Nach der Bundestagswahl 2017 war klar: Die Freie Demokratische Partei (FDP) zieht nach dem verpassten Einzug 2013 wieder in den Bundestag ein. Die Freude in der Partei war groß, der Anteil an Zweitstimmen konnte mehr als verdoppelt werden. Im Wahlkampf stand rund um die FDP vor allem Christian Lindner im Mittelpunkt. Der Parteichef wirkte omnipräsent, sobald die Partei extern kommunizierte. Medial wurde dieser häufig als Retter inszeniert, es verfestigte sich die Meinung: „Das Projekt Wiederaufstieg der FDP hat diesem politischen Talent viel, wenn nicht sogar alles zu verdanken.“ (Caspari 2017) Die enorme Wichtigkeit einzelner Politiker*innen in Wahlkämpfen wird in der Literatur schon seit längerer Zeit diskutiert. Der Politikwissenschaftler Frank Brettschneider stellte 2002 fest, dass Bürger*innen bei der Wahlentscheidung immer häufiger Personen in den Vordergrund stellen, während Sachthemen in den Hintergrund rücken. Häufig wird dies mit der Schnelllebigkeit unserer Zeit begründet, da Personalisierung dafür sorgt, dass potentielle Wähler*innen Informationen schneller und einfacher verarbeiten können. So werden Wahlentscheidungen impulsiver getroffen, statt aufwendigem Informieren kann es Bürger*innen genügen, einzelne Personen zu beurteilen. Parteien und deren Spitzenpolitiker*innen wollen auf diese Entwicklung reagieren und fokussieren sich zunehmend auf die Darstellung der Spitzenkandidat*innen. Ob und wie ausgeprägt die FDP ihren Parteichef im Wahlkampf unter dem Aspekt der Personalisierung inszenierte, soll diese Arbeit klären. War der Wahlkampf der FDP zur Bundestagswahl im Jahr 2017 ein Personenwahlkampf rund um Christian Lindner?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Methodik
1.2 Forschungsstand
2. Wahlkampfstrategien und Wahlkampfkommunikation
2.1 Klassische Wahlkampfkommunikation
2.1.1 Wahlplakate
2.1.2 Wahlwerbespots
2.1.3 Talkshow-Auftritte
2.2 Medialer Online-Wahlkampf und Online-Kommunikation
2.3 Personalisierte Wahlkämpfe
2.4 Professionalisierte Wahlkämpfe
2.5 Indikatoren für einen Personenwahlkampf
3. Der Wahlkampf der FDP für die Bundestagswahl 2017
3.1 Parteistruktur
3.2 Bundestagswahlergebnisse 2017
3.3 Kampagnenorganisation
3.4 Inszenierung während der Wahlkampagne
3.4.1 Soziale Medien
3.4.2 Wahlplakate
3.4.3 Wahlwerbespots
3.4.4 Öffentliche Auftritte
4. Ergebnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die FDP im Bundestagswahlkampf 2017 einen personalisierten Wahlkampf um ihren Parteichef Christian Lindner führte. Dabei wird analysiert, wie durch verschiedene Kommunikationskanäle und eine spezifische Kampagnenstrategie eine Inszenierung des Spitzenkandidaten erfolgte, um Wählerstimmen zu gewinnen.
- Grundlagen der modernen Wahlkampfstrategie und Kommunikation
- Definition und Indikatoren eines personalisierten Wahlkampfes
- Analyse der Parteistruktur und Kampagnenorganisation der FDP
- Empirische Untersuchung der Inszenierung Lindners durch Medien, Plakate und Auftritte
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Soziale Medien
In den sozialen Medien war das Ziel der FDP hauptsächlich, Nahbarkeit zu suggerieren. Beispielsweise wurden hierzu viele Kommentare von Nutzer*innen vom Parteichef persönlich beantwortet (vgl. Freckmann 2018: 30). „So greifbar wie Lindner ist kein anderer deutscher Politiker in den sozialen Netzen.“ (Winterbauer 2017) Es sollte der Eindruck entstehen, Lindner sei nicht nur ein guter Politiker, sondern eben auch Bürger, welcher die gleichen Kommunikationskanäle nutzt wie potentielle Wähler*innen. Gerade im medialen Wahlkampf wurde deutlich, wie präsent Lindner im Vergleich zu seiner Partei im Wahlkampf war. Im Zeitraum vom 11. Juli 2017 bis 30. September 2017 wurde der Parteichef bei den Spitzenkandidat*innen nach Martin Schulz (SPD) am zweithäufigsten durch das Verwenden des @-Zeichens in einem Twitter-Beitrag erwähnt. Seine Partei hingegen belegte hier den vorletzten Platz (vgl. König/König 2018). Dieser Erfolg war kein zufälliger: Im Jahr der Bundestagswahl war Lindner hinsichtlich der Anzahl der geposteten Beiträge der aktivste Politiker (vgl. Haller 2019: 49). Im Vordergrund seiner veröffentlichten Beiträge auf Twitter und Facebook standen zur Zeit des Wahlkampfes nicht nur politische Inhalte, sondern auch private. Auffällig ist auch hier (siehe 3.4.2), dass Lindner stets ein breites Spektrum an Wähler*innen erreichen will. Der Parteichef war im Wahlkampf bemüht, nahbar und bürgerlich zu wirken, die Wähler*innen sollten sich mit ihm identifizieren können (vgl. Winterbauer 2017). Lindner gelang es, sein eigenes Image genau zu prägen, die Diskrepanz zwischen seinen Kanälen auf Sozialen Netzwerken und der Berichterstattung war im Vergleich zu anderen Kandidat*innen deutlich geringer (vgl. Degen 2019: 456). Immer wieder verwendete er Inhalte, die zunächst von der medialen Berichterstattung aufgegriffen wurden, für seine Präsentation im Netz. Als Beispiel kann hier ein populäres Video von Stern TV genannt werden, welches ihn als 18-jährigen Jungunternehmer zeigt. Statt die Aufmerksamkeit zurück zu inhaltlichen Themen zu lenken, nutzte Lindner die unverhoffte Popularität und zeigte sich bei anschließenden Online-Auftritten stets mit derselben Krawatte, welche er auch als 18-Jähriger in dem genannten Video trug (vgl. Holtz-Bacha 2019: 17).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Personalisierung in deutschen Wahlkämpfen ein und stellt die Forschungsfrage zur Inszenierung von Christian Lindner im Wahlkampf 2017.
2. Wahlkampfstrategien und Wahlkampfkommunikation: Das Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Wahlkampfkommunikation, Personalisierung sowie Professionalisierung und leitet daraus messbare Indikatoren für die spätere Analyse ab.
3. Der Wahlkampf der FDP für die Bundestagswahl 2017: Dieses Kapitel analysiert die parteiinterne Struktur, die Wahlergebnisse sowie die spezifische Inszenierung des Parteichefs durch digitale und klassische Kanäle während des Wahlkampfes.
4. Ergebnis: Das abschließende Kapitel fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen und bestätigt, dass der Wahlkampf 2017 trotz inhaltlicher Schwerpunkte maßgeblich als Personenwahlkampf um Christian Lindner geführt wurde.
Schlüsselwörter
FDP, Bundestagswahl 2017, Christian Lindner, Personalisierung, Wahlkampfstrategie, Wahlkampfkommunikation, Soziale Medien, Politische Inszenierung, Professionalisierung, Amerikanisierung, Wahlplakate, Wahlwerbespots, Parteistruktur, Politikvermittlung, Wählerverhalten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Strategie der FDP im Bundestagswahlkampf 2017 und untersucht, inwieweit der Wahlkampf auf die Person des Parteichefs Christian Lindner zugeschnitten war.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Wahlkampfstrategien, Personalisierung politischer Kampagnen, moderne Kommunikation über soziale Medien sowie die Rolle des Spitzenkandidaten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu klären, ob der FDP-Wahlkampf 2017 als "Personenwahlkampf" klassifiziert werden kann, basierend auf der Inszenierung Lindners.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse sowie eigene Interpretationsansätze, um den Wahlkampf anhand definierter Indikatoren einzuordnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Begriffe und Indikatoren) und eine praxisnahe Analyse der konkreten FDP-Kampagnenführung durch Social Media, Plakate und Auftritte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Personalisierung, Wahlkampfkommunikation, FDP, Christian Lindner und Inszenierung charakterisiert.
Warum spielte Christian Lindner eine so zentrale Rolle im Vergleich zu anderen Politikern der Partei?
Nach dem Nichteinzug in den Bundestag 2013 setzte die FDP auf eine grundlegende Umstrukturierung, in deren Zentrum Lindner als charismatisches Gesicht des Neuanfangs stand.
Welche Rolle spielten die sozialen Medien bei der Inszenierung?
Soziale Medien dienten vor allem der Generierung von Nahbarkeit; Lindner nutzte diese Kanäle zur direkten und ungefilterten Kommunikation mit den Wählern, um ein persönliches Image zu prägen.
Konnte trotz der Personalisierung auch inhaltliche Politik vermittelt werden?
Ja, laut der Analyse äußerte sich Lindner häufig zu Sachthemen, verknüpfte diese jedoch stets mit der persönlichen Einbindung seiner Person, um die Aufmerksamkeit zu steuern.
- Quote paper
- Rik Manz (Author), 2020, Personalisierter Wahlkampf. War der Wahlkampf der FDP zur Bundestagswahl 2017 ein Personenwahlkampf rund um den Parteichef Christian Lindner?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1597634