Diese Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, im ersten Teilabschnitt, die wichtigsten Begriffe zu erklären, rechtliche Rahmenbedingungen und Standards aufzuzeigen, Ursachen, Begleiterscheinungen und Lebensbedingungen zu definieren, sowie den Verein, der diese Untersuchung ermöglichte, vorzustellen. Im zweiten Teil erfolgen die Beleuchtung der Forschungsinstrumente und die Beschreibung der befragten Personengruppen. Im Weiteren gibt die statistische Erhebung und Auszählung Einblicke in die bestehende Erfolgsquote des Vereins, in demographische Daten und listet die Gründe für den Wohnungsverlust auf. Die Auswertung der Klienteninterviews lässt die Lebensgeschichten nachvollziehen. Eine Zusammenführung der Ergebnisse bildet die Grundlage für die abschließende Schlussfolgerung, die die gesetzten Hypothesen bestätigt oder wiederlegt.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einleitung
THEORETISCHER TEIL
1. Begriffsbestimmungen
1.1 Nachhaltigkeit
1.2 Wohnen
1.3 Wohnungslosigkeit
1.3.1 Akute Wohnungslosigkeit
1.3.2 Bevorstehende Wohnungslosigkeit
1.3.3 Potenzielle Wohnungslosigkeit
1.4 Wohnungslosenhilfe
1.4.1 Prävention
1.4.2 Akuthilfe
1.4.3 Weiterführende und nachgehende Hilfe
2. Rechtliche Rahmenbedingungen
2.1 Internationale Menschenrechte
2.2 Rechtliche Grundlagen in Oberösterreich
3. Qualitätsstandards der BAWO
3.1 Rahmenbedingungen
3.1.1 Wohnpolitische Ebene
3.1.2 Sozialarbeiterische Ebene
3.2 Standards in der Wohnungslosenhilfe Österreich
3.2.1 Inhaltliche Standards
3.2.2 Personelle Standards
3.2.3 Räumliche Standards
3.2.4 Wohn- und Wohnumfeldqualität
3.2.5 Rechtssicherheit
4. Ursachen der Wohnungslosigkeit
4.1 Erklärungsansätze
4.1.1 Der ordnungspolitische Ansatz
4.1.2 Der psychiatrische-neurologische Ansatz
4.1.3 Der psychologische Ansatz
4.1.4 Die soziologischen /strukturellen Ansätze
4.2 Gefährdete Personengruppen
5. Lebensbedingungen und Begleiterscheinungen
5.1 Fehlende Wohnung
5.2 Fehlende finanzielle Mittel
5.3 Ernährung, Kleidung und Hygiene
5.4 Gesundheit
6. Daten, Zahlen und Fakten aus Oberösterreich
6.1 Hilfssysteme Oberösterreich
6.2 Demographische Daten Linz
7. ARGE für Obdachlose
7.1 Der Verein
7.1.1 Organisationsstruktur
7.1.2 Ziele und Zielgruppe
7.1.3 Die Projekte
7.2 Das Projekt ARGE „WieWo“
7.2.1 Ziele
7.2.2 Zielgruppe
7.2.3 Angebot
7.2.4 Arbeitsweise und Methoden
7.2.5 Daten 2008
EMPIRISCHER TEIL
8. Forschungsmethode/Erhebungsinstrumente
8.1 Grundzüge quantitativer und qualitativer Sozialforschung
8.2 Das Leitfadeninterview
8.3 Vorbereitung der Voruntersuchung
8.4 Vorbereitung der qualitativen Befragungen
9. Befragte Personen
9.1 Ehemalige Klienten
9.2 Sozialarbeiter/innen
10. Statistische Erhebung und Auszählung
10.1 Erfolgsquote vom 01.01.2003 bis 31.12.2008
10.2 Interviewverlauf
10.3 Auszählung spezifischer Informationen aus den Interviews
10.3.1 Demographische Daten
10.3.2 Gründe für den Wohnungsverlust
11. Auswertung der Interviews
11.1 Klient A
11.2 Klient B
11.3 Klient C
11.4 Klient D
11.5 Klient E
12. Zusammenführung der Ergebnisse / Bewertungen
12.1 Erkenntnisse zu den Hypothesen
12.2 Bewertung des Projektes „ARGE WieWo“
12.2.1 Sozialarbeiter/innen
12.2.2 Angebote und Maßnahmen
13. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Nachhaltigkeit der Wohnungslosenhilfe des Linzer Vereins „ARGE für Obdachlose“, insbesondere des Projekts „WieWo“, um herauszufinden, warum Betreuungsverläufe erfolgreich sind oder scheitern und welche Maßnahmen optimiert werden können.
- Nachhaltige Wirkung von Wohnungslosenhilfe in Linz
- Ursachen und Lebensbedingungen von Wohnungslosen
- Qualitätsstandards und rechtliche Rahmenbedingungen
- Empirische Untersuchung mittels Leitfadeninterviews
- Optimierung von Betreuungsangeboten
Auszug aus dem Buch
11.2 Klient B
Herr B hat eine sehr schwere Kindheit hinter sich, von der er auch heute nicht mehr sprechen möchte. Nachdem er von seiner Frau geschieden wurde, kamen die Erinnerungen an seine schwierige Vergangenheit wieder zum Vorschein und er verlor, wie er im Interview sagt, den Boden unter den Füßen. Neben Depressionen und Panikattacken verlor Herr B das Vertrauen zu den Menschen und flüchtete. Die Flucht führte ihn in den Wald, wo Herr B ungefähr acht Jahre alleine in einer Hütte lebte und sich hauptsächlich von Wurzeln und Früchten ernährte. Die Angst vor den Menschen ging soweit, dass er selbst mit Freunden, die ihn hin und wieder zu einem Essen eingeladen hatten, nicht an einem Tisch sitzen konnte. „Ich habe frische Luft gebraucht. Habe auch nicht erklären können warum das jetzt so ist. Ich bin aufgestanden und nach draußen gegangen. Es ist mir mental, geistig, psychisch, körperlich einfach schlecht gegangen.“132, erzählt Herr B im Interview. Zu seiner Familie hat Herr B schon 28 Jahre keinen Kontakt mehr. Freund/innen wären ihm sehr wohl zur Seite gestanden, aber deren Hilfe wollte er damals nicht annehmen. Er wollte einfach alleine sein.
Nach acht Jahren begegnete er einem sehr guten alten Freund, der über den Zustand von Herrn B völlig schockiert war. Dieser bat ihn, ihn zu einem Arzt zu begleiten und Herr B willigt vor Scham ein. Zum Arzt bildete sich überraschender Weise ein großes Vertrauensverhältnis und Herr B besuchte ihn daraufhin sechs Monate regelmäßig zur Therapie, die auch Erfolge zeigte, wie Herr B folglich zum Ausdruck bringt: „Er hat auf meinem Körper herum gedrückt und seine Augen habe ich gesehen. Er hat Augen gehabt, die waren einfach anders. Ich habe viele Augen gesehen, aber er hatte völlig andere Augen und er war da. Der war im Jetzt. Das hat man gemerkt und deswegen bin ich wieder hingegangen.“133
Zusammenfassung der Kapitel
Begriffsbestimmungen: Klärung zentraler Termini wie Nachhaltigkeit, Wohnen und Wohnungslosigkeit sowie deren Formen (akut, bevorstehend, potenziell).
Rechtliche Rahmenbedingungen: Darstellung internationaler Menschenrechte sowie der Sozialhilfegesetze in Oberösterreich als Grundlage für die Wohnungslosenhilfe.
Qualitätsstandards der BAWO: Erläuterung des Grundsatzprogramms der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe zur Sicherung fachlicher Standards.
Ursachen der Wohnungslosigkeit: Analyse verschiedener Erklärungsansätze (ordnungspolitisch, psychologisch, soziologisch) und Risikofaktoren wie Arbeitslosigkeit und Sucht.
Lebensbedingungen und Begleiterscheinungen: Beschreibung der existenziellen Nöte wohnungsloser Menschen in Bezug auf Hygiene, Ernährung, Finanzen und Gesundheit.
Daten, Zahlen und Fakten aus Oberösterreich: Statistischer Überblick über die Versorgungssituation und Hilfssysteme im Raum Linz.
ARGE für Obdachlose: Vorstellung des Vereins, seiner Organisationsstruktur, Ziele und der einzelnen Projekte, insbesondere des Projekts „WieWo“.
Forschungsmethode/Erhebungsinstrumente: Erläuterung der qualitativen Forschungsweise und der Verwendung von Leitfadeninterviews zur Untersuchung der Nachhaltigkeit.
Befragte Personen: Vorstellung der Auswahlkriterien für die befragten Klienten und der involvierten Sozialarbeiter.
Statistische Erhebung und Auszählung: Berechnung der Erfolgsquote des Vereins im Zeitraum 2003 bis 2008 und demographische Einordnung der Klienten.
Auswertung der Interviews: Detaillierte Fallbeschreibungen der fünf interviewten Klienten und ihrer individuellen Betreuungsverläufe.
Zusammenführung der Ergebnisse / Bewertungen: Synthese der Interviews zur Hypothesenprüfung und Bewertung der Betreuungsangebote.
Schlussfolgerung: Zusammenfassende Interpretation der Ergebnisse und Ausblick auf notwendige Weiterentwicklungen des Projekts.
Schlüsselwörter
Wohnungslosigkeit, Sozialarbeit, Obdachlosigkeit, ARGE für Obdachlose, WieWo, Nachhaltigkeit, Wohnen, Betreuung, Qualitative Forschung, Lebensbedingungen, Oberösterreich, Krisenintervention, Wiedereinstieg, Sozialberatung, Wohnraumsicherung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Nachhaltigkeit der Wohnungslosenhilfe in Linz, illustriert am Beispiel des Vereins „ARGE für Obdachlose“ und dessen Projekt „WieWo“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die theoretischen Grundlagen von Wohnungslosigkeit (Ursachen, Begleiterscheinungen, Recht), die Qualitätsstandards der Wohnungslosenhilfe in Österreich sowie die konkrete Angebotsstruktur des Vereins ARGE.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es herauszufinden, inwieweit das Hilfsangebot von „ARGE WieWo“ nachhaltig wirksam ist und welche Faktoren zum Erfolg oder Scheitern von Betreuungsverläufen beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf einer Kombination aus statistischer Erhebung (2003–2008) und leitfadenorientierten Interviews mit Klienten und Sozialarbeitern basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil (Begriffe, Recht, Ursachen, Lebensbedingungen) und einen empirischen Teil (Forschungsmethode, Datenauswertung, Fallinterviews und Bewertung).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind Wohnungslosigkeit, Sozialarbeit, Nachhaltigkeit, ARGE für Obdachlose, Wohnraumsicherung und die individuelle Fallbetreuung.
Welche Bedeutung hat das Projekt „WieWo“ innerhalb der Arbeit?
Es dient als konkretes Fallbeispiel für ein Hilfsprojekt, das wohnungslose Männer durch intensive Begleitung Schritt für Schritt in ein eigenständiges Leben zurückführen soll.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Stammtische?
Einige Befragte äußerten sich kritisch gegenüber den regelmäßigen Stammtischen, da diese als belastend empfunden wurden, wenn der Kontakt zu anderen Betroffenen in schwierigen Lebenslagen als negativ wahrgenommen wurde.
Wie bewerten die Klienten die Arbeit der Sozialarbeiter?
Die Klienten bewerteten das Vertrauensverhältnis und die menschliche Art der Betreuer als äußerst positiv; diese wurde als wesentliche Grundlage für den Betreuungserfolg identifiziert.
- Arbeit zitieren
- Doris Lindner (Autor:in), 2010, "Eure Armut kotzt mich an" - Die Nachhaltigkeit der Wohnungslosenhilfe in Linz , München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/160018