Strom durch fossile Energieträger nun erstmals auch die externen Kosten mit einbezogen werden. Der Ablauf dieses Systems und auch seine Konsequenzen für den Endverbraucher sollen hier dargestellt werden.
Ob es Europa, auch mit Blick auf die globale Erwärmung, schaffen wird eine Energiewende einzuleiten, hängt in größtem Maße an der Effizienz seiner Fördermaßnahmen ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (EEG)
2.1 Das EEG als nationale Umsetzung bestehenden europäischen Rechts
2.2 Perspektiven und Roll-Back auf die europäische Ebene
3. Forschungsförderungen fossiler und erneuerbaren Energien
4. Formen der Förderungen in Europa
4.1 Einspeisemodelle
4.2 Quotenmodelle
4.3 Förderung in Europa
4.4 Vergleich der Regime
4.5 Mitteilungen der Kommission vom 27.10.2004
5. Europäischer Emissionshandel – indirekte Förderung erneuerbarer Energien
5.1 Theorie des Emissionshandels
5.2 Funktion und Ablauf des europäischen Emissionshandelsystem
5.3 Folgen für die Verbraucher am Beispiel der „Windfall Profits“
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Strategien, Instrumente und Ergebnisse zur Förderung erneuerbarer Energien in der Europäischen Union unter besonderer Berücksichtigung ihrer Anreizkompatibilität und ökonomischen Effizienz.
- Gesetzliche Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien (EEG)
- Vergleichende Analyse von Subventionsmodellen (Einspeise-, Quoten- und Ausschreibungsmodelle)
- Rolle des europäischen Emissionshandels als indirektes Förderinstrument
- Wirtschaftliche Auswirkungen und Ineffizienzen wie "Windfall Profits"
- Perspektiven für die europäische Energiepolitik und Integration der Energiemärkte
Auszug aus dem Buch
4.4 Vergleich der Regime
Die drei Subventionsgrundmodelle lassen sich auf Mitnahmeeffekte, Überförderung und Investitionsanreize vergleichen.
Ein Mitnahmeeffekt oder eine Überförderung ist gegeben, wenn eine Investition in regenerative Energie auch ohne bzw. mit einer geringeren Subventionierung von einem privaten Produzenten durchführbar wäre. (Schaller 2008:245)
Markus Schaller geht in seiner theoretischen Annahme davon aus, dass allein der Faktor Kapital für die Stromerzeugung genutzt wird und dass die Grenzproduktivität fallend ist3. (Schaller 2008:246) Die Grenzproduktivität fällt, da Standorte limitiert sind und sehr unterschiedlich ausfallen. Aufgrund der fallenden Grenzproduktivität steigen die Grenzkosten4.
Bei dem Einspeisungsmodell wird der zu fördernde Stromproduzent vor die Wahl gestellt entweder zu dem regulierten Preis zu verkaufen oder gar nicht zu produzieren. Es gibt also eine „take-it-or-leave-it-offer“ (Schaller 2008:246). Im Gegensatz dazu wird dem Regulator beim Ausschreibungsverfahren von Seiten der Produzenten erneuerbarer Energie ein „take-it or-leave-it-offer“ angeboten. Bei dem Quotenmodell ist es so ähnlich wie bei Ausschreibungen, nur ist in diesem Fall der Netzbetreiber der Auktionator. Bei diesem Modell kommt es darauf an, wie schwerwiegend die ihm drohenden Sanktionen bei Nichterfüllung der Quote ausfallen. Sollte die Sanktion in Form von Strafgeldern ausfallen, ist deren Höhe von zentraler Bedeutung. Bei verhältnismäßig niedrigen Bußgeldern wird der Netzbetreiber (meist ein Produzent konventioneller Energien) das Begleichen der Strafe dem Erfüllen der Quote vorziehen. Fällt die Strafe drastisch aus, so wird er versuchen die Quote zu erfüllen. Für die zu fördernden Stromproduzenten ist nun die Menge an vorhandener Information wichtig. Die Frage ist, wie viel der Stromproduzent über seine Mitbewerber und den Netzbetreiber weiß. Geht ein Produzent erneuerbarer Energien mit dem Preis nach oben, folgen ihm die anderen. Nun ist der Auktionator den Produzenten ausgeliefert, solange der von ihnen gebotene Preis nicht über dem Strafgeld liegt. Dieses Problem wäre durch eine „proportionale Sanktion“ (Schaller 2008:247) eliminiert. Die Strafe müsste also dem Produktionspreis der Produzenten gleichen, dies ist aber nur unter den Gegebenheiten vollständiger Information realisierbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit der Förderung erneuerbarer Energien angesichts erschöpfbarer Ressourcen und beschreibt das Ziel der Arbeit, die verschiedenen Förderinstrumente auf ihre Anreizkompatibilität zu untersuchen.
2. Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (EEG): Dieses Kapitel analysiert das EEG als nationales deutsches Instrument zur Förderung erneuerbarer Energien, seine historische Entwicklung und die Auswirkungen auf die Investitionssicherheit sowie die Beschäftigungsdynamik.
3. Forschungsförderungen fossiler und erneuerbaren Energien: Hier wird der historische Vergleich zwischen staatlichen Subventionen für konventionelle Energieträger und der vergleichsweise jungen Förderung erneuerbarer Energien thematisiert.
4. Formen der Förderungen in Europa: Es erfolgt eine detaillierte Analyse der Subventionsgrundmodelle wie Einspeise- und Quotenmodelle sowie eine Übersicht über die heterogene Förderlandschaft in den EU-Mitgliedstaaten.
5. Europäischer Emissionshandel – indirekte Förderung erneuerbarer Energien: Dieses Kapitel erläutert die Theorie und Funktionsweise des europäischen Emissionshandels als marktbasiertes Instrument und diskutiert kritisch die Entstehung von "Windfall Profits" für Energiekonzerne.
6. Fazit: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass eine stärkere europäische Koordination und Vereinheitlichung der Förderregime notwendig ist, um die ambitionierten Energieziele der EU effizient zu erreichen.
Schlüsselwörter
Erneuerbare Energien, EEG, Emissionshandel, Subventionen, Strommarkt, Klimaschutz, Windfall Profits, Einspeisemodell, Quotenmodell, Energiepolitik, Europäische Union, CO2-Zertifikate, Investitionssicherheit, Energiewende, Nachhaltigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Strategien der Europäischen Union zur Förderung erneuerbarer Energien und untersucht, wie verschiedene Instrumente zur Marktintegration und Subventionierung die Energiewende beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die rechtlichen Rahmenbedingungen durch das EEG, den Vergleich verschiedener Subventionsregime in Europa sowie die Rolle des europäischen Emissionshandels als indirektes Lenkungsinstrument.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, verschiedene Förderinstrumente auf ihre Anreizkompatibilität und ihre ökonomischen Folgen hin zu bewerten und die Notwendigkeit einer europäischen Vereinheitlichung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine vergleichende Analyse von Subventionsregimen, wertet aktuelle politische Dokumente sowie Wirtschaftsberichte aus und bewertet diese anhand ökonomischer Theorien zu Anreizstrukturen.
Was wird im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse nationaler Gesetze (EEG), den Vergleich von Einspeise- und Quotenmodellen in verschiedenen EU-Staaten sowie eine kritische Untersuchung des europäischen Emissionshandelssystems.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind "Windfall Profits", "Einspeisemodell", "Quotenmodell", "Emissionshandel" und die "Anreizkompatibilität" staatlicher Fördermaßnahmen.
Warum sind laut Autor die "Windfall Profits" problematisch?
Sie entstehen dadurch, dass Unternehmen ihre Zertifikate zunächst kostenlos erhalten haben, die Kosten für den CO2-Ausstoß aber dennoch in die Strompreise einpreisen, was zu ungerechtfertigten Zusatzgewinnen führt.
Wie unterscheidet sich das Quotenmodell vom Einspeisemodell?
Während das Einspeisemodell auf verbindliche Festpreise setzt, um Investitionssicherheit zu gewähren, basiert das Quotenmodell auf marktbasierten Zertifikatspreisen, die Anreize zur Kostensenkung setzen sollen.
- Quote paper
- Maximilian Eibel (Author), 2008, Europäische Strategien zur Förderung erneuerbarer Energien , Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/160200