Die vorliegende Hausarbeit soll klären, ob dem Kaisertum, in Gestalt von Kaiser Friedrich I. Barbarossa, oder der Kurie, in Person von Papst Hadrian IV., die überwiegende Schuld am Schisma von 1160 zuzurechnen ist. Die Kirchenspaltung, die ein gesamteuropäisches
Phänomen darstellte und das Abendland 17 Jahre lang, bis zum Frieden von Venedig 1177, prägte, hat ihren Ausbruch durch die zwiespältige Papstwahl des Jahres 1159 erfahren, die Wurzeln für das Schisma reichen jedoch tiefer in die Vergangenheit zurück.
Auf Basis des Konstanzer Vertrages von 1153, der die Beziehungen von Papsttum und Kaisertum definierte, wird in chronologischer Reihenfolge die Ausführung (oder Nichtausführung) der jeweiligen Vertragspunkte seitens der Heiligen Stuhls und des Kaisers aufgezeigt. Weiterhin werden dann Konfliktsituationen zwischen Friedrich Barbarossa und der Kurie bis zur Doppelwahl von 1159 und der Synode von Pavia 1160, mit der die Kirchenspaltung ihren Anfang nimmt, aufgezeigt und kritisch betrachtet.
In der Schlussfolgerung wird schließlich aus den beleuchteten Ereignissen zusammengefasst,
welcher Partei die Hauptschuld am Schisma zuzusprechen ist (oder ob es überhaupt auf eine Partei vollständig abgewälzt werden kann).
Als Hauptquelle wurde die Gesta Friderici des Otto von Freising, der Chronist Friedrich Barbarossas, herangezogen. Da Friedrich der Neffe Ottos war und er ihm diverse Passagen diktiert hat, ist die Authenzität und Neutralität der Quelle nicht immer gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2 . Der Vertrag von Konstanz
3. Friedrichs erster Italienzug
3.1 Die Kaiserkrönung
3.2 Der Normannenfeldzug
4. Der Vertrag von Benevent
5. Ereignisse bis zur Doppelwahl 1159
5.1 Der Eklat von Besancon
5.2 Weitere Ereignisse
6. Die Doppelwahl und das Konzil von Pavia
7. Schlussbetrachtung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische Schuldfrage am Ausbruch des Schismas von 1160, das die europäische Christenheit über 17 Jahre lang spaltete. Ziel ist es zu analysieren, inwieweit Kaiser Friedrich I. Barbarossa oder Papst Hadrian IV. durch Vertragsbrüche und politisches Handeln primär für die Eskalation zwischen Kaisertum und Kurie verantwortlich waren.
- Analyse des Konstanzer Vertrages von 1153 als diplomatische Basis.
- Untersuchung des Verhältnisses zwischen Staufern und dem Heiligen Stuhl.
- Bewertung zentraler Konfliktpunkte wie dem Eklat von Besancon.
- Kritische Aufarbeitung der Doppelwahl von 1159 und der Synode von Pavia.
- Diskussion der Schuldfrage basierend auf zeitgenössischen Quellen.
Auszug aus dem Buch
5.1. Der Eklat von Besancon
Nach der Kehrtwende von Hadrian IV. berief Friedrich Barbarossa für den Oktober 1157 einen Reichstag in die westfranzösische Stadt Besancon ein, um sich die Unterstützung der Burgunder für seinen geplanten zweiten Italienzug zu sichern. Die Legaten Hadrians IV., darunter auch sein Kanzler Roland Bandinelli (der spätere Alexander III.) erschienen ebenfalls dort, um die Freigabe des Bischofs Eskil von Lund zu fordern. Der Brief des Papstes, den die Legaten mit sich führten, war jedoch der Dorn im Auge des Kaisers und der Fürsten: die Anrede stellte hierarchisch den Kaiser unter den Heiligen Vater und die inkriminierende Übersetzung des Wortes „beneficium“ mit „Lehen“ von Barbarossas Kanzler Rainald von Dassel löste höchste Empörung unter den Anwesenden aus. Im Zusammenhang erweckte dies nämlich den Eindruck, dass Barbarossa sein Kaisertum nur als „Lehen“ vom Papst bekommen hat (beneficium kann auch „Wohltat“ bedeuten). Überdies antwortete ein päpstlicher Gesandter auf die Situation: „Von wem hat er denn das Kaisertum, wenn er es nicht vom Herrn Papst hat?“ woraufhin es auch fast zu Gewalttätigkeiten gekommen wäre.
Diese Reaktion, wie auch die Unbeeindrucktheit der übrigen Legaten bei der Verlesung der Übersetzung, zeigt, dass Hadrian IV. das Wort im übersetzten Sinne verwendet haben muss. Er wollte zeigen, dass er den staufischen Machtanspruch auf die Stadt Rom und das Kirchenstaatsterritorium, der sich ja im Verhalten Barbarossas im Umland Roms nach der Kaiserkrönung gezeigt hat, nicht akzeptieren wird. Der Papst trägt zwar hier die Schuld, was aus o.g. Gründen jedoch verständlich ist, schließlich hatte Barbarossa den Konstanzer Vertrag gebrochen. Zwar lenkte Hadrian unter Druck des Reichsepiskopats, welches durch Rundschreiben Barbarossas informiert worden war, ein, jedoch stellen die Ereignisse von Besancon den endgültigen Bruch von Kaisertum und der Kurie dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt das Ziel der Arbeit fest, die Schuldfrage am Schisma von 1160 zwischen Friedrich Barbarossa und Papst Hadrian IV. zu klären und führt in die methodische Vorgehensweise ein.
2 . Der Vertrag von Konstanz: Dieses Kapitel erläutert die vertraglichen Grundlagen und wechselseitigen Verpflichtungen zwischen dem Kaiser und dem Papst ab 1153.
3. Friedrichs erster Italienzug: Hier wird der Italienzug von 1154/55 beschrieben, inklusive der Kaiserkrönung und den ersten Konflikten mit der päpstlichen Seite.
3.1 Die Kaiserkrönung: Dieser Unterpunkt analysiert die Krönungsfeierlichkeiten und die darauffolgenden Spannungen zwischen Barbarossas Heer und der römischen Bevölkerung.
3.2 Der Normannenfeldzug: Das Kapitel behandelt den geplanten, aber letztlich gescheiterten Feldzug gegen das Normannenreich sowie die diplomatischen Verwicklungen.
4. Der Vertrag von Benevent: Es wird die Hinwendung Hadrians IV. zu den Normannen analysiert, die eine strategische Neuorientierung der päpstlichen Politik darstellt.
5. Ereignisse bis zur Doppelwahl 1159: Zusammenfassung der diplomatischen Spannungen und politischer Konflikte im Vorfeld der Papstwahl.
5.1 Der Eklat von Besancon: Analyse des diplomatischen Skandals um das Wort „beneficium“, der zum endgültigen Zerwürfnis zwischen Kaiser und Papst führte.
5.2 Weitere Ereignisse: Darstellung der Bemühungen Barbarossas auf dem Reichstag von Roncaglia, seine Herrschaftsrechte rechtlich zu untermauern.
6. Die Doppelwahl und das Konzil von Pavia: Beschreibung des umstrittenen Wahlverlaufs von 1159 und der einseitigen Einberufung des Konzils durch Barbarossa.
7. Schlussbetrachtung und Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Barbarossa die Hauptschuld am Ausbruch des Schismas trägt.
Schlüsselwörter
Friedrich I. Barbarossa, Papst Hadrian IV., Schisma von 1160, Konstanzer Vertrag, Kirchenspaltung, Kaisertum, Kurie, Eklat von Besancon, Reichstag von Roncaglia, Doppelwahl 1159, Alexander III., Viktor IV., Mittelalterliche Geschichte, Petrusregalien, Gesta Friderici
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die Ursachen und die Schuldfrage der Kirchenspaltung von 1160, bei der es zu einem langjährigen Schisma zwischen Kaiser Friedrich Barbarossa und der römischen Kurie kam.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die diplomatischen Verträge (Konstanz, Benevent), das angespannte Verhältnis zwischen Staufern und Papsttum sowie die Ereignisse rund um die Doppelwahl von 1159.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, auf Basis der vertraglichen Vereinbarungen und der historischen Ereignisse zu bewerten, welche der beiden Konfliktparteien die Hauptverantwortung für das Schisma trägt.
Welche methodische Vorgehensweise wählt der Autor?
Der Autor wählt einen chronologischen Ansatz und analysiert die Ereignisse anhand der Hauptquelle „Gesta Friderici“ von Otto von Freising sowie moderner historischer Sekundärliteratur.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil beleuchtet die konkreten Vertragsbrüche, den Eklat von Besancon, die diplomatischen Kehrtwenden der Kurie und die illegitime Einberufung des Konzils von Pavia durch den Kaiser.
Durch welche Schlüsselwörter wird die Arbeit charakterisiert?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Schisma, Kaisertum, Kurie, Konstanzer Vertrag, Barbarossa, Hadrian IV. und die Doppelwahl von 1159.
Warum war der Begriff "beneficium" beim Treffen in Besancon so folgenschwer?
Die Übersetzung von „beneficium“ als „Lehen“ durch den kaiserlichen Kanzler erweckte den Eindruck, der Papst sehe den Kaiser als seinen Lehnsmann, was die Ehre des Kaisertums zutiefst kränkte und den Bruch besiegelte.
Welche Bedeutung hat das Konzil von Pavia für die Argumentation des Autors?
Das Konzil wird als kaiserliche Willkürhandlung gewertet, da die Einberufung einer Synode dem Papst vorbehalten war, und markiert für den Autor den endgültigen Kulminationspunkt der staufischen Schuld am Schisma.
- Arbeit zitieren
- Fabian Fuchs (Autor:in), 2008, 17 Jahre Kirchenspaltung - Die Schuldfrage beim Schisma von 1160, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/160040