„Am Morgen erreichten wir die Hauptstraße nach Iztapalapa. Von dort aus sahen wir alle zum ersten Mal die vielen Städte und Dörfer, die mitten in den See gebaut waren, und die noch weitaus größere Zahl der Ortschaften an den Ufern […]. Wir waren sehr angetan von diesem Zauberreich, das fast so unwirklich schien wie die Paläste in dem Ritterbuch des Amadis. Hoch und stolz ragten die fest gemauerten, steinernen Türme, Tempel und Häuser mitten aus dem Wasser. Einige unserer Männer hielten alles für einen Traum. Nie hätte ich geglaubt, dass es irgendwo auf der Welt ein solches Land zu entdecken gäbe.
Heute jedoch ist alles, was ich damals sah, für immer verloren, und kein Stein steht mehr auf dem anderen.“
Die Worte Bernal Díaz del Castillos bringen die Gedanken jener Spanier zum Ausdruck, die sich unter Hernán Cortés am 8. November 1519 erstmals der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlán näherten. Der Nachsatz lässt bereits erahnen, was für Veränderungen die Spanier über das aztekische Reich brachten und auf welche Weise dies geschah.
In dieser Arbeit soll die Hochkultur der Azteken, die vom 14. – 16. Jahrhundert in Mexiko existierte, näher beleuchtet werden. Dabei soll genauer auf die Geschichte, Kultur, Religion, und die politische und gesellschaftliche Struktur eingegangen werden, um ein anschauliches und möglichst objektives Bild dieses faszinierenden, indigenen Volkes zu zeichnen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Geschichte der Azteken
2.1 Geschichtliche Quellen – Kritische Zeugnisse
2.2 Die Azteken – Eine Identitätsklärung
2.3 Gründungsmythos und Ursprung
3 Das aztekische Reich
3.1 Das Land der Azteken
3.2 Die politische Organisation des Reiches
3.3 Die Expansionsbestrebungen der Azteken
4 Die Gesellschaftsstruktur
4.1 Der Adel
4.2 Die Herrscher
4.3 Der Nicht-Adel
4.3.1 Die Händler
4.3.2 Die Handwerker
4.3.3 Die Bauern
4.3.4 Die Sklaven
5 Die Wirtschaft des Reiches
6 Das Militärwesen
7 Religion und Kult
7.1 Die Götterwelt
7.2 Menschenopfer
7.3 Die aztekischen Kalender
8 Der Untergang der Aztekenreiches
9 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die detaillierte Untersuchung der aztekischen Hochkultur zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert, um ein objektives und anschauliches Bild dieses indigenen Volkes zu zeichnen, das über die einseitige Perspektive der spanischen Eroberer hinausgeht.
- Historische Ursprünge und Identitätsklärung der Azteken
- Politische Organisation und Expansionsstrategien des Reiches
- Hierarchische Gesellschaftsstruktur und soziale Schichtung
- Religiöse Vorstellungen, Götterwelt und kultische Praktiken
- Wirtschaftssystem und die Rolle des Militärs
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Land der Azteken
„Nie wurde ich der Vielfalt der Bäume müde, welche die verschiedenartigsten Düfte ausströmten, noch der von Rosen und anderen Blumen gesäumten Pfade […] oder des von frischem Wasser durchströmten Teiches. Derart prachtvoll war alles mit Steinmetzarbeiten und Malereien verziert, dass der Anblick den Betrachter in Entzücken versetzte. […] Nie hätte ich geglaubt, dass es irgendwo auf der Welt ein solches Land zu entdecken gäbe.“
Die Azteken waren im Becken von Mexiko angesiedelt. Ihre Hauptstadt Tenochtitlán lag dort, wo das heutige Mexiko-Stadt in 2240 Metern Höhe liegt. Umringt von teils bis zu 5000 Meter hohen Bergketten vulkanischen Ursprungs war der Hauptteil des Tals von einem See bedeckt auf dessen Inseln die ersten aztekischen Siedlungen um Tenochtitlán entstanden.
Auch die Ufer des Sees, der einen Durchmesser von fast 80 km hatte, waren mit kleineren Siedlungen bebaut. In der Hauptstadt lebten schätzungsweise mehr als 150.000 Einwohner – eine für damalige spanische Vorstellungen überwältigende Größe. Tenochtitlán verfügte nicht nur über viele Verbindungsdämme zu den umliegenden Siedlungen am Ufer, sondern auch über einen Hafen, von dem aus weiter entfernte Siedlungen auf dem Wasserweg erreicht werden konnten.
Die unmittelbaren Seezonen waren meist sumpfig und schwer bebaubar – die umliegenden Gebiete waren teils steppenartig und trockener, aber durch den Bau von Bewässerungssystemen dennoch für intensive Anbauwirtschaft geeignet. Das gesamte Reich der Azteken (Abb. 2) erstreckte sich zur Zeit der spanischen Eroberer um Hernán Cortés von der Pazifikküste bis zur Küste des Golfs von Mexiko.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der aztekischen Hochkultur ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, ein objektives Bild der Zivilisation zu zeichnen.
2 Die Geschichte der Azteken: Dieses Kapitel behandelt die problematische Quellenlage durch die spanische Conquista, definiert die Identität der Azteken und beleuchtet den Gründungsmythos sowie den Ursprung des Volkes.
3 Das aztekische Reich: Hier werden das geographische Kerngebiet, die komplexe politische Organisation in einem Dreibund sowie die Expansionsbestrebungen der Azteken analysiert.
4 Die Gesellschaftsstruktur: Dieses Kapitel gliedert die aztekische Gesellschaft in den Geburts- und Verdienstadel sowie die verschiedenen Schichten des Nicht-Adels, darunter Händler, Handwerker, Bauern und Sklaven.
5 Die Wirtschaft des Reiches: Die Darstellung konzentriert sich auf die Importabhängigkeit der Hauptstadt, das Tributsystem in den Provinzen und die Bedeutung des Handels mittels standardisierter Zahlungsmittel.
6 Das Militärwesen: Dieses Kapitel erläutert die Rolle der Kriegführung für die Tributbeschaffung und Opferzwecke sowie die Spezialisierung der Krieger, wie etwa der Jaguar- und Adlerkrieger.
7 Religion und Kult: Hier stehen die komplexe polytheistische Götterwelt, die Praxis der Menschenopfer und das hochentwickelte Kalendersystem der Azteken im Mittelpunkt.
8 Der Untergang der Aztekenreiches: Der letzte inhaltliche Abschnitt beschreibt den Zusammenbruch des Reiches unter der spanischen Eroberung und die verheerenden Auswirkungen durch Krieg und Krankheiten.
9 Schlussbetrachtung: Das Fazit würdigt die kulturelle Bedeutung der Azteken und reflektiert über das verzerrte historische Bild durch die spanische Conquista.
Schlüsselwörter
Azteken, Tenochtitlán, Mesoamerika, Conquista, Hernán Cortés, Gesellschaftsstruktur, Adel, Händler, Religion, Menschenopfer, Götterwelt, Huitzilopochtli, Kalender, Dreibund, Tributsystem.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der Hochkultur der Azteken in Mexiko vom 14. bis zum 16. Jahrhundert, wobei insbesondere die sozialen, politischen und religiösen Aspekte sowie die Umstände ihres Untergangs untersucht werden.
Welche zentralen Themenfelder werden in dem Dokument behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Azteken, ihre komplexe Gesellschaftsgliederung, die wirtschaftliche Organisation, das Militärwesen, die Religion mit ihrem Kalendersystem sowie die Ereignisse der spanischen Conquista.
Was ist das primäre Ziel dieser Untersuchung?
Ziel ist es, der einseitigen und subjektiven Perspektive der spanischen Chronisten entgegenzuwirken und ein möglichst objektives und differenziertes Bild der Azteken als hoch entwickelte Zivilisation zu zeichnen.
Welche wissenschaftliche Methodik wird angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer kritischen Literaturrecherche und der Auswertung historischer Quellen, wobei die Subjektivität zeitgenössischer spanischer Berichte methodisch abstrahiert und reflektiert wird.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der politischen und gesellschaftlichen Struktur, die Erläuterung des Tribut- und Wirtschaftssystems, die Rolle der Kriegführung sowie eine tiefgehende Betrachtung der Religion und des Kalendersystems.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Mesoamerika, Tenochtitlán, gesellschaftliche Hierarchien (Adel vs. Nicht-Adel), Tributsystem, polytheistische Religion und die Transformation der Kultur durch die Ankunft der Spanier.
Wie war das politische System der Azteken organisiert?
Das Reich basierte auf einem losen „Dreibund“ aus stadtstaatähnlichen Gebilden, die innenpolitisch weitgehend unabhängig agierten, aber durch gemeinsame Bündnisse und Tributverpflichtungen verbunden waren.
Warum nahmen die Azteken an „Blumenkriegen“ teil?
Blumenkriege waren rituell geplante Auseinandersetzungen, die nicht der Gebietsunterwerfung dienten, sondern exklusiv dem Zweck, Gefangene für rituelle Menschenopfer zu gewinnen.
- Arbeit zitieren
- Daniel Scheibelhut (Autor:in), 2009, Die Azteken – Eine faszinierende Hochkultur, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/159814