„Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“
General Carl von Clausewitz
Dieser bereits vor 200 Jahren niedergeschriebene Satz soll zum Ausdruck bringen, was Krieg für Clausewitz bedeutet. Ziel dieser Arbeit soll es sein, aufzuzeigen, dass der Krieg ein eigenes System ist, welches mit dem System der Politik wenig gemein hat. Diese Einteilung in Systeme beruht auf Niklas Luhmann, der in seiner Systemtheorie von eben solchen Systemen ausgeht. Systeme können sich gegenseitig beeinflussen, auslöschen, miteinander kommunizieren aber sie können sich auch selbst erschaffen. Diese entscheidenden Punkte sollen in dieser Arbeit an einem Beispielkonflikt betrachtet werden.
Nach einer kurzen Einführung in die Thematik erfolgt hierzu eine Auseinandersetzung mit der Geschichte Afghanistans, die dazu dient ein grundlegendes Verständnis des Konfliktes wiederzugeben.
Da die Ereignisse vom 11.September 2001 ein besonderes Datum für Afghanistan darstellen, wird die Zeit nach diesen Ereignissen zusätzlich betrachtet und gibt weitere Aufschlüsse über den immer noch präsenten Konflikt. Das deutsche Engagement wird der Vollständigkeit halber aufgeführt.
Im folgenden Kapitel ist die Frage nach der Einordnung des Konfliktes in Afghanistan Hauptbestandteil. In aktuellen Medienberichten ist immer wieder die Rede von Krieg in Afghanistan, jedoch sagen andere Stimmen, dass es sich nicht um einen Krieg, geschweige denn um einen Kampfeinsatz handelt.
Anschließend wird auf die systemischen Aspekte des Krieges im Allgemeinen eingegangen, um dann mit dem Konflikt verglichen werden zu können und aufzeigen, um welche Form von Konflikt es sich in Afghanistan handelt. Abschließend erfolgt eine kurze und kritische Betrachtung bereits bestehender Exit-Strategien, beziehungsweise Lösungsmöglichkeiten des Konfliktes, sowie persönliche Überlegungen zur Thematik.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Afghanistan vor den Anschlägen vom 11.September 2001
3. Afghanistan nach den Anschlägen vom 11.September 2001
4. Das deutsche Engagement
5. Afghanistaneinsatz – Krieg oder nicht?
6. Systemische Aspekte des Krieges
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Afghanistankonflikt unter Anwendung der Systemtheorie nach Niklas Luhmann, um aufzuzeigen, dass der Krieg als ein eigenes, autopoietisches System zu verstehen ist, das sich durch eigene Mechanismen erhält und reproduziert.
- Historische Entwicklung Afghanistans als Grenzregion und Konfliktherd
- Einfluss der Ereignisse vom 11. September 2001 auf die Dynamik des Konflikts
- Einordnung des Afghanistaneinsatzes im Kontext der Definition von Krieg
- Analyse der systemischen Aspekte wie Kommunikation und Freund-Feind-Codierung
- Kritische Betrachtung von Lösungsansätzen und Exit-Strategien
Auszug aus dem Buch
6. Systemische Aspekte des Krieges
Der in dieser Arbeit betrachtete Krieg weicht von bisherigen Kriegen ab, wie es immer mehr Konflikte in den letzten Jahrzehnten getan haben. Gab es zu früherer Zeit Konflikte zwischen Staaten, welche sich auch als diese anerkannten, so tritt diese Form immer seltener auf. Im hier betrachteten Krieg operiert ein Staat bzw. eine Staatengemeinschaft gegen irreguläre Kräfte, die zwar in einem Staat agieren, jedoch nicht die legitime Staatsmacht repräsentieren. Es handelt sich systemisch gesehen um einen ausdifferenzierten Krieg. Diese Kriege werden von Milizen, Anhängern von Warlords, „Gotteskriegern“ oder anderen Kräften ausgetragen, nicht jedoch von regulären Streitkräften.
Ein weiteres Merkmal dieser Konflikte ist die Verrohung bezüglich ethischer, moralischer oder rechtlicher Beschränkungen, sowie Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht. Beispielhaft dafür sind Anschläge der Taliban, die mittels Sprengfallen, Selbstmordattentaten und Anschlägen gegen die Zivilbevölkerung im eigenen Staat, als auch über die Staatsgrenzen hinaus durchgeführt werden. Somit bedeutet Ausdifferenzierung, dass sich Kriege den gemeinschaftlichen Regeln zur Austragung von Konflikten, wie sie seit Jahrhunderten bestehen, entziehen.
Die Kommunikation ist in Kriegen von großer Bedeutung und ist ebenfalls systemischen Aspekten unterworfen. Durch sie begründen sich Kriege selbst. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Unterscheidung zwischen Freund und Feind. Diese einfache Einteilung bestimmt wer in die eigenen Reihen gehört und wer nicht. Es wir danach abgewogen was der eigenen Seite nutzt und der anderen Seite schadet. Dies wiederum hält den Konflikt am Laufen. Je intensiver ein Konflikt wird, umso geringer wird das Ausmaß der Kommunikation. Es kommt jedoch nicht zu einem völligen Erliegen der Kommunikation, vielmehr wird diese auf ein anderes Niveau gehoben. Grundlage für die dann stattfindende Kommunikation sind nach wie vor die Codes, welche gedeutet werden. So werden Aktionen wie Angriffe gedeutet und mit einer entsprechenden Gegenreaktion und den jeweiligen Mitteln beantwortet, folglich wissen beide Seiten worum es geht. Es handelt sich um eine gegeneinander gerichtete Kommunikation.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die systemtheoretische Perspektive nach Niklas Luhmann vor, um den Afghanistankonflikt als autopoietisches System zu untersuchen und den Aufbau der Arbeit zu erläutern.
2. Afghanistan vor den Anschlägen vom 11.September 2001: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung Afghanistans als Spielball ausländischer Mächte nach und beleuchtet die Entstehung des Landes als Grenzgebiet der Imperien.
3. Afghanistan nach den Anschlägen vom 11.September 2001: Der Abschnitt thematisiert die radikale Veränderung der geopolitischen Lage durch die Terroranschläge und den Beginn der internationalen Intervention unter Führung der USA.
4. Das deutsche Engagement: Hier wird der Beitrag der Bundesregierung und der Bundeswehr zur Stabilisierung Afghanistans im Rahmen der ISAF-Mission sowie der diplomatische Kontext der Afghanistan-Konferenzen beschrieben.
5. Afghanistaneinsatz – Krieg oder nicht?: Das Kapitel diskutiert die begriffliche Einordnung des Einsatzes in Afghanistan im Vergleich zu klassischen Definitionen von Krieg und moderner asymmetrischer Konfliktführung.
6. Systemische Aspekte des Krieges: Diese Analyse wendet die Systemtheorie auf den Krieg an und beschreibt, wie durch Kommunikation und spezifische Codes ein selbsterhaltender Mechanismus (Autopoiesis) entsteht.
7. Fazit: Das Fazit bewertet die bisherigen Strategien zur Befriedung Afghanistans kritisch und fordert eine inklusivere politische Beteiligung aller relevanten Kräfte zur langfristigen Stabilisierung.
Schlüsselwörter
Afghanistan, Systemtheorie, Niklas Luhmann, Autopoiesis, Krieg, Konfliktanalyse, Taliban, Internationale Beziehungen, ISAF, Bundeswehr, Terrorismusbekämpfung, Demokratisierung, Nationbuilding, Systemischer Wandel, Machtverhältnisse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Afghanistankonflikt unter der spezifischen Fragestellung, ob und inwiefern der Krieg als ein eigenständiges, autopoietisches System im Sinne der Systemtheorie von Niklas Luhmann betrachtet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Genese Afghanistans, der Veränderung der Sicherheitslage durch die Anschläge vom 11. September 2001, der Rolle der internationalen Gemeinschaft (insbesondere des deutschen Engagements) sowie der systemtheoretischen Dekonstruktion von Kriegsmechanismen.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass der Krieg in Afghanistan eine Eigendynamik entwickelt hat, die sich den klassischen politischen Steuerungsversuchen entzieht und sich durch interne Kommunikationsprozesse ständig reproduziert.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt die systemtheoretische Methode, um soziale Phänomene als in sich geschlossene, operativ geschlossene Systeme zu analysieren, deren Erhalt durch spezifische Codes – wie etwa die Unterscheidung von Freund und Feind – gesichert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung, eine Darstellung des deutschen Engagements, eine Diskussion über die Definition des Afghanistaneinsatzes als Krieg sowie eine tiefgehende systemtheoretische Analyse der Kriegsmechanismen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Zentrale Begriffe sind Systemtheorie, Autopoiesis, Afghanistankonflikt, asymmetrische Kriegführung, internationale Intervention, Nationbuilding und die Unterscheidung von Freund und Feind.
Warum lehnt der Autor einen einfachen Rückzug aus Afghanistan im Fazit ab?
Der Autor argumentiert, dass ein Rückzug das Land in seine alten Strukturen zurückfallen lassen würde, wodurch die Taliban ihre Gewaltherrschaft reaktivieren könnten und die bisherigen Aufwendungen für den Wiederaufbau und die Stabilisierung umsonst wären.
Welche Rolle spielt die „Freund-Feind-Codierung“ bei der Fortsetzung des Krieges?
Die Codierung in Freund und Feind schafft die Grundlage für die Kommunikation innerhalb des Kriegssystems. Da die Akteure durch diese Unterscheidung ihre Aktionen rechtfertigen und reproduzieren, verhindert sie ein Ende der Konfliktdynamik.
- Quote paper
- Jens Göritz (Author), 2009, Der Afghanistankonflikt und dessen systemischer Charakter, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/159721