Die, im Zuge der Globalisierung, zunehmende Liberalisierung der Finanzmärkte ermöglicht den Finanzmarktakteuren illegal erworbenes Vermögen durch verschiedene Kapitalmarktinstrumente einfacher als zuvor als legal erworbenes Vermögen auszuweisen. Dieser Vorgang wird als Geldwäsche bezeichnet.
Geldwäsche beschreibt einen Prozess, bei dem Gewinne aus kriminellen Aktivitäten in den Wirtschaftskreislauf eingeführt werden und diesen solange durchlaufen, bis der Eindruck entstanden ist, dass dieses Geld rechtmäßig erworben worden ist. Umso häufiger das unrechtmäßig erworbene Geld den regulären Wirtschaftskreislauf durchlaufen hat, umso schwieriger ist es für die zuständigen Behörden den Vermögenswert einer konkreten Straftat zuzuordnen. Gelingt es den Behörden nicht diesen Nachweis zu erbringen, so hat der Akteur seinen Vermögenswert geschützt und kann ihn entsprechend seiner Interessen einsetzen.
Kreditinstitute sind für Geldwäscher von besonderer Bedeutung, da sie als Intermediär zwischen den Geldwäschern und dem Kapitalmarkt bzw. dem Wirtschaftskreislauf agieren und somit die am häufigsten verwendeten Institutionen für Geldwäscher sind.
Geldwäscher versuchen die illegal erworbenen Gewinne über Bankkonten zu waschen, d.h. die anfangs beschriebene Rekonstruierbarkeit zu verringern. Aus dieser Tatsache leiten sich entsprechende Anforderungen an die Kreditinstitute bei der Bekämpfung von Geldwäsche ab.
Als Ziel dieser Arbeit sollen die Anforderungen an die Kreditinstitute zur Bekämpfung von Geldwäsche untersucht und entsprechend abgebildet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Gang der Untersuchung
2. Geldwäsche
2.1. Ziele der Geldwäsche
2.2. Akteure der Geldwäscherei
2.3. Handlungsmodelle der Geldwäsche
2.3.1. Phasenmodell nach Bernasconi
2.3.2. Zyklusmodell
2.3.2.1. Platzierung (Placement)
2.3.2.2. Verschleierung (Layering)
2.3.2.3. Integration
2.4. Volumen der Geldwäscherei
3. Rechtliche Grundlagen zur Bekämpfung von Geldwäscherei
3.1. Geldwäscherichtlinien
3.1.1. 1.EG-Geldwäscherichtlinie (1991)
3.1.2. 2.EG-Geldwäscherichtlinie (2001)
3.1.3. 3.EG-Geldwäscherichtlinie (2005)
3.2. Gesetz über das Aufspüren von Gewinnen aus schweren Straftaten (Geldwäschegesetz - GwG)
3.3. Gesetz zur Ergänzung der Bekämpfung der Geldwäsche und der Terrorismusfinanzierung (Geldwäschebekämpfungsergänzungsgesetz - GwBekErgG)
3.4. Geldwäsche im Gesetz über das Kreditwesen (Kreditwesengesetz - KWG)
4. Anti-Geldwäsche Organisation in Kreditinstituten
4.1. Risikoerfassung
4.1.1. Gefährdungsanalyse
4.1.2. Research & Monitoring
4.2. Geldwäschebeauftragter
4.3. Risikomanagement im Rahmen der Geldwäschereibekämpfung
4.3.1. „Know Your Customer“-Prinzip
4.3.2. Internes Kontrollsystem und Revision
4.4. Prüfung der Anti-Geldwäsche Organisation durch den Abschlussprüfer
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung und Abbildung der Anforderungen an Kreditinstitute bei der Bekämpfung von Geldwäsche. Dabei wird analysiert, wie Banken gesetzliche Rahmenbedingungen in interne Sicherheits- und Überwachungssysteme übersetzen, um kriminelle Finanzaktivitäten aufzudecken.
- Historische Entwicklung und Ziele der Geldwäschebekämpfung
- Analyse von Handlungsmodellen wie dem Phasen- und Zyklusmodell
- Darstellung der rechtlichen Grundlagen (EU-Richtlinien, GwG, KWG)
- Struktur der Anti-Geldwäsche-Organisation in Kreditinstituten
- Methodik des Risikomanagements, insbesondere "Know Your Customer"-Prinzip und EDV-gestütztes Monitoring
Auszug aus dem Buch
2.3. Handlungsmodelle der Geldwäsche
Die Methoden und Techniken der Geldwäscher sind unerschöpflich und laufen selten nach einem festen Schema ab, dies macht es erforderlich, dass auch die Anti-Geldwäsche Methoden regelmäßig weiterentwickelt und an die Erfordernisse angepasst werden. Um dennoch ein effektives Modell der Geldwäschebekämpfung aufzustellen ist zunächst eine Analyse der aufgedeckten Geldwäschevorgänge nötig. Trotz der vielfältigen Erscheinungsformen lassen sich bestimmte, immer wiederkehrende Aspekte feststellen, anhand dieser wiederkehrenden, signifikanten Handlungsabläufe lassen sich ein Großteil der Geldwäschemethoden auf Basiskonzepte reduzieren, diese wiederkehrenden Muster bieten Anlaufflächen um aktuelle Schwachstellen bei der Bekämpfung aufzudecken und mit entsprechenden Bekämpfungskonzepten darauf zu reagieren, zu den gängigen Modellen zählen unteranderem das Phasenmodell und Zyklusmodell.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert das Problem der Geldwäsche im Zuge der Globalisierung und skizziert das Ziel, die Anforderungen an Kreditinstitute bei der Bekämpfung zu untersuchen.
2. Geldwäsche: Erläutert die historischen Hintergründe, die beteiligten Akteure und die methodischen Phasenmodelle der Geldwäsche sowie die Problematik der Volumenschätzung.
3. Rechtliche Grundlagen zur Bekämpfung von Geldwäscherei: Analysiert die Entwicklung der EG-Richtlinien sowie die Umsetzung in deutsches Recht durch das GwG, das GwBekErgG und das Kreditwesengesetz.
4. Anti-Geldwäsche Organisation in Kreditinstituten: Beschreibt die konkreten internen Maßnahmen wie Gefährdungsanalyse, Research & Monitoring, die Funktion des Geldwäschebeauftragten und das Risikomanagement mittels KYC-Prinzip.
5. Fazit: Reflektiert die Notwendigkeit kontinuierlicher Anpassungen der Geldwäschebekämpfung angesichts sich wandelnder Finanzprodukte und betont die Kosten-Nutzen-Problematik für Kreditinstitute.
Schlüsselwörter
Geldwäsche, Geldwäschebekämpfung, Kreditinstitute, Know-Your-Customer, Gefährdungsanalyse, Risikomanagement, Geldwäschegesetz, GwG, Terrorismusfinanzierung, Monitoring, Geldwäschebeauftragter, Finanzmarkt, Compliance, Sorgfaltspflichten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der organisatorischen und rechtlichen Umsetzung der Geldwäschebekämpfung durch deutsche Kreditinstitute.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Modelle der Geldwäsche, die nationalen und europäischen gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie die praktischen Sicherungsmaßnahmen in Banken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Anforderungen an Kreditinstitute zur Bekämpfung von Geldwäsche zu analysieren und darzustellen, wie diese in der Praxis abgebildet werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der aktuelle Gesetze, Richtlinien und kriminologische Handlungsmodelle wissenschaftlich aufgearbeitet und auf die Bankenorganisation übertragen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Geldwäsche-Phasen, die Analyse der rechtlichen Grundlagen und die detaillierte Ausarbeitung der Anti-Geldwäsche-Organisation innerhalb von Instituten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Geldwäsche, Risikomanagement, Compliance, KYC-Prinzip und Geldwäschegesetz definieren.
Wie unterscheidet sich das Phasenmodell vom Zyklusmodell?
Das Zyklusmodell basiert auf dem Phasenmodell von Bernasconi, wurde jedoch durch den U.S. Customs Service um eine Phase erweitert, um den Prozess in Placement, Layering und Integration klarer zu strukturieren.
Welche Rolle spielt der Geldwäschebeauftragte?
Der Geldwäschebeauftragte ist ein unverzichtbares Element der internen Organisation, der für die Kommunikation mit Behörden zuständig ist, Weisungsrechte besitzt und die Research- sowie Monitoring-Systeme verantwortet.
Warum ist die Gefährdungsanalyse essenziell?
Sie bildet die Grundlage für alle weiteren Sicherheitsmaßnahmen, da sie das spezifische Risikoprofil des Instituts identifiziert und damit die Ausrichtung der EDV-Systeme und Überwachungsprozesse bestimmt.
- Arbeit zitieren
- Lars Poggensee (Autor:in), 2010, Anti-Geldwäsche Organisation in Kreditinstituten, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/159793